Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 467 (28.5.1935)
- Date
- 1935-05-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT IjSgj&S&j tiifliüf/tP fiäutßk, #*?wwpfw' * fywwfw Von Dr. I. Z. Kanncr l/oft SftaßmocUecH Jüdische Spalo- und Lustigmachcr haben sich oft selbst als „Narren". „Verstellte" und „fröhliche Juden" bezeichnet. Ungewöhnlich reich ist hier diese in der jüdischen Gasse so sehr beliebte Gattung. Der „Badchen" (hebräischer Spaßmacher) der Bühne wird, wenn er alo Lustigmacher bei Hochzcitsgelagen auftritt, Marschalik (Festmarschall oder Schalksnarr) genannt. Die Bezeichnung Marschalik (Marschalk, ältere Form für Marschall, aus dem Ahd. Mara-Skalh -.: Pferdeknecht) dürfte wahrscheinlich daher rühren, da» diese Possenreißer bei den Hochzeitszügen in großem Kostüm, mit einem Stock in der Hand wie der Festmarschall, ei schienen sind. Möglicherweise liegt dem Wort ein Wortspiel (Schalksnarr, Narrschalk, Marschalk) zugrunde, wie denn ja diese Marschaliks im Erfinden von Wortspielen sehr bewandert waren. Es gibt auch Kenner, die in dem Wort „Marschalik" eine reinjüdische Herkunft sehen wollen ~- Marschalik als Verkleinerungsform von Maschal (Marchai heißt hebräisch Sprichwort), das später in Maschalik verändert wurde. Bei gewöhnlichen Gastmählern hatte der „L e z" (Spötter) die Aufgabe, durch Reden und Gesten zur Heiterkeit der Teilnehmer beizutragen. Der Lez — aas war ein Komiker, Lustigmacher, Satiriker, Artist und mitunter auch eir. Musikant. Der Lez, wie er in der jüdischen Gasse auftrat, erinnert an die Hofnarren des Mittelalters. AJs die Besten ihrer Gattung sind bekannt: Modke Chabat ven Wilna, Schejke Pfeifer, Herscheie Ostropoler und Froim Greidinger. Froim Greidinger ist eine legendäre Figur. Man weiß nicht, ob, bzw. wann er gelebt hat, aber man gedenkt seiner. Von Herscheie hingegen ist bekannt, daß er eine Zeitlang Schächter war. Man stellte ihm das Zeugnis aus, daß er unter der Schädeldecke zwei Gehirne habe, eines mit frommem und eines mit schelmischem Sinn. Die Schwanke Herscheies erinnern öfter an Till Eulenspiegel, tragen aber durchwegs jüdischen Charakter. Zum Unterschied von den übrigen Lustigmachern war Modke Chabat ein Am-Horez. Er war rasiert, also bartlos, kleidete sich elegant wie ein Offizier, sprach Russisch, wirkte daher in seinem Gehaben völlig unjüdisch. Bei den süddeutschen Juden ist Lebele Fürth eine populäre Figur, so populär, wie Herscheie Ostropoler bei den Ostjuden. In Frankfurt am Main war Mordechai Gewinner, den man auch Mordechai Unglück nannte, bei der jüdischen wie bei der nichtjüdischen Bevölkerung überaus beliebt. Während Schejke Pfeifer und Herscheie Ostropoler ehrliche Leute waren, pflegte Mordechai Gewinner seine Kunden in komischer Weise hereinzulegen. Daher sein Name: Gewinner. Er hatte Gewinn davon, die anderen aber Unglück. Ein Mensch, der kein Spaßverderber ist und, wenn es darauf ankommt, überall seinen Mann stellt, heißt Gbewremann. Er entspricht ungefähr unserem „Plattenbruder", aber in durchaus gutmütigem und harmlosem Sinn. Jeder Scholetofenbesitzer (Scholetofen ist ein Herd, in welchem die Sabbatspeisen warmgehalten werden) hält sich einen oder zwei Jungen, die morgens au3 den Häusern der Kunden die Töpfe abholen ünd mittags wieder zurückbringen müssen. Diese Burschen, „Scholetjungen" genannt (besonders häufig in Prag), sind verwegene, kecke Gesellen, machen sich über Mensch und Ding lustig una" stehen an Witz den Wiener Schusterjungen nicht nach. „Jussem kuten" sagt man von einem Schelm, der sich unschuldig und naiv stellt, wie „ein kleines Waisenkind", es aber faustdick hinter den Ohren hat. Man nennt solch eine Figur auch „Tamowate", das heißt, einen Menschen wie den „Tarn", den Einfältigen aus der Hagadah. Kolbojnik (vom Hebräischen „alles in ihm") ist