Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-06-06 · Heft 470 (6.6.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 470 (6.6.1935)
Date
1935-06-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712094--5117-2718691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 470 DIES NEUE IWELT Seite 3 15 Jahre Herrschaft der „Allgemeinen" und „Linken" Zionisten. Resultat: Zertrümmerung der Organisation — Gefahr eines jüdischen Ghettos in Asien Wer für Wiederaufrichtung der Herz I sehen Einheitsorganisation und den Judenstaat ist, steht zur JudenstaatsparteiI ^Sl •JIIHIIlllllMlllllllllllllllllllllllllllllllllUillllllllllllllllllllllll! s ludenistaalsparlei' Oesterreichs S Mittwoch, den 12. Juni um halb 9 Uhr abends : ~ im Zentralheim, Wien I, Werdertorgasse 14 ■ « Referent: Oberbaurat Robert Stricker E E.Thema: Die Judenstaatspartei und 19. Zionisten- E E kongreß E E Anschließend Diskussion Gäste willkommen! E riiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuii? Meld!singen über Schaffung eines Parlaments in Palästina Aus Jerusalem meldet die J. T. A. vom 4. Juni: Laut den Berichten der heutigen arabischen Presse ist die Frage wegen der Schaffung eines Legislativen Kates (Parlament) in Palästina in eine neue Phase getreten. üie hiesige arabische Presse teilt mit, daß der Legislative Rat im Herbst 1935 geschaffen werden soll. Die ägyptische Zeitung „AI Aharam" (Kairo) weiß sogar zu' berichten, daß der Oberkommissär Sir Arthur Wauc h o p e von der Schaffung des Legislativen Rates sein weiteres Verbleiben abhängig macht. Der Oberkommissär soll entschlossen sein, von seinem Amt zurückzutreten, wenn das Kolonialamt in London der Schaffung dies Legislativen Rates in Palästina noch in diesem Jahre nicht zustimmen sollte. Die Jaffaer arabische Zeitung „A Diffah" teilt mit, daß das Gesetz betreffs der Konstituierung des Legislativen Rate« im Herbst 1. J. erscheinen soll. Die Wahlen in. diese Körnerschaft sollen im kommenden Frühjahr durchgeführt werden. * Bekanntlich hat der gegenwärtige Oberkommissär bei verschiedenen Anlässen in den letzten zwei Jahren, u. a. auch auf der Tagung der Mandatskommission, die Erklärung . abgegeben, daß er die neugewählten Munizipalitäten in Palästina als eine Vorstufe zu der Schaffung eines Parlamentes für das ganze Land ansehe. Nun sind die Geaielnderatswahlen im letzten Winter durchgeführt worden. Nach den Meldungen der arabischen Preste ist jilso Sir Wauchope jetzt entschlossen, sich über die Proteste der Juden, welche in einem Parlament die Ätttwerste Gefahr für das jüdische Nationalheim erblicken, hinwegzusetzen. Jei stockendem Stuhlgang, aufgetriebenem Unterleib und allgemeinem Unwohlbefinden leitet das sehr milde, natürliche „Franz-Josef"-Bitterwasser die im Magen und Darm angesammelten Rückstände der Verdauung ab und verhütet in vielen Fällen die Entstehung von Blinddarmentzündungen. Amnestie in Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Autoritativ wird mitgeteilt, daß anläßlich des 70. Geburtstages des Königs Georg von England, der auf den 7. Juni fällt, 37 im Zusammenhang mit den Unruhen in Palästina im Herbst 1929 verurteilte Personen amnestiert wurden. Zehn der Amnestierten wurden bereits in Freiheit gesetzt, unter ihnen befinden sich die beiden Juden Chinkin und Urphali. Den übrigen Verurteilten wurden die Strafen herabgesetzt. Außerdem wurde mehreren arabischen Dörfern, denen in Zusammenhang mit den Unruhen kollektive Geldstrafen auferlegt wurden, der Rest der noch nicht gezahlten Bußen erlassen. Insgesamt betrafen diese Bußen pal. Pf. 35.000, von denen bis jetzt pal. Pf. 8500 eingezahlt wurden. In Regierungskreisen wird die Amnestie damit begründet, daß die öffentliche Sicherheit im Lande befriedigend sei. eine wohl starke, aber leider ungesunde ist. Was in unserem Blatte über schwindelhaftes Steigen der Bodenpreise, insbesondere