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Die neue Welt · 1935-04-30 · Heft 459 (30.4.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 459 (30.4.1935)
Date
1935-04-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 45$ DIE NETTE WELT Seit« 3 .1 Mit Mussolini gegen England und den Zionismus „Palcor", die Korrespondenz, der Zionistischen Exekutive In Jerusalem, meldet: In der letzten Woche waren in der arabischen Presse seltsame Oierüchte über ein Geheimabkommen der Partei des Groß-Mufti und Mussolini zu lesen, welche schließlich durch die sensationelle, Veröffentlichung einer photographischen Kopie eines Schreibens des bekannten arabischen Führers Sahib Arslan an den Groß-Mufti in Jerusalem eine Bestätigung erfuhren. Es wird behauptet, daß die arabischen Nationalisten sich verpflichtet hatten, in den arabischen Ländern eine p r o - 11 a 11 e n i s c h c Propaganda zu führen, um die Stimmung der Arabe'r im Sinne einer pro-italienischcn Politik umzuorientieren. Italien hat sich — so wird behauptet — verpflichtet, im Falle eines Weltkrieges, wahrend Englands und Frankreichs Aufmerksamkeit anderweitig in Anspruch genommen ist, zugunsten der arabischen Unabhängigkeit und der Einverleibung von Palästina und Syrien in ein groß arabisches Kelch zu Intervenieren. Arslan, der im vorigen Sommer den Groß-Mufti nach Mekka begleitete und später mit ihm in Jerusalem konferierte, schrieb ihm aus Genf am 20. Februar, er habe in Horn mit Mitgliedern der italienischen Regierung über den Gegenstand seiner Besprechungen mit dem Mufti in Mekka und in Jerusalem verhandelt und sei befriedigt; bei seiner letzten Besprechung mit Mussolini habe er persönliche Versicherungen Mussolinis erhalten. Er sei überzeugt, daß Italien es nicht wagen wird, die Araber so zu behandeln, wie England, die pro-italienlsche Propaganda sei sofort zu beginnen, um für eventuellen Ausbruch eines neuen Weltkrieges gerüstet zu sein. Die Veröffentlichung dieses Schreibens bedeutet einen schweren Angriff der Gegner des Groß-Mufti, der durch diesen Brief gegenüber England schwer kompromittiert wird. Das Mufti-Organ bemüht sich, die Echtheit des Schreibens zu widerlegen. Doch dürfte dies nicht leicht sein. DER rP MCKE und DER der Grüße und der Kleine alle sind gut gekleidet durch SCHIFFMANN Für den DONNEN: '3»flrt«?tii3itft, '2 leiHn . S fflScilt'iito?. flHnbc'MnsuflS 30-~ Xrcntfkoat, ffiatofuttet S ,"vrü[iiol)i-«>'äHantcr, flef. S18*— *rtt<tcrßo<frt . 8 9-80. S T'W '.ntcbc'öcmbcit. 2.»roq. S 4'80 Wobcufuitc, (Ulf Etilen S 6-90 ^orcalf.iöüIbfriiHfjc . . S 12 90 Für den DICKIN s Älciber Bf« (Stöße «0 -<jcmöcn biö dalätocitc 50 Hnfctftofctt fclfl Dattrfj. »vette 150 cm SdjafmoIljßnTcr . . ,S 13-flfl £ltaßcn«9(n$üfic . . . S 58"-- .'Cr.rrctt'Stcif'fttflqett «S —-38 <2frnHii,v.«itieIiofe ..S 1'88;lnbantl)r.«^cm&,2Ära.S 8"90 SCHIFFMANN TABORSTR.*t8 Jüdisches im Radio Mittwoch, den 1. Mai: 18.30 bis 18.50: Poste Parisien (312,8 m): Religiöse Aussendung von der Vox d'Israel. Donnerstag, den 2. Mai: 19.15 bis 19.45: Kopenhagen (255,1 m): Oberrabbiner Dr. M. Friediger: Palästina von heute. Freitag, den 3. Mai: 11.45 bis 12.15: Radio Paris (1648 m): Aussendung aus der Voix d'Israel. Samstag, den 4. Mai: 12.05 bis 12.50: Wilna (565 m): Jüdische Musik auf Schallplatten. JUDENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS Wie ferner gemeldet wird, hat die Veröffentlichung des Schriftstückes in den arabischen Kreisen große