Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 460 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« i Dtt5 WEUB Nr. -A» 13 x BERGMANN, I. ^lUkMJULUMäa ^mm^wa&xJi ^*&iW**n*Z*g SÄMTLICHE AftTlfttt fN WAltrtt UND wukwarin SPOTTBI LLI 0 I Ftkrvni I« CTtAHA Mem««* (v«n 6*80 «irfw.) 3 RUNDSCHAU Exil — Diaspora — Galuth »er bekannte jüdische Nationalökononi Doktor Kaplun^KOgan, der in Kopenhagen als Emigrant wohnt und ein Werk über die Wirtschaftsgeschichte der Juden zur Veröffentlichung vorbereitet, hat hier in einem Vortrag den Grundgedanken dieses Werkes entwickelt. Er gibt dem Begriff: „Exil — Diaspora — Galuth" eine neue interessante Definition. Diese scheinbar identischen Begriffe sind grundverschieden und bedeuten drei 3 c b a r i" a b g e« grenzte Epochen der jüdischen Geschichte. Obwohl das jüdische Wort Gallith in dar Bibel schon auf die Zeit des assyrischen und des babylonischen Exils angewendet wird, sind doch damals Juden in beiden Fällen eben nur im Exil gewesen, und zwar nur die obere Klasse. Das Volk im großen und ganzen ist in seiner Heimat geblieben, und eben dadurch sei es nach der Rückkehr der Exulanten möglich gewesen, den J ü rt 1schen Staat wieder aufzubauen. Solche Episoden treffen wir auch in der Geschichte anderer Völker und sie haben nichts gemein mit der gegenwärtigen Zerstreuung, die die Juden so scharf von anderen Völkern unterscheidet. Auch die Diaspora vor und noch lange Zeit nach der Zerstörung des zweiten Tempels sei keine typisch jüdische Erscheinung gewesen. Die Juden gründeten damals freiwillig aus wirtschaftlichen und anderen Gründen Kolonien in der ganzen damaligen Welt und diese Kolonien waren wirtschaftlich, geistig und sogar politisch auf das engste mit dem souveränen und halbsouveräne 11 jüdischen Staat verbunden gewesen. Die Juden in der Diaspora konnten die Intervention Jerusalems anrufen und Jerusalem seinerseits konnte im Namen aller Juden in Palästina und in der Diaspora sprechen. Aehnliebc Verhältnisse treffen wir auch bei anderen Völkern, wie z. H. Millionen Ausländsdeutschen Schweden, deren Zahl im Auslande die Bevölkerung im Staate übertrifft, usw. Erst im Jahre 135 der ehr. Aera. nach der blutigen Unterdrückung des Aufwandes Bar-Kochbas. nach dem Märtyrertod Rabbi Akibas und nach der völligen Entrechtung und Vertreibung der Juden aus Jerusalem, beginnt die typische jüdische Erscheinung, die bereits 1800 Jahre dauert: die Galuth: das Leben in Zerstreuung, ohne politisches und ohne geistiges Zentrum. Die gegenwärtige Entwicklung in Palästina, die Bildung eines jüdischen politischen Zentrums in diesem Lande, betrachtet Dr. Kaplun-Kogan als die beginnende Rückkehr von der Galuth zur Diaspora, als das beginnende Ende der Galuth, auch wenn noch Millionen von Juden in absehbarer Zeit fe.rn von Palästina bleiben. Die gewaltige Aenderung der Geistesverfassung dieser Milionen unter Einwirkung der in der historischen Heimat vor sich gehenden Arbeit sei schon jetzt für jeden sichtbar. (J. T. A.) Prozeß eines jüdisdien Nazi» Dr, &etfters „Jüdische Wocheupost" auf der Anklagebank Knapp nach Etablierung des Hitler-Regime« In Deutschland erschien in Bielitz (Polen) ein Wochenblatt unter dem Titel „Jüdische Wochcnschrlf t", als* deren Herausgeber ein Dr. Fritz Scifter, Korrespondent der „Neuen Freien Pres**;" (Wien), zeichnete. OKich die ersten Nummern zeigten Im Inseratenteil große Ankündigungen der Leipziger Meute und anderer deutscher Firmen sowie ausführliche Stimmen Über die Bedeutung und den Wert de» deutschen Welthandels. Es war ersichtlich, daß Dr. Fritz Scifter eine bezaldte Propaganda für das Dritte