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Die neue Welt · 1935-06-04 · Heft 469 (4.6.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 469 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. m DIE KEtflfi WELT Seit« * ] Kleinsiedlung nach dem System Diu Soskin§ Die Idee des Juden staatlers Dr. S. Soskin durchgedrungen Die einseitige Parteiherrschaft im Zionismus hat Pich auch auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Aufbaues Palästinas sehr nachteilig ausgewirkt. Nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Chancen wurden vergeben. Die linken Sozialisten haben, unterstützt von den allgemeinen Zionisten, die wirtschaftliche Arbeit der nationalen Fonds in die Bahnen kommunistischer Versuche gedrängt und aus der Bodenwirtschaft ein Politikum gemacht. Da sich die extensive Wirtschaft, der Getreideanbau auf großen Flächen am besten für Versuche kommunistischer Bewirtschaftung eignet, wurde dieses System forciert. Die Leitung des Siedlungswerkes der zionistischen Fonds wurde Dr. Arthur Ruppin anvertraut, der ganz in diesem Sinne schrieb und wirtschaftete, und dafür als unerreichbarer Sachverständiger aufs höchste gepriesen wurde. Gegen dieses System erhob der Agronom Dr. S. Soskin, welcher prächtige Pflanzungen in Amerika und afrikanischen Kolonien angelegt hatte, seine Stimme. Er wies unwiderleglich nach, daß nur die intensive Kleinwirtschaft, Gemüsebau, Geflügel- und Kleintierzucht, Früchteanbau etc., dem Boden Palästinas entspricht und vor allem das einzige System ist, um viele Menschen mit den geringsten Kosten anzusiedeln. Aber Dr. S. Soskin war kein Linker und kein „Allgemeiner", sondern erst Revisionist und dann einer der Führer der Judenstaatspartei, er unterdrückte sein fachliches Gewissen nicht den Herrschenden zuliebe. So wurde er als „Tomaten- Politiker" verlacht und unmöglich gemacht. Ein Gelächter, das aber das jüdische Volk teuer bezahlen mußte. Heute sind die Ruppinschen Methoden vergessen und überall in Palästina feiert das System Soskin Triumphe. Leider sehr spät. Jetzt ist Dr. S. Soskin nach Palästina gegangen und baut mit Privatkapital eine große Mustersiedlung nach seinem Systeme aus. # Haifa (Palnews). Die „Nahariah Small Holdings Ltd." nimmt feste Gestalt an. Der Gründer der Siedlungsgcscllschaft, Dr. S. Soskin, der seit vielen Jahren daß System der intensiven Kolonisation in Palästina vertritt, legte einem Vertreter der Palnews-Rcdaktion gegenüber folgendes Uber die Sicdlungstätigkeit der Gesellschaft in der Kolonie Nahariah dar: Die Nahariah Small Holdings Ltd. wurde im Dezember 1934 — als Aktiengesellschaft mit einem Kapital von L. P. 50.000, von dem L. P. 35.000 eingezahlt sind -~ registriert. Das Unternehmen nahm sofort seine kolonisatorische Tätigkeit auf einem Gelände von 2300 Dunam auf, das ungefähr 10 Kilometer von der syrisch-palästinensischen Grenze entfernt ist und an der Haifa-Akko-Bcirut-Chaussee liegt, so daß von der Hauptchaussec keine Nebenstraße zur Kolonie gebaut werden muß. Es ist auch bemerkenswert, daß das Gelände der Kolonie sich bis zum Strand ausdehnt. Nahariah ist durch Wasscrübcrfluß begünstigt, das Wasser kommt aus drei Quellen: Mawshukfluß, der das Land der Kolonie durchquert, der Kabriquelle und einem erbohrten Brunnen, der aus nur 18 Meter Tiefe 500 Kubikmeter Wasser per Stunde gibt. Nahariah beruht auf intensiver Kolonisation. Je nach der Größe werden drei Typen von Siedlungen unterschieden: solche von 5, 7 und 9 Dunam (1 Dunam 1000 Quadratmeter). Der Siedler, der sich in Nahariah ankauft, erhält