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Die neue Welt · 1935-05-07 · Heft 461 (7.5.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 461 (7.5.1935)
Date
1935-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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tfrtte 2 DIE NEUE WELT Nr. 461 Gutachter abzulehnen, da er ein unmittelbares Interesse am Prozeßausgango habe und somit befanden sei. Er, Bnmschvig, verzichte aber auf den Antrag. Eine Fälschung un<* e,n Plagtat Der vom Schweizer Israelitischen Gemeindebund und von der Kultusgemeindo Bern gestellte Gutachter Universltätsprofossor Dr. Baumgarten-Basel führte aus: Der erste Rindnick, dm man beim Lesen der „Protokolle" gewinnt, ist, daß es sich um ein phantastisches Gebilde handelt, über das die Geschichte nicht» zu berichten weiß. Die „Protokolle" widersprechen auch j c d e m gesunden Mensch e nverstand, denn Liberalismus und Demokratie sind sicher etwas anderes als teuflisches Machwerk. Die „Protokolle" sind nichts als eine Fälschung. Die „Protokolle'* erschienen zuerst in dem Blatt der berüchtigten russischen Reaktionäre, ..Die Schwarzen Hundert", der „Snamja". Der Experte beschäftigt sich sodann mit den Ausgaben der „Protokolle" von Nilus und Butmi und wendet seine besondere Aufmerksamkeit der Nilus-Ausgabe zu. Prof. Eaumgarten schildert die Person des Nilus, der halb geistesgestört und eiu Trunkenbold war. Nilus selbst glaubte nicht an die Echtheit der ,,Protokolle". Nach einer Charakterisierung des Inhalts der „Protokolle", in denen den Juden „Weltregicrungspläne" vorgeworfen werden, welche durch „Gewalt, Täuschung, Mord" erreicht werden sollen, wendet sich der Sachverständige der Frage nach der Wahrheit der „Protokolle" zu. Es besteht auch nicht der geringste Anhaltspunkt dafür, daß die Teilnehmer am 1. Zlonistenkongreß, der 1897 in Basel stattfand, irgend welche andere Sitzungen abhielten, als die öffentlichen, deren Protokolle jedermann zugänglich sind. In d iesen Sitzungen hat man sich mit nichts anderem beschäftigt, als mit den unter dem Namen Zionismus bekannten Bestrebungen, d. h. Begründung einer durch öffentlich-rechtliche Bestimmungen gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Die Behauptung, es seien an diesem Kongreß sogenannte jüdische ,,Weltregierungspläne" besprochen worden, ist eine Lüg^. Die Ziouistcn haben nicht mir geredet, sondern Jahrzehnte lang energisch, aufopferungsvoll und erfolgreich in der Richtung auf das von ihnen öffentlich proklamierte Ziel gehandelt. Die Behauptung, daß der jüdische Schriftsteller Asher Ginzberg (Achad Haam) der Verfasser der „Protokolle" sei, wurde zuerst von Frau L. Fry im Jahre 1921 aufgestellt. Der Deutsche Graf Reventlow. der sich diese Behauptung zu eigen machte, hat in einem von Ginzberg gegen ihn angestrengten Prozeß die Erklärungabgegeben, er bedauere seine Behauptung, die er nicht aufrechterhalten könne. Das Studium der Werke Ginzbergs ergibt einwandfrei, daß ihm ein Machwerk wie die „Protokolle" nicht zugesprochen werden kann. Jede Zeile darin steht in unversöhnlichem Widerspruch mit dem edlen Geist dieses Mannes. Die „Protokolle" sind seit vielen Jahren bekannt und kein Historiker von Rang hat von ihnen Notiz genommen. Das Urteil der Wissenschaft wird bestätigt durch die gewöhnliche Lebenserfahrung und den gesunden Menschenverstand. Die „Protokolle" wurden von vorneherein als historische Fälschung konzipiert. Man wollte die Existenz der jüdischen Geheimregierung vortäuschen, um Juden, Freimaurer, Demokraten, Liberale und Sozialisten in Mißkredit zu bringen und einer reaktionären Politik Vorschub zu leisten. Der von den Antisemiten behauptet« angebliche Zusammenhang zwischen Judentum und Freimaurerei