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Die neue Welt · 1935-06-13 · Heft 471 (13.6.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 471 (13.6.1935)
Date
1935-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 471 DIE NEUE WELT 15 Jahre Herrschaft der „Allgemeinen" und „Linken" Zionisten. Resultat: Zertrümmerung der Organisation — Gefahr eines jüdischen Ghettos in Asien Wer für Wiederaufrichtung der Herz I sehen Einheitsorganisation und den Judenstaat ist, steht zur Judenstaatspartei! Wa§ i'sS //Allgemeiner Zionismus"? Vorerst ein Urteil der „Aligemeinen zionisten" über sich selbst. Im Leitartikel der Nummer vom 7. Juni 1935 säu-elbt die Prager „S e 1 b s t w e h r", das führende Organ der „Allgemeinen Zionisten", über das Wesen des Allgemeinen Zionismus, wie folgt: „Was ist allgemeiner Zionismus, was bekennen Wir als allgemeinen Zionismus? Wir haben mit der Schwierigkeit dieser Entscheidung seit Jahren gekämpft. Dio viele Jahre andauernde, zuerst sehleichende und dann immer offenere Krise des allgemeinen Zionismus mag manche äußere Ursachen gehabt haben: ihr wesentlichster Grund lag in der Schwierigkeit dieser Entscheidung. Seit vielen Jahren ist es nicht möglich, ein Programm, einen Inhalt des allgemeinen Zionismus festzulegen, welches Wesentliches besagt, in klaren Worten seine Stellung bezieht und zu dem sich vorbehaltlos alle bekennen würden, die sich beute allgemeine Zionisten nennen." „Es ist aber unmöglich, eine Idee in Wirklichkeit umzusetzen, wenn ihr Inhalt nicht klargestellt ist, wenn selbst ihre Vertreter sich über diesen Inhalt nicht einig sind. Es ist unmöglich, allgemeinen Zionismus in die Massen zu tragen, solange Angst vor Konflikten im eigenen Lager nur zu vagen Definitionen gelangen läßt und solange der allgemeine Zionist hier etwas anderes unter allgemeinem Zionismus verstehen kann, als sein Gesinnungsgenosse in seinem Nachbarland, in seiner Nachbarstadt, in seinem Natvh bar haus. Es wird keinen aktiven allgemeinen Zionisicius geben, solange es keinen einheitlichen allgemeinen Zionismus gibt, der zu sagen wagt, was er will und was er nicht will. . . ." „Jahrelang versuchte man die Krise des allgemeinen Zionismus mit seinem besonderen Charakter zu begründen und verständlich zu machen. Als Zusammenfassung der Mitte müsse er alle Spannungen miterleben und seine schöpferische Kraft müsse er gerade aus der Synthese dieser Spannungen gewinnen. Die Entwicklung ging weiter und wir haben gesehen, wohin sie geführt hat. . . . Die Spannungen blieben, sie verschärften sich bis zur Spaltung, die sich nur mühsam, von Fall zu Fall zusammenklittern läßt. Und die schöpferischen Kräfte, die man aus diesen Spannungen gewann, dienten nur zu einem kleinen Teil der schöpferischen Arbeit im Zionismus (und dann war es Wille und Leistung von einzelnen und nicht der organisierten, einmütigen Gemeinschaft), sonst aber erschöpften sie sich in Kämpfen, Auseinandersetzungen und Intrigen, die nicht einmal mehr innerzionistischer, sondern nur noch inner-allgemein-zionistischer Natur waren." Und wurden Klagen laut über den Zustand des allgemeinen Zionismus, so hieß es entweder: die Zeit ist daran schuld, oder es hieß: der andere ist daran schuld. Diese Entwicklung dauert schon lange an." Dieses harte Urteil der „Allgemeinen" über sich selbst trifft die Sache im Kern. Theodor Herzl ist gelungen, was keinem vor ihm gelang. Er hat Juden verschiedenster Herkunft und Weltanschauung — Orthodoxe und Freidenker, Konservative, Liberale und Sozialisten, Oestier und Westler — in einer Organisa tion vereinigt. Weil er diese Organisation zur Trägerin einer Idee machte, welche durch Einfachheit und Größe so zwingend wirkte, daß alle willig ihre Anschauungen dieser Idee unterordneten: Dem jüdischen Volke den jüdischen Staat! Das war die einzig mögliche Voraussetzung für die Einheitlichkeit. Nach dem Tode Herzls, und besonders in der langen Periode der Führung durch Weizmann, erfolgte die Verdunklung und schließlich die Verleugnung der Judenstaatside c. Mit dem Verzicht auf den Judenstaat als Ziel, von Weizmann ausgesprochen und von einer großen Majorität angenommen, war die Einheitlichkeit der Organisation zerstört und die ideelle und organisatorische