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Die neue Welt · 1935-05-24 · Heft 466 (24.5.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 466 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 466 DIE NEUE WELT. SeifeQ^3^ Wie Transpordamen von Palästina getrennt wurde Im „Manchester Guardian" veröffentlicht Professor Ii. B. Namier, der ehemalige politische Sekretär der Zionistischen Exekutive unter Weizmann, persönliche Erinnerungen an den soeben verstorbenen Oberst Lawrence, den „ungekrönten König von Arabien". Professor Namier schreibt: „Lawrence berichtete mir eingehend über den Verlauf der Konferenz in Kairo 1921, auf der es zu einer A b trennung Transjordaniens von Palästina gekommen isl. Die Beschlüsse der Kairoer Konferenz, erzählte Lawrence, wurden von uns in London im Schiffs restaurant zu Whitehall ausgearbeitet. Damals stand der Beschluß fest, daß Transjordanien zu Palästina gehört, von dem es nie zu trennen sei, und daß Transjordanien jüdischer Einwanderung offenstehen soll. Als man dann in Kairo zusammentrat, wurden die Londoner Beschlüsse im allgemeinen übernommen, einzig der Punkt betreffend Transjordanien wurde abgeändert. Denn inzwischen war folgendes eingetreten: Während die Konferenz tagte, marschierte Prinz Abdullah des Hedschas auf Transjordanien zu mit dem Ziele, die Franzosen in Syrien anzugreifen. Seinen Marsch aufzu halten, hätte Truppen und Geld erfordert. Man beschloß darum, mit ihm zu verhandeln. Es gab drei Möglichkeiten: 1. eine britische Garnison in Transjordanien zu halten; 2. dort einen Eingeborenenstaat unter englischer Oberhoheit zu errichten; 3. Transjordanien den Franzosen zu überlassen. Da das Kabinett sich der Ent aendung von Truppen über den Jordan mit den dazu not wendigen Geldausgaben energisch widersetzte, wurde die erste Möglichkeit ausgeschaltet. Es blieb übrig, Abdullah durch Ueberredung zum Stillhalten zu bringen. Wäre er weitermarschiert, hätten die Franzosen nicht aufgehalten werden können, Transjordanien zu okkupieren. Darum erschien es als beste Lösung, einen „britischen Abdullah" in Transjordanien zu haben. Damals, im Frühjahr 1921, gab ea keine andere Wahl." Mit Bezug auf den arabisch-jüdischen Streit in Palästina sagte Lawrence: „Mit 400 richtigen britischen Polizisten gäbe es in Palästina kein solches Problem." Lawrence/ der antizionfstische Abenteurer Seit Jahren schon sprach man in der politischen Welt von dem sonderbaren Engländer, der soeben durch einen unglücklichen Zufall, einen Zusammenstoß, ums Leben gekommen ist. Zweifellos war Oberst Lawrence ein Mensch mit außerordentlichen geistigen Fähigkeiten, ein hervorragender Kenner des Nahen Orients, seiner Sprachen und Sitten und seiner Tendenzen. Sonst wäre es ihm nicht gelungen, der Rolle gewachsen zu sein, die er tatsächlich während des Weltkrieges und später in den. arabischen Ländern rings um Palästina spielte. Oberst Lawrence hatte zweifellos eine wichtige Mission in jenen Ländern durchzuführen. Daß er ein genialer Spion, ein hervorragender Intrigant, ein mutiger Draufgänger und ein schlauer Unterhändler war, hat er in zahllosen Fällen bewiesen — ganz unabhängig von der Legende, die man um ihn, den Beamten des englischen Nachrichtendienstes, den Chef des „Intelligent Service" im Nahen Orient, gesponnen hat. Aber war Lawrence mehr als das? War er wirklich ein politischer Faktor? Eine Persönlichkeit, die Politik machte oder der Politik die Richtung wies? Wir wissen, daß es Lawrence während des Weltkrieges gelang, die arabischen Stämme gegen die Türkei auf seiten Englands zu mobilisieren. Wir wissen auch, daß Lawrence, dessen Sport das Fliegen war, als aktiver Pilot am palästinensischen Feldzug teilnahm. Es ist darum anzunehmen, daß das britische Kolonialamt, das Lawrence so viel im Vordem Orient zu verdanken hatte, dessen Ratschlägen Gehör schenkte und sich von ihm beeinflussen ließ. Obwohl die Balfour-Deklaration