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Die neue Welt · 1935-05-28 · Heft 467 (28.5.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 467 (28.5.1935)
Date
1935-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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FSV. 46T DIE NEUE WELT Seite 3 SfaM Klassenkampf — nationaler Arbeif§dsen§t Die Forderung der Judenstaatsparte? Ein beliebtes Kampfmittel der marxistischen Klassenkampfparteien — Kommunisten, Sozialdemokraten aller Schattierungen und bürgerliche Salonmarxisten — besteht darin, alle grundsätzlichen Gegner ihrer Doktrin und Taktik als soziale und politische Keaktionärc zu brandmarken, als Menschen, welche den Arbeiter in die Sklavenrolle drängen und den sozialen Fortschritt hemmen wollen. Da nun die Judenstaatspartei im Marxismus und seinen Abarten kein Mittel zur sozialen Befreiung, sondern eines der Verknechtung in neuer Form erblickt und die Ideologie des Klassenkampfes im allgemeinen und für Palästina im besonderen ablehnt, ist es nur selbstverständlich, daß die linken Zionisten-Sozialisten und ihre „allgemein-zionistischen" Helfer auch die Judenstaatspartei als sozial-reaktionäres Element, als „rechte" Flügelpartei hinstellen. In Wirklichkeit aber bekennt sich die Judenstaatspartei zu einem sozialen Programm, welches umfassender und tiefgehender, also umwälzender und ,,revolutionärer" ist, als alle halb- und ganzmarxistischen. Sic folgt dem Wege, den der größte Sozialreformator, Popper-Lynkeus, gewiesen hat. „Solange es vorkommt, daß auch nur e i n einziger Mensch hungert oder in seiner Lebenshaltung nicht gesichert ist, solange taugt die ganze Gesellschaftsordnung nichts!" „Ein einziger Fall, in dem ein Mensch vor Hunger zugrunde geht, genügt, um die Nichtswürdigkeit einqs ganzen Gesellschaftszustandes zu beweisen." Und das Wort aus dem Talmud: „Um jedes einzelnen Menschen willen ist die Welt erschaffen." Diese Sätze hat der große Menschheitsführer Popper-Lynkeus vor vierzig Jahren an die Spitze seines Programmes gestellt. Ueber Kasten und Klassen, die Instrumente der Gewalt und des brutalen Gruppenegoismus, führt er zum Menschen. Zu jedem Menschen. Er proklamiert das angeborene, unzerstörbare. Recht jedes Menschen auf Nahrung, Dach, Kleidung und sonstige unerläßliche Lebensnotwendigkeiten, und die P f 1 i c h t der Gesellschaft, allen ihren Mitgliedern, ausnahmslos, diese Lebensnotwendigkeiten zu garantieren. Um ihre „Nährpflicht" erfüllen zu können, stellt der Staat die „Nährarmee", die Arbeitsarmee, auf, in welcher jeder Bürger eine bestimmte Reihe von Jahren unentgeltlich für die Allgemeinheit Dienst zu leisten hat. Hat er seiner „Arbeitsdienstpflicht" genügt, dann hat er für'immer den Anspruch auf Schutz vor Hunger durch den Staat erworben und kann fortab sein Leben frei gestalten. „Nährpflicht" der Gesellschaft — „Nationale Arbeitsdienstpflicht" des Individuums. Das ist das soziale Progi^amm der Judenstaatspartei. In diesem Sinne strebt sie die Lösung der sozialen Frage im Judenstaate an. Es gibt noch keinen Judenstaat, der eine „Nährarmee" aufstellen kann. Aber es gibt im werdenden Judenstaat gesellschaftliche Gebiete, auf welchen schon jetzt der Grundsatz der gegenseitigen Dienstleistung von Gesellschaft und Individuum in die Tat umgesetzt werden kann, ja umgesetzt werden muß, als einziges Mittel zur Verhütung einer schädlichen Entwicklung der nationalen und wirtschaftlichen Struktur im Jüdischen Nationalheim. + Um der in ihren katastrophalen Wirkungen nicht hoch genug einzuschätzenden „Landflucht" in Palästina zu begegnen, schlägt die Judenstaatspartei die Einführung des „Nationalen Arbeitsdienstes" und Aufstellung einer Arbeitsarmee vor. tt Die Verteilung der Juden auf ländliche und städtische Arbeit in Palästina hat eine Form angenommen, welche in gefährlichem Gegensatz zu allen zionistischen Plänen steht. Allein in den drei Städten Tel- Awiw, Jerusalem und Haifa wohnen rund 80 Prozent aller palästinensischen Juden. Hiezu kommen die Juden in den kleineren