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Die neue Welt · 1935-06-04 · Heft 469 (4.6.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 469 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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m& Nr. 469 (täem BakkkmtUet <ds CMm m V^imUm 1/ofH ScUceiUUcU xuc Schotte Von Dr. Edgar Breitn er Vor kurzem brachten wir dlo Nachricht, daß Dr. Edgar B r e i t n c r, der junge, unermüdliche und wackere Zionlst, Leitungsmitglied der Judenstaatspartei, in Haifa bei einem Autounglück ums Leben gekommen sei. Dr. Breitner hatte seine Bankbeamtenstelle in Wien aufgegeben, um in Palästina sein zionistisches Ideal verwirklichen zu können. Er fand dort eine Reihe von Gesinnungsgenossen aus seiner Hochschulzeit, die „Nachrichten der jüdisch-akademischen Verbindung Emunah" in deutscher Sprache herausgeben. Dem Märzheft, dieser Publikation entnehmen wir den nachstehenden Beitrag des so tragisch dahingegangenen Dr. Breitner, der in anschaulicher Weise die ersten Etappen seiner Verwurzelung in Erez schildert. Es hat sich in der letzten Nummer der Nachrichten der Emunah der Redaktionsstab gestattet, mich unter die Sorgenkinder des AHV. (Altherrenverband) Erez einzureihen, vermutlich, weil ich noch nicht hinter einem Büroschreibtisch gelandet bin, sondern als freier Poel das Land unsicher mache (gewisse aus den Wiener Cafes hieher immigrierte Herren verstehen nämlich unter Einordnung irgend eine tintenbekleckste Beschäftigung). Nun ist ja ein anständiger Posten auch nicht zu verachten — wozu allerdings meine gegenwärtigen Iwrith-Kenntnisse noch nicht recht reichen (also nehmt mich zum warnenden Beispiel und lernt Hebräisoh!), aber ich glaube mich gerade durch meine Beschäftigung im Pardess, beim Pflug, beim Binjan (Bau), beim Straßenbau viel besser in da3 Land, das mir so schnell zur Heimat wurde, eingelebt zu haben. Das Sichzuhausefühlen fiel mir um so leichter, als die hiesigen Bundesbrüder mich sofort hoppnahmen. Kaum angekommen, war ich hei .T. F. in Petach Tikwah untergebracht und bekam Arheit. Ich weiß noch nicht recht, wie ich euch mein bisheriges Leben einerseits kurz, andererseits ausführlich berichten soll, aber wir werden ja sehen, also: Da um Balatten- und Fliesenlegern (überhaupt solchen mit Schnellsiedekursen) kein gar so großes Geriß ist, als man in Wien herumredet, ging ich zunächst nach ..K a 1 m a n i a", eine große Musterwirtschaft zwischen Kfär Saba und Tel-Mond. Zur Wirtschaft gehören zirka 1000 Dunam Orangen- und Bananenplantagen, an 80 Stück Rindvieh, ein Dutzend Pferde. Ich wohnte im Arbeiterhaus mit 8 Chawerim, größtenteils ehemaligen Studenten aus Deutschland, Polen, Ungarn, in einem großen Schlafsaal. Taglohn 20 Piaster, davon ab 8Kfür Kost und Quartier, bei Erkrankung kostenlose Behandlung u. s. w., achtstündige Arbeitszeit, unterbrochen durch 10 Minuten Menuchah (Ruhepause) nach jeder zweiten Stunde, Arbeitswerkzeug, die „Turia h", eine Art breiter Hacke zum Auflockern und Ausheben von Erde. Unsere Arbeit •bestand im Ausjäten von Unkraut, Auflockern der Erde innerhalb der Erdteller, in denen die Orangenbäume stehen, sowie Wiederherstellung der durch das Bewässern des Pardeß zerstörten Wände dieser Erdteller, Tagespensum zirka 40 Bäume pro Mann. Die Arbeit (immer in halbgebückter Stellung) war zunächst kein übertriebenes Vergnügen, aber erstens wirkt die Gemeinsamkeit erleichternd, und dann ,.gewöhnt man sich zi" (ad vocem Zigewöhnen: Die meisten meiner engeren Chawerim waren erst kurze Zeit im Lande und verstanden noch nicht viel Iwrith und so bedienten wir uns des Jiddischen — ich hab' mich darin bald ,,oisgelernt" — oder man sprach Deutsch oder bittaschoen: Ungarisch.) Die Burschen waren sehr nette