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Die neue Welt · 1935-05-10 · Heft 462 (10.5.1935) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 462 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 462 DIE NEUE WEL1 Seite T 1 Klassenkampf Von Ing. Emil Fried (M.-Ostrau Der Zionismus beruht auf dor Erkenntnis, daß fllr die Stellung dor Juden unter den Völkern von einer Aendorung der bestellenden Ordnung, ob der politischen oder sozialen, ob durch Revolution oder Evolution, keine Besserung zu erwarten ist. Die Frage, ob kapitalistische oder sozialistische. Wirtschaftsordnung, ist daher, vom zionistischen Standpunkt betrachtet, nebensächlich. Die liberale Assimilation des vorigen Jahrhunderts «etzte ihre Hoffnungen auf die bürgerliche Revolution. AVas diese den Hoffenden schuldig blieb — und es wsir dessen sehr viel erwartet die m a r x i s t 1s c. h (j Assi m i l a t i o n von der zweiten, der richtigen, der sozialen Revolution. „Die Feindschaft zu den Juden kann nur dort bestehen, wo Grundbesitzer und Kapitalisten die Arbeiter und Bauern in Unfreiheit und tiefster Unwissenheit, erhalten. Nur ganz ungebildete, unterdrückte Menschen können den Lügen glauben, welche über dio Juden im Umlauf sind." (Aus einer Rede Lenins im Jahre 1919.) Karl K iL 111 h k y, eine unbestrittene Autorität .auf dein Gebiete des Sozialismus, hat festgestellt: „Die feindliche Voreingenommenheit gegen fremdstämmige Bevölkerungssohichten kann nur dadurch beseitigt werden, daß diese aufliör o ii, fremd zu s e i n, indem sie sich mit dor Masse der Bevölkerung vermischen. Das ist schließlich auch die einzig mögliche Lösung der J u d e n f r a g e." M a r x selbst verspricht eine viel radikalere. Lösung. In der neuen Gesellschaft, der sozialistischen, werden die Existenzbedingungen für das Judentum, der Schacher und seine Voraussetzungen, nicht mehr vorhanden sein. Dann ist auch der Jude u n m ö g 1 i c h geworden. Zionismus und Sozialismus konnten nur in der Judenfrage in Gegensatz gelangen, indem der assimilationsgierige Teil der Judenheit nach Versagen des Liberalismus in den Sozialismus flüchtete. Solange dieser Gegensatz ehrlich und offen, gewissermaßen offiziell, bestanden hat, war der Zionismus durch ihn nicht im mindesten in seiner natürlichen Entwicklung gestört. Im Gegenteil. Die sich klar im Sinne Herzls .vollziehende Entwicklung widerlegt stetig die Argumente der roten Assimilation, so daß diese als ^Gegnerin heute kaum mehr in Betracht kommt. Der Zionismus könnte sich daher ruhig seinen eigentlichen, vom sozialen Kampfsatz vöUig abseits liegenden Problemen zuwenden, wenn das zu diesem Zweck geschaffene Mittel, die zionistische Organisation, nicht inzwischen an sich eine bedeutsame Wandlung v ollzogen hätte. Eine deutliche Illustration derselben bot uns der letzte Zionistenkongreß in Prag 1938. Die Beschaffenheit des von Herrn Professor Weizmann geschaffenen niclitzionistischen Teiles der Jewisii Agency entnehmen wir aus dessen Beratungsprotokoll, in dem zu lesen Ist: „Mitglied Dr. Viktor Stein (Bratislava) sagte: Wir haben ein Parlament ohne Wähler, eine Volksvertretung ohne Volk, und wenn das so weitergeht, werden wir auch bald Vertrauensmänner sein ohne Vertrauen. — Mitglied Dr. T e r i o wies darauf hin, daß aus Westgalizieu von etwa sieben bis acht Mitgliedern des nichtzionistischen Teiles der Agency kein einzig e s erschienen ist. Aus Ostgalizien sind von 13 Mitgliedern mir e i n e s o d e r /. w e i g e k o