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Die neue Welt · 1935-04-30 · Heft 459 (30.4.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 459 (30.4.1935)
Date
1935-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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trotte 4 DIE NEUE WELT Nr. 45* Arier willkommen! Im judcnreichen Wiener Bezirk Leopoldstadt kündigen Piakate eine am 2. Mai stattfindende Versammlung der „Ostmärkischen Sturmscharen" mit Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Staatsrat Dr. Kimmel, beide oberste Führer der Sturmscharen, als Redner an. Das Plakat ist an die ,,0e3terreicher" gerichtet und schließt mit den Worten: „Arier willkommen!" Da ergibt sich ein Widerspruch. Die Formel „Arier willkommen!", aeren Bedeutung nicht mißzuverstehen ist, steht im Gegensatz zu den wiederholten Erklärungen des Bundeskanzlers und Staatsrates. Beide betonen immer, daß sie für sich und für ihre Partei die Einführung des Rassebegriffes in die Politik entschieden ablehnen. Was soll da die provokatorische Form der Plakate? Bestimmen die Führer der Sturmscharen deren Politik, oder ein Herr Josef Bien, der die Plakate verantwortlich zeichnet? Aufklärung scheint wohl erwünscht. Der Papst ohne arische Großmutter Der Wiener „Reichspost" wird aus München geschrieben: Alfred Rosenberg, den die vernichtende wissenschaftliche Durchleuchtung seines „Mythos"-Buches durch die Gegenschrift „Studien" katholischer Gelehrter arg bloßgestellt und als schlimmsten Dilettanten entlarvt hat, will nun, wie die „Nationalsozialistischen Monatshefte" ankündigen, mit einer Schrift „An die Dunkelmänner unserer Zeit" antworten, in der er u. a. „nachweisen" will, daß Papst Pius XI. durch seine Mutter jüdischer Abstammung sei und daß der Kardinal-Staatssekretär P a c e 11 i einen Juden unter seinen Verwandten gehabt hat. Dies sei laut Rosenberg auch der Grund, warum im neuen Codex Juris Can. nichts mehr über die Juden stehe. //Das Edikt von Stfonstantfl'nopeB" Im Schweizer Verlag „Schriften der Nationalen Front" ist eine Broschüre von Hans A. Wyß, „Die jüdische Situation, ein Beitrag zur Judenfrage", erschienen, in der, fußend auf Blüher, ein neues „Protokoll" aufgeführt wurde, ein angebliches „Edikt von Konstantinope 1", ein angeblicher Briefwechsel zwischen den bedrängten Juden von Arles und den Juden von Konstantinopel aus dem Jahre 1487. wobei der „Fürst der Juden von Konstantinopel" den Juden von Arles den Rat gegeben habe, zur christlichen Religion überzutreten und die christliche Welt von innen heraus zu zerstören, z. B. A e r z t e und Apotheker zu werden und dann die Christen zu töten .. . Der Schweizer Israelitische Gemeindebund hat nun eine Broschüre herausgegeben, in der Dr. David Farbstein dieses FaLschwerk mit aller Gründlichkeit entlarvt und als das hinstellt, was es ist: eine Fälschung. Der Tel*Aviver Stadtrat gegen Sabbat* Enitveehung Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Der hiesige Stadtrat hat eine Resolution angenommen, in welcher die Sabbatentweihung verurteilt wird, die durch den Arbejtersportverband der Linken, „H a p o e 1", begangen wurde. Am Sabbat, den 20. April, fuhren hart an der Tel-Aväver großen Synagoge Autos mit Hapoel-Sporticrn vorbei, welche sich zu ihrem Sporttreffen begaben. Diese Störung des Sabbats hat unter den Betenden ungeheure Aufregung hervorgerufen. Seit langern schon bemühen sich die nationalen und religiösen Kreise Palästinas um Einhaltung des Sabbats und anderer Feiertage. Bisher sind alle diesbezüglichen Bemühungen an dem Zynismus der linken Arbeitergruppen gescheitert, die sich geradezu einen Sport daraus raachen, die religiösen Gefühle des Jischuwszu verletzen. Man erinnere sich z. B. daran, daß der