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Die neue Welt · 1935-06-06 · Heft 470 (6.6.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 470 (6.6.1935)
Date
1935-06-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Pf eis 20 GfOSCltCn Mwgang # Donnerstag/ denfuttfl«SS Nr« 470 V* b+b* Zeitung vom Verleger versendet REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bomänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa SO.—, vierteljährig. Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig; Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Franc3 4.50. Mit 23 bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitätssir.8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Juden und Christen in Oesterreich Ein Christ will Aussprache von Volk zu Volk In der Erkenntnis, daß eine gedeihliche Lösung der Judenfrage in Oesterreich nur möglich ist, wenn eine gründliche und rückhaltlose Aussprache zwischen den geistigen Führern aus dem christlichen und jüdischen Lager über alle Probleme vorausgeht, hat der „Jüdische Volksbund für Oesterreich" die Parole der „Verständigung von Volk zu Volk" ausgegeben und - hält, trotz -aller Angriffe und Verdächtigungen aus beiden Lagern, unentwegt an ihr fest. Gerade in den letzten Tagen hatte die „Neue Welt" Gelegenheit, gegen solche Angriffe von assimilatorischer und allgemein-zionistischer Seite Stellung zu nehmen. Mit umso größerer Genugtuung kann festgestellt werden, daß die vom „Volksbund" ausgegebene Losung Früchte zeitigt. Ein deutsch-christlicher Führer, der unstreitig zu den berufensten gehört, hat in der vom Volksbund propagierten Sache das Wort ergriffen. In einem Gespräche mit dem Wiener Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur hat der Volksbildungsreferent der Stadt Wien, Professor Dr. Lugmayer, folgendes erklärt: „Ich sehe' im Judentum eine religiöse Gemeinschaft, die wahrscheinlich so lange existieren wird, wie die christlichen Gemeinschaften ' existieren Werden; Die A s s i m i 1 a t i o n ist ein viel zu langwieriger Prozeß und im großen und ganzen nur eine Randers cheinung, die den Kern des Vo 1 kes nicht erfaßt. Die Zukunft der Juden sehe ich, im Gegenteil, in einer religiösen Vertiefung, die auch zu einem friedlicheren' geistigen Zusammenleben von Juden und Christen führen kann. Ich bin auch für einen Ausbau der jüdischen Kulturautonomie. Es niüßte ein vollständiges autonomes jüdisches Schulwesen geschaffen werden, das von den Juden selbständig verwaltet werden soll, wie überhaupt sämtliche kulturellen Agenda des Judentums von den Juden selbst versehen werden sollen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, will ich gleich bemerken, daß ich das selbständige jüdische S.chulwesen nicht aus dem Grunde verlange, weil ich etwa einen ungünstigen Einfluß der jüdischen Kinder auf die nichtjüdischen befürchten würde. Derartige Auffassungen würden meiner langjährigen Erfährung als Schulmann und Professor am Wiener RainerrGymnasium (mit einer zahlreichen jüdischen Schülerschaft) widersprechen. Aber die Judenschaft hat ein Recht auf ein eigenes autonomes Schulwesen. :Die Einrichtung der Parallelklassen ohne jüdische Erziehung halte ich für unzweckmäßig. Hingegen soll das autonome jüdische Schulwesen grundsätzlich von der Volksschule bis zur Universität reichen, wenn auch eine jüdische ' Universität nicht in jedem Staate, sondern etwa in einem Staate für ganz Mitteleuropa geschaffen ' werden könnte. Ich trete für eine Ergänzung der jüdischen Berufsschichtung durch Ausdehung der Berufstätigkeit auf die gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufe ein. Es gibt jedoch manche Berufe, für die die Juden durch generationenlange Uebung und Selektion größere Fertigkeiten erworben haben, wie beispielsweise im ärztlichen Beruf, in dem immer eine relativ große Zahl von Juden tätig sein wird. Der Uebergang von Juden zu den manuellen Berufen soll auch nichtdurchErschwerung des Studiums erzwungen werden. Die von mir vertretenen Auffassungen in 1 bezug auf das geistige Zusammenlehen der Juden und Christen müssen allerdings nicht nur den Juden, sondern auch den Christen erst klargemacht werden. Ich würde daher eine Aussprache zwischen den geistigen Vertretern beider Lager sehr begrüßen. Selbstverständlich kann es sich dabei nicht darum handeln, die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden erst zur Diskussion zu stellen. Die-Staatsbürgerrechte der Juden sind ebenso wie die der Christen unantastbar und daher außer Diskussion. Es kann sich auch nicht um gegenseitige B ekehrungsversuche handeln. Die Aussprache soll bloß dahin führen, daß die Juden und die Christen der Jetztzeit sich gegenseitig verstehen und nicht auf Grund geschichtlicher Rekriminationen (mittelalterliche Verfolgung auf der einen und Ablehnung der Erscheinung Christi auf der anderen Seite)] einander Vorwürfe machen. Die internationalen Beziehungen der Juden sind meines Erachtens kein Hindernis für ihre Vaterlandsliebe. Diese Beziehungen können sogar zugunsten des Vaterlandes, in dem die in Betracht kommenden Judengruppen leben, eingesetzt werden, was heute auch vielfach geschieht. Ich bin der Meinung, daß die Juden nicht nur im liberalen, sondern auch im christlichen Staate frei leben können. Ich hoffe, daß eine geistige Befriedung zwischen Juden und Christen, die schon bis jetzt auf /beiden Für PHngSfdllSflÜgß mitnehmen: den delikaten eCHt©!! SCHWEIZER Kä?2 ,BERNA' KatfaiE!jfcj»4<>i^aw»f<»ia>^<^ MOTTER* sollen bedenken, daß leichte Ermüdbarkeit, schiefe Absätze, Einwärtsgehen beim Kind Anzeichen von beginnendem Senkfuß sind und rechtzeitig durch unsere individuell angepaßten „Pedifrif'-Einlagen (auch nach Gipsmodell), federleicht, haltbar, vorbeugen. Eingehende Beratung bei unserer altrenommierten Fachfirma. — Nach auswärts wertvolle Broschüren kostenlos. Alleinverkauf: BandnoBn-ltITliolaBch Wien llf Taborstrane 22 R-41-0-6O Seiten sehr aktive Förderung erfahren .hat, in Zukunft Tatsache werden wird. Diese Entwicklung erwarte ich insbesondere von der allgemeinen Erkenntnis der Priorität geistiger Werte." * Für diese befreienden Worte müssen alle, welche an der für die Juden und für Oesterreich so notwendigen Klärung des jüdischen Problems interessiert sind, Professor Dr. Lugmayer Dank zollen. 'Die' ,;Neue Welt" wird Gelegenheit nehmen, auf seine Ausführungen zurückzukommen. Iämm ff Die Boykottlücke Palästina ... ifi Knapp nachdem sich in Deutschland im Frühjahr 1933 das pogromantisemitische Hakenkreuzregime etabliert hatte und die Verfolgung und Entrechtung der deutschen Juden begann, schlössen Herren der palästinensischen linken Arbeiterschaft mit der Hitler-Regierung das sogenannte „Transferabkommen" ab, wonach die deutschen Juden, welche ihr Geld aus Deutschland nach Palästina überführen wollen, verpflichtet sind, anstatt ihres Geldes, anstatt ihres Vermögens deutsche Waren nach Palästina zu bringen. Das Geld bleibt in Hitler-Deutschland, die deutschen Waren kommen auf den Markt des jüdischen Palästina. Im Gegensatz zur ganzen jüdischen Welt, zu vielen Millionen nicht jüdischer Menschen, ja im Gegensatz zu den Beschlüssen der II. Internationale hat die zionistische Linke unter Führung der palästinensischen „Histadruth" mit dem deutschen Hakenkreuz paktiert, Geschäfte gemacht, das Transferabkommen in Kraft gesetzt. 