m m c n, aus Kongreßpolen anscheinend nicraan d. Das heißt also, daß aus einem Land mit einer jüdischen Bevölkerung von etwa drei Millionen der nichtzionistische Teil der Agency hier last g a r Ii eine R e p r ä s e n tant e n hat. — Mitglied Morris R o t h e n b e r g findet es bezeichnend für die Lage, daß die Zionisten die Tagung der Nichtziouisten ideell und materiell vorbereiten und das Programm und die Referenten stellen mußten." Um diese Komödie veranstalten zu können, bedurfte es jahrelanger schwerer Kämpfe innerhalb der zionistischen Organisation. Man vergesse nicht, daß um diesen Preis der erste schwere Streich gegen ihre Einheit- 1 i e. hkei t geführt wurde. Der nichtzionistische Teil der Judenheit hat Herrn Professor Woizmanns Angebot nicht nur nicht angenommen — in der Ablehnung wäre immerhin eine Stellungnahme enthalten gewesen —, sondern überhaupt nicht beachtet. Bleibt also der /.iouistische Teil der Jewish Agency. Es war kurz nach der Machtergreifung durch Hitler, nach dem schmähliehen Zusammenbruch der deutschen Assimilation. Die Welt erwartete eine, einheitliche Kundgebung des siegreichen zionistischen G e d a n k e u s und hörte - die F a n f a r e n zum K 1 a s s e n Ii a m p f blasen, vernahm B e n Gurions feierliches Bekenntnis zum hundertprozentigen Sozialismus, das ist, nach der Definition Berl Lock er s, „das Streben, die kapitalistische Ordnung zu beseitigen durch den Klassenkampf der Arbeiter, der zur sozialen Revolution führen muß." Feinde einen Preis ausgeschrieben Mittel zur Zerstörung dor zionisti- - - die Idee vom Klassen- Preis gewinnen. Herr Professor Wei/.mann lehnt den Klassenkampf! ab. Er tut dies aber so charmant, so liebenswürdig, daß seine Ablehnung nur als eine Einladung zu verstehen ist. Mit dieser Einladung hatte er mehr Glück als bei den Nichtzionisten. Berl Locker kann mit vollem Recht triumphieren: „Wer hat in kaum zehn Jahren das wüste Land (Palästina) in eine Hochburg sozialistischen Schaffens, in ein E x p e r i m e n t i e r f e 1 d des internationalen Sozialismus verwandelt? Wer.hat das spezifische Ginvicht des sozialistischen Gedankens in Palästina stärker gemacht, als in irgend einer anderen Siedlung! dor Welt? Die Antwort ist klar. Der Zionismus." Das Organ, welches eine der schwierigsten Aufgaben in der jüdischen Geschichte bewältigen soll, die Wiederherstellung der jüdischen Einheit zum Zweck des Wiederaufbaues des jüdischen Landes, die Jewish Agency, besteht also zur Hälfte aus Luft und aus der anderen Hälfte ist ein Exerzierplatz für Klassenkämpfer geworden. Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, wenn man im jüdischen Palästina, in Siedlungen und Schulen, das Bild Herzls immer seltener, dafür abeij Marxen s Bildnis immer häufiger sieht. Die Touristen, die sich darüber aufregen, vergessen, daß sie sich auf einem Experimentierfeld für internationalen Sozialismus befinden. Das jüdische Kind auf jüdischer Erde in der mit Marx-Bildern geschmückten Schule hätte allerdings ein »{echt, zu fragen: „Wer ist der Mann, dessen Bild die iWümlo unserer Zimmer ziert? Wir hörten von vielen Wenn unsere hätten für das best; sehen Organisation k a m p f müßte den K.f<J> iN \ f>;> _ _ Mwm___________ ^S/n„S^oli; - .^ÄPS»'-««»., „ ■ >&8%s&JCte^\iä, w"""« ö"Änw«m* •a -SonnenBold-r '"""»"««n, „ _ ilmm^^ jMm^^: ^mm^z^i kK2^gÄs^..^r .^'«WTOÄjJ'g*«''«»«.™. ■ )^^srpisM^ ™... 1n '/ '««or,,„ RfSBw'nw-Jfleid...... s 79-1 ÄSi^r^^ |L «cJiflno* n,f"Prüf^C//u/ieSP'f'1'rl J^rm^&T0^ I, 5y"> HLüHComblnes>cs2<*> '"f^^^oFn^n fc"9°> i i '>»m;,/t.