Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 460 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 460 Schreib-, Rechen- und Additions-Maschinen Vervielfältigungsapparate Nou und gebraucht! Auch leihweise! Langfristige Kredite! Vei'langen Sie kostenlose, unverbindliche Angebote.! Hebräische Maschinen lagernd! Kontor-Einrichtungs-Gesellschaft Wien I, EsoSenbachg. 9-11, Tel.: B-26-0-61, B.26-0-71 Company, Ltd." (die die „Pipeline" des Irak-Erdöls von Kirkuk nach Haifa und Tripoli betreibt) und der „Palestina Potash Company, Ltd.", die gerade gegenwärtig den Schwerpunkt ihres Kali-Produktionsbetriebes nach dem Südzipfel des „Jam Hamelach" verlegt und vermutlich von dort aus einen Bahnbau nach dem Golf von Akaba erstrebt. Das Bild der Produktionsmöglichkelten in jenem Sektor Palästinas, der sich zum Roten Meer erstreckt, bliebe unvollständig, würde nicht auch der Fischreichtum des Golfes von Akaba erwähnt. Nun ist ja leider die Fischerei überhaupt noch ein unbegreiflich vernachlässigtes Kapitel der palästinensischen Volkswirtschaft. Wir haben 1934 weit über 200.000 pal. Pf. für importierte Fische (lebendfrisch, gefroren, gesalzen, getrocknet, geräuchert und konserviert) bezahlt, woneben die Inlandsproduktion nur etwa knapp 70.000 pal. Pf. erreichte. Nunmehr hat vor mehreren Monaten die Palästina-Regierung einen Fischerei-Sachverständigen aus der Indien-Verwaltung, James Horneil, veranlaßt, eine Enquete über die Fischerei-Industrie in Palästina durchzuführen, üeber das Ergebnis janer Enquete der Oeffentlichkeit ausführlich zu berichten, hat man leider nicht für notwendig erachtet. Wir hoffen, daß Herr Horneil nicht allein den Seefischfang an der Mittelmeerküste, die Probleme der Flußfischerei und die Chancen der Teich-Fischzucht studiert, sondern sich auch um die Entwicklung des Fischfanges am Golf von Akaba gekümmert und darüber Feststellungen gemacht hat, die die Regierung den Interessenten mitteilen kann. Für den Betrieb von Fischdarapfern unter palästinensischer Flagge auf jenem Meeresteil, für den Bau von Gefrieranlagen und Konservenfabriken in einer neuen jüdischen Industriesiedlung, die den Namen des salomonischen Ezeon-Geber wieder aufleben lassen müßte, werden sicher die Geldmittel aufzubrmgen sein, sobald die Regierung die Autostraßenverbindung nach den Hauptkonsumzentren des Landes vollendet haben wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte für den neuen Produktionszweig stehen uns in den Reihen der heutigen und künftigen Alijah reichlich zur Verfügung. Wir erinnern an die jüdischen Fischer aus Istanbul und Saloniki und an die jüdischen Fachleute der Fischkonservenindustrie aus Deutschland, Lettland, Polen und anderen Staaten. Wenn einst der Zau'berstab der jüdischen Initiative die Einöden des Negev berührt, neue Fruchtgärten dort aufsprießen läßt, uralten Bergbau wieder erneuert und die Fischerei-Industrie modern organisiert, so werden die Verkehrsbeziehungen dieses Wirtschaftsgebietes sich nicht immer nur auf die Verbindung mit dem Landesinnern begrenzen, sondern wagemutig über das Rote Meer hinwegzugreifen suchen. Nicht von der Hand zu weisen ist die Möglichkeit, daß sich hier ein neues Ausfalltor des palästinensischen Exports nach den Küstenländern des Roten Meeres und des Indischen Ozeans öffnen würde, ein Ausgangspunkt direkter Dampfer- und Motorschiff-Linien — ohne die verteuernde Durchfahrt durch den Suez-Kanal — unserer jungen palästinensischen Handelsflotte nach Dschidda, Hodeida und Aden, nach Port Sudan, Massaua, Dschibuti und noch ferneren Plätzen, und zwar von einem neuen, modernen Hafen aus, der seinen Standort im palästinensischen Sektor der Golfküste hat! Es ist an der Zeit, daß wir unsere Südprovinz, unseren Küstenanteil am Roten Meer nicht bloß den strategischen Erwägungen der britischen Mandatsverwaltung überlassen, sondern aus eigenem Interesse gründlichsten Verkehrs- und Wirtschaftsstudien unterwerfen. Eine Studiengesellschaft, die sich nach König Salomos Flotten- und Handelsstützpunkt „Ezeon- Geber Society" benennen