Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 462 (10.5.1935)
- Date
- 1935-05-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 462 DIE NEUE WELT Seiteaap*! Robert Montgomery Naureen O'Sullivan STECKBRIEF Z 48 KREUZ-KINO I 4, %6, Va8, 'AIO TELEPHON R-24-2-16 Die Babel ist ihm nicht reiht Nämlich Herrn Stefan Zweig. In seiner ästhetischen Neutralität geht er so weit, daß er nichts über Hitler- Deutschland zu sagen hat; nichts für und nichts gegen. Herr Zweig ist „objektiv". Solange man ihm nicht den Kopf einschlägt, weiß er nicht, was in Hitler-Deutschland vorgeht. Die Bibel hingegen, das Alte Testament ... da kann man schon aufdrahn. In seinem biographischen Werk „Maria Stuart", das wahrscheinlich auf wenigen „jüdischen" Tischen fehlen wird, schildert Stefan Zweig (S. 84) den Prediger John Knox als unerbittlichen, bornierten Ekstatiker, der menschlich-gütigem Gefühl unzugänglich war: „Nichts von der Milde und der göttlichen Güte des Evangeliums spürt man je in seiner Rede . . . nur der Rachegott ist sein Gott, der eifersüchtige und unerbittliche, nur das Alte Testament, das blutrünstige und barbarisch strenge, sein eigentliches Bibelbuch." In dieser Beurteilung des Alten Testaments liegt nicht so sehr Mißverständnis und Unkenntnis wie die Sucht, sich zu distanzieren und sich auf den alleinseligmachenden Gipfel kritischer Objektivität zu begeben. Herr Zweig glaubt vielleicht, sich mit derlei Mätzchen da3 Wohlwollen der liberalen, aufgeklärten, gesitteten und — wissenschaftlichen Kreise zu erwerben. Er irrt. Die Welt fällt ihm nicht herein. Sie weiß heute schon, was sie von „Juden" zu halten hat, die in Zeiten höchster jüdischer Not und Tragik um jeden Preis ~~ objektiv sein wollen. , Aas§ des« Tschechoslowakei Schwerer innei/ionistischer Konflikt vor den Wahlen Der Beschluß der Jüdischen Partei (Zionisten) bei den bevorstehenden Parlamentswahlen, nicht, wie bisher, eine eigene jüdische Liste aufzustellen, sondern ihre Wahlwerber auf die Liste der tschechischen Sozialdemokraten kandidieren zu lassen, hat zu schweren Konflikten im zionistischen Lager geführt. Die beiden ältesten und prominentesten Führer des tschechoslowakischen Zionismus, der Präsident der jüdischen Partei, Dr. Emil Margulies, und der langjährige Führer der Zionistischen Organisation und derzeitige Prager jüdischnationale Stadtrat Norbert Adler haben zum Zeichen des Protests ihre Mandate niedergelegt. Aus Prag wird uns gemeldet: Der jüdischnationale Stadtrat von Prag, Norbert Adler, hat dem Stadtverordnetenkollegium schriftlich mitgeteilt, daß er sein Stadtratmandat niederlegen wolle. Nach der Gemeindewahlordnung ist die Resignation auf ein Stadtratraandat nur mit Zustimmung der Gemeindevertretung möglich. Die Prager Stadtvertretung hat in ihrer gestrigen Sitzung die Resignation Adlers nicht zur Kenntnis g o n o m m e n. Adler wollte auf sein Stadtratsmandat verzichten, weil er ebenso wie der frühere Parteivorsitzende Dr. Margulies mit der Wahlpolitik der jüdischen Partei (Zusammengehen mit den tschechischen Sozialdemokraten) nicht einverstanden ist. Die Ablehnung der Demission Adler» durch die Nicht Juden im Präger Stadtrat bedeutet eine Ehrung dieses verdienstvollen jüdischen Politikers und eine Billigung seiner charaktervollen und programmtreuen Haltung in der Frage der Parlanientswahlen. * Der hervorragendste Führer des tschechoslowakischen Zionismus und langjährige Kongreßanwalt