Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 463 (14.5.1935)
- Date
- 1935-05-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 1× ep/1047559
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Seite 3 Pa3äsiincQS EictBinpori Jerusalem (Palncws). Das Commcrcial Bulletin veröffentlicht in seiner letzten Ausgabe die Außcnhandelsziffern für das zweite Halbjahr 1934, die bisher nur auszugsweise, bekannt waren. Aus diesen Ziffern ergibt sich eine außerordentliche Steigerung des Eicrimports, der sich in den letzten drei Jahren wie folgt entwickelt hat: Mill. Stück Wert in pal. Pf. 1932 ....... 18,10 34.625 1933 ....... 34.32 63.245 1934 ....... 56,98 105.363 Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Eierimport also um erheblich mehr als die Hälfte gesteigert, gegenüber dem Jahre 1932 liegt eine reichliche Ver- (1 r e i f a c Im n g des Eicrimports vor. Die palästinensische Eicrproduktion bleibt also in weitem Abstand hinter der Bedarfsentwicklung zurück. Palästinas SkSoaafosisapoa'fi Bisa Sahre 6934 Tel-Aviv (Palnews). Der Schuhimport, insbesondere der Import von Lederschuhen, hat im Jahre 1934 eine sehr starke Steigerung erfahren, obwohl es sich bei Schuhen um ein Produkt handelt, das in Palästina in a u s r e i c h e n der Menge erzeugt werden könnte. Der Import hat sich im Vergleich zum Vorjahr wie folgt entwickelt: 1934 1933 Wert in pal. Pf. Wert in pal. Pf. Lederschuht!..... 72.800 40.956 Gummischuhe .... 9.761 4.655 Andere Schuhe .... 16.881 8.252 Der Lederschuhimport, der vor allem aus Syrien und der Tschechoslowakei kommt, hat sich mengenmäßig also um 40 Prozent gesteigert, die wertmäßige Steigerung des Lederschuhimports macht sogar knapp SO Prozent aus. Der Import von Gummischuhen und anderen Schuhen hat sich mengen- und wertmäßig gegenüber dem Vorjahr reichlich verdoppelt. Insgesamt hat der Schuhimport im Jahre 1934 die Höhe von 400.000 pal. Pf. erreicht. Palästinensischer Kleiderexport Aus Tel-Aviv (Palncws): Der palästinensische Export von Kleidungsstücke n, welcher konfektionierte Fabrikate mit Ausnahme von Schuhen, Strümpfen und Socken, Hüten, Gürteln, Schals und Krawatten umfaßt, hat sich im Jahre 1934 auf pal. Pf. 31.606 erhöht, während er sich 1933 auf nur pal. Pf. 24.516 und 1932 nur auf pal. Pf. 15.430 stellte. Eine mengenmäßige Erfassung findet nicht statt. Der Kleidungsstückcxport, der vor allen von Syrien und .Dnlmt'e im engli Bei der Komnm.sionsb.Mat.uug über die India-Bill 3m Untcihau:: stellte der Abgeordnete Colon el Wedgwood die Klage, ob s e p h a r d i s r h e J u den oder palästinensische Bürger in Indien als Angehörige der c u r o p ä i s c h e n IIa ,s s e zu gellen hätten. Er erklärte, eine möglichst weite Interpretation diese" Begriffes .«-ei notwendig. Sir Walter S m i l e s brachte einen Zueatzantragein, demzufolge britische Untertanen sephardisch-jüdischer Gemcindezugehorigkeit einschließlich britischer Untertanen von gemischter europäischer und sephardischcr Abstammung, jedoch ausschließlich der schwarzen B n e. -1 s r a e 1, der schwarzen Cochin-Jude n und Personen gemischter j üdischer und nie htcuropäi scher Abstammung, Stimmrecht als Europäer haben sollen. Er erklärte, die sephardischjüdischc Gemeinschaft in Kalkutta sei 2000 Seelen stark und ihre Interessen »eien mit denen der Europäer identisch. Ihre Mitglieder gehörten zahlreichen, wenn nicht sämtlichen europäischen Klubs an und gelten überall als Europäer. Major Millncr erklärte, die sephardischen Juden gehörten ethnologisch zu der weißen Rasse. Sie erheben den Anspruch, auf Grund ihrer rassischen Stellung den politischen Status von Europäern zu besitzen. Namens der Regierung antwortete der First Commissioner of Works, Ormsby-Gor c. Die Regierung, sagte er, vertrete unter den augenblicklichen Umständen die. Ansicht, daß es unmöglich sei, eine einzelne jüdische Gemeinschaft von den übrigen Juden abzusondern. 