könnte, wäre das geeignete Organ dafür; ihre Aufgabe würde darin bestehen, sämtliches Material über die Produktionsmöglichkeiten und die Verkehrsverhältnisse des Negev und über die Wirtschaftsverhältnisse in den Randländern des Roten Meeres zu sammeln, die diesbezügliche wissenschaftliche Forschung anzuregen, die jüdische Initiative zu ermuntern und zu beraten und alle erforderlichen Interventionen bei der Regierung zu unternehmen — in erster Linie hinsichtlich des Hafen- und Straßenbaues und der Agrar- und Mineraierschließung. Die Kolonisierung des Südbezirkes vermag die Aufnahmsfähigkeit Palästinas für Menschen und Kapital gewaltig steigern. Angesichts der jüdischen Not in der Galuth und der Hunderttausende unserer verzweifelnden Brüder und Schwestern, die in Unserem Lande Arbeit, Brot und Freiheit zu finden loffen, läßt es sich nicht mehr rechtfertigen, daß unser Interesse an Palästi&**ikilich, von Ruchammah plötz* 1 lieh aufhört. Wäre es nicht beschämend für uns, wenn andere die Gelegenheit wahrnehmen würden, die wir versäumten — wenn fremde Konzessionäre die Mineralien fördern, fremde Pflanzungsgesellschaften das Land bebauen, fremde Reedereien den Seefischfang und den Schiffsverkehr vom Palästina-Sektor des Akaba-Golfes aus einrichten würden? Diese Gefahren sind nicht abzuleugnen. So früh wie möglich werden wir unseren Platz dort belegen müssen. Immer wieder begegnen wir dem alten Uebel, daß die jüdische Wirtschaft in Palästina sich zu einseitig nach Europa hin orientiert und sich als Peripherie der abendländischen Interessensphäre empfindet — anstatt zu begreifen, daß Palästina selber ein VVirtschaf tszentrum ersten Ranges werden könnte, für ein Gebiet, das weite Teile Vorderasiens und Nordostafrikas umspannt. Für uns müßten von Natur aus Persien oder Abessinien viel wichtiger sein als beispielsweise Lettland oder Belgien. Weil das neue palästinozentrische Raumgefühl noch vielen unter uns fremd ist, deshalb vor allem geschieht es, daß der Negev noch in der Regel einer fast grotesken Unwissenheit und Interesselosigkeit begegnet. Daraus kann uns ein politischer und wirtschaftlicher Verlust entstehen, der nicht wieder gutzumachen ist. Und deshalb tut eine großzügige Propaganda not: für Palästinas Südprovinz, für Erez Israels Anteil am Roten Meer! Palästinensische Heirenkleider« und Wäsdiefabrakafion Aus Tel-Aviv (Palnews): Die im Jahre 1933 gemeinsam mit der Vertriebsgesellschaft O. B. G. Ltd. begründete Herrenkleiderfabrik H a 1 i f a Ltd., beliefert mit ihrer Produktion die O. B. G. Ltd., die als Vertriebsgesellschaft der Halifa im Laufe des ersten Jahres ihres Bestehens sechs Vcrkaufaf ilialcn (Tel-Aviv, Jaffa, Jerusalem, Haifa-Merkaz und -Hadar, Petach Tikwa) eröffnet hat. Die O. B. G. fabriziert selbst Herrenwäsche und Krawatten für den Bedarf ihrer eigenen Filialen. Das in beiden Unternehmen arbeitende Gesamtkapital beläuft 3ich zur Zeit auf Pf. 30.000. Obwohl ein Teil der Filialen erst in letzter Zeit eröffnet wurde, hat der Geschäftsgang des ersten Jahres sehr befriedigende Ergebnisse gezeitigt. Der Konsumentenkreis des Unternehmens ist in ständiger Erweiterung begriffen, die Konkurrenzfähigkeit ergibt sich besonders auch aus der Tatsache, daß während der Touristensaison vielfach Besucher des Landes als Käufer auftraten. Der Export nach Syrien wurde vor einigen Monaten aufgenommen, das Exportgeschäft soll zunächst nach Aegypten, Südafrika und der Schweiz DER~jfi? der Große und der Kleine alle sind gut gekleidet durch SCHIFFMANN Für den DONNEN: Si)Ovt=Mnjufl, 2 teitifl . S 29'—« SBeftenlof. WobcOlnjug S ti-cnd)coot, Äarofuttcc S 21'— •,"Vtüf»io^t8-OTantcI, ncf. R 39-— rtnMcrbotfcc . S9-80, S 7-90 Wfobe-J&cmbot, 2 Ärag. S -»"90 Wobcräfite, alle Martens 6*90!8o£calf.£anif(ijttT)c . . S 12 90 Für den DICKEN: nteiber t>t* fflröfjc 60 jr>etnbctt &{* Aa'älvcife 50 Iin<crvofcn Iii« 33<ut$< tveite 180 em ©tfjafrooKjattler . . .S 1390 <5trafiejt«$f>uüße . . . fi •«•— ^crrctt«Gteif«Ärooett S -r'ia ShraJJOj-Jfnieljofc . .S t'98;3»önntf)r.«6cm&,2Ärfl.S 6-90 SCHIFFMANN TABORSTR.