eine Siedlung in einer der erwähnten drei Größen, die zu 30 Prozent mit Fruchtbäumen bepflanzt ist, 55Prozent als Gemüsegarten und 15Prozent als H o f r a u m und HUhncrhof. Der 5 Dunam- Siedler erhält einen Hühnerstall mit 500 Küken, der 7- und 9-Dunam-Siedler mit 750 und 1000 Küken. Zwischen je zwei Siedlungen befinden sich Schmalspurgleisanlagen, die zur Hauptstraße führen, jeder Siedler erhält einen Transportwagen. Der Siedler erhält ferner komplette Wasserversorg ungsanlage, einschließlich des gemeinsamen Reservoirs, die Rohranlage für künstliche Beregnung, ferner auch die erforderlichen Arbeitsgeräte. Außerdem werden jedem Siedler zwei Ziegen zur Versorgung des Haushaltes mit Milch zur Verfügung gestellt. Die 5-Dunam-Siedlung kostet L. P. 715, die 7- Dunam-Siedlung L. P. 1020, während sich die von 9 Dunam auf L. P. 1325 stellt. Diese Beträge schließen nicht den Bau eines Wohnhauses ein, welches sich jeder Siedler selbst nach seinen Bedürfnissen und Mitteln bauen muß. Außerdem muß jeder Siedler eine einmalige Zahlung von L. P. 5 per Dunam als Kapitalsbeitrag zu einer Genossenschaftsbank der Siedler leisten. Auf die Frage, ob eine Familie von einer Siedlung dieser Art leben kann, erklärte Dr. Soskin: Wenn wir dessen nicht sicher wären, würden wir diese Kolonisation nicht unternommen haben. Nach vorsichtiger Kalkulation und ohne die hohen augenblicklichen Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse zur Grundlage der Berechnung zu machen, werden die Siedlungen außer der Deckung des Eigenbedarfes an Gemüse, Früchten, Eiern, Geflügel, Ziegenmilch folgendes monatliches Reineinkommen abwerfen: Die 5- Dunam-Siedlung L. P. 10, die 7-Dunam-Siedlung L. P. 15, die 9-Dunam-Siedlung L. P. 20. Wie hoch wird die Gesamtzahl der Siedler in Nahariah sein? Die Pläne sehen 175 landwirtschaftliche Siedlungen vor, weiterhin sollen 5 0 Handwerker u. a. Berufe auf je IVa Dunam angesiedelt werden, im ganzen also 225 Familien. Außerdem beabsichtigt die Gesellschaft an der Küste einen Badestrand anzulegen. Bis jetzt sind 50 landwirtschaftliche Siedlungen verkauft. Die meisten der Siedler sind Einwanderer aus Deutschland, die den freien Berufen angehören. AdiivMeir bleibt Staatsbürger Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat ihre Absicht, Achi-Meir die Palästina-Bürgerschaft zu entziehen, nunmehr definitiv fallen gelassen. Hingegen hat die Regierung das Ansuchen Zwi Rosenblatts, der zusammen mit Abraham Stavski des Mordes an Dr. Arlosoroff angeklagt war und freigesprochen wurde, um Zuerkennung der Palästina-Bürgerschaft gemenäß dem Naturalisationsgesetz, nachdem er die im Gesetz vorgeschriebene Zeit in Palästina verbracht hat, ohne Angabe des Grundes abschlägig beschieden. Lohnsteigerung in Palästina Aus Tel-Aviv: In den industriellen Unternehmungen Tel-Avivs ist in der letzten Zeit der Arbeitslohn in folgender Weise gestiegen: im Druckereigewerbe um 15 Prozent, in der Möbelindustrie um 22, in der Bau- •tischlerci um 12, im Schneidergewerbe um 18, im Strick, gewerbe um 15 bis 20, in der Metallindustrie um 25 Prozent. Der Taglohn ungelernter Bauarbeiter stieg von 35 Piaster auf 40 (10.5 österr. Schilling). In Haifa stipg der Lohn in der Metallindustrie um 30 bis 35 Prozent, in der Gel- und Seifenindustric um 15 Prozent, für Taschenmacher um 25 Prozent. Rapider Aufstieg des polnisch-palästinensischen Handels Haifa (Palnews). Der polnisch-palästinensische Handel hat im 1. Quartal 1935 dem Vorjahr gegenüber eine auch für Palästina günstige Entwicklung genommen, die Ziffern (in Zloty) stellen sich wie folgt: 1. Quartal 1935 1934 Polen nach Palästina . „ , . , 2,546.000 1,890.000 Polen aus Palästina...... 