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Die neue Welt · 1935-05-14 · Heft 463 (14.5.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 463 (14.5.1935)
Date
1935-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 403 WEN yroiS^ (If) 4 m I S£ $ksi> ««**sr^^ ^^^snrr^ assassar-- sl?5e ßoucl? Scho»CM(',,Ssi"-' - jBäS5*-'ä*: ^ftSÄ*»''" C-5-rrJ, ''!"'?h' rt/VOMn- I K-S J'01/QStr CreDe.de:cw^^r De!«-»-«. .0(1 I & i«/"-"..n;;'S?,mDr _ gfi!!""* ^^•p*^,,,-;;-;-««^ 'S^«***, '"" k — » «P-sIClos, 05: "•reifen . S 0a^«Äi= **s«Xi^^ •s äSä&.'S ,,,, •"u<*sScke Lfrottier '-'M'"" 'Weinen, nb r»S -Ho7 ""«Or„oeR°;-'ljD'. Kleia 190. ^-AQ,^ SSV »"SS* . '' lÄS^ K*^^5 IAA\v^h-. ) -3 i_ eWo^^ flVjW* m iv^a ßffo ~>rccun od.4 Ctf£e(jftäH&^ /^epo> ^cWo} Apu> ^Ä^a 0^ rU «-•or;i;°^an/e/m Mod . ^Ä^r «25ux Ji%!ter-%ä2£9A . Ä^orette.flW„;uL:«2ö-H?0fette-ßOUc,, m - vS W^Ä' lllllli w &rft RSTPtASSE Von der Berliner Judengemeinde Die Liberalen wollen nicht zurücktreten Es wurde berichtet, daß die Zionisten die Uebergabe der Leitung der Judengemeinde in ihre Hände unter Hinweis darauf gefordert haben, daß sich seit den letzten Wahlen 1930 in der jüdischen Bevölkerung Deutschlands ein Umschwung der Stimmung zugunsten des Zionismus vollzogen habe. Jetzt liegt die Antwort der Liberalen vor, aus welcher hervorgeht, daß sie nicht daran denken, die Leitung der Gemeinde aus der Hand zu geben. Aus Berlin: Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird von der Religiöslliberalen Fraktion der Jüdischen Gemeinde zu Berlin unter anderem erklärt: „Die Fraktion des Jüdischen Volksbundes und der Zionistischen Vereinigung in der Berliner Jüdischen Geminde halten es für untragbar, daß der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in einer Zusammensetzung bestehen bleibe, die ihrer Auffassung nach dem wirklichen Sinn der jüdischen Bevölkerung nicht mehr entspräche. Demgegenüber erklären wir: Wir werden weiterhin unabhängig von Parteidogmen die Aufgabe erfüllen, welche die jüdische Gegenwart in der Berliner Gemeinde erfordert. Unsere Tätigkeit hat Anerkennung auch dadurch gefunden, daß die Amtsdauer der Gemeindekörperschaften durch einstimmigen Vor Standsbeschluß und mit einer Mehrheit von 38 zu 3 Stimmen in der Repräsentantenversammlung erst vor wenigen Monaten für die Jahre 1935 und 1936 verlängert wurde." Eine Synagoge wird Hitler-Heim! Aus Frankfurt, am Main: Die Synagoge in Sickenhoven bei Babenhausen (Hessen; ist von der Bürgermeisterei zum Preise von 1800 Reichsmark gekauft worden und soll nach Entfernung der Kultgegenstände als Heim für die Hitler-Jugend verwendet werden. Die Jüdische Gemeinde in Sickenhoven, in der einst ein reges jüdisches Leben herrschte, ist infolge antisemitischer Hetze auf zwei Familien zusammengeschrumpft. Kreisgericht im Juli 1933 zu je einem halben Jahr Gefängnis verurteilt worden. Nunmehr hat das Berufungsgericht, an das die Verurteilten appellierten, die Strafe der Hauptschuldigen um zwei Monate erhöht. Das Gericht in Czenstochau hat gegen sechs Nationaldemokraten, die am 2. März 1934 an antisemitischen Exzessen in dem Städtchen Klabuck