23cpor3ttflC ffels das aUoctDäbrfe . öfter t. aJlinernltoaffer ^rebfouer Die jüdische Ehre wurde von der Arbeiterpartei, die den 18. Prager Zionistenkongreß beherrschte, um ein paar Millionen Reichsmark verkauft. Die „Allgemeinen Zionisten" haben zugestimmt. Der palästinensische Markt ist seither mit hitler-deutschen Waren überschwemmt. In der letzten Zeit hat sich die Grausamkeit des Hakenkreuzregimes gegen die Juden noch verstärkt. Gleichzeitig wurde da und dort betont, daß die Boykottfront gegen Nazideutschland unbedingt aufrechterhalten, ja verdichtet werden müsse — als einzig mögliche Abwehr gegen ein Regime, das sich die V e rnichtungdesJudentums zum Ziel gesetzt hat. Die auf dem Prager Zionistenkongreß 1933 gegründete Judenstaatspartei erkannte vom ersten Augenblick an die moralische und substantielle Bedeutung des antideutschen Boykotts und setzte allsogleich mit einem Sturm gegen den „Transfer" ein. Als erste Gruppe richtete die judenstaatlerische Fraktion eine diesbezügliche Anfrage an die Zionistische Exekutive, worin es hieß: „Wir erhalten die Mitteilung, daß zwischen Zionisten und der deutschen Regierung ein Vertrag des Inhalts abgeschlossen wurde, daß Palästina zunächst um 3 Millionen Mark Waren aus Deutschland bezieht und die deutsche Regierung dafür vom Vermögen der Juden Deutschlands den gleichen Betrag freigibt. Wir erachten diesen Vertrag als schädlich und den moralischen und materiellen Interessen des jüdischen Volkes nicht entsprechend . . . und verlangen Aufklärung." Das war der erste Schritt der Judenstaatspartei. Der zweite bestand darin, daß sie eine scharfe Resolution für den Boykott und gegen das Transferabkommen einbrachte. Diese Resolution wurde allerdings von der die Mehrheit bildenden Linken und den „Allgemeinen" abgelehnt. In Wirklichkeit war das Transferabkommen noch schlimmer, als man es sich gedacht hatte. Man erfuhr nämlich aus der reichsdeutschen Presse^ daß das Transfergeschäft die Einfuhr von rund 10 Millionen Orangen vorsah, wofür sich Palästina verpflichten mußte, deutsche Industrieerzeugnisse imdöppelten Werte, also für rund 20 Millionen Reichsmark,, einzuführen. Dieses Transferabkommen wurde im Verlauf der zwei Jahre immer wieder erneuert, so daß das jüdische Palästina sich immer wieder in der Zwangslage befindet, hitlerdeutsche Waren einzuführen. Seither wird uns, wenn von einer einheitlichen antijüdischen Boykottfront die Rede ist, zum Vorwurf gemacht, daß gerade Palästina, das jüdische Palästina, das jüdische Nationalheim, als einziges Land die Boykottfront vor der ganzen Welt durchbreche. Wenn wir in dieser Hinsicht Solidarität beanspruchen und an die Völker appellieren, heißt es stets: „Ihr Juden, ihr Zionisten seid es ja selbst, die mit Hitler-Deutschland Geschäfte machen und sogar Palästina mit deutschen Waren überschwemmen. Unter diesen Umständen habt ihr das Recht verwirkt, von uns Teilnahme an eurem Schicksal und Mitarbeit am Abwehrkampf gegen das Hakenkreuz zu verlangen. Wer, wenn nicht Palästina, ist verpflichtet, den antideutschen Warenboykott lückenlos durchzuführen?" Diesem zwingenden Einwurf haben wir nichts entgegenzusetzen. Wir müssen die Zähne zusammenyffO Hotel Arras NIZZA 7 Avenue ßaquis Aller Konitori. Elegant« Zimmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt. Komplette Pension: IJrrcs.39.—

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