2,491.000 470.000 Polnischer Exportüberschuß . . . 55.000 1,420.000 Der polnische Export nach Palästina hat sich also gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel erhöht, während sich der palästinensische Export nach Polen infolge der Herabsetzung des Orangenzolles reichlich verfünffacht hat. Der Gesamtumsatz des polnisch-palästinensischen Handels hat sich von 2,36 auf 5,4 Millionen Zloty gesteigert. In den beiden folgenden Quartalen April/September wird sich das Bild naturgemäß völlig anders gestalten und wegen des Fortfalles des Orangenverkehrs sich einseitig zugunsten Polens wenden. Falls sich aber der Citrusexport nach Polen im letzten Quartal dieses Jahres günstig entwickelt, kann das Export-Import-Verhältnis von 1 : 3 im Handelsverkehr Polen—Palästina erreicht werden. Palästinas Orangenexport 1934/35 Palncws melden aus Jaffa: Der Orangenexport der Saison 1934/35 verteilt sich nach den bisher vorliegenden Ziffern, die nahezu vollständig sind, wie folgt auf die verschiedenen Länder (die Vergleichsziffern für das Vorjahr sind von der Regierung zusammengestellt): 1934/35 1033/34 Kisten Kisten England . . « < ■ « 5,244.337 3,554.264 Deutschland . t t » « 506.799 1,328.887 Holland . . * k „ 355.797 145.927 Frankreich . » k » . 173.223 39.557 161.338 31.459 159.612 110.751 128.404 35.074 Norwegen . . « 114.526 51.147 105.633 48.182 Dänemark . . . * » k 61.794 78.465 Tschechoslowakei k k k 49.145 6.045 Schweiz . . , « « * 41.528 10.613 Finnland . . . 4 » « 40.728 15.623 33.880 33.266 Jugoslawien . « . * 25.298 5.674 k 20.671 12.823 Indien, ferner Osten 1 18.628 3.801 Oesterreich , , k <* . 10.059 6.000 8.654 8.821 Estland, Lettland, Litauen , * 3.995 3.089 19.656 9.721 7,283.705 5,539.549 England hat in der Saison 1934, also fast e i neinhalbmal so viel Orangen wie in der Vorjahrssaison aufgenommen, der englische Anteil am Gesamt« export ist infolgedessen von 64,3 auf 72 Prozent gesüegeny während derjenige Deutschlands von 24 auf 7 Prozent zurückgegangen ist. England und Deutschland zusammen nahmen im Vorjahr 88,3 Prozent, im letztem Jahre infolge des verminderten deutschen Imports nur noch 79 Prozent auf. Das sich hieraus ergebende Defizit ist im. wesentlichen durch den verstäkten Import besonders Hollands, Frankreichs, Polens, Rumäniens, Belgiens, Norwegens und Schwedens ausgeglichen. Bemerkenswerterweise ist der Import Dänemarks nicht nur prozentuell, sondern auch absolut erheblich zurückgegangen, während sich der Import der Tschechoslowakei, der Schweiz, Finnlands und Jugoslawiens von 0,7 auf 2,2 Prozent gesteigert hat. Schäden in den Orangengärten Jaffa (Palnews). Die außerordentlich schweren Hamsinwinde, die Ende April-Anfang Mai neun Tage andauerten und zu einer Hitzewelle führten, wie sie sich in den letzten zwanzig Jahren nicht ereignet hat, richtete in den Orangenplantagen beträchtlichen Schaden an. Von sachverständiger Seite werden die Verluste auf mehrere hunderttausend Kisten geschätzt. Japan und Palästina Tel-Aviv (Palnews). Gegenüber 1932 ist der Wert der Tonne Baumwollgewebe um rund 10 Prozent, der Wert der Tonne Seidengewebe sogar um etwa 20 Prozent zurückgegangen. Diese Preisrückgänge stehen mit dem Anwachsen des japanischen Importes in engem Zusammenhang. Der japanische Baumwollgewebeimport stieg von L. P. 75.865 (821 Tonnen) im Jahre 1932 auf L. P. 163.414 (1751 Tonnen) im Jahre 1933, der japanische Seidenwarenimport von L. P. 