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Die neue Welt · 1935-06-13 · Heft 471 (13.6.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 471 (13.6.1935)
Date
1935-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prafs 20 Groschen lahrgang 9 DoitltCfÜtag/ t / J87 *:?ni 1935 Nr« 471 V* b» b* *Vf/. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expfidie par redlteur** ******* REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monaUlch S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumanlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Marls 3.—; Bnlgarlen monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—: Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Völkerbundligen verurteilen Hitler-Deutschland Von unserem Sonderkorrespondenten Brüssel, 12. Juni. Die gegenwärtige Tagung der Völkerbundligen nahm einen sensationellen Verlauf. Die jüdische Delegation konnte einen großen moralischen Erfolg auf dieser Tagung erzielen. Ohne Rücksicht auf den unerhörten Widerstand der deutschen Delegation hat das Präsidium des Kongresses beschlossen, auf die Tagesordnung die Frage bezüglich der Verfolgung und Entrechtung der Juden in Deutschland zu setzen. Daraufhin erklärten die Mitglieder der deutschen Delegation höchst resigniert, daß sie den Kongreß verlassen. An dem Kongreß der Völkerbundligen in Brüssel nehmen auch Delegationen der „Ligafreunde des Völkerbundes" teil. Wie hier verlautet, hat die Delegation des Palästina-Verbandes d/er Völkerbundfreunde eine Resolution vorbereitet, in welcher sich dieser palästinensische Verband auf einen Beschluß des 12. Kongresses der Völkerbundligen stützt, der sich für die Bewahrung des Minderheitenschutzes in allen Ländern auf der Basis „der allgemeinen Grundlagen von- Gerechtigkeit und Gleichheit" ausspricht. * B r ü s s e 1, 13. Juni. Die Anti-Deutschlandresolution wurde mit allen Stimmen (gegen Ungarn) angenommen. * Zu den Palästina-Delegierten auf dem 19. Brüsseler Völkerbundligenkongreß gehören Dr. Nahum Goldmann, Dr. Benzion Mossinsohn, J. Tadlowski, M. Hofien und Dr. Nathan F e i n b e r g. Dr. Nahum Goldmann nimmt an dem Kongreß auch als Vertreter des Comite des Delegations J u i v e s teil. Als solcher hat er das Gesuch um Aufnahme der Delegations Juives in die Völkerbundliga zurückgezogen, so daß das Komitee im Verband der Völkerbundligen nicht vertreten sein wird. M Wie das Hakenkreuz in Amerika arbeitet Der abgesägte College-Professor - „Freunde des Neuen Deutschland" —Xindber-ghifcaby und Ritualmord» märchen.—■ Die Mittel der Nazihetze . Die amerikanische Oeffentlichkeit beschäftigt sich aeit einiger Zeit mit einem Fall, der wieder einmal mit ■besonderer Deutlichkeit die Gefahren der Nazipropaganda in den Vereinigten Staaten beleuchtet. Dieser Fall betrifft einen Mann namens Hauptmann — aber nicht den in der Lindbergh-Baby-Affäre verurteilten Bruno Hauptmann, sondern einen Professor Hauptmann in New Brunswick (New Jersey), wo es im Frauen-College zu einem unerhörten Skandal kam. Frauen-College — das ist eine Art Mächenuniversität. An dieser Universität wurde in der zweiten Maihälftedes heurigen Jahres der Professor Lionel B e r g e 1 plötzlich entlassen; d. h. die Beamten der Anstalt lehnten ab, Prof. Bergete Kontrakt zu erneuern. Diese auffallende Tatsache versuchte man auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Den entscheidenden Grund gab der Chef der Anstalt, ein Deutscher namens Dr. F. J. Hauptmann, an, nämlich: Prof. Bergel sei nicht fähig genug, seinen Posten zu bekleiden. Da Prof. Bergel sechs Semester hindurch seine Vorlesungen für deutsche Sprache, und Literatur anstandslos