2000 besondere Juden in Kalkutta auszusondern und zu sagen, sie sollten innerhalb der europäischen Wahlkuric wählen, während alle übrigen Juden in Indien innerhalb der allgemeinen Kurie zu wählen haben, scheine der Regierung von Anfang an undurchführbar. Er flehe keinen Grund dafür, diese besondere jüdische Gemeinschaft, so hochstehend sie auch sei, abzusondern und sie eine eigene Kategorie bilden zu lassen. Wie ihm bekannt sei, gehe der Wunsch der Juden dahin, daß die Judenheit als einheitliches Ganzes aufgefaßt werde. Englands Bemühungen in Palästina seien darauf gerichtet, daß kein Unterschied zwischen Juden gemacht werde, gleichgültig, aus welchem Teil der Welt sie kommen. Lord Winterton betonte, wenn man diesen Leuten einen besonderen Status zubillige, so würden bald keine Europäer sehen Parlament ähnliche Forderungen seitens der Hindus und Mohammedaner erhoben werden. Auf eine Bemerkung Colonel Wedgwoods, Lord Winterton habe vielleicht -auch einen Juden unter seinen Vorfahren, erklärte dieser: Es ist mir nicht bekannt, wäre es aber der Fall, so wäre ich sehr stolz darauf. Der Abgeordnete Wedgwood erklärte sodann, gegen den Zusatzantrag wrerde von keiner jüdischen Partei Einspruch erhoben und von der englischen Kolonie in Kalkutta werde er gebilligt. Seiner Meinung nach sollte es der Wunsch eines jeden, der will, daß die Engländer in Indien bleiben, sein, die Zahl der dort lebenden Engländer zu erhöhen. Er strebe danach, daß die Juden in Palästina englische Bürger werden, und wünsche dasselbe in Indien. Darum möge die Regierung die Angelegenheit im eigensten Interesse des britischen Reiches überprüfen, bevor die Bill ins Berichtsstadium gelange. Abgeordneter Herbert Williams fragte, warum die schwarzen Cochin - Juden in den im Zusatzantrag bezeichneten Personenkreis nicht eingeschlossen werden sollen. Ihm sei bekannt, daß das Wort „Schwarz" mit Hautfarbe in rassicherm Sinn nichts zu tun habe. Der Abgeordnete Barnett J a n n e r (Jude) erklärte, er wolle sich v/eder für noch gegen den Zusatzantrag aussprechen. Er glaube aber, daß die Angelegenheit von der Regierung, bevor die Bill berichtsreif werde, sorgfältig erwogen werden sollte. Es herrsche die Ansicht, daß, sobald die soziale Stellung von Personen diejenige von Europäern ist, auch ihre Stellung in Fragen des Wahlrechts und der Verwaltung fest umgrenzt erscheine. Er wolle nicht die Verantwortung übernehmen, im Namen dieser gesamten Gemeinschaft zu sprechen, glaube aber, daß ihre Forderung viel für sich habe, und daß die Prüfung ihrer Ansprüche von ihnen bereits bei verschiedenen Gelegenheiten verlangt wurde. Ormsby-Gore erwiderte, er hoffe, der Zusatzantrag werde zurückgezogen werden. Es sei nicht möglich, einzelne Juden, weil sie eine hohe soziale Stellung einnehmen, anders zu behandeln als alle übrigen Juden. Notwendig sei eine grundsätzliche Ueberprüfung. Die Haltung Englands gegenüber dem jüdischen Volk sowohl hier als auch im ganzen Reich sei durchaus freundlich. Sir Walter S m i 1 e s zog hierauf seinen Antrag mit dem Bemerken zurück, daß diese Ansprüche eine neuerliche Ueberprüfung durch die Regierung verdienen. Aegypten aufgenommen wird, befindet sich im Zusammenhang mit der Entwicklung der palästinensischen Konfektionsindustrie also in stark aufsteigender Linie. Palästina und das Königsjubiläum Am (5. Mai stand Palästina im Zeichen des S i 1b c j' ii c n Regier ungsjubilä ums König Georgs V. von England. Militärparaden