der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Margulies, üb?r dessen Rücktritt bereits berichtet wurde, sagt in einer Deklaration: „Ich habe meine Stelle als Vorsitzender der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei zurückgelegt, als diese Partei beschloß, einen Weg zu gehen, der nicht m e i n Weg im jüdischen Leben und im Leben des jüdischen Volkes sein kann. In dem Entschluß der Partei, um des augenblicklichen Vorteiles zwei Parlamentsmandatc für zwei Mitglieder unserer Partei den Namen des jüdischen Volkes im U'ahlkampf auszulöschen und sich auf der Liste einer andersnationalen Mehrheitspartei in diesem Wahlkampf, in dem die Namen aller Völker sichtbar werden, namenlos, anonym mitnehmen zu lassen, erblicke ich den sich immer wiederholenden Kampf zwischen der Idee und der sich In dieser verkörpernden Realität einerseits und der kleinen und kleinlichen Realität der mit den Händen greifbaren, beim Sitzen auf den Mandaten fühlbaren Vo rteile des Augenblickes andererseits. Die Entscheidung der Mehrheit, unserer Partei zugunsten des letzteren opportunistischen Abweges bringt die Partei auf die Bahnen der assimilatorischen K e h i 11 e -Politik, führt sie wieder zur nationalen Mimikry." €»i|»fel der Stahle: der Schweden-Stahl, Gipfel der Klingen: die schwedische mmi n«».ji«..t«<Mg„v MTimnfirtVf. Von der Berliner Judengemeinde Die Zionisten fordern die Leitung1 Die Berliner Zionisten erheben Anspruch auf die Führung der Gemeinde. Sie begründen ihre Forderung damit, daß sich seit der letzten Wahl im Jahre 1930, welche eine liberale Majorität brachte, ein .Umschwung vollzogen hat und heute die überwiegende Majorität der Wähler hinter den Zionisten steht. Die am 5. Mai abgehaltene Tagung der deutschen Zionisten faßte folgende Resolution: „Die zionistische Bewegung in Deutschland erhebt den Anspruch, das gesamte jüdische Leben in Deutschland entscheidend zu beeinflussen. Die sachliche Führung gebührt dem Zionismus auf allen Lebensgebieten, auf denen die zionistische Initiative den deutschen Juden neue Wege zu konstruktivem Aufbau und systematischer Hilfsarbeit gewiesen hat: in der Frage der jüdischen Schulen, der Berufs- und Wirtschaftspolitik, der Förderung des Palästina-Aufbaus und der Auswanderung1. D J f) r IT! Kl sNERVENSTÄRKE DI U L III It K'0RPER5TÄIA'r .Prof. oc. habepmänn Nur in Apotheken von S 3.40 an. Aufklärende Schriften und Geschmackmuster kostenfrei BlocMin - Vertrieb, III, Radetzkystraue 23 Der Zionismus kann sich jedoch bei der gegenwärtigen Gesamtlage der Juden in Deutschland nicht darauf beschränken, einzelne Sachgebiete zu betreuen, sondern muß verlangen, daß die zionistischen Erkenntnisse als Grundlage einer Neugestaltung des gesamten jüdischen Lebens dienen. Der geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, die zur Realisierung dieser Forderungen notwendigen Aktionen einzuleiten und für ihre Durchführung Sorge zu tragen." Die zionistischen Gruppen im Vorstande der Berliner Judengemeinde veröffentlichen folgende Erklärung: „Die Fraktionen des Jüdischen Yolksbun- Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 des und der Zionistischen Vereinigung in der Berliner Jüdischen Gemeinde erachten es im Interesse der jüdischen Gesamtheit für untragbar, daß der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in einer Zusammensetzung bestehen bleibt, die dem wirklichen Sinn der jüdischen Bevölkerung nicht mehr entspricht. Die