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Die neue Welt · 1935-05-24 · Heft 466 (24.5.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 466 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 466 »♦♦♦♦»»»»♦»»»♦♦♦♦»♦♦< ........i..........<.....>) SIEGM. KORNMEHL OROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX.. Berggasse 19, Tel. A-17-5-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen ffQr ntyn-Fleisch^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autozustellung Kostenlos «X. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währingerstr. 97 visionismus angekündigt. Die Linken triumphieren und Und feiern den Austritt als Sieg. Die „allgemeinen" Zionisten, deren unmännliche Haltung im Kampfe zwischen rechts und links den Bruch gefördert hat, begnügen sich mit moralischen Betrachtungen und der Hoffnung, daß der Revisionismus verschwinden wird, wie einst der Zangwillsche Territorialismus. (Wobei sie nicht in Rechnung ziehen, daß der Revisionismus zionistisch ist und jugendliche Massen hinter sich hat, also ganz anders zu werten ist, als der Territorialismus.) Also tiberall eine Unterschätzung der Spaltung. Angesichts dieses Umstandes ist es gut, auf die Beurteilung der Spaltung durch nichtjüdische Stellen zu verweisen. Die dem italienischen Außenministerium nPÄestehende römische Zeitschrift für Außenpolitik „Affari E s t c r i" (Auswärtige Angelegenheiten), bespricht unter der Ueberschrift „Scissioni in campo sionista" (Spaltung in dem zionistischen Lager) die Haltung der Revisionisten und ihre bisherige Taktik. „Sollte es nicht möglich sein", schreibt die Zeitung, „einen Ausgleich herbeizuführen und wird es zur endgültigen Spaltung kommen, dann werden die Interessen der Judenheit in Palästina und wahrscheinlich auch in anderen Ländern schwer geschädigt werden. Es ist vorauszusehen, daß man alle Anstrengungen machen wird, um ein Anse i n a n d e r f a 11 e n der zionistischen Front zu verhüten." Wie man sieht, bringen italienische Politiker mehr Verständnis für das Ereignis im Zionismus auf, als die Mehrzahl der zionistischen Führer. Das ist bedenklich und bedauerlich. Stall Theodor HerzI — Karl Marx Aus einem Bericht über die Landeskonferenz der Zionistischen Arbeiterpartei „Poale Zion" in Warschau: „Der Saal ist mit roten Fahnen dekoriert. An der Wand hängen Bilder von Marx, Borochow und Arlosoroff." „Das Orchester spielt zur Eröffnung die poalezionistische Hymne. Nach der Rede des Mitgliedes der Zionistischen Weltexekutive Elieser Kaplan spielt das Orchester die „Teeheseknah" und die Delegierten singen die „Internationale" und verschiedene Arbeiterlieder. Damit wird die feierliche Eröffnungssitzung geschlossen." Keine Fahnen in der blau-weißen Nationalfarbe ... nur rote. Keine „Hatikwah" — nur Arbeiterlieder und die Internationale. Kein Bild von Theodor Herzl, dem Schöpfer des Zionismus, dem Befreier, der in Hingabe an sein jüdisches Volk gestorben ist — dafür ein Bild von Karl Marx, dem getauften Juden, dem giftigsten Feind des jüdischen Volkes, der den Satz geprägt hat, man müsse den jüdischen Geist aus der menschlichen Gesellschaft ausrotten, wenn man sie erlösen will. Unter diesem Bilde spricht der Vertreter der Zionistischen Exekutive zu Menschen, die sich Zionisten nennen und heute die zionistische Bewegung beherrschen. Perversität! Mi'sradii