erschienen war, ein Dokument, das sich eindeutig für die jüdischzionistische Sache in Palästina aussprach, nahm es Oberst Lawrence doch weiter auf sich, einen arabischen Staatenbund einschließlich Palästinas zu propagieren und administrativ zu unterstützen. Man konnte immer wieder in der internationalen Presse lesen, daß England auf Grund der Lawrence-Informationen den Arabern die weitestgehenden Versprechungen gemacht, ja die Konzeption Lawrence, d. i. die Errichtung selbständiger, durchaus arabisch-mohammedanischer Staaten, ins Auge gefaßt habe. Diese Konzeption stand und steht selbstverständlich im Gegensatz zum Mandat und zu den diesbezüglichen Völkerbundbestimmungen. Oberst Lawrence hatte scheinbar nicht viel für diese Normen übrig — sein Abenteuertum, der Wunsch, ungekrönter König über Araberreiche zu sein, versuchten die Tendenzen Englands beiseite zu schieben, es sei denn, daß die jeweiligen Regierungen nicht ungern seine pro-arabischen und antizionistischen Machinationen sahen. Tatsächlich hatte Lawrence im englischen Kolonial- und Außenamt gute Freunde. Die britischen Beamten, welche antizionistisch eingestellt waren, ließen sich gern von Lawrence informieren, und da dieser selbst im antizionistischen Lager stand, waren seine Verbindungen mit London für den Zionismus schädlich. Konnte er auch den Gang der Ereignisse nicht aufhalten — da das Drängen der jüdischen Massen und die Kraft des zionistischen Ideals schicksalhaft auftraten — so verstand er doch, Schwierigkeiten zu machen, insbesondere die proarabischen Tendenzen im britischen Kolonialamt zu stärken. In den letzten Jahren allerdings sah er sich bereits isoliert. Der weltgeschichtliche Prozeß, der sich durch die jüdische Arbeit im Vordem Orient vollzog, zwang nun auch die englische Verwaltung, die Mandatarmacht, über die Wünsche des Obersten Lawrence und seiner Freunde zur Tagesordnung Uberzugehen. Das jüdische Palästina ist greifbare Wirklichkeit, die Aspirationen des Obersten Lawrence eine Legende so wie sein ganzes abenteuerhaftes Leben * » * DIE MGR.KE DES VEfZ TR.P(JE/i/S/ 1,9üj$t<zmjgasse 6. Hochzeit im fahrenden Zug Im fahrenden Eisenbahnzuge Jerusalem—Haifa vollzogen zwei palästinensische Bürger die Trauungszeremonie mit den Schwestern Guella und Helena Grinberg, die als „illegale Einwanderinnen" deportiert werden sollten. Trotzdem wurden die Schwestern deportiert. Das Oberrabbinat Palästinas bestätigte, daß die Trauungszeremonie den Gesetzen der jüdischen Religion und den palästinensischen Landesgesetzes gemäß vollzogen worden, so daß rechtsgültige Ehen begründet wurden. Die Betroffenen sind demnach in der Lage, Rechtsmittel gegen die Deportierung zu ergreifen. * Unzählig sind die Schliche, welche Juden erfinden müssen, um nach Palästina zu gelangen oder, wenn sie Empfindliche erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe sich dort schon glücklich eingeschmuggelt haben, nicht von der Palästina-Regierung aus dem jüdischen Lande hinausgejagt zu werden. Grotesk sind diese Schliche und für den Unbeteiligten erheiternd, wie der oben angeführte. Und doch ist nicht Heiterkeit am Platze, sondern tiefes Gefühl der Scham. Es ist einfach schändlich, daß man Juden zwingt, sich selbst und ihre heiligen Einrichtungen, wie die der Ehe, herabwürdigen zu müssen, weil es übermütigen britischen Beamten gefällt, das jüdische Volk von seiner ihm feierlich zugesprochenen Heimstätte fernzuhalten. Eine Falschmeldung Aus Prag (J. T. A.): Die führende Wiener katholische und Regierungszeitung „R e i c h s p o s t" meldete am 18. ds., daß während der Abstimmung im Prager Stadtrat über die Aufstellung eines Riesenkreuzes auf dem Wenzelsplatz zu Prag anläßlich des Katholikentages die jüdischen Stadträte gegen die Aufstellung des Kreuzes gestimmt haben. Wie der J.-T.