Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 465 (21.5.1935)
- Date
- 1935-05-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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"Nr. 465 DIE NEUE WELT Seite 3 f vorn Bankhause S chcl Hammer bSctiaüeva Wenl. Sfcplmmpl. a Ziehung am 21.u.23.Mai d.J. Ciroßnannits Antwort an 3«ibotmsky Nach dem Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation verließen verschiedene (»nippen von Revisionisten und Betarim die revisionistische Union, viele traten spontan der Judenstaatspartei bei. Die polnisch-jiddische Presse verzeichnete mehrmals diese Uebcrtrittc und lenkte dadurch die Aufmerksamkeit der zionistischen Welt auf diese Umgruppierung der zionistischen Kräfte. Vladimir J a b o t i u s k y nahm im Kähmen einer Warschauer Fropagandarede (It. „Moment" vom 8. Mai IÜJi.l) zu dieser Erscheinung Stellung, wobei er gegen den gerade in Polen weilenden Vorsitzenden der Judenstaatspartei 3.1 c ü r Groß man n den Vorwurf erhob, daß dieser die Abfälle der revisionistischen Partei — Jabotinsky gebrauchte das verletzende Wort „Sehmattes" (schmutzige Fetzen) — sammle. Er nannte ihn „Schmattes-Sammier" (Lumpensammler). Auf diesen -- gelinde gesagt -— nicht sehr gesehinackvolli'n und durchaus unbegründeten Vorwurf antwortet Mei'r Großmann (im „Hajnt" vom 17. Mai) in einem „Sch mattes, Sehmattes!" betitelten Aufsatz. Großmaiiii gibt zunächst einige Briefe wieder, die er von gewesenen Mitgliedern der revisionistischen Union und des Betar erhielt, woraus zu entnehmen ist, daß diese einstigen Anhänger Jabotinskys sieh voll Verzweiflung von der revisionistischen Union abwenden und in ihrer Herzensnot und in ihrem zionistischen Pflichtbewußtsein Anschluß an die -I u d e u s t a a t s p a r t e i suchen. Großmaun zeigt dann, daß Jabotinsky unter dem Eindruck dieser „Fahnenflucht" seiner einstigen Anhänger die Nerven verloren habe und in einem plötzlichen Wulanfall sinulose Beschuldigungen gegen ihn als I'ropagator des Judenstaatszionismus erhebe. „Er (Jabotinsky) vergißt", schreibt Großmann u. a., „«laß noch gestern sie, die .Schmattes', zu seiner glänzenden Schar gehört haben, ein Teil seiner ,n e u e n 11 a s s e' waren, treu und in Ergebenheit mit ihm gearbeitet und sich in den Strahlen von ,Hadar* gebadet haben .. . Und jetzt, da sie von ihm weggingen, weil ihr Gefühl und ihr Verstand ihnen nicht erlaubte, das Spiel des Austrittes mitzumachen, rufen ihre Mitkämpfer und vornehmen Gesinnungsgenossen ihnen mit heiserer Stimme nach: Sc limattcs, o ihr Schraatte s!" Großmaun schließt seinen Artikel: „Man kann alles verlieren: Freunde, eine Partei, Mitarbeiter -— aber eines darf ein großer Mensch nicht verlieren: sein e g u t e n M a n i e r e n". BrulzlniK aus der Union der Zionisten-Revisionisteii ausgeschlossen Aus P a r i s (J. T. A.): Dr. Julius Brutzk u s, der vor kurzem seinen Austritt aus der Exekutive der Union der Zionisten-Rcvisionistcn erklärt hatte, weil er mit dem Beschluß auf Austritt aus der Zionistischen Weltorganisation nicht einverstanden war, aber erklärt hatte, weiterhin Mitglied der revisionistischen Union sein zu wollen, ist nunmehr aus der Union der Zionisten-Revisionisten a u sgcschlosscn worden, weil er entgegen dorn ausdrücklichen Beschluß des Exekutivkomitees der Union einen Schckcl gekauft hat. Brutzkus, ehemals Professor in Petersburg, gehört zu den ältesten russischen Zionisten. Aus der Tschechoslowakei Die Vorbereitungen für die Landeskonferenz der Judenstaatspartei in der C. S. R., die, wie bereits berichtet, am 29. und 30. Mai in Brünn stattfindet, sind im vollen Gang. Die Landeskonferenz wird mit einem Vortrag des Mitgliedes des Exekutivkomitees der Judenstaatspartei, Herrn