wurden abgehalten, Aeroplane kreisten, in allen Kirchen, Synagogen und Moscheen wurden Festgottesdienstc abgehalten. Sämtliche öffentliche; Institutionen, auch die Schulen, waren geschlossen. Die Straßen in allen Städten waren festlich beflaggt. Aus allen Teilen des Landes gingen Glückwunschbotsehaften an das Königspaar nach dem Buckingham Palaee zu London ab, darunter Botschaften der Jewish Agency, des Waad Lenmi und des Oberrabbinats. Bürgermeister Diezcngoi'f nahm am 6. Mai die feierliche Weihe der neuangelcgten King George Street in Tel-Avßv vor. Die Presse Palästinas verzeichnet Gerüchte, daß im Zusammenhang mit dem Jubiläum eine Amnestie verkündet werden wird, auf Grund deren mehrere wegen E rmnrduug von J u d e n anläßlich der Massakers \-on 1929 zu lebenslänglichem Kerker verurteilte Araber in Freiheit gesetzt werden würden. Mehrere palästinensische arabische Organisationen haben sich telegraphisch an den König gewendet. Es verlautet auch, daß die zwei Juden H i n k i s und Orphali, die 1929 wegen Tötung von Arabern bei Abwehr von Angriffen zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wurden, am 3. Juni, dem Geburtstag des Königs Georg, begnadigt werden sollen. Hinkis und Orphali sind die einzigen Juden, die im Zusammenhang mit den Unruhen vom August H)2f) eine schwere Strafe erhielten. Dagegen wurden drei Araber hingerichtet, und zwar Atta Zee, der Mörder des Rabbiners Castle und seiner Familie in Hebron; Mohammed Jan Joun, der Mörder des Hebroner Juden Aboushdid; Fuad Hedjazi aus Safed, der den Misrachi-Lehrer Al'riat und seine Familie ermordete. Bei 28 anderen zum Tode verurteilten Arabern wurde die Todesstrafe in lebenslänglichen Kerker umgewandelt. Eone A4akkabäer«13urg entdeckt Laut einer Meldung aus Jerusalem entdeckte der Archäologe der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. Sukenik, oberhalb Jerichos die Ueberreste eines Schlosses aus der hellenistischen Zeit, das der Schauplatz einer tragischen Begebenheit in der Geschichte der Hasmonäer war. Es ist. der Ort, wo im Jahre 135 v. Chr. Simon Makkabäus durch seinen Schwiegersohn Ptolcmäus, bei dem er zu Besuch weilte, ermordet wurde. Die Ueberreste liegen oberhalb des griechischen Klosters am Dschebel Karantal, das den Kreuzfahrern unter dem Namen Karantana bekannt war. Die Mönche des griechischen Klosters begannen vor 30 Jahren an der Bergspitze das Fundament für eine Kirche zu graben, gaben aber den Plan wieder auf. Beim Graben fanden sio eine Anzahl Steine, darunter indische Säulen, die Ueberreste einen Frieses und andere Ruinen. Diese Altertümer blieben jedoch unbeachtet, bis jetzt anläßlich des Besuches von Sukenik die Sache näher untersucht wurde. Nach dem Glauben der Kreuzfahrer ist der Berg Karantana der Schauplatz der Versuchung Christi während seines vierzigtägigen Wüstenaufenthalts. Der alte Namen des Ortes Dokkor oder D o k k o s kommt im ersten Buch der Hasmonäer vor. 4200 jüdische Palästina-Einwanderer im Aprii Aus Jerusalem: Im April 1 9 3 5 ka men etwa 4200 jüdische Einwanderer nach Palästina. Im Marz d. J. betrug die Einwanderungsziffer 7100 und war die höchste seit Bestehen des Mandats. Der Rückgang im April wird auf die jüdischen Feiertage zurückgeführt. Die Schweix und die Jaaden Aus Zürich: Am 4. Mai sprach im Rahmen des Vereines „Kadimah" der bekannte Leitartikler der Basler „Nationalzeitung", J. B. Rusch, ein christlicher Schweizer, im Zusammenhang mit dem eben abrollenden Berner „Protokolle"-Prozeß Uber die Judenfrage in der Schweiz. Er führte aus: Die leider auch in der Schweiz sich geltend machende judenfeindliche Strömung hat ernst denkende Menschen veranlaßt, sich intensiv mit diesem Problem zu