besteht nicht. Selbst die beiden bekanntesten Herausgeber der „Protokolle" in deutscher Sprache, Fritsch und zur Beek, geben ganz verschiedene. Herkunftsberichte der ..Protokolle". Nach Fritsch ist das Original hebräisch abgefaßt und wurde im Hause eines Juden in Rußland von der Polizei entdeckt. Nach zur Eeek hingegen hat ein von General Ratschkowsky abgesandter Späher einen Eingeweihten durch Bestechung veranlaßt, das französische Original der „Protokolle", das ihm am Zionistenkongreß anvertraut worden war. auf der Reise von Basel nach Frankfurt von russischen Polizeiagenten abschreiben zu la33en. Die „Potokolle" sind aber nicht nur eine Fälschung, sondern sie sind auch ein Plagiat. Sie sind zu erheblichen Teilen fast wörtlich abgeschrieben aus dem 1865 erschienenen Buche: „Dialogues aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu" von dem französischen nichtjüdischen Advokaten Maurice J o 1 y. Ihre jetzige Form erhielten die „Protokolle" aller Wahrscheinlichkeit nach in der 2. Hälfte der 00er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Man kann dem zaristischen Rußland das Zeugnis nicht absprechen, daß die an höchster Stelle stehenden Persönlichkeiten die „Protokoll e" nach ihrem richtigen Wert einzuschätzen wußten. Sie fanden keinen Glauben und wurden als „ein für die Regierung vollkommen unzulässiges Mittel der Gegenwirkung" bezeichnet. Die Drucklegung dir „Protokolle" in der ,.Snamja" im Jahre 1&03 läßt keinen Zweifel darüber aufkommen, daß damit die spezielle Aufgabe verfolgt wurde, die. antisemitische Agitation zu entschuldigen und die P o g r o m s t i m m u n g zu unterstützen. Bei den Pogromen in der U k r a i n e spielten die „Protokolle" eine brts&r'd^rs große Rolle. Der Sachverständige nimmt sodann ausführlich Stellung zu der ihm vom Gericht vorgelegten Frage, ob die „Protokolle" unter den Begriff der Schundliteratur fallen. Der Experte bejaht diese Frage eindeutig und schließt: „Diese .Protokolle' sind eine Fälschung; dio in ihnen dargelegten Pläne einer angeblich existierenden jüdischen Gehtimregierung habt:/: mit den kulturellen, politisch»*!! und wirtschaftlichen Zielen des Judentums nichty. fi tun." Ulrich Fleischhauers Phantasien Der zweite Verhandlungstag brachte das mündliche. Gutachten den Experten Ulrich Fleischhauer aus Erfurt. Er beginnt mit einigen persönlichen Bemerkungen - er sei den anderen Gutachtern nicht vorgestellt worden, er werde von ihnen geschnitten —, die eine 1 e i c h t e Heiterkeit im Saale erregen. Der Gutachter beschäftigt sich sodann mit den Ausführungen des von der jüdischen Seite bestellten Experten, Universitätsprofessors Dr. Baumgarten, Easel. Er, Fleischhauer, habe üauernd über die Geschichte umgelernt. Bei Prof. Baum- Karten vermisse er den guten Willen dazu. Prof. Baumgarten sei kein „Talmudkenner", er, Fleischhauer, sei wohl T a 1 m u d k e n n e r.(!) Aus den langen und ermüdenden Ausführungen Fleischhauers über Talmud und Schulchan Aruch geht aber hervor, daß Fleischhauer die antisemitischen Schriften über Talmud, deren Fragwürdigkeit die Wissenschaft festgestellt hat, benutzt, während Prof. Baumgarten sich auf einwandfreie wissenschaftliche Abhandlungen gestützt hat. Der Gutachter wendet sich sodann einer Reihe von Einzelheiten und Zitaten zu, die mehr oder minder die geheimen Umtriebe des Judentums zur Erlangung der Weltherrschaft beweisen sollten. Eine besondere Rolle spielt dabei ein Bericht der jiddischen Zeitung „Moment" aus Warschau (der Gutachter sagt dabei dem Präsidenten: „Die Lektüre ist nicht schwer, Herr Präsident, wenn man die hebräischen Buchstaben kennt."), die über Besprechungen, die das französisch-englische. Abkommen über den Luftpakt angehen, berichtet hat. Der