Kerle und nach dem gemeinsamen Nachtmahl saßen wir noch lange draußen in der herrlichen Sternennacht und sangen und tanzten Horah unter Zuziehung diverser Chawerim und Chaweroth aus einem nahegelegenen Kibbuz, ganz so, wie Ihr es aus Palästina-Filmen oder -Büchern kennt. Nach ein paar Wochen fuhr ich Erew Schabbath zu F... nach Petach Tikwah. Kalmania liegt weit draußen im Scharon, die nächste Moschawah 5 Kilometer weit, Kwisch (erhaltener Fahrweg, Autostraße) gibt's dort noch \ nicht und die Fahrerei auf dem hügeligen Sandweg, in dem kleinen, vollgepropften Autobus war eine Art Trockenkurs zum Wegtrainieren der Seekrankheit, aber die kräftigen Burschen und Mädels in der groben Chaluztracht lachten und sangen den ganzen Weg und wenn ein mir bekanntes Lied drankam, gröhlte ich mit. In Petach Tikwah teilte mir .T. mit, er wüßte einen Arbeitsplatz für mich, wo ich Traktorführen lernen könnte, eine Arbeit, bei der man zirka 70 Piaster bis 1 Pfund pro Tag verdienen kann. So übersiedelte ich nach Petach Tikwah, mietete mir ein kleines Zimmer mit anstoßender Küche (monatlich Pfund 1,10,—), kaufte mir einen „Primus" (Petroleumkocher) samt Kochgeschirr, Bett plus bezügl. Wäsche, 1 Kasten, 1 Tisch und 2 Sessel (zusammen 3 Pf.) und führte „Wirtschaft". In der ersten Freude über meinen jungen, eigenen Haushalt kochte ich und „pregelte" ich, was Gott in den ganei arzenu (Gärten unseres Landes) wachsen läßt. Was die Lebenshaltung hier sehr verteuert, ist das Wohnen. Man verlangt in Tel-Aviv und Haifa 2'/, bis 3 Pfund und darüber per Wohnraum und nur in den alten Häusern ohne elektrisches Licht, ist. es billiger. Billiger sind die Zinse in Jerusalem oder in den Moschwoth. Kleidung kostet hier viel weniger als drüben bei euch, u. zw. Winterkleidung (die gleiche wie in Europa) zirka 30. bis 40 Prozent billiger. Im Sommer trägt man nur leichtes Leinenzeug (kurze oder lange Hosen zu 8 bis 35 Piaster, kurzärmeliges Hemd 8 bis 20 Piaster, Stutzen 7 bis 15 Piaster, Schuhe um 30 Prozent teurer als in Europa. Wenn man noch nicht lange im Lande ist, verausgabt man für „Oasos" (Sodalimonade, Kracherl) und Glidah (Eis) eine Unmenge Geld. Gewöhnliches Wasser soll man (da angeblich gesundheitsschädlich) nicht zu viel trinken. Uebrigens .weiß ich erst, seit ich im Lande bin, daß Palästina-Wein gut, ja ausgezeichnet ist. Von dem in Europa erhältlichen Palä3tina-Wein ist der Name das einzig Gute. Importbier ist hier natürlich erhältlich, aber sehr teuer. Eine Flasche (7/h> Liter) Piaster und darüber. Seit langem spricht man vom Bau einer Brauerei in Rischon-le-Zion, aber es scheinen da allerhand Schwierigkeiten vorzuliegen, vor allem die hohe Abgabe von 2 Piaster per Liter. Wenn Ich im heißen Mittag unter unserem Werkzeugwagen lag, mich für künftige Taten stärkte, und mir die Umgebung ansah, wie sich in das fahle Gelb der noch arabischen Stpops mehr und mehr das dunkle Rotbraun unseres jungen jüdischen Ackerbodens schiebt, und bald, bald wird er grün werden und goldene Aepfel werden ihn schmücken, freute ich mich, daß ich, der kleine Bankbeamte a. D., auch ein Stückcrl Chaluz sein durfte. Während mein psychisches Ich in einem Meer von Wonne schwamm, machte mir die Physis Bestemm. Meine Hände waren mit Schwielen bedeckt, die Haut in den Handflächen riß auf und die Sache eiterte. (Das kriegt man hier eben so rasch, aJs man es sich angeeignet hat, wieder los). Unsympathischer war der Umstand, daß ich für diese Arbeit (den schweren Plug aufzureißen oder umzulegen) zunächst noch nicht genug stark war, das hätte sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Zeit gegeben, aber -- was tut Gott? — eines Tages bekam der Motor des Traktors einen Knacks (bitte schön, ich bin nicht schuld, denn ich arbeitete