Erregung hervorgerufen. Die arabische Zeitung „Falastin" berichtet, daß der Groß-Mufti den britischen Obcrkommissär Sir Arthur Wauchope besucht habe, um sich zu entschuldigen, und ihm versichert habe, daß er an den Nidits gelernt Man schreibt uns aus Prag: Die tschechoslowakischen Zionistenführer haben einen folgenschweren Schritt unternommen. Sie werden bei den kommenden Wahlen ins Parlament nicht, wie bisher, eine eigene jüdische Liste aufstellen, sondern auf der Liste der tschechischen Sozialdemokraten kandidieren. Sie begründen das mit dem Hinweise darauf, daß die neue Wahlordnung es ihnen unmöglich macht, als selbständige Wahlwcrber Mandate zu erlangen, während ihnen so seitens der Sozialdemokraten zwei Mandate garantiert werden. Keine noch so plausibel klingende Entschuldigung kann darüber hinwegtäuschen, daß hier ein Bruch mit den zionistischen jüdisehnationalen Grundsätzen vorliegt. Der Sinn zionistischer Landespolitik ist ja der, die Juden von Kultur- und Klassenkämpfen und Konflikten anderer Nationen abzuziehen. Vergangenheit und Gegenwart beweisen, daß jede andere Politik den Juden letzten Endes nur Unheil bringt, wenn auch Mandate. Die deutsch-liberale Politik der Juden hat ssinerzeit den tschechischen Antisemitismus gefördert. Die sozialdemokratische Politik der Juden hat sich in Deutschland und Oesterreich unheilvoll ausgewirkt. Die jetzige zionistische Kandidatur auf der Liste der tschechischen Sozialdemokraten wird, ob es die zionistischen Führer nun wollen oder nicht, als Einmengung der Juden in den tschechisch-deutschen Streit und als jüdische Förderung des Klassen- und Kulturkampfes in der Tschechoslowakei und als Provokation betrachtet werden. Im Aufruf der Zionisten heißt es: „Es ist eine Ehrenpflicht des jüdischen Volkes, die sich aus dem Pakt ergebenden Verpflichtungen zu erfüllen. Wir fordern daher die gesamte Judenschaft auf, bei den bevorstehenden Wahlen ins Parlament und in den Senat ihre Stimmen auf die Liste der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei abzugeben. Es wäre unser u nwürdig und es würde eine Gefährdung jüdischer Ehre und des jüdischen Ansehens sein, wenn wir diesen Gegendienst für die uns eingeräumten Mandate nicht loyal leisten würden." Aus dieser ängstlichen Beschwörung jüdischen Ehrgefühls und jüdischer Pakttreue spricht nicht allzu viel Zuversicht. Sollten die Herren erst jetzt darauf gekommen sein, daß sie von ihren jüdischen Wählern, z. B. in den deutschen Gebieten und in der konservativen Slowakei und in Karpathorußland, diesmal zuviel verlangen? Die Herren haben aus der traurigen Vergangenheit leider nichts gelernt. Berner Prozeß um die „Protokolle von Zion" Aus Bern: Trotz des in letzter Stunde von den antisemitischen Angeklagten eingeleiteten Vcrschloppungsraanövers wird der Berncr Prozeß in Sachen der „Protokolle der Waisen von Zion" am Montag, den 291 April, um 9 Uhr früh, im Schnurgerichtssaal in Bern wieder aufgenommen. Der Gerichtspräsident hat das Zeugenverhör als abgeschlossen erklart und ein weiteres Vernehmen von 35eugen der Klüger oder der Angeklagten abgelehnt. Die Verhandlungen werden daher durch mündliche Darlegungen der drei Sachverständigen eingeleitet werden, d. h. des Sachverständigen der Wäger (Israelitischer Schweizer Gomoindebund) Dr. Artur Baumgarton, Professors dor Rechte an der Universität in Basel, dea Sachverständigen der angeklagten Hakenkreuzler, Oberstleutnants Ulrich Fleischhauer aus Krturt in