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Die neue Welt · 1935-05-03 · Heft 460 (3.5.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 460 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 460 Ulli mvh HELT Seite 5 -TCO Hole! Bellcvuc Pörfedhadi am Wörlhersee Vornehmes Haus unter sträng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küche. Volle Pension : Vormund Nachsaison . . . $ f.— Hauptsaison . .....$ 12.~ Seebad und Garage frei. Geöffnet von Mal bis Oktober. Verlangen Sie Prospekte! der an da« Ministerium für Voiksaufklärung und Propaganda, Berlin, gerichtet war, und in welchem die deutschen Amsstellen ersucht wurden, mittete Radio alle Auslandsdeutschen zur Boykotticruag der Juden aufzufordern und ihn (Dr. Chvatal) mittels Ansichtskarte verabredeten Inhaits hievon zu verständigen. Die Drucker Beer Vater und Sohn gestanden, 5000 Exemplare des Flugblattes im Auftrage Chvatals hergestellt zu haben. Kojer gestand, im Auftrage Chvatals sich an der Verbreitung beteiligt zu haben. Chvatal erklärte vor Gericht, er personlich sei nicht judenielndlich eingestellt Der Gerichtshof erkannte Kojer und Dr. Chvatal des Vergehens nach § 14/2 Schutzgesetz schuldig und bemaß die Strafe bei Kojer mit einem Monat strengem Arrest und 200 Kc Geldstrafe, bei Dr. Chvatal mit zwei Monaten strengem Arrest und 2000 Kc Geldstrafe. Diese Strafen gelten durch die Haft als verbüßt, auch hinsichtlich der Geldstrafen. Die Buchdrucker Ludwig und Otto Beer wurden wegen Uebertretung nach 3 9 Preßgesetz, bzw.? 42 Schutzgesetz, zu 14 Tagen Arrest, Otto Beer wegen Uebertretung der 88 5 St. und 9, 17 Preßgesetz zu 300 Kc, eventuell sechs Tagen strengem Arrest verurteilt. MATURASCHULE „UNIVERSUM" II IX, GARNISONGAS8E 3. TELEPHON A-20-4-4S R| Die katholische Kirche gegen das Rassenprinzip Aus Paris: Bei den Triduum-Feiern von Lour. des, an denen 250.000 Menschen teilnahmen, erklärte der Legat des Papstes, Kardinal-Staatssekretär Paed Ii, u. a., die katholische Kirche verurteile den Aberglauben betreffend Rasse und Blut; diese Philosophie beruhe auf Prinzipien, die in direktem Gegensatz zu den Prinzipien des christlichen Glaubens stehen. Mit diesen Prinzipien wird sich die katholische Kirche niemals und um keinen Preis aussöhnen. Die „Bene Israel" als Juden anerkannt Aus Bombay (J. T. A.): Das Oberste Gericht von Rangoon hat in dem Streit der „Bene Israel" gegen die Musmeah-Yeshuah-Synagoge die Entscheidung getroffen, daß die „Bene Israel" als Juden zu gelten haben. Der Prozeß wurde noch vor zwei Jahren angestrengt. Die Verwaltung der Rangooner Synagoge weigerte sich, die „Bene Israel" als Juden anzuerkennen und 'hnen Rechte als Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und auf die Mitbenutzung der Synagoge einzuräumen. Es wurden Gutachten des Oberrabbiners des Britischen Reiches, Doktor J. H. Hertz, des Chacham Dr. Moses Gaster sowie rabbinischer Autoritäten Palästinas und des Irak eingeholt. Die „Bene Israel", die heute über 20.000 Seelen zählen, behaupten, daß ihre Ahnen ursprünglich aus Palästina kamen. Aeußerlich sehen sie ganz wie Hindus aus. Ihre jüdische Tradition ist 1 ü c k e n h a f t, doob zeigen sie in letzter Zeit das Bestreben, ganz die jüdischen religiösen Gepflogenheiten anzunehmen. Aus Deutschland Sprechverbot für Buber, Woyda und Weil Aus Prag. (J. T. A.) Wie mitgeteilt wurde, hat das deutsche Propaganda-Ministerium ein