befassen und sich die Frage vorzulegen: Ist es denn wirklich nicht möglich, daß zwischen dem großen. Schweizervolk und diesem kleinen Teil seiner Bewohnerschait Frieden und Vertrauen herrsche? Wenn so manche an der Limmat mehr wie an der Aare arisch tun, so ist es doch eine Frage, ob deren Stammbaum so weit zurückreiche wie derjenige der ersten Juden in der Schweiz, denn schon dm angehenden 13. Jahrhundert sind Juden in der Schweiz nachgewiesen. Da diese Ansiedlungen unter dem Rechte des Heiligen Römischen R-eiches erfolgten, holte hier der Redner zu einer ausführlichen Darstellung der Rechtslage der Juden unter diesem Regime aus und legte die Methoden Philipps VI. von Frankreich dar, der wohl als erster die heute noch geltende Methode praktizierte, die Juden einem ganzen Volke verhaßt zu machen. Unter diesem Herrscher wurde das erste „Greuelmärchen" erfunden, nämlich, daß die Juden den Aussatz verbreiten, um ihren Aerztcn ständig Patienten zu schaffen. Das Märchen vom Aussatz wurde Grundlage zur ersten großen Judenverfolgung. Herr J. B. Rusch schilderte hierauf die weitere historische Entwicklung bis zur Emanzipation. Den historischen Ueberblick schloß J. B. Rusch mit der Feststellung, daß eine Bewegung gegen die Juden in der Schweiz nie aus dem Volke gewachsen ist und daß sie, von gewissen Kreisen geschürt, nur in Zeiten "der Verlottcrung und Verrohung gewisse Aussichten auf Erfolg hat. Bei seinen Betrachtungen zur jetziger. Lage ging der Referent davon aus, daß bei einer Bevölkerung von vier Millionen in der Schweiz zirka 18.000 Juden leben; man sollte glauben, daß dieses halbe Prozent der Bevölkerung kaum in Erscheinung trete. Auch die soziale Schichtung sei sehr günstig; es gibt weder ein jüdisches Proletariat noch eine jüdische Hochfinanz; die Schweizer Juden sind durchaus mittclständiscft und politisch nie stark hervorgetreten. Bis zum Kriegsausbruch hatten wir keinerlei A n t i s e mi t i s m u s, nur hie und da einen Judenfresser, wie es Freimaurerfresser, Sozialistenfresser uw. immer gab. Der Krieg zerstörte aber auch Gesinnungen und verwüstete bei vielen den moralischen Boden, dazu kam die Verarmung des Volkes; dann braucht es nur noch eine Schrift, die „beweist", daß der Jude an allem schuld ist, um den Boden für eine antijüdische Bewegung vorzubereiten. Die Sündenbocktheorie kam von Rußland über Deutschland zu uns; die gleichen Kreise, die in Deutschland den Krieg verloren, haben mit der russischen Methode auch die Schrift, die „Protokolle", übernommen. Diese „Protokolle" sind weit gefährlicher, als die Juden vielleicht selbst glauben, besonders wenn man bedenkt, daß diese Schrift einen beinahe überzeugenden Eindruck machen kann auf den, der mit der Geschichte des Judentums nicht vertraut ist. Im übrigen ist es lächerlich, von einer Beherrschung der Schweiz durch die Juden zu sprechen. Unter sämtlichen leitenden Persönlichkeiten der Banken befindet sich ein einziger jüdischer Name, von 1200 Journalisten in der Schweiz ist kaum ein halbes Dutzend jüdischer Abstammung; auch der Hintergrund der Schweizer Presse ist klar und befindet sich in christlichen Händen. Ebenso unbegründet ist die Warenhaushetze, die größten unter ihnen sind in nichtjüdischen Händen, auch ist das Warenhaus keine jüdische Erfindung. Auch die Hetze wegen der Einbürgerungen ist unangebracht, allerdings sollten nur solche vorgenommen werden, wenn die Kandidaten den Beweis dafür erbacht haben, daß sie mit dem Schweizer Volk einigermaßen verwachsen sind. Alle diese Anfeindungen sind jedoch nur Vorwändc; von gewisser Seite werden sie sogar böswillig erhoben zu politischen Zwecken; diese Kreise kann man nicht belehren. H! iert il