Oberbaurat Robert Stricker, über das Thema „Vor dem XIX. Zionistenkongreß" eingeleitet. Die Konferenz, die, wie zu erwarten ist, aus allen Teilen der Tschechoslowakei beschickt sein wird, wird der große Auftakt zur Kongreßkampagne sein. Die Judenstaatspartei Oesterreichs wird eine Delegation zu dieser Konferenz entsenden. •/: Am 12. d. M. besuchten Herr Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Fritz Richter, Vizepräsident der österreichischen Judenstaatspartei Oesterreichs und Leitungsmitglied der österreichischen Judenstaatspartei Theodor Grubner in Begleitung des Mitgliedes der Landcsleitung für die C. S. R. Dr. E. Fischel und des Chaluzref erenten Fritz Sborowitz, die Hachscharah der Judcnstaatspartei in Brno, wo die öster- Die Urbarmachung de§ HulesGelrietes Wir haben wiederholt über die Erwerbung des Hule-Gebietes in Nordpalästina durch jüdisch? Gesellschaften berichtet. Die derzeitige. Leitung der zionistischen Organisation unterläßt nicht, diese Erschließung eines großen Gebietes für jüdische Siedlung, als große Errungenschaft — wie weit es ihre Errungenschaft ist. sei jetzt dahingestellt zu preisen. Die Erwerbung ist gewiß zu begrüßen. Aber die Bedingungen, unter welchen die Erwerbung erfolgte, zeigt so recht, wie die Juden in Palästina behandelt werden, welche Opfer man ihnen auferlegt. Das Gebiet ist ein S u m p f, welcher große Landesteile verpestet. Ueberall in der Welt werden solche Entsumpfungen von der Regierung durchgeführt, besonders wenn sie so reich ist, wie die Palästina-Regierung. Hier müssen Juden die Sache allein bezahlen und überdies, so verlangt es die Regierung, einen großen Teil des urbar gemachten Gebietes, den Arabern kosten- 1 o s übergeben. Unter solchen Umständen wird die jüdische Kolonisierung des Hule-Gebietes enorme Kosten erfordern. Wir haben aus diesem Anlasse die Frage aufgeworfen, ob denn Palästina nur für reiche Leute da ist. Wir sind jetzt in der Lage, eine präzise Kostenberechnung zu veröffentlichen. T e I - A v i v (Palnews). Der von der Palestine Land Development Company mit den Vorarbeiten für die Aufstellung der Hule-Bauprojekte beauftragte Dr. Ing. A. Werbe r erklärte einem Vertreter der Palnews- Redaktion: Untersuchungen in den letzten Monaten haben folgenden Voranschlag für die Kosten der Urbarm a c h u n g des Hule-Gebietes ergeben: Entwässerungskosten . . . pal. Pf. 215.000 Hauptbewässerungskanal . . pal. Pf. 80.000 Insgesamt '. ".! ) '.! . pal. Pf. 295.000 Zu diesen Kosten von rund pal. Pf. 300.000, die von der Palestine. Land Development Company zu tragen sind, kommen noch die Kosten für Kanäle und Anlagen auf den einzelnen Siedlerparzellen, die. von den Siedlern selbst zu übernehmen sind, in Höhe von pal. Pf. 140.000 hinzu. Nach der Reglerungsvermessung umfaßt das Konzessionsgebiet folgenden Flächenumfang (1 Dunam :=r 1000 Quadratmeter): Seegebiet....... 13.700 Dunam Sümpfe........ 28.700 Dunam Kulturfläche...... 14.800 Dunam Insgesamt....... 57.200 Dunam Von diesem Gebiet gehen 3700 Dunam für Dämme und Kanäle, 12.000 Dunam für den verkleinerten See ab, so daß eine nutzbare F1 ä c h e v o n 4 1.5 00 Düna m verbleibt. Die Kosten der Meliorierung betragen per Dunam also pal. Pf. 7,2. Nach den Konzessionsbedingungen müssen jedoch 15.0 0 0 Dunam den Arabern ohne reichischen Gäste Ansprachen an die Barkaim hielten, welche durch zahlreiche Beifallskundgebungen unterbrochen wurden. Mit dem Absingen der Hatikwah wurde die Zusammenkunft beschlossen. Weil sie für den Nationalfonds sind Aus Warschau: In Warschau ist es zu Ausschreitungen gegen einige Mitglieder des Rabbinatskollegiums gekommen. Die Exzesse wurden von einer Gruppe junger Chassidim (Angehörige der Aguda) gegen diejenigen Rabbiner verübt, die