Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-05-17 · Heft 464 (17.5.1935) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 464 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712088--5077-2718645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 4«4 BEB NEUE WELT Seite 5 Pension Koch Hadar-I Hormon Stroot 20 i akarmel Telephon 1139 Haus ersten Ranges / Herrliche ruhige Lage / Kühle Räume / Modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser / Gepflegte koschere Küche / Mäßige Preise. Zum Tode Marschall Pilsudskis Die .Tudenschaft Polens betrauert den Tod Pilsudflkis aufrichtig. Es werden Befürchtungen laut, daß nunmehr ein scharf antisemitischer Kurs einsetzen wird. Der J. T. A. wird aus Warschau geschrieben: Für die drei. Millionen polnischer Juden kann das Ableben Marschall Pilsudskis von einschneidender Bedeutung sein. Unter Pilsudskis Führung hatten zahlreiche Juden, manche in verantwortungsvoller Stellung, an den Freiheitskämpfen und am russischpolnischen Kriege von 1920 teilgenommen. Die von der polnischen Judenheit für ihr Vaterland gebrachten Opfer hat Pilsudski nie vergessen und sich später, wiewohl er in Fragen der eigentlichen jüdischen Politik niemals eingriff, sowohl für die Wahrung der Rechte der jüdischen Staatsbürger im allgemeinen, als auch für die bedrohten Interessen einzelner Juden, insbesondere ehemaliger Mitkämpfer, immer wieder tatkräftig eingesetzt. Nach der von ihm im Jahre 1926 durchgeführten Mai-Umwälzung wurde der antisemitische Kurs, der im Anschluß an die polnischukrainischen Kämpfe des Jahres 1918 eingesetzt hatte, verlassen. Zu verschiedenen jüdischen Persönlichkeiten unterhielt der verstorbene Marschall freundschaftliche Beziehungen. Das patriarchalische Verhältnis, das zwischen ihm und den Bürgern Polens bestand, erstreckte sich auch auf die Juden. Abgesehen von den herzlichen Empfängen jüdischer Abordnungen bei offiziellen Anlässen erfuhr man von Zeit zu Zeit immer wieder von dem tatkräftigen Einschreiten des Marschalls, wenn es galt, Bitten ehemaliger jüdischer Legionäre und anderer jüdischer Bürger zu erfüllen. Er hat sich wiederholt für die Ermöglichung einer Existenzgründung früherer jüdischer Mitkämpfer und für Auswanderungshilfe an sie nach Palästina und anderen Ländern erfolgreich eingesetzt. Seine Gattin hat sich dafür eingesetzt, daß bei allgemeinen Fürsorgeaktionen, insbesondere bei Kinderspeisungen, auf die jüdischen rituollen Vorschriften Bedacht genommen werde. Ein Fünljahreplaii Im Prager „Neuen Vorwärts" befaßt sich Ernst Funke mit dem deutschen Judenproblem und führt an, Julius Streicher habe neulich in einer Versammlung triumphierend verkündet: Er habe vom Führer, Hitler, das bindende Versprechen, daß Deutschland spätestens in fünf Jahren vollkommen judenrein sein werde. Dazu schreibt Funke u. a.: Die Situation der Juden in Deutschland ist so durchsichtig und eindeutig, daß heute nur noch das Problem diskutiert werden darf: Wie und wohin? Es ist aiich schon das Grundthema aller jüdischen Zeitungen. Die Judenpolitik des Nationalsozialismus ist seit der Machtergreifung stark modifiziert worden. Zuerst bestand nur die Absicht, die Juden aus allen Aemtern, Berufen und Positionen hinauszuwerfen, sie in den Ghettozustand vor der französischen Revolution zurückzuwerfen, also in völlig isoliertem Zustande im Lande immerhin noch zu ,,d u 1d e n". Mit dem schrittweisen Vordringen Rosenbergs und Streichers ist aber dann das Ziel dahin abgeändert worden, daß allmählich der jüdische Bevölkerungsteil überhaupt aus dem Lande ausgeschieden werden soll. Hitler hat sich erneut ausdrücklich mit seinem Freunde Streicher und dessen Pogromhetze solidarisch