gegen Misradii! Aus Haifa wird gemeldet: Der Rat des jüdischen Stadtviertels Hadar Hakarmel ist neu gewählt worden. Es waren 21 Sitze zu vergeben. Alle sind von der „progressiven" Partei besetzt worden. Die Partei Histadruth (Arbeiterpartei, Hapoel Hamisrachi, progressiver Misrachi, progressive allgemeine Zionisten) erhielt 420 Stimmen, die Gegenpartei (Misrachi und „Allgemeine" Zionistengruppe B) nur 235. * Misrachi gegen Misrachi! Jetzt ist das Bild von der Zerklüftung in der Zionistischen Organisation vervollständigt. Auch die thoratreuen Zionisten sind nunmehr gespalten und gehen Hand in Hand mit den extremsten Widersachern gegeneinander los. Nach der Spaltung der „Allgemeinen" in „Gewöhnlich-Allgemeine" (Gruppe B) und in „Progressiv-Allgemeine" (Gruppe A) gibt es nunmehr auch einen „Gewöhnlichen Misrachi" und einen „Progressiven Misrachi", welch letzter sich unbekümmert um seine Thoratreue von den poale-zionistischen Klassen- und Kulturkämpfern hat ins Schlepptau nehmen lassen. Sozialistische Mehrheit — tuditsozialistisdier Präsident David ben Gurion, der palästinensische Arbeiterführer und Leiter des politischen Ressorts der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, erklärte bei seiner Ankunft in New York den Pressevertretern, er halte für sicher, daß 60 Prozent der Delegierten des kommenden 19. Zionistenkongresses Arbeiterdelegierte sein werden. Trotzdem — fügte Ben Gurion hinzu — strebe die Arbeiterpartei durchaus nicht eine Alleinherrschaft an, sondern sie werde für die Wahl eines „Allgemeinen" Zionisten als Präsidenten eintreten. Die Erklärung, daß die Arbeiterpartei die Alleinherrschaft in der Zionistischen Organisation nicht anstrebt, ist wohl überflüssig, da sie sie bereits besitzt. bereits seit zwei Jahren im Gange. Alle wichtigen Ressorts der Exekutive sind mit Linken besetzt und der „allgemeine" Präsident Sokolow darf Sammelreisen für die Fonds unternehmen, über deren Erträgnisse zu verfügen natürlich wieder den linken Kollegen obliegt. Mehr darf er nicht. Denn als Herr Sokolow auf der letzten Sitzung des A. C. eine politische Rede riskierte und sogar vom Judenstaat zu sprechen wagte, da haben seine linken Kollegen, welche — nach Ben Gurion — die Alleinherrschaft nicht wollen, ihren „allgemeinen" Präsidenten rücksichtslos zensuriert und den politischen Teil seiner Rede aus dem offiziellen Protokoll entfernen lassen. Daß die Linken ein Interesse daran haben, ein „allgemeines" Schild vor einem Geschäft auszuhängen, dessen alleinige Besitzer sie sind, scheint aus verschiedenen Gründen begreiflich. Daß die „Allgemeinen" sich gehorsamst fügen und bei der Täuschung mithelfen, ist wohl schwer begreiflich, aber wahr. Um „getrennte Aktionen" bei der Regierung zu verhindern Aus Jerusalem (J. T. A.): Zwischen Jizchak Grünbaum, Leiter des Einwanderungsdepartements der Zionistischen Exekutive, und Dr. Hoffman von der Union der Revisionisten werden jetzt Verhandlungen geführt, um eine Verständigung in der Frage der von der Palästina- Regierung und der Jewish Agency ausgegebenen Zertifikate für Einwanderer zu erreichen. Pension Koch, Haifa Hadar- Hermon Street 20 karmel Telephon 1139 Haus ersten Ranges / Herrliche ruhige Lage / Kühle Räume / Modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser / Gepflegte koschere Küche / Mäßige Preise. ■■nnuBnnHtaHBBBBBBnBi Inzwischen