Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 470 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 470 Hill.......■ Ii» DIE NEUE WEIA Seite 9 t Der privilegierte Stand Von Dr. Martin Lichtner, Trautenau, C. S. R. Tch habe es mit ganz besonderer Freude begrüßt,, daß die Judenstaatspartei die Idee von Popper-Lynkeus, „Allgemeine Nährpflicht" und Schaffung der „Nährarmee", als ihr soziales Programm verkündet. Seit vielen Jahren versuche ich in der Tschechoslowakei die wenigen Menschen zur Aktivität aufzurufen, die auch hier begeisterte Anhänger dieser wahrhaft menschlichen, wahrhaft universellen Lösung der sozialen Frage sind. Leider vergeblich, denn zu tief tst JSuropa in Partei- und Klasseninteressen versunken, «u wirksam sind bei uns leere Schlagworte, als daß Ideen von tieferem Gehalt wirklich Volksgut werden könnten. Die Lösung der sozialen Frage hat in Wahrheit ein Ziel: Beseitigung von Hunger und individuellen Katastrophen für jeden Menschen welcher Rasse imn>er, welcher Nation und welcher sozialen Schicht er angehört. Es ist hier nicht Raum, die Idee Popper-Lynkeus breit auszuführen. Seit vielen Jahren steht sie fest da, jeder Kritik standhaltend, unwiderlegt. Wenn es un3 in Erez Israel gelänge, diesen Gedanken von der universellen Lösung der sozialen Frage in die Tat umausetzen, so wäre das, ich übertreibe nicht, eine Tat, gleichzusetzen der Verkündung des mosaischen Gesetzes, aus welchem Popper-Lynkeus, vielleicht unbewußt, letzten Endes geschöpft hat. Aber das darf und soll für uns nicht entscheidend sein, denn wir bauen unseren Staat Erez Israel nicht als Beispiel für die Menschheit, wir bauen ihn für uns als Lösung der Judennot. Bei der heutigen politischen Konstellation in Erez Israel ist es uns leider nicht möglich, die Idee der „Nährarmee4 dort bis zur letzten Konsequenz durchzuführen. Ein Land im Aufbau mit stetig einströmenden Menschenmassen ist theoretisch und praktisch für die Aufstellung der „Nährarmee" im universellen Sinrie ungeeignet. Wir müssen uns mit einer Teillösung begnügen bis zu dem Zeitpunkt, da Erez Israel am Ende seiner staatlichen Entwicklung stehen wird. Erez Israel, das Land ohne Arbeitslosigkeit, von Kapital überströmt, das Land der Prosperity,. ist in großer Gefahr. Sinn und Inhalt der zionistischen Idee ist Beseitigung der Judennot und Lösung der sozialen Frage des jüdischen Volkes durch Gesundung seiner sozialen Schichtung. Voraussetzung dieser Gesundung ist die Schaffung einer jüdischen Landwirtschaft, die in richtiger Proportion zur städtischen Wirtschaft stehen muß. Was sich heute in Erez Israel vollzieht, ist Aufbau einer neuen Levante. Es entwickeln sich Städte von ganz ungeheuerlichem Ausmaß, denen kein jüdisches Hinterland das Gleichgewicht hält. Aber es ist geradezu stupid, dem Zustand, daß junge Arbeiter heute vom Dorf in die Stadt wandern, mit moralischen Sentenzen abhelfen zu wollen. Merkwürdig, daß diese Sentenzen gerade von der Sorte Galuth-Zionisten ausgeht, die selbst ein behagliches, durchaus bürgerliches Leben führen und die Forderung näch freiwilliger Einschränkung ihres Einkommens, etwa zugunsten der nationalen Fonds, als unglaubliche Zumutung und Unmöglichkeit abweisen würden. Versteht man denn nicht, daß ein Arbeiter lieber 90 und 100 Piaster verdient, als 