Verbot des öffentlichen Auftretens in Versammlungen an Führer jener Gruppen im deutschen Judentum erlassen, die für ein Verbleiben von Juden in der deutschen Heimat Propaganda machen. Von diesem Verbot wurden u. a. der bekannte Führer des religiös-liberalen Judentums Bruno Woyda und der Vizepräsident des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Bruno Weil betroffen. Einen tiefen Eindruck machte es auf die jüdischen Kreise, daß seit einiger Zeit auch der jüdische Gelehrte Martin Buber, seit Hermann Cohen's Tod die repräsentative Gestalt des deutschen Judentums, mit einem Sprechverbot belogt wurde, das sich auch auf seine Lehrtätigkeit in dem von ihm geschaffenen und jetzt geleiteten Frankfurter Jüdischen Lelirbaun erstreckt. Buber hat in seinen öffentlichen Reden und in seinen Aufsätzen mit keinem Worte den Nationalsozialismus und das herrschende Regime in Deutschland kritisiert, sondern lediglich in scharf herausgearbeiteten Formulierungen der jüdischen Wesenswerte und insbesondere der Zions-Idee versucht, den deutschen Juden Trost und Mut zuzusprechen. Ein neuer Erpressungsfeldzug Aus Leipzig. (J. T. A.) Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" vom 14. April und andere Zeltungen bringen folgendes Inserat: »»Firmen und Geschäftsleute, die Insbesondere während der wirtschaftlichen Kriaenjahre von Juden betrogen oder geschädigt, oder deren Notlage ausgenutzt worden ist, wollen zum Zweck einer gemeinsamen Aktion ihre An. schritt bekanntgeben anter usw." Diese Inserate scheinen einen neuen Erpressungsi'eldzug vorzubereiten, wie er nach der Ergreifung der Macht durch Hitler in ganz Deutschland im Gange war. Mit Hilfe der damals allmächtigen SA, deren Mitglieder laut Befehl Göringa von einem staatlichen Organ nicht angerührt werden durften, konnte jeder Niehtjudc, der jo mit einem Juden Geschäfte machte und sich einbildete, beeinträchtigt worden zu sein, oder der überhaupt Lust hatte, mit den Juden „abzurechnen", von seinem jüdischen Partner eine „Entschädigung" herausholen, in welcher Höhe er wollte. Zu jener Zeit ist. ein großer Teil des jüdischen Vermögens in Deulsi-hlaiHl In die Hände von Erpressern gelangt.. Der Cid eines luden Aus München: In Landau (Pfalz) fand vor kurzem ein Meineidsprozeß gegen einen halbjüdischc-n Angeklagten, Scharf f, statt. Im Rahmen des Plaldoyers führte nach dem Bericht des „Landauer Anzeigers" vom 12. April der Staatsanwalt G r a ß 1 bei der Würdigung von Eiden u. a. aus: „Die Persönlichkeit Schnepfs (Zeuge gegen Scharff) sei in jeder Beziehung einwandfrei. Seinen Angaben sei daher unbedingt Glauben zu schenken. Auch wenn Otto Scharff ein unbescholtener Mann wäre, müsse sein Eid ganz anders beurteilt werden als der Eid Schnepfs. Hier stünden sich zwei Welten gegenüber, auf der einen Seite der Arier und Frontoffizier, auf der anderen Seite der Jude Scharff. Kein Gericht in Deutschland könne den Eid des Schnepf zurückstellen hinter dem Eid des Angeklagten. Das wäre eine Rassenschandc." Der Staatsanwalt fuhr fort: „Sie wissen sclb3t, daß das Religionsgesetz der Juden sagt, der Christ sei ein Goi, ein V i e h, und daß man in einem Prozeß gegen einen Goi einen Meineid schwören dürfe." Kein Staatsbürgenrecht für Juden Aus Berlin: Die Befürchtungen der Juden, daß die neue nationalsozialistische Verfassung ihnen die Staatsi-vür^orrechtc nehmen wird, haben sich bestätigt. Reichsminister Dr. Frick