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Die neue Welt · 1935-06-13 · Heft 471 (13.6.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 471 (13.6.1935)
Date
1935-06-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Kr. m Vorverlegung des XIX« ZfoimtentKongresses Aus London: Das Zionistische ZentralbUro teilt mit: Auf dringendes Ersuchen überseeischer zionistischer Verbände hat sich die Exekutive veranlaßt gesehen, im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktionskomitees den Termin des Kongresses u na eine Woche vorzuverlegen. Der 19. Kongreß wird somit in Luzern in der Zeit vom 20. bis SO. August stattfinden. An den Kongrea wird sich eine Sitzung des «eugewählten Aktionskomitees anschließen, die vom 1. bis 3. September dauern wird. ZioitisfenkongreR - jedes 4« Jahr Aus £Vru;>airiii meldet die J. T. A.: Xacls einer Mitteilung des „Haarez" beabsichtigt die zionistische Exekutive auf dem 19. Zionistenkongreß in JUizcrn den Vorschlag zu unterbreiten, daß die kommenden Zionistenkongrqssc nicht wie bisher jedes zweite Jahr, sondern jedes vierte Jahr einberufen werden. Die Exekutive rechnet damit, für diesen Vorschlag auf dem Kognreß Stimmenmehrheit 7.u bekommen. ■BHHBI r*i Sdiemarjahu Levin gestorben 3 Am Sonntag, den 9. Juni. R Uhr abends, ist Schemarjahu Levin in einer Sanatorium in Haifa an Herzschlag plötzlich gestorben. Wenn auch dem engeren Freundeskreis des Verstorbenen bekannt war, daß Schemarjahu Lcvin seit längerer Zeit ein schweres Gallenlciden hatte, so kam der Tod für alle doch ganz unerwartet. Schemarjahu Levin hatte sich noch den ganzen Tag des 9. Juni gesundheitlich ausgezeichnet gefühlt, bis ihn abends 8 Uhr 15 Min. der Tod ereilte. Die Nachricht vom Tode Schemarjahu Levins, die sich schnell verbreitete, wurde vom ganzen Jischuw mit großer Trauer aufgenommen. Am Montag um 9 Uhr morgens wurde die Leiche nach Tel-Aviv überführt, wo sie neben Achad-Haam und B i a 1 i k bestattet wurde. Während der Ueberführung zum Haifaer Bahnhof waren alle jüdischen Geschäfte geschlossen und alle Arbeit ruhte. Ein Extrazug, der um 11 Uhr vormittags von Haifa abging, brachte den Leichnam um 2 Uhr nachmittags nach Tel-Aviv, wo er im Ohel Schern aufgebahrt wurde. Um 5 Uhr nachmittags erfolgte die Beisetzung. Ein unübersehbarer Trauerzug gab Schemarjahu Levin das letzte Geleite. * Schemarjahu Levin, der als Politiker und Propagandist eine hervorragende Rolle in der zionistischen Führung Palästinas spielte, wurde im Jahre 1867 in Swislotsch (Rußland) geboren, studierte in Berlin und Königsberg. Später wurde er zum Kronrabbiner in Grodno und Jekaterinoslaw ernannt. 1905 übernahm er die Stelle eines Predigers in Wilna. Als Kronrabbiner bemühte er sich besonders um die Entwicklung des jüdischen Schulwesens und erwirkte eine Erweiterung des hebräischen Lehrplanes. 1904 bis 1906 leitete er in Wilna ein russisch-jüdisches Tageblatt ,,N owaja Sarj a". 1906 wurde er zum Abgeordneten der ersten Reichsduma gewählt, in der er in markanten Reden die J u d e nfrage schilderte. Infolge Unterzeichnung des Wiborger Manifests mußte er Rußland verlassen. Für die zionistische Bewegung wirkte Levin schon als Student im Verein der russisch-jüdischen Studenten in Berlin. In der Zionistischen Organisation gehörte er dem Aktionskomitee an, von 1911 bis 1918 war er Mitglied des Engeren Aktionskomitees. Während des Krieges entfaltete. er in Amerika eine großzügige Propaganda für den Zionismus, seit 1920 stand er im Dienste des Kercn Hajessod. 