ein Mensch, der die komischesten Dinge anstellt. Viele Zeitungen benützen ihn als Witzfigur, andererseits ist „Kolboj" ein Mensch, der alles weiß, ein vielwissender Mensch; vgl. „Kolboi", das Ritualwerk des Semaria ben Simcha. Bei den westeuropäischen Juden hat die Rolle des Kolbojnik der „Kleine Moritz" übernommen: er wendet sich vor allem gegen die Repräsentanten der Autorität; so ist der Kleine Moritz auch ein Rebell gegen Eltern und Lehrer. MofacUe In der jüdiachen Gasse iat der Begriff „Broder Sänger" überaus populär. Die guten Sänger nennt man Broder Sänger, weil vov. hier, von Brod aus die ersten Schauapielcrtruppcn gekommen und durch die jüdlsi^cn Städtchen des Ostens gezogen sind. Der Typ, den man bei den Russen „Fonjc", bei den Deutschen „Jeke" nennt, heißt bei uns „Mojsche", eine Figur, die für den jüdischen Bereich Scholem Alejchem geschaffen und in seinem Roman „Irrende Sterne" (Komödianten) charak^risiert hat. Moische, das ist der Jude, der im Theater kein Verständnis für das Volkstümliche und Historische, keinen Sinn für das Höhere und Verfeinerte hat, sondern sich ausschließlich für das Gemeine, Banale, Gewöhnliche und Schmutzige intcresciert und ihm Beifall klatscht. Mojsche ergötzt sich am Schund. Mojscltc leckt sich den Mund, wenn von der Bühne herab anzügliche und unappetitliche Couplets zu hören sind. Mojsche hat zum tiefen Niveau des gangbaren jüdischen Possentheaters beigetragen. Erst die nationaljüdische Bewegung hat ihn zur Seite geschoben, so daß er nur da und dort noch auftaucht. Wer älter ist? Juden oder Karäer! Ein Fürst veranstaltete einmal eine Disputation zwischen Juden und Karäern, einer jüdischen Sekte, die den Talmud nicht anerkennt. Jede der beiden Gruppen hatte zu beweisen, daß ihr Glaube der ältere, sei. Dem Sieger in dieser Disputation hatte der Fürst reiche Geschenke zugesichert. Die Juden entsandten einen gewöhnlichen Mann, die Karäer hingegen ihren Rabbiner, ihren „Chacham". Der Jude legte die Schuhe ab und nahm sie unter den Arm, als er vor den Fürsten trat, der Karäer hingegen erschien im Prachtgewand. Als der Fürst den barfüßigen Juden sah, geriet er in Wut. „Was, vor dem Fürsten erscheinst du ohne Schuhe?" „Durchlauchtigster Herr", erwiderte der Jude, „das istbei uns Juden eine Ehrfurchtsbezeugung. Als Moses vor Gott hintrat, hatte er die Schuhe abgelegt." „Gut", sagte der Fürst, „aber warum trägst du die Schuhe unter dem Arm?" Darauf sprach der Jude: „Als die Juden am Berg Sinai standen, mußten sie die Schuhe ablegen. Und wie sie wieder zurückkamen und die Schuhe anlegen wollten, waren die Schuhe verschwunden — ein Karäer hatte sie gestohlen. Darum habe auch ich Angst um meine Schuhe." Der „Chacham" geriet in große Erregung. Zornig rief er aus: „Das ist eine Lüge, das ist unmöglich, damals hat es noch gar keine Karäer gegeben!" „Wenn dem so ist", entgegnete der Jude, „dann gibst du selbst zu, daß die Juden älter sind als die Karäer." Der „Chacham" konnte dem nichts entgegnen und der Jude ging, vom Fürsten beschenkt, von dannen. Alles verbrannt Ein Schnorrer zieht durch die kleinen Städtchen Polens und erzählt in jedem Haus» er komme aus einem Dorf, das durch einen Brand vollständig zerstört worden sei. Ueberau erregt seine Erzählung Mitleid, nur in einem jüdischen Haus fragt man ihn: „Sagt, habt Ihr ein Dokument, das Eure Angaben bestätigt?" Darauf der Schnorrer: „Das Dokument ist leider auch verbrannt." Die Landeskonferenz der Judenstaatspartei in C. S. R. findet am 29. und 30. Mai in Brünn statt. Programm: 1. Eröffnungsfeier am 29. Mai. Ocffcntlicher Vortrag im Saal Francousska 18 um halb 9 Uhr: „Vor dem XIX. Zionistcnkongrcß", Referent: Oberbaurät Ing. Rober* Stricker. Ferner sprechen Fritz Richter und Theodor Grubner aus Wien. 2. Beratungen der Landeskonferenz am 30. Mai ab 