Arbeitersportverband „Hapoel" während der I. Makkabiah in Tel-Aviv am Rosch Haschanah ein Schwimmfest veranstaltete. Da cie Mehrheit der Zionisten den terroristischen Methoden enr Linken politisch nicht entgegentritt, muß sie ihre Nachgiebigkeit eben auch auf religiösem Gebiet büßen. Ende des Prozesses gegen die Hakenkreusler in Kairo Aus Kairo: Nach mehrtägigen Verhandlungen ist nun auch der zweite, im Revisionsverfahren durchgeführt«; Prozeß, den der jüdische Bankbeamte Jabes, ein italienischer Staatsungehöriger, gegen den „Deutsehen Verein" in Kairo vor dem Internationalen Gericht angestrengt hatte, zu Ende gegangen. Wie im ersten Prozeß wurde auch diesmal auf Antrag des Staatsanwalts die Beleidigungsklage des Jabels gegen den „Deutschen Verein", der in Broschüren radikal antisemitischen Inhalts das Vorgehen der Hitler-Regierung gegen die Juden % u rechtfertigen versuchte, wegen mangelnder Aktiv-Legitimation zurückgewiesen. Das Gericht stellt sich auf den Standpunkt, daß eine e i n z e 1 n e Person nicht legitimiert sei, eine derartige. Klage zu führen, wo es sich um Angriffe auf eine ganze Gemeinschaft, hier das Judentum, handelt. Der Trozeß hatte lediglieh p r I n z i p i e 11 e B ed e u t u ng. Jabes glaubte, im Interesse des Judentums die mit Schadenersatzansprüchen verbundene Beleidigungsklage anstrengen zu müssen. Die führenden jüdischen Kreise in Aegypten hatten sich aber in dem Prozeß, dessen Ausgang von Anfang au juristisch zweifelhalt war, nicht engagiert. Im Gegensatz zu dem Prozeß lim die „Protokolle" in Bern, der von legitimierten Vertretungen des schweizerischen Judentums angestrengt fcyird, handelt es sieh bei dem Kairoer Prozeß um ein isoliertes Vorgehen. Dennoch wurde vom Berliner Reichspropaganda-Ministerium und den von Alfred Rosenberg beeinflußten deutschen Auslandspropagandn-Zcittraleu behauptet, daß hinter der Kairoer Anklage das ..gesamte Judentum" stehe. Der Ausgang des Prozesses wird denn auch von der gesamten deutschen Presse bejubelt. Aus Polen Unbekannte Täter haben am letzten Pcßach-Feiertag das Gebäude auf dem Warschauer Sportplatz des „Makkabi" am Weichselufer durch Bomben in die Luft gesprengt. Die Sprengkörper vernichteten die Bootsschuppen samt Ruder- und Segelbooten sowie die Zuschauertribüne. Das Klubhaus und die Lagerräume wurden durch den entstandenen Brand vernichtet. Der Sachschaden wird auf 15.000 Zloty geschätzt. Man nimmt an, daß, wie bei anderen antijüdischen Anschlägen, auch hier Mitglieder der aufgelösten nationalradikalen Jugendorganisation die Täter waren. Im Städtchen R y k i kam es während der Peßach- Tage zu ernsten antijüdischen Ausschreiutngen, bei denen mehrere Juden erheblich verletzt wurden. Einer von ihnen, der Fleischer Sane Teichman, wurde mit schweren Verletzungen ins Hospital gebracht. Erst als eine jüdische Abordnung den Starosta um Hilfe ersuchte, wurde Polizei eingesetzt. * In S z y d e w o w i e c haben zwei Führer der antisemitischen nationalradikalen Partei, Eugeniusz Schleinger und Stanislaw P a j a k, die Legende verbreitet, daß Juden den städtischen Beamten Josef Gowalczynski ermordet haben, um sein Blut zu rituellen Zwecken verwenden zu können. Die Polizei leitete sofort eine Untersuchung ein und stellte fest, daß Sehleinger und Pajak den Gowalczynski in einen Hinterhalt gelockt, ermordet und beraubt haben und daß sie, um den Verdacht von sich abzulenken, das Ritualmordmärchen verbreiteten. Die Mörder wurden verhaftet und dem Gericht eingeliefert. Hakoah schlägt Vienna 5 :2 In einem großartigen Spiel konnte Hakoah den Drittplacierten eine empfindliche Niederlage bereiten. Die ganze Mannschaft lieferte ein hervorragendes Spiel und wies keinen schwachen Punkt auf. Ganz besonders gute Leistungen