Reich machte. Wir erachteten es damals als unsere jüdische und journalistische Pflicht, auf diese Haltung eines jüdischen ZeitungshfTaungebers aufioerknani zu machen, uud zahlreiche Zuschriften und Anfragen in unserer Redaktion bewiesen uns, daß unser Kampf für die Reinheit des Jüdischen Namens viel Widerhall in der OeffpnUiohkeit gefunden hat. Wir appellierten auch damals an die Geslnnnng der Bielitzer Juden, von dem Organ des Dr. SeiPbr-r ostentativ abzurücken. Nun wird uns von einem Prozeß berichtet, dT seitens Dr. Seiftors gegen den jüdischen Emigranten Rechtsanwalt Gustav Hiroon (Berlin) dieser Tag« geführt wurde. Der genannte Dr. Simon warf in einem Brief an Dr. S"itUr diesem vor, daß die „Jüdische Wochenpost" von der H i 1. e r - R e. g i e r u n g subventioniert werde. f>r. Simon war früher ein angesehener Rechtsanwalt in Berlin, wurde durch die Hltter-Regierung ge- «ivungen, Deutschland zu verlassen und lebt jetzt in großer Armut in Polen. Ihm machte sich die „Jüdische Wochenpoat" dadurch verdächtig, daß sie mehrmals die Juden aufforderte, den Boykott gegen Nazi-Deutschland einzustellen. Wolters machte Dr. Simon in seinem Brief dem Herausgeber dfv „Jüdischen Wochenpost" zum Vorwurf, daß er von den sogenannten national-deutschen Juden vom Schlage des berüchtigten Dr. Naumann gestützt werde, welche ein Interesse an der Existenz einer hitlerfreundlichen jüdischen Zeitung hätten. Der Ehrenbeleidigungsprozeß hat in der breiten Oeffentlichkejt riesiges Aufsehen hervorgerufen. Das Gericht sprach den Angeklagten Dr. Gustav Simon auf Grand de« erbrachten Wahrheit«hewel»«« frei und verurteilte den Klüger Dr. 8 e i f t e r, den Herausgeber der „Jüdischen Wochenpost", rar Bezahlung der Gerichtskosten. Dr. Seifter ist nl#o als Propagandist de« Hitler-Regimes gerichtet. MOSCHE KERZNER LEA ROKACH tmpfthltn $itti »Ii VtWeVe Witn, im Nis.er, 5495 Benjamin Rokath Helene Groft Wien U VTi?n I ftwofoli!« .»X-b ats Verlobte Wier. im Nissin fW05 Zur WT'.nh-jnp unserer irchwesrlftr. hft.yr. Ek'hwäf.-srln ■ Fr!« Loste Mehr mit Hertn 8alo Rechter STfttulU'ien herzlichst Ütorkantor J. Wabyru»un nnt! Frsn ood Adolf Mehr Die Inden Norwegens ehren a>r« Lange Aus Oslo wird gemeldet: Am 14. April fand hier eine große Festveranstaltung der Juden Norwegens statt, die dorn zehnjährigen Jubiläum der Hebräischen Universität gewidmet war. Bei dieser Veranstaltung wurde dem norwegisches Völkerbunddelegicrten und Generalsekretär der Norwegischen Fried eusgesellschaft, dem Nabcl-Friedenspreisträger Dr. Christian L. Lange, das Diplom seiner Eintragung ins Goldene Buch das Jüdischen N a t i o« nalf onda überreicht. Erst hifilt Rabbiner Julius Samuel einen Vortrag Uber die Geschichte der Habräischen Universität. Sodann überreichte der Vorsitzende der K.-K.-L.-Kommis- 3lou, Herr Job» Jakobsen, das mit den jüdisehen und norwegischen Farben geschmückte Diplom an Dr. Lange. Mit Ergriffenheit dankte er> dem großen norwegischen Menschenfreund für das warme Interesse, da» er im Rahmen seine* hohen Amtes beim Völkerbund dem jüdischen Volke und dem jüdischen Lande bewiesen habe. Fr war auch darin würdig seines großen Vorgängers Frithjof Nansen, dem das Judentum Norwegens die gleich'1 Ehre erwiesen hat, um ihm für sein Wirken zu danken. Im Jahre .1931 hatte Dr. Lauge — dar jeweilige norwegische Delegierte hat einen ständigen Sitr. in der Mandatskommission (zu Ehren Nansens) — in einer historisch gewordenen Rede über das Jüdische Nationalheim in Palästina an die Pflichten gemahnt, die die V ö 1 k e r mit der Ratifizierung der Balfour- DeWaration auf sieb genommen haben. Norwegen hat da« System