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Die neue Welt · 1935-05-17 · Heft 464 (17.5.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 464 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DIB NEUE WEL1 Nr. 4M Rückwanderer werden interniert Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter" teilt mit. daß man die Zahl der jüdischen Emigranten aus dem Roich auf rund 90.000 schätzt. Riickwandcrunt; e n seien nach der .deichen Quelle in Stärke von etwa 10.000 Personen, die ".u 90 Prozent Juden seien, erfolgt. „Da die Heimkehr dieser enttäuschten Auswanderer in letzter Zeit sehr im Zunehmen begriffen ist. hat man sich zu einer einstweiligen Unterbringung in Schulungslagern entschlossen, schon deshalb, um den heimischen Stellenmarkt nicht weiter zu belasten. Als Stichtag für diese Maßnahme ist der 28. Jänner 1935 festgesetzt, so daß alle nach diesem Termin heimgekehrten oder noch zurückkommenden Emigranten sich darauf gefaßt machen müssen, interniert zu werden." Eine «v.-.r.kt.e Erfassung der jüdischen Auswanderer- Ziffern, so fährt der Aufsatz fort, sei unmöglich, schon weil sich die große Masse der jüdischen Emigranten polizeilich nicht abgemeldet hätte, um die Steuerquote ihres i Vermögens dem Zugriff der Finanzämter zu entziehen. Die Flucht jüdischen Kapitals aus Deutschland habe der deutschen Wirtschaft Ricsenbeträge entzogen. Im Reichswirtschaftsministerium schätze man, überaus vorsichtig, den durch jene Transaktionen entstandenen nationalen Verlust auf etwa 400 Millionen Reichsmark. Vermutlich komme jedoch, so bemerkt der ..Völkische Beobachter", der effektive Schaden an die Milliarde sehr nahe heran. V/eizmaim wieder Präsident der englischen Zionisten Aus London: Die auf der 35. Jahreskonferez der English Zionist Federation vorgenommene Wahl der Leitung brachte folgendes Ergebnis: Präsident Dr. Chaim Weizmann, Ehrenvizepräsidenten: Lord Melchett, Dr. M. D. Eder; Vorsitzender der Exekutive: Rabbiner J. K. Gold- Moom; Vizepräsidenten für London: Viscountess Erleigh, Abg. Barnett Janner, Simon Marks, J. M. Sieff; Vizepräsidenten für die Provinz: Prof. S. Brodetsky, Sir Montague Burton, F. Nettler, Dr. J. M. Yoffey. Gleichzeitig wurden die Kanditenlisten zum Zionistenkongreß für London und für die Provinz aufgestellt. An der Spitze der Londoner Liste stehen Dr. Chaim Weizmann, Abg. Barnett Janner und Rev. J. K. Goldbioom, an der der Provinzliste Dr. Nahum S o k o 1 o w, Prof. S. Brodetsky und Dr. J. M. Yoffey. Der Kulturbund Berlin zur Aendcrung seines Namens gezwungen Aus Berlin: Der Kulturbund in Berlin teilt mit: Auf Anordnung des Polizeipräsidiums wurde der Name ,.Kulturbund Deutscher Juden" umgewandelt in den Namen „Jüdischer Kulturbund Berlin". Ein |'üdi§dier Nazianhänger! Auf Grund eines allseitig als absurd anerkannten Paragraphen in dem nach dem Kriege geschaffenen österreichischen Preßgesetz waren wir gezwungen, in der letzten Nummer eine ellenlange „Berichtigung" des Herausgebers dcrBielitzer ..JüdischenWochenpost". Doktor Fritz S c i f t e r, zu bringen. In dieser „Berichtigung" wehrte sich der Herr dagegen, daß er in unserem Blatte als jüdischer Helfer Hitlers dargestellt wurde. Nun liegt uns die jüngste Nummer des jüdischen Blattes vor, welche der M a i - F e i e r in Hitler-Deutschland einen begeisterten Leitartikel widmet. Darin steht geschrieben: ,.Trotz allem — es war ein Erlebni s, dieser erste Mai, mit seinen Riesenaufmärschen, mit seinen Millionen von Feiernden, in seiner glänzenden Organisation, einer überwältigenden Disziplin . . . Der erste Mai war ein doppeltes Erlebnis für uns: Wehmut und Ausblick! In der Rede des Führers klangen gerade diese Gedanken in ausdrucksvoller Formulierimg nach: die Gemeinschaft des Volkes, die Gemeinschaft der Arbeit, die Gemeinschaft des Erlebens. Ein Volk, zerrissen, niedergehalten von den Siegern des Weltkrieges, ohne Reichtümer, verarmt vielmehr, demoralisiert durch das allgemeine Elend, ist plötzlich e rwacht, plötzlich zusammengeschlossen zur Gemeinschaft, organisiert und nun auch wieder bewaffnet. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt durch staatspolitische Maßnahmen (Arbeitsfront, Arbeitsdienst) und trotz des absoluten Fehlens jeder Geldmittel wird mit E rfolg gegen die Weltwirtschaftskrise angekämpft: die letzten Reserven werden mobilisiert! Für jeden volkswirtschaftlich klar Denkenden steht es schon heute fest, daß Deutschland diesen Kampf gewinnen wird, gewinnen muß, denn niemand in Europa wird wagen, in dieser Zeit des internationalen Chaos eine Brandfackel zu entzünden. Trotz aller Beschlüsse des Völkerbundes! Das aber ist für uns der Ausblick!" Man muß wohl sagen, daß Minister Goebbels schwerlich begeisterter über Hitler-Deutschland schreiben könnte als das Blatt des Herrn Dr. Seifter, der sich lang und heftig gegen den Vorwurf gewehrt hat, ein Propagator Hitlers zu sein. Die „Jüdische Wochenpost" kann sich auch nicht darauf berufen, daß sich der Bericht ihres Berliner Korrespondenten auf Tatsachen stütze. Denn Hitler selbst sagte in seiner letzten Rede, Deutschland besitze weder Rohstoffe noch Auslandsguthaben, noch Reichtum, sondern bloß — Not. Und die bedeutenden englischen Organe, wie ..Manchester G u a r d i a n" und ..Economist", haben das wirtschaftliche Debakel des Dritten Reiches festgestellt. Koschere Küche auf CHinaffdffDaBnpfern Auszug aus einem Bericht d"3 Ileisehrrichterstatters des Jewish Chroniclc" und der „Jcwish World", Herrn Frederick H. Samuel: Auf Grund meiner Beobachtungen kann ich den jüdischen Passagieren der Cunard Line von den Maßnahmen Kenntnis geben, welche die Gesellschaft getroffen hat, um es den Reisenden zu ermöglichen, auch an Bord ihre besondere rituelle Küche beizubehalten. So zum Beispiel unterliegen alle Lebensmittel der Aufsicht von Shomorim an den verschiedenen Häfen und diese haben die Kontrolle aller Lebensmittel bis zur Ablieferung an die jüdische Küche. Die Koscherküchen sind getrennt von anderen Räumen und sind verschlossen. Der Schlüssel wird entweder von dem jüdischen Kocli oder von dem Obersteward verwahrt. Die koschere Küche wird nach den Vorschriften orthodoxer jüdischer Tradition zubereitet. Die Speisen werden, wie erwähnt, von jüdischen Köchen zubereitet und durch jüdische Stewards, die den Sabbat heiligen, serviert. Es wird den jüdischen Passagieren ferner jede mögliche Unterstützung in der Abhaltung des Gottesdienstes und der jüdische]:«. Feste, einschließlich des Passah-Festes, durch Bereithaltung besonderer Räumlichkeiten gewährleistet. Nach meiner Ansicht gibt es keine Schiffahrtsgesellschaft, die den. religiösen Gebräuchen ihrer großen jüdischen Kundschaft mehr Rechnung trägt als die Cunard Line. Selbstverständlich werden alle Lebensmittel, wie Fleisch, Geflügel, Delikatessen aller Art usw., nur von solchen Lieferanten bezogen, die von orthodoxen Rabbinern anerkannt sind. Oesterreichische Arbeitsanleihe 1935 Der Bundesminister für Finanzen legt auf Grund des Arbeitsanleihegesetzes, BGBl. Nr. 151/1935, eine 51/2%ige, binnen 25 Jahren rückzahlbare Arbeitsanleihe im Nennbeträge von 175 Millionen Schilling zur öffentlichen Zeichnung auf. ANLEIHEZWECK. Der Reinerlös der Anleihe wird ausschließlich 2ur Deckung der Kosten öffentlicher Arbeiten und zur Rückzahlung kurzfristiger Bundesschatzscheine verwendet werden. STÜCKELUNG, RÜCKZAHLUNG. Es