einen Aufruf zugunsten des Jüdischen Nationalfonds unterzeichnet haben. Die Demonstranten belagerten die Wohnungen der betreffenden Rabbiner und forderten diese auf, ihre Unterschriften zurückzuziehen. Als dieses Ansinnen zurückgewiesen wurde, nahm die Menge eine drohende Haltung an und ließ sich zu schweren Beschimpfungen der Rabbiner hinreißen. Die Kundgebungen wurden im Gebäude der Warschauer Gemeindeverwaltung wiederholt. Dort drangen die Demonstranten in die Rabbinatskanzlei ein, zertrümmerten zum Teil die Einrichtung und beschimpften die anwesenden Rabbiner. Herbeigeeilte Misrachijugend Ubernahm den Schutz der bedrohten Rabbiner. Es kam zu Tätlichkeiten, denen erst durch Polizei ein Ende gemacht werden konnte. Das Zentralkomitee der Agudas Jisroel veröffentlicht eine Erklärung, in der betont wird, daß die Aguda die zionistischen Fonds auch weiterhin bekämpft und es deshalb bedauert, daß sich Rabbiner zur Unterzeichnung eines Nationalfondsaufrufes bereitgefunden haben. Die Kundgebungen religiöser Juden seien als spontaner Ausdruck der unter den religiösen Massen über die unzulässige Handlungsweise der Rabbiner herrschende Erregung erfolgt. Die Rabbiner hätten einen schweren „Chillul Haschern" begangen. An die religiösen Juden wird der Appell gerichtet, sich von ihrer Erregung nicht fortreißen zu lassen und keinerlei Sehritte ohne vorheriges Einvernehmen mit der Agudaleitung zu tun. Auch in Luxemburg Aus Luxemburg: Das „Luxemburger Wort", die größte Zeitung Luxemburgs, hat sich von der deutschen antisemitischon Propaganda ins Schlepptau nehmen lassen. Die Zeitung veröffentlicht die bekannten deutschen antisemitischen Legenden und fordert zum Boykott der jüdischen Geschäfte in Luxemburg auf, wobei sie die jüdischen Geschäftsleute als „zugereiste Fremde" bezeichnet, die die Konjunktur zuungunsten der angestammten Luxemburger Kaufmannschaft ausnutzen und die Fäden der wirtschaftlichen Macht in ihre Hände bringen. Beteiligung an den Kosten der Urbarmachung überlassen werden, so daß sieh die nutzbare Flüche für jüdische Hände auf 20.500 Dunam verkleinert. Dadurch steigen die Kosten der Melioration per Dunam auf pal. PI. 1.1,3 einschließlich der Kosten für Detailbrwüsscriing in Höh«? von pal. Pf. M0.000, die von den Siedlern selbst getragen werden, auf pal. Pf. 17, einschließlich der Kosten für den Konzessionserweib, die Zinsen und landwirtschaftliche Vorbereitung des Rodens, sind die Kosten per Dunam auf i n s g e s a m t p a 1. P f. 2 4 zu veranschlagen. Das Sumpfgebiet ist mit einer mächtigen Humusschicht aus verwitterten Pflanzenesten bedeckt, die für Jahrzehnte natürlichen Dünger abgibt. Nimmt man nur an, daß die Humusschicht einen Meter dick ist, so beläuft sich die Humusmengo auf 35 Millionen Tonnen. Die Kostenberechnung ist als zuverlässig anzusehen. Zu 80 Prozent setzen sich die Kosten aus der Erdb o w e g u n g von zwei Millionen Kubikmeter Erde, zusammen, die mit modernsten Maschinen be wältigt werden soll. Aus Ersparungsgründen wird die Handarbeit auf das Nötigste beschränkt. Die Regierung trägt sich mit der Absicht, den nördlichen Teil des Hule-Gebietes — einen Komplex von etwa 95.000 Dunam —, der ebenfalls unter Wasser leidet, wenn er auch kein ausgesprochenes Sumpfgebict darstellt, zu entwässern. Da beide Gebiete unter gleichen hydrologischen Bedingungen stehen, wären sie im Rahmen eines gemeinsamen Arbeitsplanes zu entwässern, wobei durch größere Rationalität weitere Ersparnisse erzielt werden könnten. Dr. Ing. Werber wurde von der Regierung mit der Programmausarbeitung eines Projekts betraut. Die Angelegenheit liegt zur Zeit den Londoner Instanzen vor. Die Hule-Arbeiten sollen in drei Jahren abgeschlossen werden. — Im ersten Jahr