gehalten hatte und als Kapazität auf seinem Gebiet gilt, erschien jenes Motiv nicht haltbar, zumal die Hörerinnen ihre Zufriedenheit mit dem Kolleg des Prof. Bergel kundgaben. Dr. Hauptmann mußte sich also nach einer anderen Ausrede umsehen, und er fand sie auch: Notwendigkeit eines Lehrerabbaucs aus finanziellen Gründen. Aber auch dieses Manöver verfing nicht. Die Studentinnen hielten eine Beratung ab, aus der hervorging, daß keinerlei Ersparungsmaßnahmen erforderlich seien. Und schließlich enthüllten sich die Hintergründe dieser Affäre: Dr. Hauptmann, ein hemmungsloser Nazipropagator und Hetzer, wollte" verhindern, daß Prof. ' Bergel für das demokratische Prinzip Amerikas und gegen das Hakenkreuzlertum kämpfe. Prof. Bergel sollte abgesägt werden, weil er die demokratischen Freiheiten Amerikas verteidigte und den deutschen Nationalsozialismus als Kulturschande ablehnte. Dies ergab sich im Verlauf der Untersuchung, die am College selbst durchgeführt wurde. Die Dozentin für klassische Philologie Evelyn Clark erklärte, daß Pension Irma Meister, Merarc Idealer rjanzJHhHrjer Autenthalt, letzter Komfort, Berühmte Küche, herrl. Vark. mäßipi-Preise. Vertancen Sie Prospekte *wd Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komiort. Elegant« Zimmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt. Komplette Pension: fFrcs.35.— Dr. Hauptmann, der Leiter der deutschen Abteilung des College, ein Hasser der Demokratie sei und jeden Nazigegner mit seiner Rache verfolge. Auch habe er versucht, den Rassenantisemitismus im College einzuführen. Nichtsdestoweniger seien im Vorjahr an der Rotgers-Universität, die mit dem New-Jerseyer College verbunden ist, zwei Juden, Flüchtlinge aus Deutschland, als Lehrer engagiert worden. Aussagen anderer Lehrkräfte gingen dahin, daß Dr. Hauptmann versuchte, das Ansehen jedes Dozenten, der sich nicht zum Nationalsozialismus bekenne, zu untergraben und ihn durch Verbreitung falscher Gerüchte unmöglich zu machen. Und Professor Bergel selbst? Er erklärte, daß er niemals gegen den Nationalsozialismus agitiert, sondern bloß seine Gegnerschaft gegen die Nazikultur zum Ausdruck gebracht habe. Erst als Dr. Hauptmann und seine Anhänger in der Universität selbst den größten Teil ihrer Zeit mit nazistischer Propaganda ausgefüllt hätten, habe er sich dagegen ausgesprochen. Prof. Bergel ist zur Zeit abgesägt. Da er deutscher Staatsbürger ist, drohen ihm seitens Hitler-Deutschlands große Gefahren, zumal der deutsche Gesandte in den Vereinigten Staaten, Dr. Luther, alles anwenden wird, um den „demokratisch gesinnten" Prof. Bergel zu diffamieren. Der Amerikaner Charles A n g o f f unterbreitet soeben der Oeffentlichkeit sein Material über die Propaganda der Nationalsozialistischen Liga in Amerika. Zwanzig Millionen Deutschamerikaner sollen für den Nazismus erfaßt, durch unzählige Pamphlete für die Rassenverhetzung und den germanischen Größenwahn ge Wonnen werden. Die erste Organisation des Nazismus in U. S. A., der auch Amerikaner angehörten, nannte sich „Freunde des Neuen Deutschlands", die, allmählich radikalisiert, die „Amerikanische Nationalsozialistische Liga" gründeten und in ganz Amerika Jugend-Sommerlager einführten, auf deren Zelten die Hakenkreuzfahne wehte. Die Hetze gegen die Juden war für beide Gruppen die Hauptsache, ja sie rühmten sich sogar ihrer Erfolge auf diesem Gebiete. „Wir sind stolz darauf", schrieb ein führender Mann der „Liga", „in unseren Reihen jenen Teil der Mitglieder der früheren Organisation zu haben, die einen kompromißlosen Krieg gegen Judentum und Kommunismus wollen . . . Wenn wir unser Ziel nur annähernd erreichen, wird kein Jude In den