20 und 30? Daß er das Leben in der Stadt mit acht Stunden Arbeitszeit, Sabbath- und Feiertagsruhe, einem dürftigeren Leben auf dem Lande vorzieht, wo man die absolut beschränkte Arbeitszeit nicht kennt? Man denkt daran, den Zertifikatenempfänger einen E i d schwören zu lassen, daß er als Arbeiter aufs Land geht. Ein solcher Eid ist unmoralisch, weil sein Bruch allzu wahrscheinlich ist. Die Lösung dieser überragend wichtigen Frage, mit welcher unsere nationale Existenz in Erez Israel steht und fällt, heißt Popper-Lynkeus, heißt Dienstpflicht in der nationalen „Nährarmee". Verbohrte Dogmatiker werden dagegen einwenden, daß das die Arbeitsdienstpflicht „Drittes Reich" bedeutet, in ihrer pathologischen Angst werden sie dahinter so etwas wie „Ausbeutung", „Reaktion" und „Faschismus" wittern. Mögen sie sich doch erst ein paar Stunden dem Studium der „allgemeinen Nährpflicht" des Sozialisten und späteren Zionisten Popper- Lynkeus widmen! Die internationalen Sozialdemokraten haben es nirgends, wo sie an der Macht sind oder waren, verstanden, Not und Hunger zu bannen. Wenn jetzt sie. sonst geschworene Feinde des Kommunismus, sich ausgerechnet auf Rußland berufen, ist ihnen zu sagen, daß sich dort bestenfalls die Befreiung einer Klasse vollzieht und das nach Methoden von Popper-Lynkeus. Aber nicht um Klassenbefreiung geht es bei der Lösung der sozialen Frage, nicht darum, eine Klasse auf Kosten der anderen leben zu lassen, sondern es geht um die Befreiung aller Menschen aus leiblicher Not. In den Ländern, wo noch die Sozialdemokratie mitzureden hat, verpufft sie ihre ganze Energie., um die immer dünner werdende Schicht der Besitzenden durch Steuern zu verarmen, um für noch ganz kurze Zeit die Almosen der Arbeitslosenunterstützung aufzubringen. Ist auch das vorbei, was dann? Unsere zionistische Linke denkt auch nicht anders, sie ist ja ein Teil dieser II. Internationale. Wenn sie es heute noch nicht notwendig hat-, die Besitzenden zu enteignen, ist das nicht ihr Verdienst. Sie wird es in dem Augenblick auch in Erez Israel tun und tun müssen, wenn dort die Konjunktur mit ihren hohen Löhnen zu Ende gehen wird. Wir, die wir aus wohldurchdachten nationalen Gründen und aus Kenntnis der Psychologie des jüdischen Volkes gegen jede Form des Klassenkampfes sind, wollen eine all menschliche Lösung der sozialen Frage erkämpfen, zum Wohle und zum Heile des g a n z e n Volkes. Die Abwanderung vom Land in die Stadt hat in Erez Israel erschreckende Formen angenommen zufolge einer Konjunktur, die heute im wesentlichen eine Baukonjunktur ist. Wovon werden eigentlich die Menschen leben, die in diesen Häusern wohnen werden? Tatsache ist, daß sich ständig ein Strom von landfremden Arabern in die jüdischen Kolonien ergießt, welche sich dort festsetzen. Zwingende Logik und drückende Sorge um die nationale Zukunft führen notwendig zur Durchführung des sozialen Programms, welches die Judenstaatspartei im Moment, da alle anderen Gruppen im Zionismus restlos versagt haben, dem XIX. Kongreß vorlegen wird. Von der Stärke und Schlagkraft dieser Partei auf dem Kongreß wird es abhängen, ob in zwölfter Stunde Vernunft einkehrt. . Jeder Jude, der auf ein Zertifikat oder sonst mit Hilfe der Zionistischen Organisation nach Erez Israel einwandert, wird verpflichtet, in