werden Schuldverschreibungen zu 100, 500, 1000 und 5000 Schilling ausgegeben, die auf den Inhaber lauten. Die Rückzahlung der Schuldverschreibungen erfolgt gemäß dem Tilgungsplan innerhalb von 25 Jahren durch Rückkauf oder Verlosung. Verlosungen finden erforderlichenfalls jährlich im Laufe des Monats März, erstmalig im Jahre 1938, statt. Der Bund behält sich vor, die Anleihe 90 Tage vor jedem Zinsenfälligkeitstage aufzukündigen und am Tage dieser Zinsenfälligkeit zum Nennwerte zurückzuzahlen. VERZINSUNG. Die Verzinsung beträgt jährlich 5% Prozent. Die Zinsen werden halbjährlich im nachhinein am 1. Mai und 1. November jedes Jahres bezahlt. WERTSICHERUNG Die Arbeitsanleihe enthält die Wertsicherungsklausel der Oesterreichischen Trefferanleihe 1933 und der österreichischen Teilausgabe der Garantierten österreichischen Konversionsanleihe 1934/1959. Die Auszahlung von Kapital und Zinsen erfolgt demnach zum Nennwerte in gesetzlichen Zahlungsmitteln mit Berücksichtigung der folgenden Wertsicherung: Sollte am letzten Börsentage vor einer Fälligkeit der im Sinne der Goldklauselverordnung verlautbarte Goldkurs höher sein, als er am 1. Mai 1935 gewesen ist, so erhöht sich der in gesetzlichen Zahlungsmitteln zu bezahlende Betrag in dem gleichen Verhältnis über den Nennwert der Fälligkeit. Für den Fall, als in Zukunft die Verlautbarung des Goldkurses eingestellt werden sollte, wird dem Anleihegläubiger der fällige Betrag zum Goldwert des Schillings vom 1. Mai 1935, nämlich 1 S 0,1654069375 Gramm Feingold garantiert. KOTIERUNG, MÜNDELSICHERUNG. Die Anleihe ist mündelsicher. Sie wird an der Wiener Börse kotiert werden. STEUER- U. GEBUHRENBEFREIUNGEN, AMNESTIE. Die Einlösung fälliger Zinsscheine und Schuldverschreibungen geschieht ohne Abzüge abgabenrechtlicher Natur, das heißt ohne Abzug von Rentensteuer oder sonstigen derzeitigen oder künftigen Steuern und Gebühren. Die Anleihczeichnung ist von der Effektenumsatzsteuer befreit. Zeichner, die ihre Anleihestücke einer einjährigen Sperre unterwerfen, werden bis zur Höhe des gezeichneten Betrages einer Amnestie für Vergehen gegen die Devisenverordnung oder gegen die Clearingverordnung teilhaftig. Mit dieser Amnestie ist auch eine Steuer-Straf- und Nachbemessungsamnestie verbunden. ZEICHNUNGSBEDINGUNGE N. Die Anleihe wird zum Kurse von 86 Prozent vom Nennwerte zur Zeichnung aufgelegt. Der Zeichnungspreis kann auch in Katen abgestattet werden, und zwar so, daß für je 100 Schilling Nominale mindestens 30 Schüling bei Zuteilung, weitere 30 Schilling bis 5. Juli 1935 und der Rest bis 5. August 1935 zu entrichten sind. Die Zeichnungsstellen übernehmen Schuldverschreibungen der österreichischen und der amerikanischen Teilausgabe der Völkerbundanleihe 1923/194» zur unentgeltlichen Besorgung des Inkassos, wenn der einkassierte Botrag zur Zeichnung der Arbeitsanleihe verwendet wird. Mit Rücksicht auf den begrenzten Anleihebetrag wird eine Kürzung der gezeichneten Anleihebeträge vorbehalten. Zeichnungen bis zu 1000 Schilling Nominale sowie solche mit einer einjährigen Sperrverpflichtung werden vorzugsweise berücksichtigt. Ausführliche Prospekte sind bei allen Zeichnungsstellcn erhältlich. Die Zeichnungsfrist beginnt am 14. Mai 1935 und endet am 4«. Juni 1935. Zeichnungen werden entgegengenommen: Bei der Oesterreichischen Nationalbank, der Oestemichischen Postsparkass , b-i allen in Oesterreich ansässigen Banken und Baukürincu, beim üorotheura, bei Sparkassen, Landeshypothekenanstalten, Kreditgenossenschaften und Versicherungsanstalten, bei den Zweigniederlassungen der genannten Stellen sowie bei sämtlichen Postämtern. 1701

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