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Die neue Welt · 1935-06-06 · Heft 470 (6.6.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 470 (6.6.1935)
Date
1935-06-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 470 Nach AMERIKA und KANADA v ..•«^ *"\ I "~^v mif den "o-C? "-^^^^-x populären ' ' ~ * Expreß-Dampfern ,Majestic( 56.598 Tonnen ,Berengarla* 52.100 Tonnen ,Aquitanla* 45.647 Tonnen Koschere Küche CUNARD WHITE STAR REPRÄSENTANZ: WIEN, I. BEZIRK, KKRNTNERR1NG 4 Telephon: U-46-2-48, U-42-0-43 beißen und schweigen. Aber damit ist die unerhörte Peinlichkeit der Lage noch lange nicht erschöpft. Die Nazi selbst, die Antisemiten und Judenhetzer aller Länder, die Besudler unserer Ehre und Würde packen uns an diesem wunden Punkt. Ihre Hauptargumentation besteht darin, daß sie — den Sachverhalt auf den Kopf stellend — mit scheinheiliger Miene und mit Spott darauf hinweisen, die Juden selbst seien es, die dem Nutzen zulieb, also ausmateriell-egoistischem Interesse, mit dem sie verfemenden Hitler-Deutschland Geschäfte machen, dazu gar noch in Palästina, auf dessen jüdischen Feingehalt sie sich so viel einbilden. Zum Schaden kommt also auch noch Spott! Dieser Einwand ist für unsere Gegner das bequemste Motiv, den Ernst der jüdischen Boykottbewegung in Frage zu stellen. -Insbesondere die antisemitische Presse arbeitet mit dieser Argumentation. So schreibt beispielsweise die in Wien erscheinende antisemitische „Deutsche Arbeiter- Presse" im Zusammenhang* damit, daß angeblich ,,die Sympathie mit den heutigen Bannerträgern des Antisemitismus" . infolge der Boykottaktion gegen Hitler-Deutschland wachse: „Das antisemitische Dritte Reich leidet durch den jüdischen Weltboykott . . . übrigens viel weniger als man glaubt — siehe die Verfünffachung des deutschen Exports ausgerechnet nach Palästina." Solche Konstatierungen sind sehr zahlreich in der nicht jüdischen und antijüdischen Presse zu finden. Besonders bezeichnend sind die Ausführungen im „W'e'-s t deutschen Beobachter" (Köln, 27. Mai) von Rudolf Goltz, der darauf hinweist, daß durch das Trans f e r abkommen Deutschland sich die Tore Palästinas geöffnet habe und bereits an zweiter Stelle im Palästina-Import stehe. „Trotz aller Anstrengungen und Versuche", schreibt Rudolf Goltz, „hat der Boykottgedanke im palästinensischen Alltag nicht die Reaktion in gewünschtem Umfang erreicht." \ Anschließend an diese Betrachtung meint Goltz, daß der Transfer Deutschland nicht nur das Halten, sondern den Ausbau des palästinensischen Marktes ermögliche. Palästina sei das Herz des Nahen Ostens, und wer den palästinensischen Markt besitze, sei in der Lage, den des Nahen Ostens zu erobern. Palästina sei für Hitler- Deutschland der Kernpunkt der Wirtschaftsexpansion im Vorderen Orient und der gute Start sei zufolge des Transfers gegeben. So weit ist es also gekommen, daß Hitler- Deutschland das jüdische Palästina zum Sprungbrett seiner wirtschaftspolitischen Aspirationen im Vorderen Orient benützen kann. Eine traurige Folge der linken zionistischen Politik, ein schändliches Resultat des Transferabkommens, das die Judenstaatspartei als erste bekämpft hat! Der 18. Kongreß in Prag hat in Sachen des Transferabkommens versagt. Auf dem kommenden XIX. Kongreß in Luzern wird die Judenstaatspartei nochmals diese für das Weltjudentum so wichtige Frage aufrollen. welchen Faches immer, leisten schwere Arbeit. Diese führt zu größerer Ermüdung einzelner Körperpartien, aber auch zur Schwächung der weniger beanspruchten Glieder. Den richtigen Ausgleich schaffen Sport und Natur, aber auch der Gebrauch von DIANA-Franzbranntwein mit Menthol. Tägliche Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Zahnpflege. Verlangen Sie ausdrücklich DIANA. Weisen Sie minderwertige Nachahmungen zurück. Palästina vor dem Völkerbund 300.000 Juden — Einwanderung aus 50 Ländern — 10 Milionen Pfund i. J. 1934 eingeführt drängt in die Stadt — Fremde Araber auf dem Lande — Altes Aus Gen*f wird uns berichtet: Unter dem Vorsitz von Marquis Theo doli (Italien) begann am Montag, den 3. Juni, 11 Uhr vormittags, die XXVII. Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes. Die Kommission ist jetzt wie folgt zusammengesetzt: Marquis A. Theo doli (Italien), Baron F. M. van Asbeck (Holland), Fräulein V. Dannevig (Norwegen), Lord Lugard (Großbritannien), Fr. Mangeron (Frankreich), Pierre Orts (Belgien), Professor L. Palacios (Spanien), Graf Penha-Garcia (Portugal), Professor William Rappard (Schweiz), N. Sakenobe (Japan) und, als Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes, Mr. Weaver (Großbritannien). Als Generalsekretär der Kommission fungiert der Direktor der Mandatsabteilung des Völkerbundsekretariats, V. Catastini (Italien). Der Kommission liegen die Jahresberichte der nachstehenden Mandatsgebiete zur Prüfung vor: Palästina (engl. Mandat), Syrien (franz. Mandat), Tanganyika (engl. Mandat), Südostafrika (Mandat der Südafrikanischen Union), Nauru (Inseln im Stillen Ozean) und Neu-Guinea (australisches Mandat. Nach der kurzen Eröffnungszeremonie erklärte die Mandatskommission ihre Beratungen für g eheim. Da die Kommission nur ein beratendes Organ des Völkerbundsrates ist, werden die Berichte über ihre Verhandlungen nebst ihren Empfehlungen an den Rat erst, nachdem sie dem Völkerbundsrat vorgelegt worden sind, der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Somit ist zu erwarten, daß die Veröffentlichung des Berichtes über die gegenwärtige Tagung erst Anfang September 1935 erfolgen wird. Ümsim itkstem - Semneeik^ ■■■■■■BHBBBMHnnMnMIWHHHHHnHHHMni Das Memorandum der zionistischen Exekutive an die Mandatskommission umfaßt 50 Seiten Großformat und gibt eine eingehende Darstellung der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims im Jahre 1934. Dem Memorandum ist ein vom Präsidenten Doktor Nahum S o k o 1 o w unterzeichnetes Mantelschreiben beigefügt. ' i *' Dem Memorandum ist zu entnehmen, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas Ende 1 9 3 4 etwa 300.000 Seelen, gegen 245.000 Seelen Ende 1932, betrug und daß im Verlauf des Jahres 1934 Palästina . weiteren 42.359 Juden aus vielen Ländern eine Heimat wurde. Die Einwanderer kamen aus nahezu 50 verschiedenen Ländern der Welt, in der Mehrzahl aber aus Polen und Deutschland; diese beiden Länder stellten allein 60 Prozent der gesamten Einwanderung des Jahres. Aus Deutschland wanderten 6941 Juden deutscher Bürgerschaft ein; zuzüglich der aus Deutschland geflüchteten Juden nichtdeutscher Staatsangehörigkeit betrug die gesamte Einwanderung aus Deutschland'!. J. .1934 9429 Seelen. Üeber Bodenerwerb durch Juden wird berichtet: 110.970 Dunam (1 Dunam 1000 Quadratmeter) im Werte von Pfund Sterling 7,001.420 wurden i. J. 1934 durch Juden erworben; im gleichen Jahre haben Juden 48.856 Dunam Boden im Werte von Pfund Sterling 5,353.584 verkauft, so daß sich ein Mehrbesitz an jüdischem Boden von 62.114 Dunam ergibt, für die Pfund Sterling 1,647.836 gezahlt wurden. Es gibt heute in Palästina 16 0 jüdische Siedlungen mit einem Gesamtgebiet an landwirtschaftlichem Boden von 1,300.000 Dunam und einer Bevölkerung von etwa 70.000 Seelen, von der etwa 40,000 landwirtschaftlich tätig sind. Etwa 200.000 Juden, d. s. zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung des Landes, sind in den Städten Tel-Aviv, Jerusalem, Haifa und Ja f f a konzentriert. Im Jahre 1934 wurden durch Juden, hauptsächlich durch jüdische Neueinwanderer, 170 neue Industriebetriebe errichtet. In fast allen Zweigen der jüdischen Industrie war ein befriedigender Fortschritt zu verzeichnen, obwohl die Fabrikanten bei ihren Bemühungen, die notwendige Zahl gelernter Arbeiter anzuwerben, auf Schwierigkeiten stießen, die in der Begrenztheit der Einwanderung von Arbeitskräften ihre Ursache hatten. . Nach zuverlässigen Schätzungen wurden im Jahre 1934 annähernd 10 Millionen Pfund neuen jüdischen Kapitals nach Palästina gebracht und in verschiedenen Unternehmungen investiert. Dem Keren Hajessod sind seit seiner Gründung im Jahre 1921 bis Ende 1934 5,152.257 Pfund zugeflossen. Die Bruttoeingänge des Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1934 betrugen 283.428 Pfund, wovon 31.000 Pfund in Palästina selbst gesammelt wurden. Präsident Dr. Nahum Sokolow stellt fest, daß sogar die jetzt etwas erhöhte Zahl der von der Palästina-Regierung bewilligten