-A-Vertreter zuverlässig erfährt, beruht diese Mitteilung auf Erfindung. Weder der Stadtrat der Jüdischen Partei Norbert Adler, noch der einzige jüdische Stadtrat Wiesmayer von der Deutschen Demokratischen Partei haben der betreffenden Sitzung überhaupt beigewohnt. Es hat also kein jüdischer Stadtrat gegen die Aufstellung des Kreuzes gestimmt, noch sich an einer solchen Debatte, bzw. Abstimmung beteiligt. Kieine Tube S—.90 QroBe-^ube S 1.40* Kluge Hausfrauen bevorzugen den delikaten, echten Schweizer-Käse, Marke „Berna". E Judenstaats-Zionisten! Kaufet den Sdiekel! — Verbreitet den Sdiekel unter Euren Freunden! — Sichert Euch und ihnen das Wahlrecht zum Kongreß! Die Judenstaatspartei fordert hiemit alle Mitglieder und Freunde, alle Anhänger des Herzl-Zionismus auf, sofort und und mit aller Intensität den Schekel zu verbreiten und so der Vertretung des Judenstaatszionismus maßgebenden Einfluß auf dem kommenden Zionistenkongreß zu sichern. Die äußere und innere Lage des Zionismus ist gefährdet. Das in größte seelische und materielle Not geratene jüdische Volk drängt nach Palästina, der einzigen Zuflucht. Aber nur wenige dürfen ins Land und die Palästina- Regierung tut alles, um die Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes zu hemmen. Noch sind wir Juden Geduldete, nicht Herren im eigenen Lande. Man hindert uns an seinem Aufbau und was wir unter schweren Mühen und Opfern errichtet haben, kann eine uns fremde Regierung morgen mit einem Federstrich zunichte machen. Nur ein Palästina, wo wir Herren im eigenen Hausei sind, also der Judenstaat, bedeutet Lösung der Judenfrage« Aber die Parteien im Zionismus, die „Allgemeinen" und die Linken, sind vom Wege Theodor Herzls abgeirrt, haben seine Fahne kleinmütig gesenkt. Die Zionisten-Revisionisten, welche sich zum Judenstaat bekennen, haben den Kampf für ihn in der Weltorganisation mutlos aufgegeben. Sie kommen nicht mehr zum Kongreß, sie haben den Gegnern das Feld geräumt. So ist denn die Judenstaatspartei alleiniger Träger des auf ein großes Ziel gerichteten, unverfälschten Herzl-Zionismus geworden. Auf ihr lastet dio Pflicht, diesen Zionismus auf dem Kongresse zur Geltung zu bringen. Die Zionistische Organisation, welche vor den schwersten Aufgaben steht, ist innerlich zerklüftet. Der; Austritt der Revisionisten ist ein Anzeichen großer, Schwäche. Die Organisation ist nicht mehr der Willensausdruck aller. Sie wird heute von der Partei der linken beherrscht, welche ein mit Terror und Hungerpeitsche arbeitendes, einseitiges Parteiregime etabliert hat. Sie macht dem Juden, der sich ihr nicht fügen will, die Arbeit in Palästina unmöglich. Sie erzieht die Jugend für fremde Ideale, nicht im Geiste Herzls, im Geiste der nationalen Solidarität, sondern im Geiste des Klassenkampfes. Die „Allgemeinen Zionisten", einst die Führer der Organisation, sind gespalten. Sie führen den Kampf gegen die Klassenherrschaft in der Organisation höchstens mit Worten, nie aber mit Taten. Sie haben die Zionistische» Bewegung, vor allem aber die Jugend der jetzt herrschenden Klassenkampfpartei ausgeliefert. Im Zeichen des Judenstaates hat Theodor Herzl die übermenschliche Aufgabe gelöst, die widerstrebendsten Elemente in einer starken Organisation zu einigen. Nun, da dieser Geist von der Organisation gewichen ist, droht der Zerfall. Die einzig mögliche Rettung heißt: Wiedereinsetzung der Judenstaatsidee als oberste und alles leitende Idee! Die Judenstaatspartei hat sich dieser Aufgabe geweiht! Herzl-Zionisten! Judenstaatszio nisten! Helfet der Judenstaatspartei, damit sie auf dem kommenden Kongresse die ihrer wichtigen Aufgabe entsprechende Zahl von Stimmen erlange. Sichert euch und euren Freunden das Wahlrecht zum Kongreß. Kaufet den Schekel! Verbreitet den Schekel! Die Judenstaatspartei Oesterreichs. Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Vorankündigung! Sonntag, am 16. Juni, Herzl-Grabgang. Das Programm wird rechtzeitig bekanntgegeben werden.

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