beiden Fraktionen, sich dessen bewußt, daß hinter ihnen die übe rwiegende Mehrheit der Berliner Juden steht, fordern eine unverzügliche Veränderung in der Zusammensetzung der Gemeindegremien. In dem Kampf um die Erfüllung der Jüdischen Gemeinde mit dem lebendigen Geist des Judentums erwarten sie die volle Unterstützung der gesamten jüdischen Öffentlichkeit." Kein Uebereinkommsen zwischen Mussolini und nationalistischen Arabern Palästinas Aus Rom (8. Mai). Das italienische Auswärtige Amt ermächtigte den Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur zu der Mitteilung, daß die italienische Regierung kategorisch die kürzlich in der arabischen Presse Palästinas zuerst veröffentlichten und von mehreren jüdischen Zeitungen reproduzierten sensationellen Mitteilungen, betreffend ein Ueberei n kommen zwischen dem italienischen Regierungschef Mussolini und Führern der nationalistischen Araber Palästinas dementiert. Das Auswärtige Amt erklärt, daß diese Mitteilungen jeder Grundlage entbehren. Es handelt sich bei diesen Mitteilungen um ein angebliches Schreiben des Emirs Shakib A r s 1 a n an den Großmufti von Jerusalem Haj Amin el Husseini des Inhalts, daß Mussolini ein Uebereinkommen mit den arabischen nationalistischen Führern dahingehend getroffen habe, daß Italien im Falle eines neuen Weltkrieges die Sicherung der Unabhängigkeit Palästinas übernimmt, wofür als Gegenleistung die arabischen Führer sich verpflichten, eine pro-italienischc Propaganda unter den Arabern zu führen. Zur antijüdischen Bewegung in Amerika Aus Washington (J. T. A.): Der Unabhängige Orden Bnei Brit in Amerika hielt in Washington seine Konvention ab. Der Weltpräsident des Ordens, Alfred M. Cohen, führte in seiner Ansprache aus, daß die antijüdisc he Bewegung im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der Vereinigten Staaten, namentlich wo es sich um Beschäftigung jüdischer Angestellter handelt, ernste Proportionen annimmt. Er forderte die führenden politisch-jüdischen Organisationen Amerikas zu erhöhter Bekämpfungder Diffamierung von Juden und Judentum auf. Schließlich appellierte Cohen an die jüdische Jugend der Vereinigten Staaten, bei der Wahl von Berufen nicht mehr wie bisher die freien Berufe zu bevorzugen, sondern zu versuchen, in mehr aufbauenden Berufen, unterzukommen.. TiUsi de JÜQne übetdie Juden Vor zweihundert Jahren, im Mai 1785, wurde der Fürst Karl Joseph de Ligne geboren. Eine der interessantesten aristokratischen Figuren seiner Zeit: Staatsmann, Lebemann, Diplomat, in Frankreich und Oesterreich lebend, ausgezeichnet durch Geist, Fernblick, Einsicht in dio geschichtlichen Bewegungen, ein heller Kopf, ein gütiges Herz. Fürst de Ligue war auch Schriftsteller, aus Fassion, Mitschöpfer aller freiheitlichen Gedanken, die rings um den Einbruch des 19. Jahrhunderts die kriegsmüden Europäer ergriffen. Seine Schriften sind Bekenntnisse einer nach Wahrheit strebenden Seele, Beantwortungen von Grundfragen der menscldlchen Gesellschaft. 31 Bände hat de Ligne geschrieben. Vieles Ist vergessen, Verschollen. Vieles ist wert, konserviert zu werden. Der ausgezeichnete Verlag Rascher & Cle., A. G., Zürich, hat wahrscheinlich aus kalendarischem Anlaß des 200. Geburtstages, eine kleine, aber gediegene Auswahl der Schriften des Fürsten de Ligne unter dem Titel „Altos und neues Europa" herausgegeben. Wir veröffentlichen im nachstehenden das Kapitel „Juden". Die Aktualität dieses Kapitels ist in die Augen springend. Juden Zu den Regierenden, die mit Achtung der Menschlichkeit gegenüberstehen, müßte man also sprechen: „Sehet diese Menschen an, sie haben fast nicht mehr das Antlitz wirklicher Menschen! So sehr sind sie arm, so sehr Bind sie mißhandelt! Und sie sind doch auch nur Menschen, Wie die übrigen Menschen auch, die vielleicht an Jcsum C^tum .glauben, <»bw^c1it,*i*sstoB m/&lmfr&&?