Arbeitereinwandecun^ noch lange nicht den immer steigenden Bedürfnissen des palästinensischen Arbeits markt es entspricht. Die Zahl der von der Regierung bewilligten Zertifikate stand in jeder einzelnen Periode beträchtlich unter der Zahl der von der Jewish Agency; angeforderten Zertifikate, ohne daß die Regierung einen besonderen Grund für die Nichtberücksichtigung der ihr von der Jewish Agcncy unterbreiteten Schätzungen angegeben hatte. Der nun seit drei Jahren andauernde aktuelle Arbeitermangel stellt es außer Zweifel, daß die Regierung bei der Abschätzung der Aufnahmefähigkeit des Landes fehlgegangen ist. IVO Hotel Bellevue Pörtschadi am Wörthersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küche > Volle Pension : Vor-und Nachsaison . . . . $ 9.— Hauptsaison........S 12.— Seebad und Garage frei. Geöffnet von Mai bis Oktober. Verlangen Sie Prospekte! Sokolow stellt fest, daß die gegenwärtige Fortschrittsperiode der arabischen Bevölkerung Palästinas erhebliche Vorteile gebracht, ihren Lebensstandard gehoben und die Arbeitslosigkeit unter den arabischen Landarbeitern vollkommen beendet hat. Aber gleichzeitig tritt ein neues beunruhigendes Zeichen in Erscheinung: das ungesetzliche Einströmen großer Zahlen armer arabischer Einwohner Transjordaniens, Syriens, Aegyptens und anderer Länder in Palästina. Diese Massen werden durch die vielen Arbeitsgelegenheiten und den in Palästina herrschenden höheren Lohnstandard angezogen; sie füllen das Vakuum aus, das durch ungenügende jüdische Arbeitereinwanderung auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt entStande» ist. Die Masseneinwanderung aus den benachbarten. Landern trägt nicht allein die Form der Saisonwanderung; sondern es kommen in immer wachsender Zahl Araber ins Land, die nicht hur selbst dauernd im Lande bleiben, sondern die auch ihre Familienangehörig ennachk ommen lassen, um sich im Lande ansässig zu machen. Ich fordere dringend, schreibt Sokolow, daß wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um diesen an Umfang stetig zunehmenden Prozeß aufzuhalten. Es wird schwer sein, einen Zustand, unter dem nichtjüdische Einwanderer aua den Nachbarländern ungehemmt einströmen dürfen, während die jüdische Einwanderung nicht in dem vollen Ausmaß der Aufnahmefähigkeit des Landes zugelassen wird, mit den Bestimmungen des Manj dats in Einklang zu bringen. FERIEN SONDERREISEN NACH Polen und Czernoultz <m mit Sammelpaß u. bequemer Platzreservierung Abfahrt: 7. Juli, 21. Juli, 11. August, 25.August Rückfahrt: 4. Auguat und 15. September Aufenthaltsdauer ganz Ihrem Urlaub angepaßt. Auskünfte und Prospekte: Reisebüro „IRUT", Wien f, Karlsplatz 1 — Telephon U-44-5-79 Die durch ungenügende jüdische Einwanderung entsandene Unstabilität auf dem Arbeitsmarkt war auch für die Verminderung des jüdischen personellen Anteils in der Polizeimacht und im Eisenbahnwesen verantwortlich. Kürzlich hat die Jewish Agency große Anstrengungen gemacht, um Juden zu veranlassen, in die Polizeimacht einzutreten; gerne spreche ich hier meine Anerkennung den Behörden aus, die uns in dieser Sache hilfreich unterstützten. Aehnliche Anstrengungen wurden auch in der Werbung von Juden für den Eisenbahnerdienst gemacht. Es ist aber klar, daß solche Anstrengungen nicht erfolgreich sein können, wenn nicht die in diesen Dienstzweigen bezahlten Löhne in eine gewisse Relation zu den Löhnen auf dem Arbeitsmarkt gebracht werden. Das Problem der Beschäftigung von Juden im Zivildienst der Regierung hat der Jewish Agency Sorge bereitet; man wird diese Sorge verstehen angesichts der Tatsache, daß die Zahl der Juden in den Regierungsdiensten stationär geblieben ist, während die allgemeine Zahl der jüdischen Bevölkerung in starkem Wachsen begriffen ist. Insbesondere möchte .ich auf die geringe Zahl von Juden im Gerichtswesen hinweisen. Im Haifaer Distriktagericht zum Beispiel ist kein jüdischerRichter vorhanden, obwohl die jüdische Bevölkerung Haifas rapid wächst und große jüdische landwirtschaftliche Zentren dein Distrikt angeschlossen sind. # Aus diesem Bericht ist zu entnehmen, daß die Entwicklung d«s wirtschaftlichen Lebens in Palästina

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