Deutschland, Herausgebers des für antisemitische Propaganda im Ausland bestünmten Bulletins „Welt-Dienst", und des vom Gericht amtlich bestellten Sachverständigen C. A. JCiOOsli, Schweizer Schriftsteller und Gelehrten in Bern. Versuchen, Palästina zu einem Zentrum einer pro-italienischen Propaganda zu machen, unbeteiligt sei. Die Veröffentlichung des erwähnten Schreibens ist zweifellos ein Symptom der Verschärfung des inneren Konflikts zwischen den arabischen Parteien. Vorläufig ist die Wirkung dieser Kampagne nicht abzusehen. Nach Anhören der Berichte der Sachverständigen werden die Anwälte der beiden Parteien ihre Plaldoyers halten. Für die Kläger wird Rechtsanwalt Prof. D. H. Matti (Nlchtjude) plädieren. Nach Anhören der Plaldoyers wird der Gerichtspräsident zum Urteilsspruch schreiten und die Motive des Urteils ebenfalls in mündlichen Ausführungen darlegen. Da die Berichte der Sachverständigen sehr umfangreich sind, und die ganze Prozedur mündlich sein wird, ist anzunehmen, daß diese Schlußphase des Prozesses fünf bis sechs Tage in Anspruch nehmen wird. FrOhlinssfahrten nach Polen Am 9., 11. und 25. Mai gehen billige Sonderzüge nach Polen ab. Rückkehr 30. Mai. Andere Aufenthaltsarrangements möglich. Anmeldung und Auskunft: Poln. Verkehrsbüro „Francopol", Wien III, Rennweg 1 (Gebäude d. Poln. Konsulats). Telephon U-16-4-90 Frivoles Spiel mit Emstein Die J. T. A. bringt folgenden Bericht über eine sonderbare Demonstration Albert Einsteins in New York: „Auf der Feier des sogenannten „Dritten Seder" im Manhattan Opera House, bei welcher die amerikanische ,> G e w e rks ch af t s - K amp agn e für das Arbeitende Palästina proklamiert wurde, rühmte Professor Albert Einstein die großen Erfolge der organisierten Arbeiterbewegung in Palästina und ihren Anteil am Aufbau des Jüdischen Nationalheims. Dabei griff Einstein scharf die Revisionisten an, die er als .innere Feinde, die die Erfolge der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu zerstören suchen', bezeichnete." HATURASCHÜLE „UNIVERSUM'* II IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 j| Wiederholt schon ist der große Gelehrte von seiner Umgebung zu Demonstrationen mißbraucht worden. In seiner Gutmütigkeit und übergroßen Gefälligkeit hat er sich bei den verschiedensten Anlässen dazu hergegeben, über Dinge, die ihm ganz fernliegen, irgend jemandem zu Gefallen tendenziöse Werturteile abzugeben. Hier liegt wieder ein solcher Fall vor. Einstein ist dem Zionismus freundlich gesinnt, aber gehört der zionistischen Organisation nicht an, war nie in ihr tätig und hat ganz gewiß keinen Einblick in die innerzionistischen Parteiverhältnisse genommen. Sein Urteil ist ihm von den Veranstaltern des sozialistischen Meetings einfach diktiert worden. Man kann zu den Revisionisten wie immer stehen, sie aber, im Gegensatz zu den sozialistischen „Lichtgestalten", als den „inneren Feind" zu charakterisieren, ist ungerecht und gewissenlos. Die zionistische Linke hat den Revisionismus nicht ideologisch bekämpft, sondern gegen ihn gehetzt. Der Mißbrauch des außenstehenden, ahnungslosen Einstein ist charakteristisch für diese Verhetzung, die jetzt gerade die traurigste Frucht gezeitigt hat, den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation, die Spaltung im Zionismus. Diese Rücksichtslosigkeit in der Wahl der Mittel auf sozialistischer Seite war es, welche den Austrittlern auf der revisionistischen Seite den Weg geebnet hat. Ein