56.452 (86 Tonnen) auf L. P. 88.792 (173 Tonnen). Für das Jahr 1934 liegen die länderweise aufgegliederten Ziffern noch nicht vor. Da aber der japanische Gesamtexport nach Palästina, der zum größten Teil aus Baumwoll- und Seidenwaren besteht, im Jahre 1934 stark angestiegen ist, ist anzunehmen, daß sich die japanische Baumwoll- und Seidenwarenausfuhr entsprechend stark erhöhte. Der japanische Gesamtexport nach Palästina stieg von L. P. 176.000 im Jahre 1932 über L. P. 350.000 im Jahre 1933 auf L. P. 594.000 im Jahre 1934. lOOprozentiger Boykott deutscher Waren in Kalifornien Aus New York (J. T. A.): Der antideutsche Boykott ini Kalifornien umfaßt nahezu 100 Prozent der Bevölkerung. Der Verband der Importeure in San Diego, der größten Hafenstadt Kaliforniens, beschloß den Boykott deutscher Waren; die Hafenarbeiter weigern sich, die Ladung deutscher Schiffe zu löschen* Der Industrieverband Kaliforniens annullierte alle Abmachungen mit dem Norddeutschen Lloyd. (Die Juden in Kalifornien machen weniger als 3 Prozent der Bevölkerung aus.) Die I« Landeskonferenz der Judenstaafsparte! in der Tschechoslowakei Am 29. und 30. Mai 1. J. fand in Anwesenheit des Mitgliedes der Weltexekutive der Judenstaatspartei Ing. Robert Stricker die erste Landeskonferenz der tschechoslowakischen Judenstaatspartei in Brno statt. Die Eröffnung der Konferenz erfolgte durch einen öffentlichen Vortrag am Abend des 29. Mai, dem gegen 600 Zuhörer beiwohnten. Aus dieser für Brno verhältnismäßig sehr großen Zuhörerschaft ist ersichtlich, welches Interesse die Brünner Judenschaft der Veranstaltung entgegenbrachte. Die Vorträge der Herren Theodor Grubner, Wien (Die Lage der Judenstaatspartei), Fritz Richter (Die jüdische Jugend und die Judenstaatsparte.i), insbesondere der Vortrag des Herrn Ing. Robert Stricker (Vor dem XIX. Zionistenkongreß), wurden durch zahlreiche Beifallskundgebungen unterbrochen. Mit dem Absingen der Tikwah wurde die Eröffnungsfeier geschlossen. Am 30. Mai um 10 Uhr vormittags begannen die Beratungen der Landeskonferenz, die von Delegierten aus allen Teilen der Republik beschickt war. Die Beratungen dauerten bis nach 4 Uhr nachmittags. Anschließend fanden Besprechungen mit der „Gruppe der politischen Zionisten" wegen des gemeinsamen Vorgehens bei den Kongreßwahlen statt. Ein eingehender Bericht über beide Konferenztage folgt. Hakoah bleibt erstklassig. 1 :0-Sieg gegen Fav. Sp. Ol. Im letzten Meisterschaftskampf konnte die Hakoah den Fav. Sp. Cl. weitaus überlegener, als das Resultat besagt, schlagen. Durch diesen Sieg beendet die Hakoah die Saison 1934/35 und placiert sich an drittletzter Stelle. Noch vor einigen Wochen ein fast sicherer Abstiegskandidat, wurde durch aufopferndes Spiel und wahres Können diese Gefahr beseitigt. Den einzigen Treffer der Hakoah schoß Ehrlich 1. Viele ausgezeichnete Schüsse konnte der Favoritner Tormann unschädlich machen. Die jüdische Mannschaft bot ein gutes Spiel. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Katz; Weiß, Donnenfeld; Breitfeld, Stroß, Platschek; Reich, Schindler, Ehrlich 2, Mauaner, Ehrlich 1. Dr. KaminJka von der katholischen „Leo-Gesellschaft" eingeladen Der Leiter des Wiener Maimonides-Instituts, Rabbiner Dr. Armand Kaminka, is.t von der „Leo-Gesellschaft", der großen katholisch-wissenschaftlichen Vereinigung, eingeladen worden, in einer außerordentlichen Festversammlung der Gesellschaft, der auch der spanische Gesandte in Wien beiwohnen wird, einen Vortrag über Maimonidcs zu halten.

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