„ sr„„ ee-''schtüc/ier * fc^-KeSs*»^,.. hS«sr---.. hßB^^^ 2 - ar. ..S aa^Ksss-«-*»...... , ^' 1 ^"■■iaadte, '* . 8 . S »G* W *** :<*s \Vä (»ff TABORSTR. Männern, die Großes fftr unser.T«fk^etan. Ihre Bilder haben wir nie gesehen''^jVamtf^ ist dieser Mann ausgezeichnet vor allen »mW««?" \: H Und der Herr Lehrer j^tt^t^ Worten: „Liebe Kinder! Es'Ivar Vb>1ilicht ganz hundert Jahren. Unsere Vorfahren in den .mitteleuropäischen Ländern führten einen schweren Kampt iVm ihre GlelcHsteÜung mit den übrigen Menschen, um ihre Emanzipation. In Zeitungen und Zeltschrifteil \Vurdo. yiel .dafür und dagegen geschrieben. Es fanden sich bei allen Völkern mutige Männer, die ungeachtet, des. Pöbelgeschreies, hinwiesen auf das 'schwere Unrecht,', das' man uns 'bisher angetan, und auf die falschen. Anschauungen über uns und unsere heilige., Lehre, die Grundlage aller menschlichen Kultur. Das veranlaßt» unsere Feinde zu ■ noch heftigeren Angriffen. Da, in dieser schweren Zeit, griff auch Karl Marx, ein Enkel des berühmten Rabbiners ..Marx Levi, zur Feder." — Die Augen der Kinder leuchten. Der Lehrer muß jedoch, wahrheitsgemäß, fortfahren: „Er griff zur Feder und schrieb zur" Frage unserer Emanzipation, zur Judenfrage —- eine Schmähschrift gegen Juden und Judentum, die an Lüge, Verleumdung, Tücke und Frechheit alles bisher Erlogene weit übertrifft. Als fünfzig Jahre später ein gewisser Theodor H e r z 1, ein bürgerlicher Zionist, die Juden der Welt zum Wiederaufbau Hnseres Landes aufrief, waren es die jüdischen Jünger.und Schüler Marxens, welche ganz im Sinne ihres Meisters die Bestrebungen Herzls verhöhnten und bekämpften." Die Lehrer im jüdischen Palästina, die ihre Schüler an jüdischen Festen mit roten'Fahnen durch die Straßen führen, haben es nicht leicht, Lehre und Leben in Einklang zu bringen. Um den Kampf ums Dasein zu bestehen, sollte der Mensch beizeiten lernen, Freund und Feind zu unterscheiden. Der junge jüdlsohe Arbeiter lernt in der Marxistenschule, daß wohl der Araber, der ihm den Arbeitsplatz streitig macht und seine Existenz gefährdet, sein Klassengenosse, sein Freund wäre. Das eigene Volk hingegen, das nur zu sehr geringem Teil aus klassenbewußten Proletariern besteht, steht demnach zum größten Teil auf der F e 1 n d e s s e i t e. Die Schule lehrt ihn, sein Heil in der Internationale suchen. Es fragt sich nun in welcher. Die erste besteht nicht mehr, die zweite wird von Assimilanten geführt und in der dritten ist Zionismus Hochverrat. So gerät der Schüler in eine Welt von Widersprüchen und Zwiespältigkeiten. Eine der Hauptaufgaben zionistischer Erziehung soll es doch sein, das furchtbare Gefühl: der Wurzellosigkeit, welches die assimilatorische Erziehung erzeugen mußte, zu beseitigen durch Wiederherstellung des Bandes, welches uns mit der Vergangenheit Verknüpft, durch Ächtung vor der Tradition und Ehrfurcht vor unserer großen Vergangenheit. Berl Locker, der Organisationsreferent: der Zionistischen Exekutive, lehrt hingegen: „Jahrhunderte der Tradition, das psychischemid physische Erbe vieler Generationen, müssen über wn nden werden," Anderseits erstrebt er „die höchstmögliche nationale Entwicklung des jüdischen Volkes und seiner Kultur". Bevor es noch dem Schüler gelungen ist, hinter dem in diesem Zustimmenhang gebrauchten Schlagwort von der nationalen Kultur einen Begriff zu bilden, erfährt er von Lenin: „Die jUdische nationale Kultur ist ein .Schlagwort der Rabbiner und Bourgeoisie, unserer Feinde, Wer direkt oder indirekt dieses Schlagwort anwendet, ist ein Feind des Proletariats. — Dieses Schlagwort ist ein bürgerlicher (und häufig auch ein rückschrittlich-klerikaler) Schwindel." Wem soll nun der im Zeichen der roten Fahne unter;dem Marx-Bild erzogene palästinensische -junge 'Jude glauben?. Wer ist maßgebender Im Sozialismus, Ben Gurion und Berl Locker oder Marx selbst, sein berühmter Theoretiker Kautsky und sein genialster und tatkräftigster Schüler, Lenin? Eine gesunde Jugend kennt keine Halbheiten. Sie strebt zum Ganzen. Der Weg, den man ihr gewiesen, führt unfehlbar nach Moskau, zur wahren, zur dritten Internationale, wo der große Lenin verkündet hat: „Der Gedanke der jüdischen Nation a 1 ität hat reaktionären Charakter nicht, nur bei seinen konsequenten Anhängern (Zionisten), sondern auch bei denen, die sich bemühen, diesen Gedanken in Einklang zu bringen mit den Interessen des Proletariats (Poale-Zion)." Die künftige Jewish Agency wird demnach wiederum aus zwei Teilen bestehen, und zwar aus einem mit Luft gefüllten nichtzionistischen und einem kommunistischen. Dann wird endlich auch das alberne bürgerliche Gestreite, ob Palästina jüdische Heimstätte oder Judenstaat werden soll, verstummen, denn dann kennt die Jewish Agency nur ein Ziel, und das ist kein jüdisches, kein arabisches, sondern ein kommunistisches Palästina. Hoffentlich wird ein späterer .proletarischer, die Weltgeschichte materialistisch auffassender Geschichtsschreiber so viel Objektivität aufbringen, um die Verdienste Herrn Professor Weizmanns und seines linksgeneigten bürgerlichen Anhangs an dieser Entwicklung gebührend zu würdigen. Allerdings wird, wer die Geschichte des jüdischen Volkes von der Urzeit bis auf die Gegenwart kennt,1 auch eine Störung dieser Entwicklung nicht ausschließen. Es ist ja schon dagewesen, daß das jüdische Land durch Götzenbilder verunreinigt war und das Volk. falschen Propheten folgte. Sieben Juden im ungarischen Parlament Aus Budapest: Im neuen Parlament sind um zwei jüdische Abgeordnete weniger als im alten. Ausgeschieden sind Dr. Geza D e s i, einziges Mitglied der Regierungspartei, Dr. Eugen G ä 1. Es verblieben Dr. Györki, Weltner und Buchinger (Sozialdemokraten), Paul S ä n d o r, -der als Alterspräsident fungierte, Dr. Ernst Brody, Dr. Bela F ä b i an und Dr. Johann Väzsonyi. Diese vier gehören der unter Führung Dr. Karl Rassaya Stehenden liberalen, demokratischen Opposition an. Gesetz gegen Rassenhaß in Brasilien Aus Rio de Janeiro: Das brasilianische Parlament hat ein Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit angenommen, das Aufreizung zum Rassenhaß und Verhetzung eines Teiles der Bevölkerung gegen einen anderen unter Strafe stellt. Das Gesetz verbietet ferner uniformierte Privatvereinigungen. Antisemitische Kampagne in Belgien Aus Brüssel: Die antisemitische Presse in Belgien hat einen. Feldzug gegen die soeben vollzogene Ernennung ' des' ehemaligen Finanzministers Camillc G u 11, der Jude ist, zum Großoffizier des Leopoldordens eröffnet. Untere heftigen judenfeindlichen Angriffen fordern die antisemitischen Blätter die übrigen Inhaber des Ordens auf, ihre Auszeichnungen zum Zeichen des Protests zurückzusenden. Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe\ — Streng rituell! Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Midi Bis 15. Juni billige VorsaitonpreKN,

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