*rt- Erden, obwohl der Glaubensartikel solches Bekenntnis von ihnen fordert!" Bei alledem ist es höchst seltsam, daß die Juden immer »och der grobschlächtigsten und lächerlichsten Fabel zuneigen, die da lehrt, daß der Messias einstmals auf die Erde kommen wird. Nein, er ist noch keineswegs auf die Erde gekommen. Es scheint sogar, daß er niemals zu uns Menschen kommen wird. Das beweist auf jeden Fall, daß der Messias ein Weltbeglücker von Charakterfestigkeit ist. Seht Euch aber auch die entzückenden Jüdinnen an, die man in der großen Welt trifft. Achtet auf ihre Schönheit und auf ihre Bewegungen, die wohl ein wenig Schwere, aber doch Anmut und Beschwingtheit entfalten! Heute sind viele Jüdinnen besser erzogen als die Damen der besten Gesellschaft. Zwischen dem Judenvolke und den Türken, die einen Teil ihrer Bräuche und Namen von den Juden entliehen haben, besteht eine sehr nahe Verwandtschaft. Hätte Gott Moses dazu berufen, als Eroberer zu wirken, wie Mohammed berufen war, so würden zwei Drittel des ganzen Erdballs heute jüdisch sein anstatt dem Islam unterworfen. Würden die Türken einige geschickte Juden in ihren Dienst nehmen, damit diese Diener anstatt ihrer Beschützer denken, so würden die Moslem bald ganz von selber alles lernen, was ihnen heute noch abgeht. Wenn nötig, würden diese Juden sogar zum Mohammedanertum übertreten. Denn der Weg bis dahin geht ja nicht sehr weit, da doch das Beschneidungsmesser dag: orstg.^rtua?uy43t> <8aa M& foefden, bteber-*>-verspotteten Glaubens- und Volksgemeinschaften miteinander verbündet. So würden die Juden im Sultanspalaste ihren Platz einnehmen. Der Sultan und sein Großwesir müßten aber nur ein wenig vernünftig sein und ihnen keinen Widerstand entgegensetzen. Die Juden, die in Palästina ihr altes Vaterland wiederfänden, sie würden gern zur Hebung der Künste, des Gewerbefleißes, des Ackerbaues und auch des europäischen Handels ihre Mitarbeit herleihen. Jerusalem, heute ein elendes Nest, das den spärlichen Pilgern zum heiligen Grabe Herzweh bereitet, würde eine prächtige Hauptstadt werden. Man würde den Tempel Salomonis auf seinem alten Grundbau wiederaufrichten. Man würde die Wässer des Kidron wieder in ihr einstiges Bett zurückleiten und Kanäle damit speisen, die jeglichem Verkehr und jeglicher Ausfuhr dienen. Man würde den Garten des Paradieses wiederentdecken und die vier Urquellen, die aus dem Eden den schönsten Garten der Welt erschüfen. Wüsten könnten urbar und der Menschenhausung neu erschlossen werden. Man würde nicht mehr die Horden der arabischen Räuber antreffen, die bisher alle heiligen und geweihten Stätten Palästinas heimsuchten, weil niemand gegen sie aufstand. Wenn ihr Türken die Juden zu euch ruft, dann gebraucht sie ebenso, wie einstmals die Römer die Griechen gebraucht haben! Die Juden können die Aerzte des ki'an* ken Türkenreiches sein, wie einstmals die Griechen dia Aerzte des kranken Römerreiches gewesen sind. Ehemals waren die Mönche die großen ^Kolonisatoren* Heute »in4 ««»rdte^J^den-gej^orjaen, ■ •>•''