hat in der „Berliner Nacht- Ausgabc" erklärt: ,.Die Verleihung des Staatsb'lrgerrechtes muß an bestimmte Bedingungen geknüpft werden, unter denen sich auch die Bedingung der rassischen Zugehörigkeit zum deutschen Volk befinden wird." Gegen „unzeitgemäße" Veranstaltungen Aus Berlin: Die Rcichßvertrctung der deutschen Juden teilt mit: Die Reichsvertretung hat vor einiger Zeit bei den jüdischen Gemeinden und Organisationen, den jüdischen Zeitungen und Gemcindeblätlern eine Aktion unternommen, um Zahl und Form der jüdischen Veranstaltungen der Lage des deutschen Judentums anzupassen. Bedauerlicherweise gibt es noch immer einige wenige Kreise, darunter leider auch Untergruppen jüdischer Organisationen, die es mit dem Emst der Zeit für vereinbar halten, Fest- und Ball- Veranstaltungen abzuhalten. Wir wissen uns mit der erdrückenden Mehrheit des deutschen Judentums, das mit Würde und innerer Haltung seine Sorgen trägt, einig, wenn wir auf das Entschiedenste das Verschwinden solcher Veranstaltungen fordern, die das Bild des deutschen Judentums verfälschen. Wir erwarten, daß die. deutschen Juden durch ein Fernbleiben von Veranstaltungen, die d*ff Forderung würdiger Zurückhaltung nicht entsprechen, IWr Verständnis für das Gebot der Stunde bekunden. Menschen mit unregelmäßiger Herztätigkeit können durch gewissenhaften Gebrauch des natürlichen „Franz- Josef "«(Bitterwasser ausgiebigen Stuhlgang ohne Anstrengung erzielen. Acrztlich bestens empfohlen. Palästina am Roten Meer Von Dr. J. Adle r, Tel-Aviv Vor kurzem traten Großbritanniens „High Commissioner" für Palästina, Sir Arthur Wauchope, Großbritanniens „High Commissioner" für Aegypten, Sir Miles Lampson, und der Chef des Empire-Generalstabs, General Montgomery- Massingberd, zu einer Aussprache über die Orientpröbleme der britischen Reichsverteidigung zusammen. Recht merkwürdig war die Lokalität, die die Herren sich für ihr Stelldichein erwählten: nicht die komfortable „Residency" in Kairo und nicht das hochragende „Government House" auf stolzem Bergesgipfel im Süden Jerusalems, sondern — das einsame Fischerstädtchen A k a b a am gleichnamigen Golf, dem Nordwestzipfel des Roten Meeres, jenem verlassensten Winkel des Mittleren Ostens, in dem mit den verödetsten Ausläufern ihrer Territorien vier Länder: Aegypten, Palästina, Transjordanien, Saudi- Arabien, aneiundergrenzen. So trostlos Akba, das offiziell „transjordanisch" ist, auch heute noch daliegt, wird es vermutlich, wenn jene intime „britische Reichsverteidigungskonferenz" ihre Früchte trägt, bald zu ungeahntem Leben erwachen, Ueber die Pläne Englands« dort ein „Gibraltar44 des Roten Meeres zu errichten, eine neue Trutzfeste und Flottenbasis zur Flankensicherung des Seeweges nach Indien und Australien, schreibt gegenwärtig insbesondere die ägyptische Presse höchst ausfuhrlich, während die palästinensischen Zeitungen sich nur wenig interessiert zeigen. Diese seltsame Interesselosigkeit in unserem Lande gegenüber dem Akaba-Problem ist leider recht charakteristisch. Der geographischen Tatsache, daß Palästina an zwei Meeren liegt, sind selbst die geborenen Palästinenser sich nicht immer ganz bewußt. Unser Handel und Verkehr konzentriert sich heute in der Richtung nach dem Mittelmeer. Wer denkt daran, daß Palästina zugleich an das Rote Meer, an die Welthandelsstraße nach Südasien, dem Feinen Osten und dem Pazifik, angrenzt? Typisch für diese