hat die Zionistische Exekutive der Revisonistischen Union und dem Brith Trumpeldor eine der Stärke ihrer Hachscharah-Gruppen entsprechende Anzahl Einwanderer-Zertifikate bewilligt und dabei das Kollektivrecht des Betar anerkannt. Die Verhandlungen wurden angebahnt, um eine getrennte Aktion der Revisionisten bei der Regierung zu verhindern. AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER QJ^StQberlpreise Alt^WienimGrinzinger Keller. Tägl. Musik der Kapelle Auerbach- Konzert. Jazz. Stimmung Kleine Nachrichten Ein katholischer Priester schwer verletzt Aus Prag: Dem „Neuen Vorwärts" wird aus dem Rheinland gemeldet: Eine Rede von Hitlers Intimus Julius Streicher in der Rheinlandhalle zu Köln hat wilde Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte in Köln, in Düsseldorf und anderen rheinischen Städten zur Folge gehabt. Die Schaufenster und Häuser werden mit Beschimpfungen und Drohungen beschmiert. Entfernen die so geschädigten jüdischen Geschäftsleute die Klecksereien, so werden die Schaufenster eingeschlagen und die Ladentüren demoliert. Die Polizei verlangt dann, daß die Schäden sofort auf Kosten der Betroffenen ausgebessert werden. Weigern sie sich, wie es in einzelnen Fällen geschah, die kostspieligen Reparaturen vornehmen zu lassen, vielleicht weil sie nicht versichert waren oder sie eine Versicherung nicht mehr aufnahm, werden sie polizeilich mit Konzentrationslager bedroht. Der „Westdeutsche Beobachter" in Köln, eines der größten nationalsozialistischen Blätter, beginnt jetzt eine Rubrik „Feinde des Dritten Reiches" einzurichten. In dieser Spalte werden die Photographien von Leuten veröffentlicht, die beim Betreten oder Verlassen jüdischer Geschäfte geknipst worden sind. Bei der Streicher-Versammlung in Köln gab es einen schweren Zwischenfall. Als Streicher aufforderte, die jüdischen Schacherer mit Peitschen aus dem Lande zu jagen, hatte ein katholischer Priester den großen Mut zu dem Zwischenrufe, die Peitsche gehöre gegen solche Reden angewendet. Ein neuer Fasttag und eine Erpressung Aus Wilna: In der vorigen Woche haben die Wilnaer Rabbinen einen Fasttag angesetzt, der im Kalender nicht vorgesehen ist. Der Anlaß ist darin zu finden, daß der Wilnaer Magistrat — einen Sportplatz schaffen will. Es soll ein Stadion werden, das für alle Arten des Sports geeignet ist, es soll auch ein Schwimmbassin enthalten, und darum kann es nicht an irgendeiner beliebigen Stelle errichtet werden. Das sehen auch die Wilnaer Juden ein. Aber daß der alte berühmte W i 1naer Friedhof vernichtet werden soll, um dem Stadion Platz zu machen, das hat in der jüdischen Bevölkerung tiefe Beunruhigung hervorgerufen. Man muß wissen, daß der Friedhof einer der ältesten von Litauen ist, daß der Gaon von Wilna dort begraben liegt und vor allem der Ger Zedek, zu dessen Grab seit Jahr und Tag gepilgert wird. Der Ger Zedek war ein Graf Potocki, der zum Judentum übergetreten und als jüdischer Märtyrer gestorben ist. Der Friedhof ist 1487 errichtet und 1831 geschlossen worden. Die Wilnaer Jüdische Gemeinde, die auf dem Standpunkt steht, daß der Friedhof nicht ihr Eigentum, sondern gewissermaßen ein historisch unschätzbares Denkmal der gesamten Judenheit ist, hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Vernichtung zu verhindern. Die Aufregung unter den Juden soll nun zu einer Erpressung ausgenützt