^8 ausgedehnt werden. Bemerkenswerterweise stellt die Schweiz palästinensischen Erzeugnissen aber Schwierigkeiten in den Weg, die bisher nicht behoben werden konnten. Der schweizerische Import von Herrenkonfektion ist auf Basis der Importverhältnisse der Jahre 1927/28 kontingentiert, außerhalb des Kontingents sind die Zölle außerordentlich hoch. Bislang hat sich die Schweiz geweigert, Palästina eine Kontingentquoto einzuräumen. Die Schweiz steigerte ihren Export nach Palästina 1934 auf Waren im Werte von Pf. 168.000, nahm aber um knapp für Pf. 10.000 palästinensische Waren auf. Es dürfte auf die Dauer wohl kaum angängig sein, daß man von neu entstehenden Märkten als Absatzgebiete zwar gerne Notiz nimmt, sie aber sonst unberücksichtigt läßt. Der Wollstoffbezug erfolgt fast ausschließlich aus England, ebenso der Import von Leinenstoffen (Nordirland). Hemdenstoffe und einige andere Rohmaterialien werden zum Teil auch aus der Tschechoslowakei, Belgien und Oesterreich bezogen. Trotz der hohen Schneiderlöhne, die weit höher als beispielsweise die Berliner gestiegen sind, ergibt sich die Konkurrenzfähigkeit aus dem Pfundstand und den günstigen steuerlichen Verhältnissen. Der Wollstoffzoll beträgt 12 Prozent ad valorem. Hingegen ist der Zoll für fertige Konfektion» mit 15 Prozent des Wertes unzureichend. Infolgedessen ist der Import von fertiger Konfektion noch außerordentlich hoch und dürfte mindestens 50 Prozent des Gesamtbedarfes ausmachen. Die übrige Hälft© des Bedarfes wird von der Halifa und O. B. G. Ltd. gedeckt. Die palästinensische Außenhandelsstatistik erfaßt den Herrenkonfektionsimport nicht spezialisiert, sondern nur im Rahmen einer Sammelrubrik „Andere Kleidungsstücke". Der Import der unter diese Rubrik fallenden Artikel ist von Pf. 216.602 im Jahre 1933 auf Pf. 328.113 im Jahre 1934 gestiegen. Von dieser öOprozentigen Steigerung dürfte auch der Herrenkonfektionsimport betroffen sein, der auf etwa Pf. 40.000 zu schätzen ist. Der; Import von Herrenkonfektion kommt vor allem aus dec Tschechoslowakei, Polen und Oesterreich, also Ländern, die keine englischen Wollstoffe verarbeiten* Der unzureichende Konfektionszoll schädigt neben dem Schneidergewerbe und der Konfektionsindustrie Palästinas letzten Endes den englischen Wollstoffexport* Der Import erklärt sich aus überholten Vorurteilen gegenüber palästinensischen Produkten. Er ist preislich nicht billiger als diese, qualitativ veilfach sehr minderwertig. Die Halifa und O. B. G. beschäftigen 110 Arbeiter: und Angestellte. Beduinen lehnen jüdischen Richter ab Aus Jerusalem: 31 Beduinen des Dorfes Kuskus- Tabun, die von der jüdischen Grundstücksgesellschaft Meshek im Zusammenhang mit einem Bodenkonflikt angeklagt waren und vom Haifaer jüdischen Friedens» richter Harkavy abgeurteilt werden sollten, verließen demonstrativ den Gerichtssaal und erklärten, einen jüdischen Richter ablehnen zu müssen. Die Angeklagten wurden sofort vor einen arabischen Richter gestellt, de* 16 von ihnen, darunter ihren Mukhtar (Dorfbürgermeister) zu je 5 Pfund Geldstrafe oder je 5 Tagen Gefängnis verurteilte. Handelsvertrag Aegypten—Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Obcrkommjssäi.' hat eine Handelsdelegation ernannt, welche sich nach Aegypten begeben wird, um im Namen der Palästina,« Regierung einen Handelsvertrag zwischen Aegypteu und Palästina abzuisclüießen. Abdul Hamid Sultan Abdul Hamid war ein schwächlicher Gci.st, ui»t mit der Hartnäckigkeit eines Irren, der in dem Wulm lebt, ein einziger Schritt vom geplanten Weg würde ihn in den Abgrund stürzen. Dieser Mann, der an Grausamkeit seibat einen Iwan, den Schrecklichen, Ubertraf, verbrachte selbst ein Leben in Angst und Schrecken. Trotz seiner wahnsinnigen Angst vor Attentaten wur Abdul Hamid Krauen gegenüber nicht gleichgültig uiu! eins Frau wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Abdul Hamid, dies«- fast legendär anmutende Gestalt aus der nahen Vergangenheit, wird von Fritz Hortnerin dem Film „Abdul Hamid", der dem* «tob* «wc;Bfrt«afranu«eelaJufc «vfcörpwt