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Die neue Welt · 1935-05-24 · Heft 466 (24.5.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 466 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 466 DIE NEUE WELT Seite 5 PalästmasEinwaiuIeriiiig im 1« Quartal 1935 — 17*202 Einwanderer Jerusalem (Palnews): Nachdem im März 103."» insgesamt 7196 Neueinwanderer registriert wurden (unter denen sich 315 Touristen befinden, die nachträglich als Einwanderer registriert wurden), ergibt sich für das erste Quartal 1935 eine Einwanderung von insgesamt 17.202 Personen, die sich wte folgt auf die verschiedenen Kategorien verteilen: Insgesamt Davon Nichtjudcn Personen mit 1000 Pfund Mindcstkapital....... 1-597 25 deren Angehörige............. 1.499 9 Freie Berufe mit 500 Pfund Mindestkapital..... 5 2 deren Angehörige............. 1 Handwerker mit 250 Pfund Mindestkapital...... 130 2 deren Angehörige............. 194 — Personen mit 4 Pfund Monatsrente........ 28 2 Personen mit 500 Pfund Mindestkapital....... 8 — deren Angehörige............. 5 — Walsen.............*..... — — Geistliche Berufe............... 266 46 deren Angehörige . »........... 509 — Studenten.................. 272 3 Arbeitsuchende................ 4.684 70 deren Angehörige............. 4.372 18 Angehörige palästinensischer Einwohner....... 3.559 120 Von den Bestimmungen der Immigration Ordinanee befreit 73 69 1. Quartal 1935 insgesamt............17.202 366 1. Quartal 1934 ................ 8.704 242 Auf die 1597 Kapitalisten mit einem Mindestkapital von 1000 Pfund kommen 4684 Arbeitsuchende, so daß auf 1 Kapitalisten fast 3 Arbeiter entfallen. Den größten Teil der Einwanderer bilden die verschiedenen Angehörigenkategorien mit insgesamt 10.139 Personen. Bei 1029 Einwanderern handelt es sich um nachträglich registrierte Touristen, die sich bereits im Lande aufhielten. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Einwanderung im 1. Quartal 1935 also auf annähernd das D o p p e 11 e gesteigert. Die Einwanderung war im vergangenen Jahr allerdings in stärkerem Maße auf das zweite Halbjahr konzentriert. Enorme wirf§dtaftlidie Bedeutung de§ Roten Meere§ In der Frankfurter wissenschaftlichen Zeitschrift „Die Umschau" bespricht Dr. Georg Wagner die wirtschaftliche Bedeutung des Toten Meeres. Heute bereits beherrscht die Brom-Erzeugung am Toten Meer den britischen Markt. Kein Wunder, denn in 100 m Tiefe enthält sein Wasser 7 bis 8 Gramm Magnesiumbromid im Liter, dreimal so viel als die auf Brom verarbeiteten Rückstände der deutschen Kali-Fabriken. Dabei ist das Brom nur Nebenprodukt. Denn in erster Linie werden Kalisalze gewonnen; die Rückstände enthalten aber 1,45 Prozent Magnesiumbromid! Der Gesamtgehalt des Toten Meeres an Brom wird auf 850 Millionen Tonnen geschätzt, die jährliche Zufuhr, besonders durch den Jordan, auf nahezu 10.000 Tonnen! Palästina selbst braucht in erster Linie die Kalisalze. An der Oberfläche enthält das Wasser des Toten Meeres 10 Gramm Kaliumchlorid im Liter, in 100 m Tiefe 15 Gramm. Die Gesamtmenge soll 2 Milliarden Tonnen betragen, in etwa 3300 Jahren führt der Jordan soviel neu zu. Am Nordende des Toten Meeres sind große flache Becken angelegt, in die das Wasser des Toten Meeres aus größerer Tiefe hineingepumpt wird. Die Verdunstung ist ungewöhnlich hoch, denn der Niederschlag beträgt jährlich kaum 100 mm, die mittlere Jahrestemperatur aber 23 Grad. So kann mit einer täglichen Verdunstung von 1 cm Wasser gerechnet werden. Ohne große Kosten werden so große Mengen Kochsalz und Kalisalz gewonnen, zur Zeit etwa 10.000 t Kalisalz. Das fällt zwar für den Weltmarkt nicht ins Gewicht, aber Palästina ist Selbstversorger geworden, und die Anlage ist ausbaufähig. Wo am Rande des Toten Meeres sich etwas Wasser desselben in einer Vertiefung der Uferfelsen oder hinter den Strandwällen sammelt, bildet sich rasch eine glitzernde Kruste von Kochsalz, weit rascher als am Strande des Mittelmeeres, dessen Salzgehalt viel geringer ist, wo auch die Verdunstung weit zurückbleibt. Trotzdem werden dort überall Salzgärten angelegt, in Palästina bei den Ruinen der alten Kreuzfahrerburg Atlith. Aber auch richtiges Steinsalz kommt am Toten Meer vor, und zwar an dessen