Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 464 (17.5.1935)
- Date
- 1935-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. J#£ DIE NEUE WELT Seite?* J Kleine Tube S Große Tube S -.90 1.40 «benso häßlichen, wie entmutigenden Kampfeg in unseren Reihen. Häßlich ist dieser Kampf, weil Formen und Methoden der Auseinandersetzung bei uns Platz greifen, wie wir sie nie gewohnt waren. Mit einem Gemisch von Scham und Ekel sehen wir gewaltsame Entfernungen von Diskussionsrednern aus jüdischen Wählerversammlungen. Als „Entschuldigung" geben die Veranstalter dann an, es sei dem Betreffenden „kein Haar gekrümmt worde n". Wir müssen feststellen, daß selbst Erpressungen, natürlich auf Geldgewinn hinzielend, sich zu anderen häßlichen Kampferscheinungen gesellt haben. Die antisemitische tschechische Presse der „Nationalen Vereinigung" greift diese Vorkommnisse freudig auf, um sie für ihre parteidemagogischen Zwecke auszuschlachten und gleichzeitig über innerjüdische Angelegenheiten zu Gericht zu sitzen. Sie tadelt jüdische Persönlichkeiten, welche von ihrem nur auf Erzielung von Mandaten gerichteten Sinn derart erfüllt und geblendet sind, daß sie, wenn es sein muß, zum Beispiel aus dem Lager des „lieben Gottes" in tiefere Sphären herüberwechscln würden. Diese Boulevardpresse lobt jüdische Gruppen und Männer, weil sie sich so oder so verhalten, weil sie diesen oder -jenen Standpunkt bekämpfen. Ohnn die Behauptungen auf ihre Wahrheit prüfen zu wollen, dl a n k e n wir freundlich für die uns gespendete Aufmerksamkeit, die uns diese Sorten von Hetzblättern entgegenbringen. Aber mit einem Gefühl der Ohnmacht und Beschämung stehen wir wehrlos diesen Betrachtungsweisen der Außenwelt gegenüber. Im Hinblick auf die dunklen Wege der „jüdischen Partei" können wir all dem Geschreibe eine gewisse Berechtigung nicht absprechen. Der Präsident der jüdischen Partei, Dr. Emil M a r g u 1 i e s, hat alle seine Punktionen niedergelegt. Der jüdische Prager Stadtverordnete Norbert Adler ist von seinem Posten zurückgetreten. Sein Kollege Doktor Frant. Friedmann steht in schärfster Opposition zu dem heutigen Regime in der jüdischen Partei. Die geistigen Führer der nationalen Juden können nicht tatenlos zusehen, wie die Selbständigkeit der jüdischen Partei verleugnet, das Produkt jahrelanger Erziehung von Juden zu Wählern der jüdischen Liste zu Boden getreten wird. Die jüdische Partei kandidiert nicht selbständig, sondern auf der Liste der tschechischen Sozialdemokratie. In einem Wahlaufruf fordert die, jetzt ihren Namen fast zu Unrecht tragende, jüdische Partei ihre Wähler auf, die Liste der tschechischen Sozialdemokratie zu wählen. „Tut eure Pflicht!" So rufen die heutigen Machthaber der jüdischen Partei uns entgegen. Wenn dieselben Herren sechs Jahre nichts getan haben, um günstige Bedingungen für den kommenden Wahlkampf zu schaffen, und jetzt knapp vor den Wahlen die jüdischen Stimmen schnell an eine andersnationale Partei verkaufen, so ist dies zumindest ein außergewöhnlicher Vorgang. WnÜ da lesen wir in dem Aufruf, gewissermaßen als Beruhigung und für „besonders" nationale Juden als Lockmittel, folgenden Satz: „Selbstverständlich werden sich die jüdischen Abgeordneten zur jüdisch en Nation bekennen." Meine Herren, wir sind gerührt! Dieses lockende Versprechen, diese Großzügigkeit zerstreut unsere Bedenken! — Dieses Bekenntnis ist in Wirklichkeit eine allzu naive und durchsichtige „Baissespckulatio n", eine Spekulation auf die Dummheit Und Vertrauensseligkeit der jüdischen Wähler. Aber nicht alle Initiatoren der winkeligen und etwas „verfinsterten" Politik der Partei sind so naiv, wie die Verfasser besagten Aufrufs. Diese klügeren Köpfe wissen nur zu gut, daß diese Preisgabe der nationalen Selbstständigkeit den Tod der jüdischen Landespolitik bedeutet. Und nun versuchen sie, dies auch ideologisch zu begründen. Systhematisch tauchen in der offiziellen zionistischen Presse offenbar inspirierte Artikel auf, mit dem Grundton: „Eigentlich habe ich nie etwas von der Landespolitik gehalten!" Unbekümmert erzählt in der Berliner „Jüdischen Rundschau" der Prager Korrespondent den deutschen Juden vom Ende der jüdischen Landespolitik. Und das alles in einer Zeit, die uns lehrt, daß der einzige Weg