sollen die Vorarbeiten (topographische Aufnahmen und weitere Wassermessungen) abgeschlossen werden, so daß im nächsten Frühjahr mit den Erdarbeiten begonnen werden kann. Diese Angaben des Sachverständigen bestätigen unsere Behauptung, daß die Besiedlung eine sehr teure Angelegenheit werden wird. 24 Pfund reine Bodenkosten per Dunam. Der Mindestbedarf für eine Familie, welche selbst arbeitet, dürfte 20 Dunam betragen, d. h. reine Bodenkosten von 480 Pfund. Hiezu kommt ein fast ebenso hoher Betrag für Haus, Stall, Inventar, Lebenskosten im ersten Jahr usw. Also fast 1000 Pfund für die Ansiedlung einer Familie. Sehr wichtig ist die im vorstehenden Bericht enthaltene Meldung Uber den bisher unbekannten Plan der Regierung, eine dreimal so große Fläche im Hule-Gebiet urbar zu machen, und zwar auf eigene Kosten. Für wen ist dieser Boden bestimmt? Werden ihn vielleicht die Araber ganz oder zum größten Teil geschenkt bekommen, um auf diese Art die j ü d is c h e Siedlung zu paralysieren? Es ist notwendig, diese Angelegenheit im Auge zu behalten! Trauerfeier Äftf Maffstfuall Psisudski Im überfüllten Tempel in der Seitenstettengasse fand Sonntag, den 19. Mai. eine auf Veranlassung der jüdischen Mitglieder der polnischen Kolonie in Wien veranstaltete Trauerandacht für Marschall Josef P i 1s u d s k i statt. Der polnische Gesandte Jan Gawronski ist in Begleitung aller Herren der polnischen Gesandtschaft und des Konsulats, und zwar der Herren Legationsrat L a 1 i c k i, Legationssekretär B i a 1 o k u r, Konsul Kiesienicki, Pressechef Gruzeski, Konsul N e u m a n n, Legationssekretär Dr. Berger u. a. erschienen, außerdem fanden sich der Präsident der österreichisch-polnischen Handelskammer Minister a. D. Doktor von T w a r d o w s k i und die Kammerratssekretäre L. K. A p r i 11 und A. Gerzabek ein, die vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde und Vertretern der jüdischen Kolonie empfangen wurden. Die Feier wurde durch die polnische Nationalhymne eingeleitet, worauf Herr Oberrabbiner Dr. Peuchtwang die Tauerrede hielt, in welcher er vor allem der tiefempfundenen Trauer der gesamten Judenschaft sowie der Teilnahme an dem Schmerz der polnischen Nation Ausdruck gab. Der österreichische Export nach Palästina hat im Jahre 1934 rund 10 Millionen Schilling betragen, kann jedoch noch um vieles gesteigert werden, da Oesterreich in der Einfuhrtabelle Palästinas noch immer an vierzehnter Stelle steht. Die österreichisch-palästinensischen Handelskammern in Tel-Aviv und Wien sind derzeit damit beschäftigt, eine Liste derjenigen österreichischen Firmen anzulegen, welche bereits in Palästina vertrten sind, bezw. nach Palästina exportieren! Das österreichische Generalkonsulat in Jerusalem hat seine Mithilfe bei der Anlegung eines derartigen Archivs bereits zugesagt, nunmehr werden alle offiziellen Stellen, welche sich mit Fragen des Außenhandels beschäftigen, gebeten, in ihren Veröffentlichungen sämtliche Firmen, welche bereits nach Palästina exportieren oder den Export aufzunehmen beabsichtigen, ihre Anschrift unter Bekanntgabe der Artikel an die Oesterreichisch-palästinensische Wirtschafts- und Handelskammer, Wien, IX., Alserplatz 3, bekanntzugeben. Höchste Zeit! Schon morgen, Dienstag, den 21. Mai, y,Z Uhr nachmittags beginnt die Ziehung der 33. Klassenlotterie. Es ist daher höchste Zeit, sich im Bankhaus Schelhammer & Schattera, I., Stefansplatz 11, oder in dessen Filiale, XIII., Hadikgasse 60 a, noch ein Klassenlos zu besorgen. Haupttreffer: eine Million Schilling. Bei der 32. Lotterie waren es wieder vier Haupttreffer, und zwar S 200.000, S 50.000, S 40.000 in der V. Klasse und S 50.000 in der III. Klasse, die mit Schelhammer-Losen gewonnen wurden. e las IMHI!