1924 übersiedelte er nach Palästina, wo er mit Bialik den hebräischen Verlag „D w i r" leitete. Schemarjahu Levin ist auch in der nichtjüdischen Oeffentlichkeit durch seine publizistische Tätigkeit bekannt. Die Geschichte seines Lebens hat er in seinem Buch „Mein Leben", das kürzlich erschien, gezeichnet. Ausbürgerung Nah um Goldmanns Wie wir erfahren, hat die deutsche Reichsregierung ^i. Nahum Goldmann das Bürgerrecht entzogen. Diese Ausbürgerung hängt zweifellos mit der Tätigkeit Goldmanns für die Minderheitsrechte im Rahmen des Comite des D616gations Juives zusammen. Zum Silbcrputznn kaufen Hiß die feinste Put/.pasta. Mit Recht wühlen Sie das feinste und beato Putzmittel, damit das Silber blank und glänzend wird und trotzdem nicht den leisesten Kratzer davonträgt. Silber ist kostbar, aber noch kostbarer sind Ihre Zahne. Auch diese sollen glänzen in Ihrem schönsten Elfe.iiheiiiHchmuck, mit ihrem wunderbaren Schmelz. Wählen Sie auch für Ihre Zähne die richtige Pasta, die gründlich reinigt, ohne den Schmelz der Zähne zu beschädigen. Odol-Zahnpasta ist das feinste Pulverin Pastaform. Nur eine solche Pasta erfüllt die Anforderungen, die Sie an ein ideales Zahnreinigung.srnittel stellen können. Odol-Zahnpasta wirkt außerdem erfrischend und belebend. 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Im Tod sind alle gleich, zumal im Heldentod — das ist zum natürlichsten aller Gefühle geworden und man kann oft genug losen, daß Frontkämpfer ihren gefallenen Kollegen alle Ehren haben zuteil werden lassen. So liest man z. B., daß die französische Frontkämpfervereinigung „Croix de feu" die jüdischen Gefallenen Frankreichs im Weltkrieg soeben in Form eines Gedenkgottesdienstes geehrt hat. Diese Organisation, die als antisemitisch gilt, hat in der Pariser Großen Synagoge das Andenken an die jüdischen Frontgefallenen gefeiert, ein Rabbiner hat gesprochen, die jüdischen Toten sind geehrt worden . . . Zweifellos ein schöner Akt, wert, fest gehalten zu werden. Die lebenden Juden werden — auch in Frankreich — nicht so nobel behandelt. Die ausgeteilte Ehre galt den toten, den gefallenen. Von diesem Rechtstitel her müssen wir nicht optimistisch sein. Leider . . . FERIEN - SONDERREISEN NACH Polen und Czernowitz <m mit Sammelpaß u. bequemer Platzreservierun Abfahrt; 7. Juli, 21. Juli, 11. August, 25.Augus Rückfahrt: 4. August und 15. September Aufenthaltsdauer ganz ihrem Urlaub angepaßt. Auskünfte und Prospekte: Reisebüro „IRUT", Wien I, Karlsplatz 1 — Telephon U-44-5-79 Schweiz gegen Berliner Olympiade Die Sport-Olympiade, die im Frühjahr 1936 in Berlin stattfindet, wird zweifellos zu einer großen Demonstration für Hitler-Deutschland gestaltet werden. Nicht ohne Grund wirbt das reichsdeutsche Sportamt in allen Ländern um Teilnahme, nicht ohne Grund versucht es, auch die Widerspenstigen zu gewinnen. Die Nachrichten aus einzelnen Ländern bezüglich der Teilnahme lauten widersprechend. So soll z. B. Amerika sein Erscheinen in Berlin von der Zusage, daß Deutschland auf sportlichem Gebiet (allerdings nur für die Dauer des Sportfestes) seine rassischen Sonderbestimmungen fallen