Städten (Tiberias, Hebron, Safed usw.). Ferner ist in Berücksichtigung zu ziehen, daß viele Juden in den großen landwirtschaftlichen Kolonien (Petach-Tikwah. Reschobot, Rischon Le-Zion u. a.) städtischen Berufen nachgehen. Wenn man all dies in Rechnung zieht, ergibt sich, daß kaum mehr als 12 bis 14 Prozent der Juden in Palästina durch Arbeit mit dem Boden verbunden sind. Dabei ist das Ende dieser Entwicklung nicht abzusehen, denn von der neuen jüdischen Einwanderung strömt wieder der Großteil in die Städte ab. Anderseits fluten Mengen landfremder Araber aus den Nachbargebieten ins Land und setzen sich in den von jüdischen Arbeitskräften entblößten landwirtschaftlichen Betrieben fest. Und zwar für immer, denn an eine Entfernung dieser in jüdische Wirtschaften eingedrungenen arabischen Landarbeiter ist kaum zu denken. Es ist möglich, zu fordern, daß in von jüdischem Privat- und Nationalkapital geschaffenen Wirtschaften nur jüdische Arbeiter eingestellt v/erden. Es geht aber kaum an, auf die Entfernung eingesessener arabischer Arbeiter zu drängen. So hat eine Entwicklung eingesetzt, deren Resultat nicht ein wirklich jüdisches Palästina sein wird, sondern eine Anzahl jüdischer Städteinseln in einem Meer verwurzelter arabischer Landarbeiter. Die Zionistische Organisation hat diese Gefahr, über deren Größe zu sprechen sich erübrigt, seit langem erkannt. Aber sie hat sich als unfähig erwiesen, dieser bedrohlichen Entwicklung wirksam zu begegnen. Die Zionisten-Sozialisten, welche heute die Leitung der Zionistischen Organisati6n ganz in ihren Händen haben, stehen ohnmächtig da. Es ist ihrer Partei wohl gelungen, eine absolute organisatorische Herrschaft im Lande zu etablieren und fast die ganze Arbeiterschaft materiell und politisch tributpflichtig zu machen. Wer sich der Partei nicht fügt, kommt nicht oder nur unter schweren Bedingungen zur Arbeit im Lande. Aber der Drang von der ländlichen zur besser bezahlten städtischen Arbeit kann die herrschende zionistische Klassenkampfpartei nicht hemmen.. Da endet ihre große Macht. Sie erschöpft sich in moralisierenden Tiraden und muß es erleben, daß sogar von ihren kommunistischen Mustersiedlungen jüdische Arbeitskräfte abströmen. Die Judenstaatspartei hat erkannt, daß hier mit noch so schönen Reden der Führer und Parteibeamten nichts erreicht werden kann. Hier muß die ganze moralische und materielle Kraft der Zionistischen Organisation einsetzen. Unter den jetzigen Umständen bedeutet die Verrichtung der schlechter belohnten und schwereren ländlichen Arbeit in Palästina ein Opfer. Opfer wird aber nur der bringen, der Früchte dieses Opfers sieht. Der jüdische Arbeiter geht von der ländlichen Arbeit weg, weil sich ihm keine Aus- ÜlufeetQtÖemiicfjes ©IM bei Stfjel» fmmmer! 3)ie §offnung mit einem Scfielftammerlos tft mie fdjmt fo oft tu GrfüUuixfi gegangen, diesmal waren es alle bret erftett Haupttreffer ber T. Älaffc, tt. 30).: S 30.000.—, S 10.000 — unb S 6000.—, tceldje mit t>om SBanfs unb SBecfifelhaus Sdjefljammer & Schattete, SBicn, I., Stephansplafe. 9?r. 11, »erfaufien Cofen ge; lüonncn mürben. Der erfte Haupttreffer cutfiel auf fiebeu glücülitfje ÜJetDtnner mit Xrefferantcilcn 3U Vi unb (Vs Cofeu. sieht bietet, trotz schwerster Arbeit und größter Genügsamkeit jemals ein Stück eigenen Bodens unter die Füße zu bekommen, eine noch so kleine, selbständige Existenzr zu erlangen. Er will nicht ewig ländlicher Taglöhner bleiben, und es ist vergeblich und ungerecht, ihn dazu zwingen zu wollen. * Um der „Landflucht" und anderen den nationalen Aufbau störenden Mißständen in der Arbeitsteilung in Palästina zu begegnen, schlägt die Judenstaatspartei vor: Alle Einwanderer, und vor allem diejenigen, denen die Zionistische Organisation durch Zuteilung eines Zertifikats die Einreise ermöglicht hat, sind verpflichtet, sich den nationalen Instanzen im Lande zur Verfügung zu stellen. Jeder muß dort arbeiten, wohin ihn die Zionistische Organsation stellt, und so lange, als es im Interesse einer gesunden Entwicklung