SUdwestende, am Dschebel Usdum. Dort wird es unmittelbar am Strande im Steinbruchbetrieb aus den etwa 30 Meter hohen Uferfelsen gewonnen. Das ist natürlich nur im Trockenklima möglich; und nur am Ufer eines Sees, der nahezu mit Salz gesättigt ist. Lots Weib, das man lange Zeit als einen stehengebliebenen Steinsalzfelsen gedeutet hatte, besteht aus gipshaltigen Mergeln, ist eine Art Pilzfelsen. Das Steinsalz ist wesentlich älter als das Tote Meer, vielleicht viele hunderte Millionen Jahre, und wurde bei der Bildung BLED Jugoslawien Hotel-Pension OLYMPIC Streng orth. ups Wiener Küche / Am Seeufer, in der Hauptallee des Kurortes gelegen / Aller Komfort / Fließendes Kalt- und Warmwasser / Herrlichster Aufenthalt in den prachtvollen Julischen Alpen / Prospekt auf Wunsch des Jordangrabens aufgepreßt und vom Toten Meer bei einem höheren Stande abgelaugt. Der Jordan führt dem Toten Meer beträchtliche Salzmengen zu, jede Sekunde etwa 30 Kilogramm Kochsalz, 2 Kilogramm Kalisalz, 0,3 Kilogramm Bromsalz. In 3300 Jahren wäre er imstande, die gesamte Menge Kalisalze des Toten Meeres zu liefern, in 12.000 Jahren die MATURASCHULE „UNIVERSUM*4 II IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 §j| des Kochsalzes, in 90.000 Jahren die der Bromsalze. Das Tote Meer ist wesentlich älter, als diese Zahlen erfordern. Denn der Einbruch des Jordangrabens erfolgte im Altdiluvium. Wir haben also mindestens sechsmal mehr Zeit zur Verfügung, als unsere Höchstwerte verlangen. Woher bringt aber der Jordan diese Salze? In der Syrischen Wüste hinter Damaskus ist der Wüstenboden stellenweise wie weiß bereift; beim Gehen bricht die dünne Kruste, ein. Es ist aufgeblühtes Steinsalz. In den flachen Mulden der Wüste sammelt sich solches Salz an. Das Tote Meer sammelt nun alles aufblühende Salz seines Einzugsgebietes. Dazu kommen die zahlreichen vulkanischen Quellen, die sehr viel Kochsalz enthalten, gelegentlich aber auch Bromide führen. Und der Basalt enthält 3 bis 5 Prozent Reinkali. Am Strande des Toten Meeres wird Erdpech gefunden Ein wichtiges Anzeichen für das Vorkommen von Erdöl. Darauf weist auch der Salzdom am Dschebel Usdum hin; denn am Rande der Salzdome findet man häufig Erdöl. Bis heute sind allerdings noch keine Bohrungen erfolgt, vor allem wegen der technischen Schwierigkeiten (Wassermangel, 1200 Meter Höhenunterschiede, schlechte Zufahrt). Einen sehr wichtigen Bodenschatz bilden aber auch die heißen Quellen, die vulkanischen Ursprungs sind und viel Schwefelwasserstoff enthalten. Schon Herodes suchte in den heißen Quellen von Callirhoe Heilung, und heute fährt regelmäßig an Sonntagnachmittagen ein Dampfer zur landschaftlich prächtigen Mündung des Arnon und dann zum Bade an der Mündung jener Quellen am Wadi Zerka. Man kann dort zuerst ein Bad im schweren Salzwasser des Toten Meeres nehmen und sich dann Im warmen Schwefelwasser der Salzkruste entledigen. Die wunderbaren Formen und Farben der Landschaft am Toten Meer machen die Fahrt zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Einwanderei* aus 43 Staaten Laut der von der Palästina-Regierung erstellten Statistik hat die jüdische Einwanderung in diesem Jahr 42.309 Personen betragen (inoffizielle Schätzungen bewegen sich zwischen 45.000 und 48.000). Nicht weniger als 43 Länder waren an dieser Einwanderung beteiligt. An der Spitze der Einwanderung 1934 stand Polen mit 18.829, es folgten Deutschland mit 7010 (nicht eingerechnet 1585 nichtdeutsche Juden, die äus Deutsch- 1 a n d mit 886, Oesterreich mit 720, Tschecho- Griechenland mit 1504, Jemen mit 1307, Vereinigte Staaten mit 1028, Litauen mit 900, Lettland mit 886, Oesterreich mit mit 720, Tschechoslowakei mit 706, Rußland mit 578, Türkei mit 343, Bulgarien mit 212, Ungarn mit 194, England mit 153, Holland mit 100, Frankreich mit 91, Belgien mit 70, Kanada mit 49, D a n z i g mit 44, Aegypten mit 42, Schweiz mit 38, Argentinien mit 31, Südafrika mit 29. Mexiko mit 24, Brasilien mit 23, Estland mit 18, Uruguay mit 15, Syrien mit 12, Irak mit 12, Luxemburg mit 8, Schweden mit 7. Spanien mit 7, Finnland mit 6, Australien mit 5, Norwegen mit 4, Kostarika mit 4, Dänemark mit 3, China mit 3, Saar gebiet mit 2, Guatemala mit 2, Nicaragua mit 2 Personen, Panama