Verbrechen am Zionismus ist diese Art des innerzionistischen Kampfes, und es kann nicht streng genug verurteilt werden, daß man den großen Gelehrten in diese giftigen Treibereien hineinzieht. Todesfall. Unser Gesinnungsgenosse Georg Freud ist von einem schmerzlichen Verlust betroffen worden. Seine Mutter Auguste ist am 27. d. M. nach schwerem Leiden verschieden. Das Begräbnis findet Dienstag, den 30. d. M., um halb 1 Uhr (IV. Tor) statt. Wir sprechen Herrn Freud unser herzlichstes Beileid aus. Mittwoch, den 1. Mai 1935 um 10 Uhr vormittags im Zentralheim I, Werdertorgasse 1 PARTEIRATS-SITZUNG Tagesordnung: 1. Bericht über die Warschauer Konferenz — 2. Schekelkampagne — 3. Eventualia Punktuelles Erschoinon Pflicht! — Mittwoch-Versammlung entfallt mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm^mmmmamammmmmmm Konlerenzen der Judenstaafsparfef in Polen Wie wir bereits in unserer Ausgabe vom 26. April berichtet haben, fanden in Warschau vom 21. bis 23. April Beratungen der Judenstaatspartei statt. Zunächst tagte die Landeskonferenz der Judenstaatspartei Kongreßpolens, über deren glänzenden Auftakt wir bereits ausführlich berichtet haben. Das Hauptaugenmerk der Judenstaatler galt neben der bereits erwähnten Landeskonferenz der Kontinentalberatung der Judenstaatspartei. Bei dieser waren folgende Länder vertreten: Erez Israel, Ostgalizien, Westgalizien, Kongreßpolen, Litauen, Lettland, Tschechoslowakei, Oesterreich. Als Vertreter der Exekutive der Judenstaatspartei nahmen an den Beratungen Meir Großmann (Erez Israel) und Oberbaurat Robert Stricker (Oesterreich), der auch den Vorsitz führte, teil. Die Konferenz befaßte sich zunächst mit der Festlegung der für den kommenden XIX. Zionistenkongreß bestimmten Wahlplattform, ferner mit aktuellen Organisationsfragen, wobei beschlossen wurde, vor dem Zionistenkongreß eine Wcltberatung der Judenstaatspartei abzuhalten. Im Rahmen der kontinentalen Konferenz wurde auch die Wichtigkeit einer gi*oßen Wahlpropaganda zum kommenden Zionistenkongreß hauptsächlich mit Rücksicht auf den erfolgten Austritt der Revisionisten aus der Z. O. festgelegt und dementsprechende Maßnahmen getroffen. Oesterreich war außer durch Oberbaurat Stricker durch den Sekretär der Judenstaatspartei Theodor Grubner vertreten, der auf der Rückreise die Sekretariate der Judenstaatspartei Westgaliziens (Krakau) und der Tschechoslowakei (Mähr.-Ostrau) zwecks Information über organisatorische Fragen besuchte. Judenstaat§parflei Oesterreichs Dienstag, den 30. April: Judenstaats jugend. Gruppe Prater, II., Kleine. Zufahrtsstraße 166, halb 9 Uhr abends. Seminar für jüdische Geschichte. Referent: Viktor Rosenfeld. —- Gruppe Leopoldstadt, IL, Taborstraße 21 a, halb 9 Uhr abends. Seminar über zionistische Geschichte. Referent: Josef Frankel, Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32, halb 9 Uhr abends. Wichtige Mitgliederversammlung. Referent: Theodor Grubner. Sektion VI/VII. Wichtige Mitgliederversammlung halb 9 Uhr abends Cafe Mariahilf, VI., Mariahilferstraße 89 a. Voranzeige: Montag, den 6. Mai, halb 9 Uhr abends große Versammhing im Heim des Bundes jüdischer Frontsoldaten (Gasthaus Zaruba), X., Gudrunstraße Nr. 125. Dr. Sal. Wolf: Der XIX. Zionistenkongreß und die Forderungen der Judenstaatspartei. Kultusrat Ingenieur Eugen Buchbinder: Was ich in Palästina erlebte. O Mittler, kauft den Well iert euch das tllrei! S>

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