der jüdischen Wirtschaft geboten erscheint. Die Zuteilung der Arbeit und die Bestimmung ihres zeitlichen Ausmaßes erfolgt ohne Ansehung von Person und Parteizugehörigkeit nach gleichen Grundsätzen. Jeder unterliegt der nationalen Arbeitsdienstpflicht, sie kann in keiner Form abgelöst werden. Mit der Erfüllung dieser Arbeitsdienstpflicht, und nur durch sie, hat der Einwanderer das Recht auf A 11 s i e d 1 u n g durch die Zionistische Organisation und ihre Untersstützung bei der Errichtung einer selbständigen Existenz erworben. Die Pflicht der Zionistischen Organisation und ihrer Institutionen gegenüber den Einwanderern, welche den nationalen Arbeitsdienst geleistet haben, geht vor allen anderen Pflichten. Die Organisation hat ihren ganzen verfügbaren Boden den Absolventen des nationalen Arbeitsdienstes zur Verfügung zu stellen und ihnen Hilfe in jeder Form angedeihen zu lassen. Das Kapital der nationalen Fonds und der unter dem Einfluß der Organisation stehenden Geld- und Wirtschaftsinstitutc Zeichnung der ARBEITS SICHERT Zinsnutzen y q I rund ' I von und GOLDWERT des Kapitals sowie des Zinseneinkommens. Devisen- und Steueramnestie ist in erster Reihe für die Krediterteilung an die} Absolventen des nationalen Arbeitsdienstes bestimmt. Wer sich unter irgend einem Vorwand der Leistung des nationalen Arbeitsdienstes entzieht, hat den Anspruch auf moralische und materielle Förderung durch die Zionistische Organisation und ihre Fonds und ihre Institute verwirkt. Er wird der jüdischen Oeffentlichkeit als Deserteur der nationalen Arbeitsarmee und S t ö r c r beim Aufbau des Judenstaates gekennzeichnet. Die Judenstaatspartei will auf dem kommenden Zionistenkongreß der Idee vom nationalen Arbeitsdienst, welcher einen der Hauptpunkte ihres Programms bildet, zum Siege verhelfen. Sie dient damit dem Aufbau des Judenstaats, der Verwurzelung des jüdischen Volkes im Boden Palästinas, der nationalen und sozialen Gerechtigkeit. Robert Stricker. BaiimafterialieneanfuEir und Bautätigkeit im Jahre 1934 Ueber die Bauinvestitionen im Jahre 1934 liegen, abschließende Ziffern noch nicht vor. Die jüdischen Investitionen in der städtischen und ländlichen Bauwirtschaft wurden für das Jahr auf 5,3 Millionen Pfund geschätzt gegenüber 2,7 Millionen im Jahre 1933. Die g esamten Bauinvestitionen wurden von der Regierung für das Jahr 1933 mit 5,7 Millionen berechnet. Der Baumate rialicnimport gibt gewisse Anhaltspunkte für die Entwicklung der Bautätigkeit im Jahre 1934, er hat sich im Vergleich zum Vorjahre wie folgt entwickelt (in Pfund): 1933 1934 Bauholz....... 253.777 460.410 Eisenstangen und Träger . 240.096 520.604 Andere Eisenwaren . . Sanitäre Installationen . Elektrische Installationen Cement...... Ziegel und Fliesen . . . Platten und Fensterglas 96.079 66.041 58.491 88.328 34.523 34.431 Farben und Lacke Insgesamt . . 39.339 166.501. 177.999 100.609 267.624 89.462 58.419 57.664 ..... 911.105 1,899.292 Gegenüber 1933 ergibt sich für das Jahr 1934 also eine reichliche Verdoppelung der Baumaterialiencinfuhr. Wenn aus diesen Ziffern auch nicht ohne weiteres auf eine Verdoppelung der Investitionen zu schließen ist, so kann doch aber angenommen werden, daß sie sich auf etwa 10 Millionen belaufen. Die jüdischen Bauinvestitionen, die von jüdischer Seite für 1931 auf 5,3 Millionen geschätzt werden, dürften sich daher höher stellen, da die Investitionen im Bauwesen zur weitaus größeren Hälfte auf die jüdische Bautätigkeit entfallen. Orangen sollen vernichtet werden? Aus Jerusalem (J. T. A.): Einer Meldung der Orient-Telegraphen-Agcntur in Kairo zufolge werden zwischen den arabischen und jüdischen Zitruspflanzern Palästinas Verhandlungen zwecks Sicherung des Preisniveaus der palästinensischen Orangenproduktion geführt. Die Pflanzer sollen erklärt haben, sie seien, um ein Abgleiten der Preise in der nächsten Saison zu verhüten, grundsätzlich bereit, einen Teil der Ernte zu vernichten, wie es die Kaffeepflanzcr in Brasilien tun.

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