Vernachlässigimg eines wichtigen geographischen Faktors ist es, daß selbst auf zahlreichen Palästina- Landkarten der äußerste Zipfel unseres Südbezirks — Pension Koch, Haifa Hadar-Hakarmel H«rmon StrMl SO T«f«fHi9H Wt Haus ersten Ranges / Herrliche ruhige Lage / Kühle Räume j Modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser / Gepflegte koschere Küche / Mäßige Preise. „Negev" der den Golf von Akaba erreicht, meistens unsichtbar bleibt. Bis zu einem gewissen Grad läßt sieb jene Gleichgültigkeit damit entschuldigen, daß unser Territorium am Roten Meer bisher fast unzugänglich war und keinerlei wirtschaftliche Bedeutung aufwies. Da aber wir Juden in Palästina schon oft gerade das. was anderen wertlos vorkam, mutig aufgegriffen und unerwartete Werte daraus geschaffen haben — aus Sümpfen das heutige Chedera und den blühenden Emek Jesreel, aus Dünensand die Großstadt Tel- Aviv —, so sollte auch der palästinensische Küsten-; strich am Roten Meer rechtzeitig von uns beachtet und unter verschiedenen Gesichtspunkten erschlossen werden. Der stärkste Einwand gegen alle derartigen Anregungen war bisher die Schwierigkeit der Verkehrsverbindungen gewesen. Hierüber wird jedoch in einigen Jahren gewiß nicht mehr zu klagen sein. Die britische Mandatsverwaltung Palästinas betreibt gegenwärtig aus begreiflichen Gründen in aller Eile den Anschluß des Akaba-Golfes an das palästinensische Au tostraßennetz, von Gaza und Berscheba aus. Somit wird es bald eine Kleinigkeit sein, von Jerusalem oder Tel-Aviv nach der Rote-Meer-Küste zu reisen, was heute noch eine komplizierte Wüstenexpedition darstellt. Eine strategische Straße würde uns freilich immer noch wenig interessieren, wenn die von ihr durchschnittenen Gebiete absolut unproduktiv wären. Dies aber kann vom Negev nicht mehr restlos behauptet werden. Durch moderne Tiefboi-nmgsmethoden werden weite Strecken, die bisher völlig brachliegen, zu bewässern sein und mannigfache landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen. Weiterhin sind die Aussichten der Mineralienproduktion zu nennen. Vor einiger Zeit hat eine Archäologengruppe in dem heute ganz vereinsamten Gebiet zwischen dem „Jam Hamelach" und dem Golf von Akaba, bei der biblischen Stadt Ezeon-Geber, die Kupferminen König Salomos wieder aufgefunden. Nun ist die Tatsache, daß es in jener Gegend Kupfererze gibt, uns keineswegs neu. Auch kennt man dort seit langem das Vorkommen von Manganerzen. Ob sich nun im Negev ein Kupferbergbau künftig rentieren wird, ist noch ein Problem der wissenschaftlichen Untersuchung, der Produktionstechnik und der internationalen Marktentwicklung. Günstiger werden die Aussichten der Manganerzgewinnung beurteilt. Außerordentlich wichtig erscheint. — nicht nur in wirtschaftlicher^ sondern auch, wie gewisse englische Verlautbarungen und Dispositionen erkennen lassen, in politisch -strategischer Beziehung — die Suche nach Erdöl im Negev. Zuerst haben darüber viele in Palästina und im Auslande, die sich für sachkundig hielten, ungläubig gelächelt. Heute muß jedoch, wie letzhin einige recht aufschlußreiche Debatten im englischen linterhause zeigten, angenommen werden, daß das Negev-Krdöl eine Tatsache ist, die auf die weitere Entwicklung jenes Himmelstrichos entscheidend einwirken wird. Bisher befinden sich die dortigen Bohrkonzessionen in den Händen der *Irag Petroleum

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