teilgenommen haben, bei denen zwei Juden schwer und drei leicht verletzt wurden, das Urteil gesprochen. Ein Angeklagter erhielt eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten, vier wurden zu Gefängnisstrafen von 6 bis 8 Monaten verurteilt, einer freigesprochen. Die Bestattung der ermordeten Fryda Wolkowyska Aus Warschau: Die Bestattung der während des bewaffneten Ueberfalles auf die Chaluz-Farm in Grochow bei Warschau getöteten 17jährigen Fryda Wolkowyska gestaltete sich zu einer grandiosen Trauerkundgebung der Warschauer Judenschaft um das Opfer antisemitischer Hetze. Sämtliche an der Palästina- Arbeit beteiligten Organisationen sandten große Abordnungen in das Chaluz-Heim auf Gensza 14, von wo aus der Trauerzug sich durch die hauptsächlich von Juden bewohnten Teile Nalewki, Murenhof, Zamenhof, Gensza, Okopowa usw. dem Friedhof zu bewegte. Die Polizei hat unter der Jugendgruppe der Nationaldemokraten (Nara) im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf die Chaluzfarm in Grochow und auf den Makkabi-Schwimmklub Massenverhaftungen vorgenommen. Aus Polen „Verein zur Mißhandlung von Juden" Das Berufungsgericht in Kielce hat drei Nationaldemokraten, Gründer des „Vereins zur Organisierung von planmäßigen Ueberfällen und Mißhandlungen von Juden", zu je acht Monaten Gefängnis verurteilt. Vier der Mißhandlung jüdischer Passanten angeklagte Personen wurden zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In erster Instanz waren die Angeklagten vom z/Prozeß eine§ jüdischen Nazis Anhängers" Herr Rechtsanwalt Dr. Erwin Löwenthal, Wien, ersucht In Vertretung des Herrn Dr. Fritz S e i f t e r, Publizisten in B i e 1 i t z, und der Jüdischen Verlags- Gesellschaft m. b. H. in B 1 e 1 i t z, Herausgeberin der In Bielitz erscheinenden Wochenschrift „Jüdische Wochenpost", unter Berufung auf § 28 des Preßgeactzes, um Aufimhmo folgender Entgegnung auf den in der „N o u e n Welt" Nr. 460 vom 3. Mai 1935 unter dem Titel „Prozeß einen jüdischen Nazi-Anhängers" erschienenen Artikel: 1. Es Ist unwahr, daß Herr Dr. Seifter ein jüdischer Nazi-Anhänger ist, vielmehr ist gerade da» Gegenteil richtig. 2. Es ist unwahr, daß, wie „Die Neue Welt" im Untertitel zu obigem Artikel „Prozeß eines jüdischen Nazi-Anhängers" sagt, daß die „Jüdische Wochenpost" auf der Anklagebank saß, vielmehr Ist wahr, daß die „Jüdische Wochenpost" wogen der Beleidigung, sie werde durch das deutsche Nazi-Regime subventioniert, gegen verschiedene Personen und Zeitschriften klagbar aufgetreten ist und unter anderem auch eine Ehrenbeleidigungsklage erhob gegen einen deutschen Emigranten, \ '■■ l-.fvUr, hv'itl di<> Horaus- >](• Ndie gleich »n Auküwlinmvubr. Herrn Rechtsanwalt a. D. Dr. Simon, so daß sohin nicht die „Jüdische Wochenpost", sondern Dr. .Simon auf der Anklagebank saß. 3. Es ist. unwahr, daß Herr Doktor Scijter, wie der Artikel hcr-auptet, als- Girr.f-^cHxr der „Jüdischen Woeheninsf." /.»icliiicf. v.it'.'v daß von Anbeginn dos Kn-rt'rinesss dieser 7r':b Jüdische Vcrlagsgrsellfichaft m. b. J3. in J-*»ielif geberin der ...Jüdischen Wechrnno.'