Vereinigten Staaten übrigbleiben." Diese Enunziation läßt an Deutlichkeit nichts zu wtinacbjti übrig, Hiebei nimmt die antisemitische - Nazi» liga jede Gelegenheit wahr, die Juden Amerikas eines verderblichen Einflusses auf die sittlichen und ökonomischen Grundlagen der Vereinigten Staaten zu beschuldigen, Hiebei spielt die Presse eine ausschlaggebende Rolle. Deutsche und amerikanische Journalisten werden in den Dienst der verleumderischen Hetze gezogen. Der bekannte Publizist Silvester Viereck, der seinerzeitige feurige Anhänger des kaiserlichen Deutschland, mußte zugeben, daß er im Dienste der deutschen Regierung gestanden und vom deutschen Gesandtschaftsrat Dr. Kiep (Washington), monatlich 500 bis 1000 Dollar erhalten habe. Den Fall des Lindbergh-Baby-Entführers Bruno Hauptmann haben die „Freunde des Neuen Deutschland" und die ihnen angeschlossenen Nazigruppen zu einem ungeheuren Auftrieb für das Hakenkreuz verwendet. Zuerst wurden in dunklen Andeutungen die Juden belastet und später in direkte Verbindung mit dem Kindesmord gebracht. Auch vor der Verbreitung der Ritualmordlüge schreckten die von den Naziorganisationen bezahlten Agenten nicht zurück. In einer Besprechung des Buches „Der jüdische Ritualmordschlächter", das nach Streicherachem Rezept hergestellt wurde, heißt es: „Das Lindbergh-Baby wurde offenbar im Marz geschlachtet. Das Purimf est von 1932 fiel auf den 22. März. Idndbergh ist der nordische Held der Vereinigten Staaten, und sein Kind war dazu ausersehen, den vollkommenen nordischen Typ zu repräsentieren." Man trieb diese Propaganda um so hartnäckiger, als auch die deutsch-amerikanische und reichsdeutsche Presse für den „national betonten" Bruno Hauptmann energisch eintrat. Bei den Bemühungen des sogenannten Dickstein- Komitees, die Mittel festzustellen, aus denen die über ganz Amerika verbreitete Propaganda gespeist wird, stieß man auf reichsdeutsche Männer; auf einen Dr. Otto Vollb e h r, der eine Gutenberg-Bibel an die Bibliothek des amerikanischen Kongresses verkaufte, ohne über die Provenienz dieses kostbaren Werkes Auskunft geben zu können; auf den bereits genannten Silvester Viereck; auf Beamte der deutschen Gesandtschaft in U. S. A. Zum Teil fließen die Agitationsgelder aus den Inseraten, welche die deutschen Schiffahrtsgesellschaften, wie Hapag, Norddeutscher Lloyd, und die Deutsche Reichsbahn an die amerikanische Nazipresse auf Anordnung der deutschen Regierungsstellen vergeben. Die amerikanische Oeffentlichkeit ist, wie man sieht, einem Kreuzfeuer seitens der gut organisierten und reichlich subventionierten Nazipropaganda ausgesetzt. Eine Gegenpropaganda gibt es nicht — es sei denn das Memorandum des Charles Angoff in der großen New-Yorker Zeitschrift „The Nation", die als repräsentativ für U. S. A. gilt, und die antideutsche Boykottakt i o n, die sich zweifellos als wirkungsvoll erwiesen hat. tUukpAMsüi* zu den besonders verbilligten Sommerpreisen I. Kl. Hin- und Rückfahrt jetzt nur S 986«"! Die Palästina-Eillinie des »LLOYD TRIESTIN0« ist seit einem Jahrzehnt die Linie des jüdischen Einwanderers und Touristen! Touristenklasse einfache Fahrt nur S 246.50, Hinu. Rückfahrt nur S 498__, alles in zwei- und vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher und schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) 6 Abfahrten im Monat mit den großen Schiffen „GALILEA", „GER USALEMME", „PALE¬ ST INA" (je 12.500 Tonnen Depl.) auf der direkten Palästina-Linie, außerdem dichter Verkehr via Aegypten, Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer «f •I Wien I, Kärntnerrtag 6. Tel. Ii 47-5-60

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