aber über Landflucht und Besetzung der jüdischen Landwirtschaft durch ein- heimische und fremde arabische Arbeiter geschrieben vvurde, findet in diesem Bericht der zionistischen Exekutive eine traurige Bestätigung. Nur eine völlig geänderte Politik der Zionistischen Organisation, besonders in Fragen der Zuteilung von Staatslände reien an Juden und Oeffnung Transjordaniens für jüdische Einwanderung, vor allem aber die von der Judenstaatspartei geforderte Einführung der nationalen Arbeitsdienstpflicht l^nnen zu einer gesunden Entwicklung der jüdischen Kolonisation führen und davor bewahren, daß ein städtisches jüdischen Ghetto statt eines Judenstaats entstehe. RUNDSCHAU Em Narr? Vor kurzem hielten die jüdisch-orthodoxen Kongregationen der Vereinigten Staaten in Washington ihren Jahreskongreß ab. Sie konnten einen, illustren Nichtjuden als Gast begrüßen, den Senator des Staates Utah, King, der in der Senats-Kommission für auswärtige Angelegenheiten sitzt und dort eine ziemliche Rolle spielt. Herr King hielt eine Ansprache, in der er erklärte, er werde im' Senat der Vereinigten Staaten einen Antrag auf Abbruch der diplomatischen Beziehungen Amerikas zu Deutschland stellen. Die Beziehungen sollen erst wieder aufgenommen werden, wenn Deutschland die rassischen und religiösen Verfolgungen einstellt. * Lebt der gute Mann sonst auf dem Mond? Was geht in seinem Gehirn vor? Die Beziehungen zu Deutschland abbrechen ... Eine anständige Gesellschaft verkehrt nicht mit Menschen, welche anderen Ehre, Rechte und Vermögen rauben. Sie duldet keine Leute unter sich, welche Kinder, Frauen und hilflose Menschen quälen. Sie will nichts mit solchen zu tun haben, die mit Revolver und Drahtpeitsche über Wehrlose herfallen. Sie, die anständige Gesellschaft, stößt Rohlinge von sich, welche jeder Sitte hohnsprechen und bespeien und in den Kot treten, was anderen heilig ist. So handelt eine anständige Gesellschaft! Aber so handeln doch nicht Könige, Präsidenten, Minister, Gesandte und andere zur Führung der Völker berufene Herren. Die brechen keine Beziehungen ab. Die setzen sich mit jedem Partner an den Tisch, auch wenn noch das Blut der Opfer frisch an seiner Hand klebt. Dann werden sie eben schwachsichtig und drücken die blutige Hand. Wenn das Geschrei der Gemarterten vor den Fenstern ertönt, dann werden sie schwachhörig und plaudern weiter. Herr King will, daß sich Könige, Präsidenten und Minister so benehmen' sollen, wie anständige Menschen! Herr King gehört ins Irrenhaus, nicht in den Senat. Herr King will, daß in Staatskanzleien und Parlamenten Ehre und Menschenrecht gelten sollen. Herr King ist ein Narr! Gipfel der Stahle: der Schweden-Stahl, Gipfel der Klingen: die schwedische Ohne ,Trern' und ohne ,§chletT Wenn man den Nachrichten aus Rußland über die jiddische Literatur der Sowjetunion Glauben schenken kann, dann wird diese von Tag zu Tag reicher und lebendiger, angepaßt dem historischen Prozeß, den das russische Judentum seit dem bolschewistischen Regime mitmacht. Es ist wahr: die Typen, die in den Erzählungen von Perez, Mendale, Scholem Alechem, Reisen, Asch vorkommen, finden wir kaum mehr im heutigen Rußland, und mit ihnen sind auch die frühen Motive und Themen verschwunden, die in den Schriften der genannten Autoren immer wiederkehren. Ein sowejtrussischer jiddischer Schriftsteller, Jizchak Fefer, führte kürzlich im jiddischen Schriftstellerverein für die. Ukraine aus, daß „zum Glück für das proletarische Rußland" all das Jüdische ausgestorben sei, das man früher als den Inbegriff des jüdischen Wesens angesehen habe: das „Schtet'l" (Städtchen) und die „Trer'n" (Tränen). Fefer führt diesen Zustand darauf zurück, daß Rußland eben auch das jüdische Leben, Heim und Herz, revolutioniert habe, wodurch eine der Hauptfiguren der jiddischen Prosa, der „Luftmensch", ausgerottet worden sei. Eine Reihe neuer Schriftsteller — die man bei uns nicht einmal dem Namen nach kennt — beschäftige sich mit neuen Themen, mit neuen Menschen, mit dem neuen jüdischen Menschen. Soweit man das Leben der Juden Sowjetrußlands von Europa aus überblicken kann, gewinnt man den Eindruck, daß tatsächlich das Schtet'l verschwindet, das Milieu des jüdischen Kleinbürgers, Händlers, Handwerkers; daß auch die sentimentalen Trqr'n verschwinden, obwohl die Juden nichts zu lachen haben — denn die Versuche, sie in der Krim und in Achtung! Judenstaatler! Die Schekel-Kampagne geht m Ende. Denkt an eure Pflicht. Kaufet und verbreitet den Schekel! Biro Bidschan landwirtschaftlich anzusiedeln, sind kläglich gescheitert. Die Juden verloren ihr Schtet'l mitsamt seinen Trer'n und tauschten nichts dagegen ein. Dag jüdische Leben mit dem Schtet'l und den Trer'n ist dahin. Das sowjetrussische Regime hat es vernichtet; aber damit zugleich auch jede jüdische Regung, die reiche jüdische Tradition und all das, was dem Juden überall in der Welt teuer ist. Also drei Fliegen mit einem Schlag: das Schtet'l, die Trer'n und dan Judentum ... Kleine Tube S — .90 Größe Tube S 1.40 Brave Juden In der vor kurzem absolvierten Revolution in Griechenland spielten auch die Juden eine Rolle. Sie schlugen sich vollzählig auf die Seite der Regierung und kämpften mit und zahlten mit. Im Siegestaumel hat ihnen dann die Regierung überschwengliches Lob gespendet und gewaltige Zusagen gemacht. So wurde, allen antisemitischen Strömungen zum Trotz, versprochen, den Juden auf der Regierungsliste Parlamentsmandate zu sichern. Nun aber hat sich die Regierung die Sache überlegt. Sie hat die Juden freundlich, aber entschieden aufgefordert, auf Mandate „freiwillig" zu verzichten, was sie auch prompt getan haben. So wird jetzt aus Athen gemeldet: Die Kanzlei des Ministerpräsidenten Tsaldaris hat ein Manifest herausgegeben, in dem den jüdischen Politikern Salonikis besonderes Lob gezoll wird. „Die jüdischen Politiker Salonikis", heißt es, „haben ein Beispiel von Disziplin und politischer Würde gegeben. Dies gereicht ihnen zur Ehre. Im besonderen muß auf die Haltung von Herrn Isaak S c i a k y hingewiesen werden, der mehr Anspruch als andere gehabt hätte, bei der bevorstehenden Wahl zu kandidieren, sich aber beeilt hat, auf seine Kandidatur innerhalb der Regierungsliste zu verzichten, um die Aufgabe der Regierung zu erleichtern. Dieses leuchtende Beispiel verdient Nachahmung." Brave Juden! rSCHLECHTE HALTUNG bei Kindern und Erwachsenen behebbar durch den modernen metallosen Geradthalter „KORREKTOR" Alleinverkauf: Broschüre kostenlosI BanrinaBn-rtITholnsch Taborstraße 22 R- 41-0-60 Von der §ephardfedien Welt? konferenz in London In der Vorwoche fand in London ein Kongreß der sephardischen (spaniolischen) Juden statt. Vor 84 Jahren trafen, ebenfalls in London, zum erstenmal in der Geschichte des Sephardentums, sephardische Juden offiziell zusammen, u. zw. unter dem Vorsitz des in der jüdischen Welt populärsten Spaniolen Moses Montefiore, des großen Wohltäters, einer fast legendären Gestalt. Auch die heurige Tagung stand unter dem Vorsitz eines Montefiore, des Sir Francis Montefiore. Die Initiative zu diesem Kongreß ging von den Gemeinden der spanischen und portugiesischen Juden in London aus. Vertreter aus Algier, Aegypten, Palästina, Syrien, Portugal, Frankreich, Oesterreich, Holland, Rumänien, Jugoslawien waren erschienen. „Wir haben nicht die Absicht", erklärte Sir Francis Montefiore in seiner Eröffnungsrede, „uns von unseren Brüdern, den Aschkenasim, zu separieren. Unsere sephardische Gemeinde in England arbeitet in allen allgemein jüdischen Angelegenheiten mit den aschkenasischen Juden. Wir fühlen uns als Teil des jüdischen Volkes. Wir wollen den Interessen des ganzen Juden* tums dienen und dabei gleichzeitig die alte sephardisclit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.