-V* tut. I. .. Welt" schreibt, «oß die „Jüdische V v 1 : ^u-vt" den ersten Nummern im Insorr.tciileile;.r ni'r gungen der Leipziger Blesse brachte. Dies i' wahr ist vielmehr, daß die „•jüdisch?« Wochen poist" niemals von Anbeginn ihres Erscheinens au bis ."im heutigen Tage an in ihrem Inseratenteil Anküudigi!n;;en der Leipziger Messe brachte. 5. Der Artikel behauptet, ferner, daß die „Jüdische Wochenpost'' aiw'übrf'c)»»« Stimmten über die Bedeutung und den Wert des deulneheu Weühand"!« brachte. Dies ist auch unwahr, wahr ist vielmehr, daß die „Jüdische Wochenpost" niemals in ihren Spalten auch nur eine Zeile über die Bedeutung und (Jen Wert des deutschen Welthandels brachte, vielmehr im Rühmen eines redaktionellen Artikels im Handelsteil des Blattes die Bedeutung der mitteleuropäischen Messen würdigte und in diesem Artikel in ausführlichster Weise die Wiener und Prager Messe behandelte und naturgemäß auch auf die. Leipziger Messe hinwies, (i. „Die Neue Welt" behauptet, daß Herr Dr. Simon in einem Briefe Herrn Dr. Seifter den Vorwurf machte, daß die „Jüdische Wochenpost" von der Hitler-Regierung subventioniert werde. Dies ist unwahr. Wahr ist, daß weder Dr. Seifert noch auch die „Jüdische Wochenpost" jemals auch nur mit einem Groschen weder direkt noch indirekt von der Hitler- Regierung subventioniert wurde oder subventioniert wird. 7. „Die Neue Welt" schreibt weiter, daß Dr. Simon in einem Briefe dem Herausgeber der „Jüdischen Wochenpost" zum Vorwurf machte, daß er vom Verband nationaldeutscher Juden vom Schlage des berüchtigten Doktor Naumann gestützt werde. Auch dies ist unwahr, wahr ist vielmehr, daß Herr Dr. Simon einen derartigen Vorwurf in seinem von der „Neuen Welt" bezogenen Schreiben überhaupt nicht erhob, da die „Jüdische Wochenpost" in keiner auch nur entferntester Berührung mit den sogenannten nationaldeutscheti Juden steht. 8. Es ist auch unwahr, wie „Die Neue Welt" in ihrem Artikel behauptet, daß der Ehrrnbele:digungsprozeß in der breiten Oeffcntlichkeit riesiges Aufsehen hervorgerufen hat. Wahr ist vielmehr, daß außer einer bedeutungslosen lokalen Zeitung und dem Krakauer Zionisten. blatt „Nowy Dziennik" kein anderes publizistische» Organ von diesem Prozeß Notiz nahm und im Zuschauerraum nur ein einziger Zuhörer, nämlich der Vertreter dieses Krakauer Blattes, anwesend war. fl. Auch die. Behauptung, das Gericht hätte den angeklagten Dr. Gustav Simon auf Grund des erbrachten Wahrheitsbeweises freigesprochen und den Kläger Dr. Seifter verurteilt, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß das Gericht den angeklagten Dr. Gustav Simon im vollen Umfang der Anklage für schuldig befunden hat und nur gemäß des polnischen Strafgesetzes von der Verkängiing einer Strafe gegen l?r. Simon Abstand nahm, «Iß, in dem Antwortschreiben, das die „dü-dh^ha Wocheiipofti" &uf die beleidigenden Mitteilungen de« Herrn Dr. Gustav Simon, abfertigte, nach Ansicht des Richters auch Beleidigungen des Herrn Dr. Gustav Simon enthalten waren, so daß die gegenseitigen Beleidigungen für kompensiert erklärt wurden. 