ja nur am angehängten Pflug und auf der Maschine saß ein Zabre (Bezeichnung für die meist etwas rauhbeinigen, in Palästina geborenen Juden. Bedeutet eigentlich stachelige Kaktee), der mich von Zeit zu Zeit anschrie, um mir seine Uebenegenheit zu beweisen, und die Reparatur, bzw. Ersatzteilbeschaffung aus U. S. A. konnte Monate dauern. Ich kam zur Bin janarbeit. (32K Piaster pro Tag), Zementsäcke schleppen, Sand und Kiesel zutragen, Eimer mit Beton reichen u . s. w. Meine Chawerim waren sehr nette Burschen aus Polen, dann ein 40jähriger ehemaliger Prokurist der ,,Epa" Berlin. Die Umgangssprache war leider wieder größtenteils Jiddisch. Ein paar Wochen später verschaffte mir J. einen Protektionsposten beim Straßenbau in Ramatgan als Maschgiach (Aufpasser), was nicht übertrieben anstrengend war und außerdem den Vorteil der regelmäßigen Lohnzahlung (35 Piaster pro Tag) hatte. Ansonsten bekommt der Poel speziell beim Binjan den Lohn sehr unregelmäßig und muß des öfteren auf den Lohn warten, da die Kablanim (Bauunternehmer) das Geld von ihren Auftraggebern etappenweise nach Fertigstellung des ganzen Hauses oder einzelner Stockwerke bekommen. Nach meiner Wiederherstellung — ich war eine Zeitlang krank — versuchte ich mein Glück als Fliesenleger in Tel-Awiw. Die Arbeit ist ja physisch nicht so anstrengend, aber erfordert doch Routine und Tempo, wenn man gut verdienen will. Da mir diese beiden Voraussetzungen noch fehlten, verdiente ich zunächst nicht sehr viel, wenngleich es zum Leben reichte. Tch arbeitete mit zwei Leuten, einem jungen Ehepaar, zusammen auf einigen Binjanim im Hazafon (Norden), einem ganz jungen Viertel von Tel-Aviv längs der Küste. In diesem Viertel wohnen jetzt sehr viele deutsche Juden, man hört sehr viel deutsch sprechen und sogar Firmenschilder und Reklameflugblätter, Speisekarten in den Restaurants sind deutsch. Die hier ansäßigen Ostjuden, die ja meist länger im Lande und alte Zionisten sind, sahen das nicht gerade gerne, aberv sie machen Konzessionen und 30 ist vor einer Wäscherei in der Rechow Elieser hen .Tehuda ein Firmenschild mit der Aufschrift: „Der waiße Neger." Ja, also arbeitete ich in Tel-Aviv und machte langsam Fortschritte im Balattenlegen und hatte von den Neubauten, in denen unsere kleine Kwuzah arbeitete, den Ausblick aufs Meer, auf die Taruchah (Messegebäude) und, nach der anderen Seite, auf unsere erste lOOprozentig jüdische Stadt. Und wenn ich auch mit Mörtel bespritzt und von Kalk und Zementstaub verdreckt war und die Fingerspitzen vom Beton aufgebrannt hatte, mein psychisches Ich ging drüben in jontefdigem weißen Strandanzug am Sfath hajam (Meeresküste) spazieren. Mitte Dezember erhielt ich von Bb. Bruno Rabinowitz ein Angebot in seine neu gegründete Bakelit-Werkstätte in Haifa und nahm es an, verfrachtete mich um einen oder zwei Breitegrade nördlich. Haifa hat sich ebenso wie alle jüdischen Siedlungen kolossal vergrößert, seit ich das; Land zum ersten Male betrat. Da bin ich nun seither und versuche mich einzuarbeiten und einzuleben. Ich kann mich inmitten so vieler Bundesbrüder und der hier haufenweise grassierenden Wencr Bekannten gar nicht fremd oder gar vereinsamt fühlen, wenngleich es in der grünen Moschawah, im alten Petach Tikwah, doch schöne war. Außer Opernball und Insolvcnznachrichtcn hören, wir auch hier diverse Politiker im Radio und dann zur angenehmen Abwechslung auch gute Wiener M us i k. An Wien werde ich durch die, wie erwähnt, hierorts zahlreich versammelten Landsleute erinnert, die das Cafe „Vicnna" und „Austria" (letzteres Sitz der Oleja Austria) bevölkern und die sich hier um so mehr zu Hause fühlen können, als es auch hier (na so ein Zufall!) eine Karmcliterkirche und eine Taborstraße gibt, ferner sieht man hier