erklärt. Auch Reichsinnenminister Frick hat in seiner Nürnberger Rede zum Ausdruck gebracht, daß die Judenpolitik Streichers nunmehr die Politik der Regierung ist, die Regierung sei Streichers Zielsetzung schon sehr nahegekommen. Schacht hat sich zwar in seiner Leipziger Rede der internationalen Geschäftswelt als Schutzgott der deutschen Wirtschaftsjuden präsentiert, aber in der Praxis sieht das so aus, daß er alle ihm unterstellten Behörden angewiesen hat, „mitallen Mitteln die jüdische Auswanderung zu fördern". Man kann sich die „Mittel" und die „Förderung" vorstellen. Der Rechts-Osaf des Dritten Reiches, Frank II., hat bereits ein Gesetz angekündigt, das jüdischen Anwälten ,.in kürzester Zeit jede Ausübung einer Tätigkeit vor deutschen Gerichten" unmöglich machen soll. Frick hat den Krankenkassen vorgeschrieben, Verträge mit jüdischen Aerzten nicht mehr zu erneuern. Jüdischen Medizinstudenten ist jedes Staatsexamen verschlossen. Jüdische Apothekenbesitzer müssen binnen zwei Jahren ihre Apotheken an Arier abtreten, bei sonstiger Enteignung. Die Reichsschrifttumskammer hat zum 1. April die letzten nichtarischen Mitglieder hinausgeworfen. Sämtliche Arbeitsgerichte und vorgeordneten Instanzen stellen sich, offenbar auf höhere Weisung, seit einiger Zeit in ihren Urteilen auf den grundsätzlichen Standpunkt, daß ,,En.tlassung jüdischer Angestellter nicht sittenwidrig sei", auch wenn sie vollkommen grundlos erfolge. Wo ,.einfache Maßnahmen" gegen jüdische Geschäfte nicht ausreichen, müssen Boykott und Diffamierungen helfen. Jüdische Importfirmen sind von der Devisenzuteilung ausgeschlossen. In den jüdischen Kreisen, die sich der Wirklichkeit gegenüber nicht mehr Wind verhalten, wird bereits sehr ernsthaft und eingehend ein Auswanderungsplan erörtert. Ein Franzose tut mit Auf der von Streicher veranstalteten Tagung der „Antijüdischen Wellliga" erklärte der als Vertreter einer französischen Frontkämpfervereinigung erschienene Schriftstellnr Jean B o i s s e 1, er sei gekommen, um den Feind zu entlarven, der in gleicher Weise der Feind Frankreichs und der Feind Deutschlands sei: A 11 j u d a. Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, hätten 1914 die vereinigten Armeen ausziehen müssen zum Kampf bis auf den Tod gegen die Weltgeißeli des Judentums. Gegen den Juden, gegen diesen W e 11 f e i n d Nr. 1, gilt es, unseren Kampf zu führen. Und gegen den Kommunismus gleichfalls, dieses Jutlenkin d, diesen geschworenen Feind des ganzen Menschengeschlechtes. Zum Schluß erklärte Jean BoiS3el, er wolle diesen Platz nicht verlassen, ohne in öffentlicher und feierlicher Weise den Schwur erneuert zu haben, zu kämpfen für den Triumph seiner Idee " 11M MI! I f M11 f 11U11111 •! 1111111 f f 11! II 11MIM II! t! I! 1 f 1111U i H1111111IJ: EPH SI & CO. Jüdische Werkzeuge Hitlers — Der Mutter Ehebruch - die Rettung Die Ernennung des Dichters Arnold Bronnen zum Reiehsdramaturgen für den Film im Dritten Reich hat zu einer lebhaften Diskussion über die Herkunft dieses Mannes geführt. Auf den Vorhalt, daß sein Vater Jude sei, hat Bronnen erwidert, daß ihn seine Mutter, eine Arierin, nicht mit dem Vater, sondern ehebrecherisch mit einem Arier gezeugt habe. Wir erhielten zum Gegenstande von einem Wiener Rasse- und Familienforscher, Herrn Dr. Fritz R., ein Schreiben, in welchem es u. a. heißt: „Vor vielen Jahren studierte ich am Staatsgymnasium in E i e 1 i t z. Einige Klassen höher war ein sehr begabter Student, der besonders durch sein Sprachentalent auffiel. Er hieß Bronn er, stammte aus der Gegend von Oswieczim (Galizien). Später trafen wir uns in Berlin, v/o er die Universität besuchte und in literarischen Kreisen, namentlich in denen um