10. Auch ist es unwahr, daß Dr. Gustav Simon den Wahrheitsbeweis erbracht, hat für seine Rehy.uptung, daß die „Jüdische Wochenpost" von der ilitlcr-Rcgicrung subventioniert werde. Wahr ist vielmehr, daß die Anklage seitens der „Jüdischen Wochenpost" nur zu dem Zweck erhoben wurde, um Herrn Dr. Gustav Simon vor Gericht zur Erbringung des Wahrheitsbeweises für seine Behauptungen zu zwingen, daß jedoch der Richter lediglich aus formellen Gründen, nämlich unter Berufung auf § 255 des polnischen Strafgesetzes, die Führung eines Wahrheitsbeweises für unzulässig erklärte. Es hat daher die „Jüdische Wochenpost" Herrn Dr. Gustav Simon neuerdings aufgefordert, seine Behauptungen öffentlich zu wiederholen, und sich sogar verbindlich bereit erklärt, ihm diehiefür erwachsenden Kosten zu ersetzen, um auf diese Weise Herrn Dr. Simon in die Lage zu versetzen, den Wahrheitsbeweis, den er im Gcrichtssaal anläßlich des abgeführten Prozesse» schuldig geblieben ist, vor der breitesten OcTtentHchke.it, zu erbringen. 11. Es ist daher unwahr, daß Herr Dr. Fritz Seifter, wie die „Neue Welt" zum Schluß ihres Artikels behauptet, als Propagandist des Hitler-Kegüncs gerichtet wurde, vielmehr ist gerade das Gegenteil wahr, da der angeklagte Dr Gustav Simon, gegen den wegen dieses Vorwurfes auch die Anklage erhoben wurde, im vollen Umfang der Anklage für schuldig erklärt wurde, das Gericht die Führung des Wahrheitsbeweises aus rein formalen Gründen, nämlich mangels des Momentes der Oeffcntlichkeit der Beleidigung, abgelehnt hat und Herr Dr. Gustav Simon ungeachtet der Aufforderung, seine Beleidigung nunmehr öffentlich zu wiederholen, es bisher abgelehnt hat, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Unter dem Zwang des B*a,e5se£«Geset:ses Das bestehende Presse-Gesetz verpflichtet uns, ohne Rücksicht auf die wirklichen Tatsachen, die obenstehende Berichtigung zum Abdruck zu bringen. Wohlgemerkt: Man kann in einer Berichtigung Wahres bestreiten, Unwahres behaupten, und der Zeitungsherausgeber ist gezwungen, solch einer Berichtigung Raum zu geben. Wir wollen aber unseren Lesern in Erinnerung bringen, was wir über den Herausgeber der Wochenpost" in unserer Ausgabe vom 6. schrieben: „Der Herausgeber der Biclitzcr Wochenpost" weiß von der Tel-Avivcr Messe, dem grandiosen Werk jüdisch-zionistischer Initiative und Schöpferkraft, nichts zu erzählen. Die Hitler* Messe in Leipzig hingegen hat ey ihm angetan. Zweimal in der ersten und zweiten Nummer — schreit er sich die Lunge für die Leipziger Messe aus, die „die größte Veranstaltung der ganzen Welt und zugleich Zentralmarkt des Welthandels" sei, der „der gesamte internationale Handel sein besonderes Augenmerk zuwende". Ferner schrieben wir in der gleichen Ausgabe unseres Blattes: „Die paganda Diese „Jüdischen März 1931 „Jüdischen beiden ersten Nummern machen... Profür Hitler-Deutschland!" beiden Behauptungen blieben seitens r'er Zeitung bir; heute unbestritten. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher. Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker IX,, Univer^lätsstraße — Druck: Druckerei- und Verlaga-A.-G, Jgnaz Steinmann, beide Wien»

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