auch ziemlich viel österreichische- Industrieprodukte, wie Maschinen, Radio- und elektrische sowie überhaupt technische und chemisch-pharmazeutische Artikel, Modewaren u. dgl. Wiener Films waren auch des öfteren zu sehen, so präsentierte sich uns Oberst Redl, Frühlingsparade, der Schubert-Film „Die Unvollendete", zu dem der ganze Kibbuz Giwath Haschloschah in Petach Tikwah geschlossen ausrückte. Ein merkwürdiger Kontrast zwischen den Szenenbildern mit befrackten Gentlemen und festabendlicn dekolletierten Damen und unseren jungeu Leuten in den Arbeit3blusen, in dem schäbigen Holzbau des kleinen Moschawah-Kinos. Manchmal macht einem das „Zigewöhnen" noch Schwierigkeiten, ein bißerl Klima, mehr die eigene Unbeamtheit (14 Jahre Bankbeamtenpraxis sind alles eher als Hachscharah). Aber andererseits beschert mir jeder Tag kleine Freuden, wie man sie eben nur hier im Lande erleben kann. Sei's der Anblick öcr schönen Pardessim (wo im dunkeln Laub die Go'ldorangCö, glüh'n), sei's das herrliche Meer oder die festen, frechdachsigen Buben und Mädels mit ihrem herzigen Iwrith, die draußen in den Moschawoth auf Pferden und Eseln hcrumgaloppieren oder auf Rädern vorbeiflitzen, die wunderbaren Nächte mit den tiefhängenden Sternen, in die die Silhouetten der Psalmen oder Pinien ragen, ein „Neschef" (Fest) im Kibbuz mit Horah und hebräischen Liedern. Natürlich erlebe ich auch Unangenehmes und Trauriges, denn es ist ja lange nicht so alles in Butter, zum Beispiel wenn ich am Kwisch Petach Tikwah- Tel-Aviv an den Zäunen der schönen Pardessim Tafeln angebracht sehe: Migraschim limchirah (Bauparzellen zu verkaufen), was mit anderen Worten heißt, daß die mit so viel Mühe gepflanzten Orangenbäume, die längst Frucht gebracht haben und bringen, ausgerissen werden und der Boden zum Spekulationsobje kt gemacht wird. Und gerade, weil ich diese unsere Schwäche kenne, glaube ich, daß es nur ein Mittel dagegen gibt: unseren guten, alten Keren Kajemeth. Denken wir doch daran, daß unser Volk Boden braucht, aber grünes Land, Heimatland, unabhängig von Preiskonjunkturen der Bodenspekulation! Erez Israel darf kein arabisches Ghetto werden, werbet für die friedliche Eroberung des Bodens! Die Wizo und Zionistische Bezirkssektion XVHI veranstalten am Dienstag, den 4. Juni a. c, im Garten und Saal des Kasino Zögernitz einen Frühlingsgesellschaftsabend mit erstklassigen künstlerischen Darbietungen, interessanter Modenschau (Salon Krupnik), Bridge, Tanz, zu welchem alle Freunde und Bekannten sowie Gäste herzlichst eingeladen sind. Ferienfahrten nach Polen und Czernowitz. In den Monaten Juli und August finden mehrere Abfahrten nach Polen statt. Der Aufenthalt dortselbst nach Wunsch. Wegen Platzreservierung sind die Anmeldungen schon jetzt ratsam. Polnisches Verkehrsbüro „Francopol", Wien, III., Rennweg 1 (im Gebäude des poln. Konsulats). Telephon U-16-4.-90. Aktuelle W Mode-Kretonne für Kleider und Dirndl, p. Mtr......S Sporf-Ultette-fmf>rlm«rjn zarten Pastell.- färben, für Laufkleider . . . . . 5.r.. S Waschselde-Imprinve gute Strapaz-Qualität für Kleider * . . . . S Für Bad und Strand: 5000 Paar Gummi-Badeschuhe f. Damen. Modefasson, in. Absatz S 1'50, ohne S Damen-Schwlmm-Yrlkot ruckcnfrci. gerippt, ailc Farben. Größe III.......S Damen-SchafwoH-Badeanzug in Modefarben, mit und ohne Schoßerl . . . S K.-S.-Mattcrepe Travers vorzügliche. Kleider-Qualitiit. 90 cm Scharwo!l»Duvetine für Paletots .schwarz. blau, braun, 1.30 cm breit p J.50 r 10 Seidenstoffe: _ K.-Oepe-de-Chine-Bmprime große Auswahl diverser Dessins. 90 cm' K.-Seiden-Taffet-Schotten Kufe Matt-Qualität, sehr modern.....S K.-Selden-BoUCle ,„ Karo-Noppen oder glattfarbig, für Sommerkleider. 100 cm . . . 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