Hauptmann, viel verkehrte. In Wien ■ wurde Bronner Gymnasiallehrer und Schriftsteller (Franz Adamus). Aus Berlin brachte er seine Frau, eine Erzieherin aus Norddeutschland, eine Arierin, mit, trat hier aus derKultusgc mein de aus und wurde Mitglied einer Freimaurerloge. Seiner Ehe entsprossen zwei Kinder, ein Bub und ein Mädel. Der Bub, der große Aehnlichkeit in seinen Gesichtszügen mit seinem Vater zeigt, führt den Vornamen Arnold. Jetzt, seit einigen Jahren, heißt er aber Arnolt Bronnen. Er ist auch nicht mehr der Sohn seines Vaters Bronner, ,s o ndern der Sohn eines Baue rn.b urschen, dem seine Mutter eine Liebesnacht opferte'. Ich klage nicht Vater und Mutter Bronner an, ich stelle den Vater nicht deshalb an den Pranger, weil er eine Lösung der Judenfrage guthieß, die diametral entgegen der zionistischen ist. Beide Lösungen stellte ja auch Theodor Herzl zur Diskussion. Ich prangere nur die Zeit, den tollgewordenen Rassismus an. Sie bringen so scheußliche Resultate hervor, daß ein Sohn seiner Mutter Ehebruc h öffentlich vorwerfen darf, nur um weiter Brot und Erwerb behalten zu dürfen . . . Unter den Flugzeugfabrikanten in Berlin geht es auch dem Flugzeugkonstrukteur Ing. Rumpier sehr gut. Rumplcr entstammt einer jüdischen Wiener Familie und war mit einer Jüdin bis zum Jahre 1933 verheiratet, von der er sich scheiden ließ, die dann mit zwei Kindern nach Wien übersiedelte. Sie ist die Tochter des verstorbenen Einzelprokuristen des Hauses Rothschild, S t i e d r y, und eine Schwester des ehemaligen Direktors der städtischen Oper in Berlin, Dr. Stiedry. Rumpier ist mit Göring befreundet und hißte als begeisterter Anhänger des Dritten Reiches so lange die Hakenkreuzfahne, bis ihm und Herrn Naumann und Anhang — dieses Flaggen durch Erlaß des Ministers Frick verboten wurde . . . Die ganze Tragik des Judentums zeigt sich erschütternd in beiden Fällen." Bürofräuleins «lagen oft über Ermüdungserscheinungen, hervorgerufen durch die einseitige Arbeit an der Schreibmaschine oder am Schreibtisch. Diese Erscheinungen führen oft zu Leistungsvermindenmgen im Berufe und erregen auch das Gefühl von Aufgebrauchtsein und Altern. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von DIANA- Franzbrunntweln mit Menthol. Tägliche Massage mit DIANA erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mundu. Haarpflege. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA". Weisen Sic minderwertige Nachahmungen zurück. Gegründet 185R | BANKGESCHÄFTE ART | r Abteilungen für Wertpapiere und Devisen Wien IX Wasagassß 2 ~ rTl I i 111111111! 11! 111 f 1111111111111111 f!»111111 (11111?! t) 111UI f 11111111111 rr AUS Starke arabische Riäckw-auacSeiraairag Aus Jerusalem: Wie dos Amtsblatt der Palästina-Regierung. ,,Official Gazelle", mitteilt, sind im März. 1935 68 0 0 Juden, davon 558 als ..Kapitalisten", nach Polästina eingewandert. Außerdem sind 1150 jüdische und 3 148 arabische ehemalige Einwohner Palästinas in das Land zurückgekehrt. Zu dieser starken Rückwanderung hat. offenbar die andauernde Prosperität in Palästina geführt. Die Gesamtzunahme der Bevölkerung durch Einwanderung im Monnt Mörz wird mit 11.072 Seelen angegeben. Fünfjahrplan der palästinensischen Post Aus Jerusalem: Der palästinensische Gencralpostmeistcr kündigte einen Fünfjahrplan zur Ausgestaltung des palästinensischen Post-, Telegraphenui? Telephonnetzes an. wobei als Ziel gilt, dieses Netz auf den höchsten Standard im gesamten Nahen Osten zu bringer Zu diesem Zwecke wird die Regierung eine Summe -7->n 5 0 0.000 Pfund in das Post-, Telegraphen- und Telephonwesen neu investieren. Der Generalpostmeister fügte hinzu, infolge der jüdischen Einwanderung haben sich die Bedürfnisse de3 palästinensischen Postwesens in einem einzigen Jahre um 99 Prozent erhöht, während sich die Bedürfnisse im Postwesen in der übrigen Welt nur um etwa 15 Prozent erhöht haben. MATURASCHULE „UNIVERSUM" IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 —————P——"n^—«»^——■nm..iin.i»m ■«»«■. 