Verfasser des Planes sei nun ein internationaler Journalist, namens Poljakow („ein Glied der berühmten Poljakow-Mischpoche". sagte Fleischhauer), der mit diesem Abkommen einen Schlag gegen Adolf Hitler herbeigeführt habe. Auch der Autor des Kellogg-Paktes sei Jude gewesen. Fleischhauer kommt schließlich auf den Lieblingsplan des Erfurter Kreises ausführlich zu sprechen, die Insel Madagaskar als Judcnland anzukaufen. Der Gedanke pan-arischer Natur lasse sich sehr wohl mit der schweizerischen Demokratie vereinigen. Heiterkeit erregt Fleischhauers Behauptung, daß bei der stattgefundenen Auseinandersetzung zwischen den Anwälten der Unterschied zwischen arischem und semitischem Geist ihm mit einem Schlage sichtbar geworden sei. Die Denkweise des ihm übrigens sympathischen jüdischen Anwaltes Brunschvig und die des arischen Anwaltes R u e f seien ihm schlagende Eeweisc für die unüberbrückbaren Unterschiede der beiden Geistesrichtungen gewesen. Maurice Jol y, der Verfasser der „Dialogues", aus denen die „Protokolle" abgeschrieben wurden, muß unbedingt ein Jude gewesen sein. Die jüdische Abstammung Jolys gehe aus seiner Photographie hervor. Er wies eine Photographie Jolys vor, sowie Photographien von Karl Marx und stellte fest, daß Joly merkwürdige Aehnüchkeit mit Marx habe. (Heiterkeit!) KREUZ-KBNO [> Wollzeile 17 , Tel. R-24-2-16 Shanghai-Mimi sss In der Nachmittagssitzung setzt Ulrich Fleischhauer den mündlichen Vortrag seines Gutachtens fort. Man merkt vielen nichtjüdischen Zuhörern die Verwunderung an, die bei den Ausführungen Fleischhauers mehr und mehr ansteigt, in welcher Weise der Gutachter die Weltgeschichte erklärt. Jolys Buch habe, erklärt Fleischhauer, einen höheren Zweck verfolgt. Es bringe die Richtlinie für die von der jüdischen Freimaurerei aufgestellten Weltherrschaftspläne. Der Gutachter wiederholt sodann die hundertmal widerlegten Behauptungen von den Zielen der Alliance Israelite Universelle und ähnlichen antisemitischen Legenden. Das Honorar für die „Protokolle" sei Joly durch ein jüdisches Bankhaus in Basel ausgezahlt worden. Die Entdeckung des seinerzeitigen „Times"-Korrespondenten in Konstantinopel, Graves, der heute noch dem Mitarbeiterstab der „Times" in London angehört, bezeichnet Fleischhauer als eine Lüge. Graves ist bekanntlich derjenige, der entdeckte, daß im Buche Jolys die einwandfrei zu beweisende Quellenschrift für die Fälschung der „Protokolle" vorliege. Die „Protokolle", sagt Fleischhauer, sind echt, weil die Geschichte der letzten Jahrzehnte ihren Inhalt bestätigt hat. Herz! hat die „ProtokoSSe" verfaßt Sodann wendet sich der Gutachter dem Beweistherna, der Frage der „P r o t o k o 11 e" - F ä 1 s c h u n g, zu. Mit besonderer Schärfe greift er den verstorbenen Benjamin Segel und dessen wichtiges Buch, das u mfassend die Fälschung darlegt, an. Er tadelt besonders Segels angeblich herausfordernde Schreibweise. Ja, er geht so weit, den Verstorbenen, der sich nicht wehren kann, als „unwissenschaftlichen Schwätzer" oder „bewußten Lügner und Fälscher" zu bezeichnen. Bis heute sei es nicht gelungen, den Verfasser der „Protokolle" eindeutig festzustellen. Nach jüdischer Behauptung könne es nur ein „Arier" sein. Nach nichtjüdischer Ansicht kann aber nur ein „jüdischer Patriot" als Verfasser in Frage kommen. Die Mehrzahl der antijüdischen Kenner der „Protokolle" halte Achad-Haam für den Autor. Seit 1923 werde häufig auch Theodor H e r z 1 als Verfasser genannt. Die arische Seite vermutet („ich betone vermutet"), der Autor der „Protokolle" könnte Achad Haam oder Herzl sein. Fleischhauer spricht von einem „Seminar", in dem Achad Haam die „Protokolle" und Jolys „Dialogues" vorgelesen haben soll, dann von einer jüdischen