Differenzierung setzte ein. Links und rechts entstanden Gruppen, welche ihre Sonderanschauungen vor den Zionismus setzten und sich um dieser Anschauungen willen voneinander loslösten und Gegenfronten bildeten. Also: Zersetzung. In der Mitte der aus den Fugen geratenen Organisation verblieb ein Rest, welcher von der Bildung einer Sondergruppe absah und sich Gruppe der „Allgemeinen Zionisten" nannte. Es sah so aus, als wäre hier ein Stock der alten einheitlichen Organisation verblieben, und die „Allgemeinen" bemühten sich auch und bemühen sich noch, den Anschein zu erhalten, als wären s i e ideelle Erben der Herzl- Organisation. Das ist Täuschung. Das Gebilde, welches jetzt den Namen „Allgemein-Zionistischer iWeltverfoand" führt, ist weder Träger der Herzischen fedeet yom Judenstaate, noch, einheitlich Im Verbände der „Allgemeinen" fehlt die Herzische Einheitsidee, genau wie in der, wegen dieses Mangels zerrütteten. Weltorganisation. Er bietet daher das gleiche ßild der Zerfahrenheit, nur in engerem Rahmen. Es gibt bis zu diesem Zeitpunkte vier Abarten „Allgemeiner": A,-Zionisten, B-Zionisten, die „Kidmah" und „Progressive". Im Verzicht auf den Judenstaat sind sie einig, nur die F o r m des Verzichtes ist verschieden. Die „Kidmah", A- Zionisten und „Progressiven" sind offen und grundsätzlich gegen den Judenstaat. Die B-Zionisten lehnen mit Hinweis auf Gründe der „Nützlichkeit" ein Bekenntnis zum Judenstaat ab. A-Zionisten, „Kidmah" und Progressive erziehen ihre Menschen gegen den Judenstaat, B-Zionisten ohne den Judenstaat. Allen Gruppen der „Allgemeinen" gemeinsam ist der Mangel eines sozialen und wirtschaftlichen Programms für den Aufbau des jüdischen Palästina. Ihre Tätigkeit erschöpft sich im wesentlichen in der Sammelarbeit für den Fonds. Ihrer totalen Passivität in sozialen und wirtschaftlichen Fragen verdankt die heute die Weltorganisation beherrschende linke Klassenkampfpartei ihren Aufschwung. In Ermanglung eines eigenen Programmes haben die „Allgemeinen", solange sie noch die Majorität bildeten, der Poale Zion alle Positionen in der Organisation und vornehmlich in Palästina ausgeliefert und liegen jetzt, als Minorität, im Schlepptau dieser Partei. Die schwerste Sünde haben aber die. „Allgemeinen" an der Jugend begangen, welche sie der Klassenkampfpartei zugeführt haben. Was die „Allgemeinen" an jungen Menschen gehabt haben, ist sowohl in der Galuth als auch in Palästina dem nationalen Zionismus untreu geworden, zum Teile ins linke Lager abgeschwenkt, zum Teil der zionistischen Sache ganz verlorengegangen. Ferienfahrt der Czernowitzer Allgemeinen Zeltung mit Sammelpaß nach am 7. und 28. Juli für 4 und 8 Wochen Technische Durchführung, Anmeldung und Auskunft: „Oesterr. Verkehrsbilro", Wien I, Friedrichstr. 7, Tel. B-27-500, „Oesterr. Verkehrsbilro", Wien I, Graben 20, Tel. U-29-0-35, Polnisches Reisebüro „ORBIS", Wien I, Karntnerstr. 41, Tel. R-21-5-78, ReisebUro „MarienbrUcke", Wien I, Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-S6, R-24-2-87 Aus diesem Verhältnis zur Klassenkampfpartei hat sich wohl in letzter Zeit eine Differenzierung unter den „Allgemeinen" ergeben. Die B-Zionisten versuchen sich jetzt durch Bildung eigener Jugendorganisationen und einer eigenen Arbeitergewerkschaft in Palästina der absoluten Herrschaft der Linken zu entziehen. Aber ihr Bemühen, diese Tendenz in ihrem Weltverbande durchzusetzen, ist zum Scheitern verurteilt. Die A-Zionisten, und gar die „Progressiven" stehen gefügiger als je hinter den Linken. Sie wollen von eigenen nationalen Jugendverbänden nichts wissen und lehnen die Bildung einer „allgemeinen" Arbeitergewerkschaft als Bruch der palästinensischen „Arbeitsfront" entschieden ab. Es ist ausgeschlossen, daß die B-Zionisten hier durchdringen. Sie werden wahrscheinlich ihre Selbständigkeitsgelüste gegenüber den Linken preisgeben, um den Frieden im schwachgefügten Weltverbande zu erhalten, oder der Verband wird in die Brüche gehen. Der Weltverband der „Allgemeinen" verdankt seine Existenz nicht einer gemeinsamen Idee, sondern nur dem Umstände, daß seine Führer und Gruppen zu uninteressiert, zu unentschlossen und zu träge sind, Sondergruppen zu bilden oder sich Sondergruppen anzuschließen. Trägheit ist aber kein