25 neue jüdische Siedlungen in Palästina Aus Jerusalem: Im letzten Jahre wurden durch privates und nationales Kapital in Palästina 25 neue jüdische Kolonien gegründet, davon vier durch deutsche Juden; in letzteren leben über 800 deutsch-jüdische Familien. 1 Insgesamt wurden bis jetzt von Juden 180 Kolonien in Palästina, .die ein Gebiet von 1,300.000 Dunam umfassen, gegründet. Tel-Aviv dehnt sich aus Aus Jerusalem. (J. T. A.) Die Regierung hat der Stadt Tel-Aviv, wie „Hajarden" berichtet, 700 D unam Boden jenseits des Jarkon.Flusses zur Anlegung eines neuen Stadtteiles zur Verfügung gestellt. Wie erinnerlich, hat Bürgermeister Dizengoff kürzlich mitgeteilt, die Regierung stehe dem Plan der Ausdehnung Tel-Avivs nach Norden mit Sympathie gegenüber. In den letzten Tagen wurde in Tel-Aviv mit dem Bau eines neuen Wohnblocks auf kooperativer Grundlage mit Hilfe der englischen Kredite begonnen. Der Block wird 90 Arbeiterwohnungen mit 260 Wohnräumen, Gesellschafts-, Sport- und Lesesälen u. a. m. umfassen. «» * Zertifikate „Nur für Ledige" Von den der Jewish Ageney ühergebenen Zertifikaten der neuen Einwanderungs-Schedule sind 1865 Männer- und 2165 Frauen-Zertifikate ausschließlich für Einzelpersonen, die übrigen Zertifikate für Familienväter bestimmt. Es ist das erstemal, daß in einer Schedule Zertifikate ausdrücklich für unverheiratete Männer reserviert sind, während Zertifikate für alleinstehende Frauen und Mädchen schon in den früheren Schedulen ausgegeben wurden. Grenzregulierung zwischen Syrien und Palästina Die arabische Tageszeitung „F e 1 c s t i n" meldet, daß eine Regulierung der palästinensisch-jüdischen Grenze durchgeführt werden soll, wobei mit Zustimmung Frankreichs ein Stück syrischen Territoriums Palästina einverleibt werden soll. Klar Smuts. Am 15. Mai findet im Emek Sebulun (Haifa Bay-Gebiet) die Grundsteinlegung zu einer neuen Siedlung statt, die zu Ehren des ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Justizministers der Südafrikanischen Union, General Smuts, den Namen ,,Kfar Smuts" tragen soll. General Smuts gehört bekanntlich zu den Männern, die sich besonders warm für die Verkündung der Balfour-Deklaration eingesetzt und auch später als ein aufrichtiger Freund der Juden und der zionistischen Bewegung betätigt haben. Ein Bialik-Denkninl in Tel-Aviv. Die von der Tcl- Avtver Stadtgemeinde eingesetzte Jury hat einstimmig den Entwurf des Bildhauers M o k a d y für ein Bialik- Denkmal angenommen. Orant>'enpflanzungcn schwer geschädigt. Der Schaden, den die Orangenpflanzungcn durch die letzte Hitzewelle erlitten haben, ist außerordentlich groß. Nach dem Urteil von Sachverständigen ist mit einem ööprozentigen Ausfall bei der künftigen Ernte zu rechnen. Der sogenannte grüne Zaluibelag bei Kindern ist eine .sehr h.'lufig beobachtete Erscheinung, die dudnreh cnlsteht, dal) infolge ungenügenden Putzens. Speisereste - - vor allem klebrige /.uckennassen — Gärungssnuren bilden, die eine Entkalkung der Sehmelzsehiehte und eine Besiedlung der Kähne mit grünen Kadenpilzen herbeiführen. Deshalb sollen aueh die Zähne der Kinder mit einer geeigneten Bürste und Zahnpasta gründlieh und rege!« mäßig gereinigt weiden. Odol-Zah npastu reinigt gründlich ohne den Zahnschmelz! anzugreifen, desinfiziert, ist von angcnelH niem, köstlichem Geschmack und Tartelht reine* Ateak

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.