lasse, abhängig gemacht haben, während gleichzeitig gewisse amerikanische Organe betonen, U. S. A. werde sich auf jeden Fall beteiligen. Nur aus der Schweiz liegt eine klare Entscheidung vor. Wie die J. T. A. vom 11. Juni aus Genf meldet, hat das Schweizer Parlament mit 82 gegen 57 Stimmen beschlossen, daß die Schweiz kein Team zur Berliner Olympiade entsenden werde, da ihr eine Teilnahme an den Spielen im Hinblick auf den in Hitler- Deutschland herrschenden Geist unmöglich sei. Das ist ein klarer Beschluß. Er könnte als gutes Beispiel für diejenigen dienen, denen eine Teilnahme „unter gewissen Bedingungen" möglich erscheint. UeitsioH itksleit* - $m*mm$ Schluß mit der //Spanfedien" Illusion Spanien will keine Juden Schon seit einigen Jahren wird viel darüber geschrieben, daß Spanien sich mit den Juden versöhnen und sie nach mehr als vierhundert Jahren zurückrufen will. Anläßlich der 800-Jahr-Feier für M a i m o n i d e s in Cordoba erreichte das Gerücht vom jetzt judenfreundlichen Spanien den Höhepunkt. Ein Bericht aus Spanien von J. de Rivera in der „Jüdischen Rundschau" ist geeignet, dem spanisch-jüdischen V e r b r ü d crungstaumel ein Ende zu machen. Er bestätigt die in der „Neuen Welt" wiederholt vorgebrachten Bedenken. De Rivera schreibt u. a.: Herr de Cardogni, Zivilgouverneur von Cordoba, hat zum Abschluß der Maimonides-Woche in Cordoba eine Rede gehalten. „Kommen Sie zurück nach Spanien, meine lieben Brüder, erzählen Sie von unserem neuen Spanien, von unseren Zielen, unseren Absichten . .. und sagen Sie allen, daß Spanien seinen jüdischen Brüdern die Arme geöffnet und ihnen den Friedenskuß auf die Stirn gedrückt hat." Seien wir uns klar darüber: Der SUdländler Garc dogni liebt das Wort. Als Cr. jene Rede hielt, berauschte J es ihn. Und um des Wortes willen sagte er Dinge, die kaum jemals in die Tat umgesetzt werden dürften. Bis zum 14. April 1931, dem Tag, an dem die spanische Republik ausgerufen wurde, übte der traditionsgemäß antisemitische Klerus in Spanien die Macht aus. Es gab kaum Juden in Spanien, und diejenigen, die während des Krieges eingewandert waren, hüteten sich, ihr Judentum bekanntzugeben, um sich keinen geschäftlichen und gesellschaftlichen Unannehmlichkeiten auszusetzen. Als die Republikaner die Regierung übernahmen, befaßten sie sich auch mit der Judenfrage. Sie vertraten die Ansicht, daß Spanien seit der Vertreibung der Juden eine kulturelle und wirtschaftliche Rückentwicklung zu verzeichnen gehabt habe, die nur durch die Wiedergutmachung jenes tragischen Fehlers aufzuhalten sei. Sie führten Verhandlungen mit der sephardischen Kolonie in Saloniki, deren Mitglieder auch heute noch spanisch sprechen, um diese zur Rückkehr zu veranlassen, aber die Salonikier Juden konnten sich nicht dazu entschließen, in die alte, längst fremdgewordehc Heimat überzusiedeln, da die Verhandlungen allein bereits in der spanischen Rechtspresse einen antisemitischen Entrüstungssturm hervorgerufen hatten! Als in Deutschland 1933 der Umschwung erfolgte, glaubte eine Reihe deutscher Juden, auf Grund der einladenden Haltung der Regierung Azana in Spanien ein Asyl finden zu können. Inzwischen aber hatten der zwei Jahre lang von der Regierung ausgeschaltete Klerus und die hinter ihm stehende Rechtspresse einen großen Teil ihres Einflusses wieder zurückgewonnen. „El