die „Arbeitsarmee", des werdenden Judenstaates einzutreten. „Ich bin der Hammer meines Volkes, mit dem es den Stein zerbricht, ich bin der Pflug meines Volkes, der die Erde fruchtbar macht, ich bin seine Sense und sein Schwert, ich bin ein Chaluz, ein Soldat meines Volkes." Das sagte Josef Trumpeldor, den unsere Linken für sich reklamieren. Aber Trumpeldors sind singuläre Erscheinungen. Sein Idealismus und sein Opfermut sind einzigartig und einmalig gewesen. Aber der junge Jude, der in die „Nährarmee" eintreten muß. wird überall dort zu arbeiten haben, wo ihn das Kommando der Nährarmee im Interesse des Aufbaues hinstellt. Der junge Einwanderer wird eine von den Nationaiökonomen zu berechnende Zeit Arbeitsdienst leisten. Die Nährarmee ist der Kibbuz im großen. Einer für alle und alle für einen. Der Jude, der seine nationale Arbeitsdienstpflicht absolviert hat, rückt in den privilegierten Stand der jüdischen Nation vor. Er bekommt Boden von den nationalen Fonds, Kredit für den Aufbau seiner Existenz als selbständiger Bauer, Handwerker oder was immer er werden will und kann. Die Zionistische Organisation sorgt dafür, daß alle öffentlichen und privaten Institutionen des werdenden Judenstaates dem privilegierten Stand Vorteile gegenj über allen anderen gewährt. Die ganze Nation wird in j den Dienst dieser Idee eingestellt, denn die Nährarme« baut den Staat. Das ist die wahrhaft reale und zugleich wahrhaft ideale Lösung der brennendsten Frage. Sie steht nun zur öffentlichen Diskussion. Von der Reife de« politischen und wirtschaftlichen Denkens der zionistischen Massen hängt es ab, ob dieser grandiose Plan Wirklichkeit wird. Die Judenstaatspartei wird den XIX. Zionistenkongreß vor die Entscheidung stellen. Es liegt an der zionistischen Wählerschaft, durch ihre Stimmen der Judenstaatspartei die Möglichkeit zu geben, die große befreiende Idee von der nationalen Arbeitsdienstpflicht zum Durchbruch zu bringen. Die erste Bierbrauerei m Palästina Rischon-lc-Zion (Palnews): Die Einrichtung der Bierbrauerei in den Kellereien von Rischon-lc-Zion ist nahezu fertig. Die, Maschinen wurden aus der Tschechoslowakei bezogen. Der Betrieb soll in drei Monaten aufgenommen werden, so daß im August mit dem Brau begonnen werden kann. Im November soll das erste Bier auf dem Markt er-, scheinen. Der palästinensische Bierbedarf beläuft sich auf jährlich 15.000 Hektoliter, die Anfangsproduktion der Palestinc Brewery Ltd. wird 10.000 Hektoliter betragen. Es wird nur LagerbicrgüterQualität hergestellt. Die Verkaufspreise werden 30 Prozent unter den Preiset! für europäisches Bier liegen. Der Bierkonsum hat sich besonders im Jahre 1934 sehr stark entwickelt, während er in den vorhergehenden Jahren gering war. Da bisher der gesamte Bierbedarf importiert wurde, läßt sich die Entwicklung des Verbrauchs aus den Importziffern genau verfolgen. Der Import gestaltete sich seit dem Jahr 1931 wie folgt (in tausend Liter): 1932 1933 193* Bier in Fässern..... 242 363 958 Bier in Flaschen . . ... 597_679_499 Insgesamt....... 839 1.042 1.457 Wert in pal. Pfund . . . 