mit 1 Person. Ferner kamen im Jahre 1934 364 Staatenlose und 520 ohne bestimmte Staatsangehörigkeit nach Palästina. Von 26.400 jüdischen Touristen, cie 1934 Palästina besuchten, waren 21.653 zurückgereist, der Rest verblieb im Lande. Ledigen-Zertifikate — Neue Beschränkung der Einwanderung Aus Jerusalem. (J. T. A.) In einer Kundmachung der Zionistischen Exekutive v/ird bestätigt, daß in der neuen Schedule eine Anzahl von Zertifikaten ausschließlich für Ledige beiderlei Geschlechts reserviert ist. Als Grund dieser Neuerung wird der Wunsch der Regierung angegeben, der Schließung von Scheinehen zwecks Ermöglichung der Palästina-Einwanderung entgegenzuwirken. Von den 7600 Nettozertifikaten für das Halbjahr April-September 1935 sind 3570 Zertifikate für Familienoberhäupter bestimmt, so daß auf jedes Zertifikat eine ganze Familie einreisen kann. 2165 Zertifikate gelten ausschließlich für alleinstehende Frauen und 1865 Zertifikate für alleinstehende Männer. * Anm. der Red. Durch diese Maßnahme erscheint die Zahl der Einwanderer um rund 4000 verkürzt, da bisnun auf fast alle Arbeiterzertifikatc Ehepaare einreisten. Die so freudig begrüßte Erhöhung der letzten Einwanderungsquote erweist sich jetzt als eine Verminderung Bei Menschen, die niedergeschlagen, abgespannt, zur Arbeit unfähig sind, bewirkt früh nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser geregelte Darmtätigkeit, freies Kreisen des Blutes und erhöht das Denk- und Arbeitsvermögen. Aus der zionistischen Bewegung ludenstaatspartei . In Anwesenheit des Vorsitzenden der Weltexekutive der Judenstaatspartei, Meir Großmann, fand am 11. und 12. Mai in Czernowitz die allrumänische Konferenz der Judenstaatler statt, welche das große Wachstum der Organisation in Rumänien dokumentierte. Vertreter aus der Bukowina, Bessarabien und Alt-Rumänien waren in großer Zahl erschienen. Den Mittelpunkt der Verhandlungen bildete ein großzügiges Referat Großmanns über die Lage des Zionismus und das Programm der Judenstaatspartei. Es wurde beschlossen, die bisher getrennt arbeitenden Gruppen organisatorisch zu vereinigen, und ein allrumänischer Oberrat der Judenstaatspartei, bestehend aus sechs Mitgliedern, gewählt. Unter ungeheurem Zulauf und größtem Beifall sprach Herr Großmann in Massenversammlungen in Czernowitz, Kischinew und Bukarest. Am 16. Mai trat Herr Großmann von Konstanza aus die Heimreise nach Palästina an. Großes Interesse erweckte der Beitritt des bisherigen Vizepräsidenten der Union der Zionisten-Revisionisten in Rumänien, Herrn Moritz Geiger, zur Judenstaatspartei. Mit Beziehung auf den Beschluß der revisionistischen Union, aus der Zionistischen Weltorganisation auszuscheiden, hat Herr Geiger seine Stelle im Präsidium niedergelegt und seinen Austritt aus der Union angemeldet. Herr Geiger, der gleich darauf seinen Beitritt zur Judenstaatspartei vollzog, nahm bereits an den Verhandlungen der allrumänischen Konferenz Anteil und wurde in den Oberrat der Partei gewählt. Ale Mitglied des Oberrates hat er wichtige Funktionen in der jetzt eröffneten rumänischen Wahlkampagne für den XIX. Zionistenkongreß übernommen. Nadi der Spaltung Der Austritt der Zionisten-Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation bedeutet eine Schwächung der Bewegung. Der Umstand, daß es nunmehr zwei Organisationen gibt, welche mit Forderungen im Namen des jüdischen Volkes an die nichtjüdische Umwelt herantreten, wird — ohne Rücksicht auf das Kräfte- und Zahlenverhältnis — das Gewicht dieser Forderungen vermindern. Die Spaltung wird von den Gegnern des Zionismus gewiß ausgenützt werden. Hiezu gesellen sich der Riß in der Zionistischen Jugend und die Aussicht auf erbitterte Kämpfe. Es gehört ein großes Stück Leichtfertigkeit dazu, sich bedenkenlos über diese Situation hinwegzusetzen. Wer die Stimmen aus den verschiedenen zionistischen Lagern verfolgt, bemerkt, daß diese Leichtfertigkeit leider vorherrscht. So tut die Zionistische Exekutive den Bruch, an welchem sie die große Schuld trägt, mit zwanzig kühl-überlegenen Zeilen als unbedeutende Episode ab. Auf dem Warschauer Parteitage der Linken hat ihr Vertreter versch ärftcu Kampf gegen den R»»

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