Mittel, das wirklich und auf die Dauer bindet. Aus allen Schriften und Reden Theodor Herzls spricht der heiße Wunsch, den Juden die Kraft zum Entschlüsse, zur Entscheidung wiederzugeben. Die Zeit der Emanzipation und Assimilation hat die Juden dahin gebracht, in der Anpassung an gegebene Verhältnisse das einzige Heil zu erblicken, im Ausweichen die Rettung und in der Entscheidung die Gefahr zu sehen. Immer und immer wieder, vor allem in den „Tagebüchern", schildert Herzl mit wilder Ironie und schmerzerfüllter Bitterkeit die bis zur Felonie reichende Feigheit und Wankelmütigkeit seiner jüdifston Seitienossen, £fc zeigt« wie. Msoactaa *ft ihm kamen, sich überzeugen ließen, ihm Gefolgschaft schwuren, um am nächsten Tage wegzulaufen. Weil ihnen irgend jemand ins Ohr gezischt hatte, die Sache Herzls sei gefährlich, oder man sehe sie „oben" nicht gerne. Keine Treue zu irgendeiner Sache, kein Festhalten an einer Ueberzeugung, kein Mut zu einem Entschlüsse. Bis Herzl in heiligem Zorn das Bild des Juden hinwirft, der den geraden Weg nicht gehen kann und und nicht gehen will, der immer dem stärkeren nachläuft, der den Kämpfenden begeifert und dem Sieger die Stiefel leckt. Dieser Jude muß ausgetilgt werden, damit das Volk ins Freie kann. Herzl fordert vom Zionismus, daß er den jüdischen Menschen dazu bringe, einen Entschluß fassen und an dem Entschlüsse festhalten zu können. Herzl kommt zur Erkenntnis, daß diese Erziehung unerläßliche Vorbedingung für die Befreiung des jüdischen Volkes ist. Es ist ein wesentliches Merkmal des „Allgemeinen Zionismus", daß die von ihm gezüchtete Denkart den Gegensatz zur Herzl-Forderung nach Entscheidung bildet. Der „Allgemeine Zionismus" steht in seiner Furcht vor dem Entschlüsse dort, wo die assimilierte Generation um Herzl gestanden hat. Er entscheidet nie, er weicht immer aus. „A11 g emeiner Zionismus" ist ein ständiges Kompromiß um jeden Preis. Er spricht so und stimmt anders. Er ist bei keiner Sache zu halten. Sag' das Wort „Es könnte gefährlich sein", und er läßt die beste Sache im Stich. Er glaubt durch Ausweichen dem Zionismus zu dienen und schadet ihm schwer, weil er jede gesunde Entscheidung verhindert. Er greift in keinen Kampf entscheidend ein, sondern hängt sich bleiern dem Kämpfenden an Hand und Fuß. Er wirkt erstickend auf die Jugen d. Die Jugend braucht ein „Ja" und „Nein". Der „Allgemeine Zionismus" kennt kein „Ja" und kennt kein „Nein", er kennt nur ein „Vielleicht" und ein „Wenn es nicht, gefährlich ist". Wehe der Jugend, welche in seinen Bannkreis gerät. Ihr besserer Teil flüchtet, ins Extreme nach links oder rechts, ihr schwächerer Teil läuft vom Zionismus ganz weg. Der „Allgemeine Zionismus" ist nicht der Erbe von Herzls Geist. Er ist weiter von ihm weg als andere. Er ist die Antithese dieses Geistes — weil ihm die Kraft zur Entscheidung fehlt. An alle Mitglieder und Freunde! Montag, den 17. Juni, geht die Schekelkampagne unwiderruflich zu Ende. Wir fordern daher nochmals alle Judenstaatler auf, sich mit Schekalim zu versorgen und in den letzten Tagen den Schekelverkauf zu intensivieren. Ebenso werden alle Inhaber von ö c h c k e 1heften aufgefordert, die Schekelhefte unbedingt im Sekretariat, I.. Werdertorgasse 14, zu verrechnen, u. zw. Samstag, den 15. Juni, von y«9 bis 10 Uhr abends, sowie Sonntag, den 16. Juni, von 3 bis 7 Uhr nachmittags. * {HleirzliffGrcibgaiig Sonntag, den 16. Juni, findet der diesjährige Herzl- Grabgang statt. Treffpunkt 10 Uhr vormittags, XIX., Hartjickerstraße (Ecke Blaasgassc). Alle Mitglieder und Freunde werden ersucht, die Zeit genau einzuhalten und sich durch die Cottagegasse, und Blaasgasse in dio Hartäckerstraße zu begeben. Ordner der Judenstaatsjugend werden den weiteren Weg weisen. Montag, den 17. d., entfallen wegen S c h c k c 1abrechnung alle Veranstaltungen. Dienstag, den 18. d., hndet im Zentralheim, Wien, I., Werdertorgasse, eine Mitgliederversammlung statt. Erscheinen aller Mitglieder der Partei, sowie der Jugendgruppe Pflicht. Es sprechen: Oberbaurat Ing. Stricker, Dr. S. W o 1 f, Fritz Richter. Facharzt Dr. Georg Kimel ordiniert ab 18. Juni Wien, II., Taborstraße 24 a, 1. Stiege, Mezzanin. Telephon R.47-3-26* & :

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