10 Uhr vormittags in den Klubräumen dc-j Cafe Louvrc. Die Tagesordnung wird den Teilnehmern bekanntgegeben- 3. Gemeinsame Beratungen mit den „Politischen Zionisten" am 30. Mai um 16 Uhr im Cafe Louvre. Gegenstand: Vorgehen bei den Kongreß wählen. Austritte am dem Judentum Jawetz Dr. Marcell, geb. 6. Februar 1900 Kuczurmare, ledig, VI., Stumpergassc 51. — Hammermann geb. Kimel Anna, geb. 9. Oktober 1893 Lemberg, verw., IX., Salzergasse 6. — Pollak geb. Morawctz Hermine, geb. 30. März 1873 Wien, verw., XII., Aichholzgasse IIa. — Welzmann Dr. Ernst, geb. 17. August 1889 Wien, vh., XVIII., Bastienga3se 77. — Rottenstein Regina, geb. 18. Jänner 1881 Tarnow, ledig, V., Siebenbrunnengasse 12. — Sternberg Josef, geb. 6. Oktober 1903 Wien, ledig, XXI., Diderotgasse 23. — Goldschmied Friedrich, geb. 16. Juni 1910 Wien, ledig, II. — Herzog Otto, geb. 4. Dezember 1906 Wien, ledig, XX., Webergasse 24. — Reiß Grete, geb. 17. Jänner 1921 Wien, ledig, XX., Brigittaplatz 11. — Kölbl Dr. Hugo, geb. 21. Dezember 1892 Wien, ledig, XIV., Ulimannstraße 65. — Spitz Hans Egon, geb. 27. Februar 1914 Wien, ledig, XIX., Hauptstraße 17. — Fischer Alfred, geb. 31. Dezember 1892 Wien, ledig, II., Obere Donaustvaße 57. — Hajek Rene, geb. 2. März 1911 Wien, ledig, XVIII., Plenergasse 9.— Deutsch Fritz, geb. 2. Oktober 1907 Wien, ledig, IV., Große Neugasse 40. — Finkler Oskar, geb. 12. Jänner 1887 Wien, verh., II., Seb.-Kneipp-Gasse 11 . — Jelinek Kurt, geb. 17. April 1919 Wien, ledig, IX., Brünnlbadgasse 12. — Nagy früher Polnaucr Jakob, Hotelpächter, geb. 13. Dezember 1873 Ungarn, verh., IX., Pramergasse 31. — Wagner Dr. Johann früher Isak Wahrhaftig, Arzt, geb. 21. Juni 1890 Polen, verh., IX., Hebragasse 1. — Wagner geb. Grab Edith, geb. 24. Juli 1903 Wien, verh., IX., Hebragasse 1. — Stein geb. Sternberg Bettina, geb. 10. Oktober 1886 Wien, verw., I., Kärntnerring 14. — Marno Valerie, Bundesbeamtin, geb. 13. September 1870 Wien, ledig, XTK., Hauptstraße 33a/16. — Safran Artur, geb. 5. Oktober 1907 Wien, verh., VI., Mollardgasse 31, II/II/23. — Urban geb. Kohn Frieda, geb. 28. Februar 1902 Wien, verh., II., Erlafstraße Nr. 8 IV/42. — Hirschensohn Otto, Privatbeamter, geb. 17. Februar 1900 Wien, verh., XTI„ Rechte Wienzeile 249. — Löwy Margarit, geb. 12. August 1912 Bad Aussee, ledig, VIII., Florianigasse 38. — jLedofsky geb. Kratochwillo Anna, geh. 13. März 1877 Wien, verh., X., Laxenburgerstr. Nr. 48/14. — Königsberger Ludwig, Kaufmann, geb. 20. Oktober 1881 Crefcld (Rheinprovinz), ledig, IX., Liechtensteinstraße 130. — Marik geb. Reist, Lili, geb. 15. Oktober 190> Budapest, verh., XV., Mariahilferstr. 143. — Haas geb. Wallis Lilly, geb. 19. August 1908 Wien, verh., VII., Burggasse 115. — - Duschnitz Felix, Direktor, geb. 15. März 1895 Wien, verh., I., Bartensteingasse 9. — Steif geb. Deutsch Emma., geb. 23. Mai 1889 Wien, ger. getr., .VIII., Lerchenfelderstr. 120. NN^ 1 -w AktueHe Waschstoffe Mode-Kretonne für Kleider und Dirndl, p. Mtr......S Sport-Llnette-Imprlme in zarten Pasten—.an färben, für Laufkleider..........S <*» Waschselde-Imp*lme j.25 gute Strapaz-Qoalltät für Kleider . ,; . . S 1 Für Bad und Strand: 5000 Paar qumml-Badeacnuha - oq f. Damen. Modefasson, m. Absatz S 1*39. ohne S W DaafMn-SchWimm-TrMcOt rückenfrei, gerippt, alle Farben. Größe III.......S Damen-lchafeyoH-BadaawKug in Modefarben, mit und ohne SchoBeri . . . S 'm -parsamen Mi J.50 J.90 Woll- und Seidenstoffe: __ K.-Crepe-de-Chlne-lmprlme o.oo \ große Aaswahl diverser Dessins. 90 cra» * K.»Sel«kMi-Taffet-Schotten o-ooi gute Matt-Qualität, sehr modern.....S " K.-Setden-BoUCle ,„ Karo-Nopnen oder j;*) glattfarbig, für Sommerkleider. 100 cmr« W S * Zur Firmung: Reisendes Plrmungs-Kleld n.sa K.-Crepe-de-Chine. mit Volants, Größe 70 . . 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