21.448 26.550 39.580 Während der Bierverbrauch bis 1932 stabil war, stieg er 1933 um etwa 25 Prozent und 1934 weiter um 40 Prozent. Das Anwachsen des Bierverbrauches steht mit der Einwanderung aus Deutsch!and und anderen europäischen Ländern im Zusammenhang und dürfte dementsprechend andauern. Das Kapital der „Palestine Brewery Ltd" in Höhe von pal. Pf. 50.000 ist v o 11 e i n g e z a h 11. Mehr als die Hälfte des Kapitals befindet sich im Besitz der Gruppö Gas tp n Dr ey f uß & Co., Paris, zirka ein Drittel im Besitz der -Pica, ein geringer Rest in den Händen verschiedener privater Aktionäre. Der Rohmaterialeinkauf erfolgt zentral durch den Dreyfußkonzern, dem ungefähr 90 Brauereien angeschlossen sind. Gegenüber der syrischenKonkurrenzist die palästinensische Brauerei durch hohe Regierungsabgaben benachteiligt, die in Syrien nicht erhoben werden. Man hofft, daß die Regierung die Belastung erleichtern wird. Gegenüber der syrischen Konkurrenz, die in letzter Zeit den palästinensischen Markt zu gewinnen sucht, hofft man sich durch bessere Qualität durchzusetzen. Das Rockefell er-Museum im Besitz der Palästina- Regierung Aus Jerusalem (.T. T. A.): Das Rockcfellcr- Museum, das bedeutendste archäologische Museum im Nahen Osten, ist offiziell jn die Verwaltung der Palästina- Regierung übergegangen. Der High Commissioncr wird demnächst die Einweihungszeremonie vornehmen. lOOprozentige Steigerung der Palästina-Wanderung aus Polen Aus Warschau (.T. T. A.): In den ersten fünf Monaten des Jahres 1935 gingen aus Polen durch Vermittlung des zentralen Palästina-Amtes 10.888 Personen nach Palästina, in den gleichen fünf Monaten des Jahres 1934 gingen aus Polen nur 5035 Personen nach Palästina, somit beträgt die Steigerung in einem .Tahre mehr als 100 Prozent. 3toei tomtberfdifrie Pngfttaae werben hoffentlich bic Snmbcrttaufcnbe, bic fich auf efhöniueücr, 6cmnc unb einen Slusflua, ins ©rünc freuen, für bas bisherige Schled)tr»eiter enifrhäbigen. Daher muffen alle fich rcdjtaeitig ^eitunb roetterigemä&e letbung befdjaffen. üBeifpiellos günftige © c I e g c n* h c i t s f ä u f e im populären „Warenhaus ber Spat*- famen", frei Schiffutaim, machen %f)wn bie Slnfchaffung leirht unb angenehm. 25 a m c n f I c i b c r : Ä.*Seibens 3mprime=£leib, in reijenben Sölumenmuftern, mit grofetr 9Kobe=9)tafd)c S 7.90; fefrhes Ä.--6.*3Ron8oU Capcflctb, in ^aftellfarben, S 12.90; miwetteuWantil, aus gummiertem SBatift, S 14.—; Paletot, aus 6cibc ober SBoüftoff S 15.—; 90?ongol=3mprime=eape=!leib, neue »lumeubeffms, S 19.—; 3BoUftoffKomplet (Sdjofe unb^aletot), engl, gemuft. ober meliert, S22.—. (?lttes auch für ftarfc Damen laßernb!) gür Herren: erhafauoll=3anfer, mit grünem Äroßen. (aud) für ftarfc £enen). 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S o in m e r* ft o f f c : s$epita-Dirnbl=£reton ober Wöbel^rcton, fdjöne Dejftns, «er SReter S —.98; Sport-Üinctte^mpr. für ßauffleibcr, per üöieter S —.89; 5vleiber;(£tamtn* Smptime S 1.25; neuefte Ä.^Setbcn-SmprimesStoffc, erHuftoe 33Iumcmuuftcr, S 1.98; Crepe (SeorgettCs Smprtme, bufttges SBaummollgetnebe, S 2.50; Ä.sS-.* iUiaitcrepe^rauers, oorsüglidjc Äleiber-.Qualttät, 90 cm br., S 2.90; ft.;Seiben-9J?ongols3mprimc, grofoe Deffin* ausujahl, 90 cm, S 3.75 ufro. ©rofee <Uusu)ahl in Herren; (Sarberobe. gür ÜDcäbchen unb Änaben alles jur g i r* m u u g . . . befoubers preiswert. Sparfame raufen iefcj befonbers g u t unb billig bei 6(yiffmann, 11., Xabor» ftrafte 48. 'ijsroöins per 9(ad)nar)mt.