der Juden in der Galuth, das Prinzip der Nichteinmischung in die kulturellen i^fd politischen Kämpfe der Völker und Parteien sein kann. Die Juden gehen diesmal unentschlossen zur Wahlurne. Nur ein kleiner Teil dürfte sich durch diese Art von ,,W ahlabkomme n" gebunden fühlen, und statt nationaler Disziplin treten jetzt die Erwägungen des E i nz e 1 n e n in den Vordergrund. In dieser Situation kann man keine exakte Marschroute vorschreiben. Nur eines müssen sich die jüdischen Wähler im ureigensten Interesse vor Augen halten. Wir Juden haben ein Lebensinteresse daran, daß die heutige Regierungskoalition erhalten bleibt und daß ein jeder Jude seine Stimme für eine Koalitionspartei abgeben muß, da er nun einmal nicht jüdisch wählen kann, weil ihn die Führer dieser Möglichkeit beraubt haben. Zum Schluß noch sei, vielleicht als Trost, vermerkt, daß wir nicht alles verloren haben. Sollten die bisher gewonnenen Erfahrungen sich zur letzten Erkenntnis erhärten : diese jüdische Partei, in dieser Aufmachung, unter dieser Leitung, mit diesen Ing. Eugen Buchbinder bekannt, daß die und Frau geben; mxö "in ihres Sohnes MICHAEL am Samsfag, den 18. Mai 1935, 9 Uhr vormiffags im Stadftempel, I, Seitensfeffengasse, stattfindet Grundsätzen, vertritt nicht mehr die Interessen der jüdischen Minorität, dann werden Mittel und Wege gefunden werden, der jüdischen Minderheit eine andere, würdige Vertretung, ein entsprechendes Sprachrohr zu geben. Auch ohne, bzw. in unserem Falle trotz parlamentarischer Vertretung, kann man in Zeiten der Not eine Repräsentanz des jüdischen Volkes in der C. S. R. schaffen. G-tt möge uns vor dieser Not bewahren. Aber diese Eventualität bleibt unser Trost. Amerika und die Judenfrage Ein Briefwechsel zwischen zwei Schriftstellern Seit einiger Zeit wird die Judenfrage in Amerika mit einer Intensität behandelt, die man in den Jahren der Prosperity nicht beobachten konnte. Die wirtschaftlichen Nöte und die sozialen Veränderungen haben die Diskussionen über die Judenfrage, und das, was der Zionismus seit eh und je als unumstößliche Tatsache bewies, die Existenz einer Judenfrage auch bei fortgeschrittenster Assimilation, an die Oberfläche gebracht. Die große Mehrheit der amerikanischen Juden wollte, wie übrigens auch die Mehrheit anderer Länder, von der Judenfrage nichts wissen. Denn sie empfand sie als S t ö r u n g, als Unterbrechung des fortschreitenden Assimilationsprozesses. Jetzt pocht diese Frage an die Tür. *,enÄe"* »dn" „AHM „©UicffteUe Sieht" W "*e* Wadjt — Saufenben in Ceftemtrij TOtf ^ebva^tl Hithuna tttx ftlaffcnlotteric frfjon nätpen SienStag, best 21, SRai. »efteta <Sic nod) (jeute S^re fltaffenlofeber Sßoftf arte. Unfett $affafä)altet ftnb öon 8 Ufor früh. Bis 6 Uhr aoenbS geöffnet. Telefon U»21-5;45 (Serie. 1/8 So3 S 6.—, 1/4 S 12.-, 1/1 S 43.—. mit» lauft SUaffenlofe Bei ber „ @iütf fUlle «Stein", SBteit, 1.3Btyj)tttt0evftr.21, an bev „$ofictt »tü*e", üiulctt: VI., 3Wa*tafcilfe*fttafec 9lv. 105, , $<tbotflraf?c20 / X„0nt»o?itenflraftc 101 * Glöckau^xwj M|,„oBe«tre«erl Wir haben in unserer Ausgabe vom 30. April d. J. einen Bericht unseres New-Yorker Korrespondenten veröffentlicht, worin die zunehmende antisemitische Strömung im Zusammenhang mit öffentlichen Diskussionen der Judenfrage seitens Schriftsteller, Politiker und sogar Priester konstatiert wird. Auch war von einer Polemik zwischen den bekannten amerikanischen Schriftstellern Theodore Dreiser und Hutchins Hapgood die Rede. Diese Polemik geht auf einen Briefwechsel zwischen den beiden Schriftstellern vom Oktober 1933 zurück. Theodore Dreiser ist dem europäischen Leser durch zahlreiche Romane, wie „Amerikanische Tragödie", bekannt, Hapgood ist der Verfasser eines Buches über den „Geist des Ghett o". Der in Rede stehende Briefwechsel ist soeben in der liberalen amerikanischen Wochenschrift „The Nation" erschienen. Was dem jüdischen Leser zunächst auffällt, ist die Tatsache, daß die Judenfrage ein kompliziertes Problem ist und nicht vom Gesichtspunkt einer aktuellen Erscheinung betrachtet werden kann. Der liberale Beobachter wird leicht in Versuchung kommen, das Aufdecken von Mängeln auf jüdischer Seite als Gehässigkeit oder Einseitigkeit zu bezeichnen, während man wiederum bei einer radikaleren