der Behandlung von Mandatsfragen in der Oeffentlichkeit der Vollversammlungen bekanntlich eingeführt, und durchgeführt. Und als das Schicksal der detitocheu Juden im Völkerbund behandelt wurde, war es Dr. Lange, der mit Nachdruck hervorhob, Fragen der Humanität und?nrer Sicherung gingen alle Völker an und man könne sie nicht mit formalistischen Vorwänden ignorieren. Dr. Lange dankte ergriffen für die spontane, minutenlange Huldigung durch das begeisterte Publikum und für die Ehrung, die ihm zuteil gerworden war. Zum Schluase wurden die norwegische Nationalhymne und die „Hatikwah" gesungen. MVflk »nd im eigenen Stimmung Heim durch •08 8r •«*»•• phMihn* Schallplatten JtM üiftWlfApparate u Platten aMer Marken nClIIICl IX,W8hrinBar8tr.82 A-11-7 59 (auch Hebrftlaohe. Jargon, Rü«ita<rhe u. a.) Nene Zionistenveffolgungen in Sowjet» rnßtand Aus Jerusalem wird gemeldet: Nach Berichten, die kürzlich in Palästina eingetroffen sind, haben in der letzten Zelt die Verfolgungen von Zioniaten in Sowjetrußland an Schärf*! zugenommen. In der Zeit »wischen September 1034 und Februar 1935 sind in Moskau 40 Zionisten verhaftet worden, darunter viele, welche schon früher nach Sibirien verbannt oder m achtjährigem Kerker verurteilt worden waren. In dem Prozeß gegen diese Zionisben, wolcher von der Cr. F. U. organisiert wurde, sind die meisten zu fünf Jahren Kerker oder zu dreijähriger Verbannung verurteilt worden. Zahl» reiche Briefe russischer Zioniaten langen in Palästina ein. in welchen um Hilfe und um die Möglichkeit der Ausreise gebeten wird. .Stark«'« Unlieben v«rur>m«ht BUdnng g*Ib«ir, t>*»0n«r otler *<kw*rwr WelU/» »nf dt»n ZHhitan. Für Raucht»- und ftaucherlnnen irtt daher die ro^liiiAßizt!, täglich mehrmalige Zidinpfleg« mit Odol-2ahnpa«ta ein« unbedingte Notwendigkeit, Venn »ie der Verfärbung der Zähne rorbnugen wollen. Odot<3*hnp«0U reinigt die Ztthne sicher, ohne <l«n Zahunohmeln anzugreifen, Odol- ZahnpasU hat iu/olgo ihre« hoben Gehaltes aa kolloidalen Bestandteilen die größte Alwwrptlon»kraft; nie beseitigt daher alle Unreinlgketten, unangenehmen OerQr.he und eile F»rh»toffe, die etw* durch fUuehos. Speisen und Getränke ua den Zahnen haften um* ihre Verfärbung herbeiführen können. Odoi-ZahnpeeU macht weiOe Zahne u&4 verleiht reinen Atem, Jisdenslaatspartci Oeilerreichs Sonntag, den 5. Mai: Sektion Leöpoldstadt, H*, Taborstrafle 21 a, halb 8 TJhr aöends, Heimabend mit anschließendem Tanz. Montag, den 6. Mai: Sektion Leopoldstadt, II., Taboretrafle 21 a, halb » Uhr abends, Mitgliederversammlung. Referent: FriU B l e b t e r. — Frauenorganisatiou. .JÖeborah": Halb P Uhr abends im Heim, II., Kl. Zufahrtstraße 166, Vortrag Frau Fanny Katz. — Bezirksgruppe Brigittenau, Heinaelmanngassc 20, halb 9 Uhr abends: Vortrag Dr. Sal. Wolf: „Der XIX. Zkmistenkongreß und die Forderungen der Judenstaatspartei". Dienstag, den 7. Mai: Judenataatsjugend. Mitgliedervollversammlung um halb 9 Uhr abends im Zentralheim, I-, Werdertorgassv) 11. Referent: Frtts Richter.— Sektion XW/XV. Schanas'traße 32, unj halb 0 Uhr abend* Vortrag Josef Frankel: „Der XDC. Zionistenkongreß und die Forderungen der Judenstaatspartei". Mittwoch, den 8. Mai: Mitgliederversamxniuttf: im Helm, I., Werdertorgasoe 14, um halb 0 Uhr abends. Referenten: öterbnurat Robert Stricker, Frits Richter. Neuer Hebräischkurs. Demnächst beginnt ein neuer Hebräischkurs für Anfänger unter I.