Debate", „Informaciones", „ABC", „La Nacion" und andere Blätter brachten täglich lange antisemitische ArtikcL In „Estampa", einer unpolitischen illustrierten Zeitschrift, erschien ein Aufsatz mit Bildern bekannter, aus Deutschland emigrierter jüdischer Gelehrter und Schriftsteller, an denen der Verfasser aufzuzeigen bemüht war, daß ihre Wissenschaft und Kunst durchaus „destruktiv" sei. Wochenlang befaßte sich dann die Rechtspresse mit dem Fall eines bekannten jüdischen Arztes, der versucht hatte, sich in Madrid niederzulassen* Er hatte — wie es das spanische Gesetz vorschreibt <—« begonnen, sämtliche Examina nachzumachen, wurde aber; nach 3/j Jahren intensivster Arbeit und erheblichen Geldausgaben von dem Führer des Aerztcverbandes von den Prüfungen ausgeschlossen, weil er die spanische Nationalität nicht besaß. Der Aerzteverbandr nämlich hatte eine Resolution angenommen, die ausländische Kollegen von jeglicher Praxisausübung suspendierte. Die gleichen Beschlüsse faßten Zahnärzte und] Juristen. Die liberale Regierung sah sich diesen Ver-< fügungen der Fachverbände gegenüber machtlos. Und es blieb schließlich dabei, daß statt 100 vorgesehener ein einziger jüdischer Wissenschaftler, der inzwischen verstorben ist, eine Professur erhielt; daß zwei oder drei Akademiker an den Internaten, die manchen Universitäten Spaniens angegliedert sind, Lektorenstellen gegen' freie Kost und Logis erhielten und daß sich in Madrid ein Journalist und zwei Photographen ein einigermaßen erträgliches Auskommen schufen. In Barcelona hungerte sich die Mehrzahl der intellektuellen jüdischen Emigranten genau so durch wie' in Paris oder Prag. Manchen, die sich auf andere Berufe umstellen konnten, gelang es, mühsam ihr Leben zu fristen. Nur bemittelte jüdische Emigranten konnten in Spanien festen Fuß fassen — genau wie In jedem anderen Lande der Welt. Aber auch das war keine reine Freude. Die Rechtszeitungen beklagten sich bitter über die „jüdische Invasion" und stachelten die Kleinhändlerverbänd* gegen die von Emigranten gegründeten Einheitspreis«* läden und Lokale an. So standen die Dinge unter einer judenfreundlich orientierten Regierung. Seit dem 4. Oktober 1934 jedoch regiert in Spanien ein Kabinett, in dem die stark antisemitisch-klerikalen Elemente maßgebend sind, und das seit dem 5. Mai 1935 noch nach der klerikalen Seite hin erweitert wurde. Diese traditionell judenfeindlichen spanischen Klcrikalen sollten plötzlich die Juden mit offenen Armen empfangen, obgleich sie noch bei dem letzten Budgetkampf aufs härteste den Kredit bekämpften, der den jüdischon Schulen in Spanisch-Marokka zugute kam? Die Aerzte-, Juristen- und Philologenverbände weiden plötzlich die jüdischen Kollegen mit Freudentränen in den Augen begrüßen, während sie gestern noch alles taten, um sich vor ihrer Konkurrenz zu sichern? — Die spanischen Geschäftsleute werden diese Konkurrenz als ein Geschenk des Himmels ansehen? Dia Arbeitsgesetzgebung wird zugunsten jüdischer Einwanderer geändert werden? Herr de Cardogni mag, was seine Person anbetrifft, aus vollem Herzen gesprochen haben. tWer aber seine Worte als Worte der Regierung Spaniens ansieht und auf diese Worte bauen möchte, der baut auf Flugsand« Man gebe sich also keiata Illusionen hin.

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