Grundhaltung die nationaljüdischen Bestrebungen als der Judenheit schädlich ansehen wird. Dreiser und Hapgood sind Gegenpole. Dreiser geht davon aus, daß der Liberalismus Grenzen haben müsse. So würde es z. B. selbst der liberalste Engländer nicht dulden, daß England von Schwarzen besetzt würde. Ebenso müsse sich Amerika gegen die Ausbreitung der Juden wehren. In New York allein wohnen nach der Angabe Dreisers fast 27a Millionen (!) Juden, die meisten amerikanischen Juden seien Advokaten, Bankiers, Kaufleute usw.! durchaus materialistisch gesinnt. Dreiser scheint nicht viel vom Zionismus, von der Palästina-Idee zu wissen. Denn er erklärt: „Ich habe nichts gesagt, was einen Juden zur Opposition herausfordern könnte. Ich meinte bloß, daß ich keinen Grund sehe, weshalb ein so begabtes Volk wie die Juden nicht gewillt sein soll, ein e i g en e s Land zu besetzen und zu besiedeln. Der Jude behauptet, wenn er nach Italien, Frankreich oder Amerika kommt, ein vollblütiger Eingeborener dieses Landes zu sein. Sie wissen, daß das nicht wahr ist. Er war in Deutschland tausend Jahre und ist noch immer Jude. Er war in Amerika 200 Jahre, ohne ein reiner Amerikaner geworden zu sein. Der Jude hält seine religiösen Dogmen und rassischen Merkmale aufrecht und unterscheidet sich dadurch von den anderen Gruppen des Landes. Daher glaube ich, man sollte den Juden den Vorschlag machen, ein eigenes Land zu übernehmen." Hutchina Hapgood wendet sich in seiner Antwort zunächst gegen eine Anzahl falscher Behauptungen. Er weist die übertriebene Vorstellung von der Zahl der Juden in Amerika zurück, berichtigt die Darstellung ihrer Berufszusammensetzung durch den tatsächlichen Hinweis, daß die Mehrheit der Juden in Amerika aus Arbeitern besteht, usw. Aber Hapgood will die Juden damit verteidigen, daß er ihre — Assimilationsbereitschaft betont, daß er ihr Festhalten an Religion und Volkstum bestreitet und zum Schluß kommt, die Juden wären schon längst und sehr gern in ihrer Umgebung aufgegangen, wenn die Nichtjuden das zugelassen hätten. Kurzum, Hapgood verteidigt die Juden und greift die Nichtjuden an, welche „das nationale und rassische Bewußtsein der Juden durch ihre Unduldsamkeit stärken". Dreiser hat großen Respekt vor der Treue der Juden zu sich selbst, will sie aber loswerden. Hapgood bedauert diese Treue und macht die Antisemiten für sie verantwortlich: er will, daß das Judentum untergehe. Dreiser wünscht, daß man die Juden mit einem angemessenen Land versehe, wo sie sich erfolgreich und rühmlich als Nation entwickeln können. Wenn sie dies aber nicht wollen, dann müßte man die Juden zu Mischehen zwingen und sie so in der amerikanischen Gesamtheit verschwinden machen. Hapgood sieht diese Entwicklung vor sich, befürchtet bloß, daß der Antisemitismus sie verzögere, ja verhindere. Wie man sieht, hat der Briefwechsel, der sich nicht auf dem Niveau einer banal einseitigen Diskussion bewegt, das Problem selbst nicht gelöst. Di© amerikanische Oeffentlichkeit ist aufgerüttelt. Sie beginnt zu fühlen, daß die Judenfrage nicht schablonenhaft behandelt werden kann. Von jüdischer Seite muß ein großer Aufklärungsfeldzug einsetzen, damit man weiß, was wir wollen und wie w i r die Lösung unserer Frage wünschen. Sir Mosley und Sfreidier solidarisch Aus Berlin: Die hiesigen Blätter melden, daß der Führer der britischen Faschisten, Sir Oswald Mosley, an Gauleiter Julius Streicher folgendes Telegramm richtete: „Lieber Herr Streicher! Ich danke Ihnen sehr für Ihr Telegramm, das meine Rede in Leicester (eine judenhetzerische Rede Mosleys) betrifft und das mich erreichte, während ich von London abwesend war. Ich schätze Ihre Botschaft inmitten unseres harten Kampfes sehr. Die Kräfte der jüdischen Korruption müssen in allen großen Ländern besiegt werden, bevor die Zukunft Europas in Gerechtigkeit und Frieden sichergestellt werden kann. Unser Kampf ist hart, aber unser Sieg ist gewiß. Ich danke Ihnnen. Ihr sehr ergebener Mosley." Auf die Maturaschule „Universum", Wien, IX., Garnisongasse 3, machen wir unsere Leser besonders aufmerksam. Diese Schule besitzt einen hervorragenden Lehrkörper und weist ausgezeichnete Prüfungserfolge auf. 98 Prozent ihrer Kandidaten haben im letzten Schuljahr die Reifejprüfunj bestanden.