«eitung von Rabb. Dr. I. Z. Kanne r. Anmeldungen täglich ftiit Ausnahme von Freitag von 8 bis 9 Uhr abends im Sekretariat, I., Werdertorgasse 14. Die JudenAtaatepartri, •fudenstaatftjajr.end n»d Heohalaz Halotuni gratulieren ihrem verdienstvollen, langjährigem I^itungstnitgiird Herrn Moaohe Kenner ra seiner Verlobung mit Frl. Lea Rokach aufs hertliehatc. Iuden»laat§p«rfei Oetlerreidii Gan Obere« Murtal, H\tz Dodenburg Sonntag, den 3. Mal, um & Uhr jmcfcmittag* feierliche EinwelbaDK de« Verelnshoims in Judenborg. Programm: Begrüßung durch Gauobnjann H«rrw Kommerrialrat F. B e> n c d e k. - - Anbringung der M*- suaa. — Ansprache de« Vorstand«» d«r Instttutton d«r iaraolitisciimi Kultu&gemeinde Jndenburg, Herrn Adolf Gottlirh. — Provlnxreforont Herr Dr. Fftlix Klug, Oraz. — Leitungsmitgli u Herr Theodor Grnbner, Wien. — Festrede des Obmannes der Jud<^n«taat»zionisten Oeatcrreich«, Herrn Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Wien. Nach der pause: Unterhaltungsabend mit Tan?;. — Buf^t* Im Heim. NotMlivei de* sfiffarabisdhcn luden l Aus Jerusalem (J. T. A.): Die palästinensische Presse veröffentlicht einen erschütternden Hilferuf von in Palästina lebenden jemenitischen Juden zugunsten ihrer Brüder im Jemen. Darin wird geschildert, wie die jüdische Bevölkerung der südarabischen Halbinsel dem Iman J a h i j a auf Gnade und Ungnade ausgeliefert Ist. Versucht <vs ein Jude, der jemenitischen Hölle zu entfliehen und nach Palästina auszuwandern, so wird er, wenn er gefaßt wird, ajs ein Schwerverbrecher behandelt und umgebracht, während die j ü d i- «chen Führer seiner Stadt in den Kerker geworfen werden. Gelingt es einem Juden dennoch, über die Grenze xu kommen, so werden aus der Mitte der jüdischen Bevölkerung seiner Stadt G e i s c l n ausgehoben und in den Kerker geworfen, ihr Vermögen wird konfisziert Die Unterzeichner dieses Schreibens fragen, warum aieh keine jüdische Instanz findet, die sich für die verfolgte jüdische Gemeinschaft im Jemen einsetzt, Präsident MasaryU an Nahum Sokolovr Aus Jerusalem, 29. April (J. T. A.): Der Präsident der zionistischen Exekutive, Nnhum 8 o k 0 1 o w, erhielt während seiner Anwesenheit in Jerusalem ein in warmen Worten abgefaßte« Schreiben des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Thomas G. Masaryk, in welchem Präsident Masaryk sehr bedauert, daß es ihm im Zusammenhang mit seiner nunmehr überstandenen Krankheit nicht möglich gewesen war, wie beabsichtigt, ein Vorwort zu Sokolows Buch „Chibat Zion" (Liebe su Zion) zu schreiben. „Sie wissen" — achreibt Präsident Masaryk an Sokolow — „mit welchem Interesse Ich Ihre Arbelt und das, was in Palästina geschaffen wird, verfolge. Sie haben eine; der wichtigsten Rollen beim Gewinn der Weltöffentlichkeit für den Gedanken des Jüdischen Nationalheims gespielt. In dem jetzigen Moment, wo das jüdische Volk wiederum eine schwere und traurige Periode durchmacht, wird Ihr Buch eine nützliche Aufgabe erfüllen, indem es eine wissenschaftliche Formulierung der Philosophie des Zionismus gibt. Ich sende Ihnen meine besten Wünsche, — Ihnen und allen, die Ihnen n*he»te.hen und teuer sind.'« Gefängnisstrafen für Judenboykott-Propa^uda Aus Trag: Vor dem UMmerltzer Kreisearicht hatte sich der Aussiger Rechtsanwalt Dr. Friedrich Chvata 1 wegen Vergehens nach dem Schutzgesetz zu verantworten. Ende August 1D34 war zur Kenntnis der Behörden gelangt, daß in Aussig, Töplitz und an anderen Orten eine organisierte Boykottbewegung gegen die jüdischen Advokaten im Gange ist. Seitens der Staatsanwaltschaft in Leitmerltz wurde auf Grund der durchgeführten Erhebungen gegen Dr. Chvatal, den Tischler Karl Kojer, den Burchdrucker Ludwig Beer in Karbitz und dessen Sohn Otto Beer die Anklage erhoben, in der es u. a. heißt: Bei einer HauMuchunf in der XMvatwotaWf von Di. Chvatal wurde der Durchacblaa; «inet Briefe«, " "