werden. Der Vizepräsident des Magistrats hat die Juden wissen lassen, daß man bereit wäre, vom Raub des Friedhofs abzustehen, wenn die Juden aus eigenen Mitteln den Sportplatz an anderer Stelle bezahlen würden. Neue Judenverfolgungen in Afghanistan Aus Jerusalem: Ein in Jerusalem aus Hirat in Afghanistan eingetroffener Bericht besagt, daß die Juden in Afghanistan neuen schweren Bedrückungen ausgesetzt sind; sie müssen einen roten Fleck auf der Brust und einen Strick um die Lenden tragen und dürfen in den Straßen nicht reiten. Jüdische Frauen dürfen Märkte nicht betreten. Jüdische Häuser dürfen nur in einer bestimmten Entfernung von den Moscheen gebaut werden und dürfen die Häuser von Moslems-nicht über- Wie Streicher hetzt Aus Nürnberg: Die neueste Nummer von Streichers „Stürme r" enthält einen Bericht über eine angebliche Purim-Feier in Haifa, wobei eine Hitler darstellende Figur am Galgen hängend „unter dem vertierten jüdischen Volke gezeigt" wurde. Dabei sollen die Juden in ein wüstes Freudengeschrei ausgebrochen sein. Eine andere Hitler darstellende Figiir wurde, so erzählt Streicher, an die Wand gestellt und quasi erschossen. Dabei riefen die dabei stehenden Araber zum Protest „Heil Hitler!". Holland und die Schächtfrage Aus Amsterdam: Wie der Amsterdamer J.-A.-A.* Vertreter erfährt, hat der holländische Außenminister de Graeff soeben eine ihm vor einiger Zeit von dem bekannten Vorkämpfer der Tierschutzbewegimg, H. W< K n o e s t, und anderen Persönlichkeiten überreichte Petition, in der verlangt wurde, Holland solle im Völkerbund eine internationale Regelung der Tierschlachtenmethoden unter Ausschluß der jüdisch-rituellen Schächtmethode beantragen, in ablehnendem Sinne beantwortet. Ein schon früher von Knoest an Königini Wilhelm ine gerichtetes Gesuch, die von ihm gewünschte Regelung wenigstens für das Gebiet Hollands z*J treffen, ist ebenfalls abgelehnt worden. Die Münchener Juden unter Terror Aus London: Der Münchener „Times"-Korrespondent meldet: Seit der Eröffnung eines Filialbüros von, Streichers Wochenschrift „Der Stürmer" werden in München an Brücken, Tramwaystationen oder anderen auffälligen Stellen Herrn Streichers Lieblingsschlagworte tausendfach plakatiert, etwa: „Sterilisiert die Juden!" und „Die Juden hetzen das Volk in den Krieg hinein und profitieren davon!" In dem Büro einer jüdischen Firma, deren Leiter im Krieg in der deutschen Armee diente und dreimal verwundet wurde, sind die Fenster zweimal eingeschlagen worden und in den Haupt» Straßen werden große Schaufenster durch Beschmieren mit Pottaschesilikat ruiniert. Daß all dies mit der Büligung der Behörden geschieht, geht aus einer Rede des bayrischen Ministers des Innern hervor, der auf einer Bauernversammlung am letzten Sonntag sagte, er freue sich, die Plakate zu sehen. DICKE und, DER der Große und der Kleine alle sind gut gekleidet durch SCHIFFHANN Für den DONNEN: ©t>ort»2lnau0, 2 icitio . S 2B'-~ ffläeftenlof. äRobe.Stnaug S 38'— ürendjenot, Jtorofttttet S 28'— ftrfiljia!jr«.«DtanteI> flef. S 39-— ttntcferbocfet . S 0'8O, S 7'80 TOobe-ßentben, 2 Jtrag. S 4'90 TOobwMtc.üHeKarbens 8'90 Sojcatf.öalbfdjuirt . . S 12 90 Für den DICKBNs Äletber 61« ©rö&c 60 Seutben 6« Salätoeüo SO Unterhofen t><ö <$au&- toeite ISO cm ©djafWoUianlcr . . „S 13'9Q <5ltoBen«2lnafif)e . . . 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