Geheimorganisation im zaristischen Rußland unter Achad Haams Führung. Es folgen neue Zitate über Achad Haam. Dann kommt Theodor Herzl an die Reihe. Die Langeweile im Gerichtssaal ist groß. Plötzlich ein lautes Gelächter. Fleischhauer hat nämlich gesagt: „Wir wohen uns nicht mehr in unserem Lande die Köpfe zerschlagen, auch nicht mit unseren Nachbarn. Das muß aufhören." Ebenso wird mit Heiterkeit Fleischhauers Erklärung aufgenommen: „Nach seinen Propheten hat das Judentum das Recht, uns zu fressen. Aber wir haben es nicht notwendig, uns fressen zu lassen." Theodor. Herzl wollte vielleicht erst, so meint der Gutachter, Palästina erobern und dann die Weltherrschaft erstreben. Aber alle, Juden wollen die Weltherrschaft so oder so. Nach Fleischhauer muß Herzl Freimaurer gewesen sein. Es folgt eine Auseinandersetzung über arischen und nichtarischen, germanischen und semitischen Geist. Die Juden haben, sagte Fleischhauer, eine doppelte Moral. Eindeutig und groß aber stehe die Moral der „Arier" da. Der Gerichtspräsident will nicht „Arier" Fleischhauerischer Provenienz sein Unerwartet erhebt sich der Gerichtspräsident und führt aus: Da wir soeben von dem Herrn Gutachter gehört haben, welche Unterschiede zwischen dem arischen und dem jüdischen Geist bestehen, so möchte ich mir gestatten, Ihnen aus einem Artikel, der sich in der nationalsozialistischen Zeitung „Der Alcraane", amtlichem Verkündigungsorgan der Behörden, das in Lörrach; im Badischen erscheint, befindet, einige charakteristische Stellen über unsere Verhandlungen vorzulesen. Der „Alemane" schreibt in seiner Nummer vom 1. Mai über den Berner Prozeß u. a.: „Die beklagten Judengegner hatten nämlich verlangt, daß, bevor der Prozeß weitergeführt würde, die von ihnen einzureichende Klage wegen falschen Zeugnisses vom Gericht zu beurteilen sei. Was tut aber der judenhörige Dr. Walter Meyer von Bern? (Damit ist der Gerichtspräsident, der die Verltandlungen im Berner Prozeß führt, gemeint. D. Red.) Er4 erklärt seelenruhig, dies sei Sache der Staatsanwaltschaft und habe mit dem Judenprozeß nichts zu tun!! So etwas wäre selbst im Deutschland der Ebert, Scheide- und Stresemänncr bestimmt nicht möglich gewesen und paßt winderbar zu" .freien Schweiz'. Man stelle sich vor, ein Gericht stützt sich auf Aussagen von Zeugen, die bereits des falschen Zeugnises überführt sind (die zuständige Schweizer Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Anzeige we**a falschen Zeugnisses, die von nationalsozialistischer Seit', eingereicht wurde, abgewiesen. Die Red.), und wird auf Grund der Aussagen solcher Subjekte seinen Spruch zu fällen haben. In Bern scheint eben die Binde der Justitia gleich über beide. Augen gerutscht zu sein, oder .der Gott Jakobs' nimmt selber die berühmte Waage, in die Hand, wobei er nicht verfehlen wird, ein wenig nachzuhelfen, wenn es den Juden diesmal an den Kragen gehen sollte." Der Gerichtspräsident schließt mit erhobener Stimme: „Wenn das arischer Geist Ist, dann hedanke ich mich, Arier zu sein." (Große Bewegung im Gerichtssaal). * Zu Beginn der Verhandlung am 2. Mai suchte Fleischhauer die Behauptung zu begründen, Herzl könne eventuell auch als Verfasser der „Protokolle" in Betracht kommen. Herzl habe schon damals den Weltkrieg und den Abschluß des Friedens vorausgesehen. Auch dio Balf ou r- Deklaration habe Herzl vorausgesagt. Die „Protokolle" seien dem Kongreß als fertiges Werk in hebräischer Sprache vorgelegt worden. Ihr Verfasser sei keineswegs Nilus. Auch dio russische Ochrana ' (die ehemalige zaristische Geheimpolizei) könne nicht als Urheber der „Protokolle" angesehen werden. Schließlich erklärte Fleischhauer, es bestehe ein jüdisches Wolthcrrschaf tsprogramm. Fleischhauer erklärt zum Schluß, es gäbe sehr viele Juden, welche die Authentizität der „Protokolle der Weisen von Zion" anerkennen. (!) C. A. Looslis Gutachten Nach Fleischhauer kam der gerichtlich bestellte Sachverständige C. A. L o o s 1 i, Schriftsteller in Bern- Bümpliz, zu Wort. Die vom Gerichtspräsidenten an ihn gerichteten Fragen verdichten sich auf folgende Hauptpunkte: 1. Sind die eingeklagten sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" echt, unecht oder gefälscht? 2. Bilden sie ein Plagiat, einen geistigen Diebstahl? 3. Fallen sie unter den Begriff der Schundliteratur? Der Sachverständige verneint kategorisch, daß die zionistischen Führer jemals das Bestreben hatten, irgendeine revolutionäre oder sonstige politische Tätigkeit in den Ländern der jüdischen Diaspora zu entwickeln. Die ganze zionistische Bewegung geht ausschließlich darauf aus, zugunsten einer rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina zu werben. Das offizielle Programm und die Verhandlungen des Zionisten-Kongresses von 1897, an welchem Kongreß die „Protokolle der Weisen von Zion" angeblich entstanden sein sollen, gingen einzig darauf aus, den Juden eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen. Aus den Protokollen des Zionisten-Kongresses, wie aus den Aussagen von noch heute lebenden Personen, die daran teilnahmen, ergibt sich, daß alle Verhandlungen im breitesten Licht der Oeffentlichk c i t geführt worden sind. Eingehend erörterte der Sachverständige die bekannten Divergenzen, welche zwischen den verschiedenen Ausgaben der „Protokolle" bestehen. Das 1864 ei-schienene Buch des Nichtjuden Maurice Joly „Dialogues aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu" bildet das wichtigste Beweisstück zur Beurteilung der eingangs erwähnten Hauptfrage nach der Fälschung der „Protokolle". Die Hauptfälschung besteht darin, daß überall da, wo Joly in seinen „Totengesprächen" Napoleon III., seine Regierung und seine Politik meint, ohne sie zu nennen, in den sogenannten „Protokollen" die Judenschaft der ganzen Welt an Stelle der von Joly gemeinten Personen und Verhältnisse unterschoben wird. Seit dem Zusammenbruch des zaristischen Rußland besteht der Zweck der „Protokolle" darin, die Oeffentlichkeit aller Länder zu überzeugen, die gesamte Judcnheit unterstehe einer geheimen, nichts weniger als dio Weltherrschaft mit allen, auch den verwerflichsten, Mitteln anstrebenden Oberleitung. Diese Anklagen sind so ungeheuerlich daß man voraussetzen dürfte, diejenigen, die sie erheben, seien davon restlos überzeugt und auch namentlich in der Lage, die Beweise der Echtheit der „Protokolle" zu erbringen. Dieser Mühe unterziehen sich die. Herausgeber nicht. Die Frage, ob Beweise vorliegen, daß die „Protokolle" aus politischen Motiven gefälscht worden sind, muß bedingungslos bejaht werden. Der Sachverständige stellt in Uebereinstimmung mit einer im Jahre 1921 von der großen englischen Zeitung „T i m e s" durchgeführten Untersuchung fest, .daß die „Protokolle" judenfeindlichen und anderen politischen Zwecken dienten. Sie boten den Anlaß zu Judenpogromen und schürten im Volke, namentlich im nationa 1sozialistischen Deutschland, den Haß gegen das Judentum. Die Verbreitung dieser Schrift hat also überall, wo sie sich auswirkte, furchtbar!' Folgen gehabt. Auch nicht eine einzige Behauptung der deutschen und uichtdeutscheu Befürworter der Echtheit der „Protokolle" hält einer unbefangenen, ernsthaften Prüfung stand. Ueberail, wo der Wahrheitsbeweis versucht wird, verwickeln sich die Bewelsliihrer in Widerspruche. So oft es gelingt, einen Gewährsmann festzuhalten, erweist er sich bei näherem Zusehen ausnahmslos als *iu Mensch vou recht

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