boten Donnen feld in der Verteidigung, die F 1 ü g e 1 s t ü r m c r und Ehrlich 2. der sich als Schütze entpuppte und drei Tore auf sein Konto brachte. Die beiden anderen Tore erzielten Reich und M a u s n c r. Wiewohl Hakoah noch immer den letzten Platz innehat, so scheint doch auf Grund des stetigen Formanstigcs die Gefahr des Abstieges gebannt. Hockeymeisterschaft. Hakoah schlägt Schwarzrot 2:1. Die Tore schössen Je 11 ine k und Rollner. — Blau wc iß unterliegt gegen Arminen 1:2. Das Tor erzielte Wengraf Die holländischen Juden in Not Aus Amsterdam (J. T. A.): Die jüdische Bevölkerung Hollands, besonders Amsterdams, die zu einem großen Teil im Handel und in der Diamantenindustrie tätig ist, ist jetzt schwer von der Wirtschaftskrise betroffen. Die jüngste Devalvation des belgischen Franken hatte zum Ergebnis, daß zufolge der belgischen Konkurrenz holländische Diamantenfabriken geschlossen werden mußten und 1350 jüdische Diamantarbeiter arbeitslos wurden. Der Amsterdamer Magistrat verhandelt mit der Regierung über eine Staatssubvention, damit die Fabriken die Arbeit fortsetzen können. Infolge der schweren Wirtschaftslage hat sich die Zahl der hilfsbedürftigen Juden in Holland bedeutend erhöht. Ueber 10 Prozent der Amsterdamer jüdischen Bevölkerung haben sich an die Jüdische Gemeinde um Pessach-Hilfe gewandt. aus Fischl Egon, geboren 20. August 1903, Wien, ledig, VI., Hirschengasse 8. — Bäuml Marianne, geboren 9. November 1919, Wien, lcdig, III., Arenbergring 11. —- Korany geb. Friedmann Grete, geboren 6. August 1906, Wien, verheiratet, IX., Aiserbachstraße 37. — Landau Isidor, geboren 19. März 1889, Wien, verheiratet, Graz. — Landau geb. Meyer Hermine, geboren 24. November 1895, Wien, verheiratet, Graz. — Halm Rudolf, geboren 12. August 1876, Wien, verheiratet, VII., Urban-Loritz-Platz 7. — Lamberg, Dr. Isidor, geboren 1. August 1868, Devecser, verheiratet, IX., Grundlstraße 2. — Fischer Oskar, geboren 2. Februar 1884, Wien. Mauer. — Fischer Michael, geboren 22. Juli 1906, Wien, Mauer. — Liebel Hermann, geboren 15. Mai 1866, Boskowitz, verheiratet, VIII., Schlösselgasse Nr. 11. — Adler Ilona, geboren 5. Juni 1912, Budapest, ledig, I. Biberstraße 2. — Baumgartner Leopoldine geb. Drexler, geboren 15. September 1897, Wien, verheiratet, I., Riemergassc 14. — Korkes, Dr. Nathan, geboren 2. Oktober 1884, Lemberg, ledig, XIII., Hadikgasse 120. — Rica! geb. Wolf Chane, geboren 11. Dezember 1909, Krasno, verheiratet, VI., Gumpendorferstraße 69. — Bretschneider geb. Schlesinger Rifke (Rudolfine), geboren 14. März 1877. Wittenez, verheiratet, IX., Seegasse 6. — Bretschneider Filip, geboren 4. September 1870, Groß-Meseritsch, verheiratet, IX., Seegasse 6. — Ziegler geb. Gollcrsteppci* Margarete, geboren 22. März 1899, Wien, verheiratet, XX., Karl-Meißl-Straße 1. — Kudrna Karl, geboren 6. Dezember 1887, Wien, verheiratet, IX., Pfluggasse 3. — Philipp geb. Herzlinger Sari, geboren 29. September 1902, Budapest, verheiratet, II., Schrotgießergasse 1. — Huth Viktor, Schneidergehilfe, geboren 31. Dezember 1912, Wien, ledig, X., Friedplatz 10. — Groß Franziska, geboren 12. Juni. 1912, Wien, ledig, XIII., Auhofstraße 222. —- Toch Erwin, geboren 3. Dezember 1928, Wien, ledig, XVIII., Paulincngasse 24. — Fischl Anna, Schneidergehilfin, geboren 5. September 1907, Wien, ledig, XII., Arndtstraße 160. Murai geb. Low Irene, geboren 26. Juni 1899, Mährisch- Weißkirchen, verheiratet, I., Rabensteig 1. Neuer Leiter der Wiener Kultusgemeinae-Bibliothek Der Vorstand der Wiener Kultusgemcinde hat beschlossen, an die Stelle des vor kurzem verstorbenen Direktors der Gemeindebibliothek, Dr. Bernhard Wachstein, den bekannten Verfasser des Hebräisch-Lehrbuches „Sfath Amenu", Professor Mose3 Rath, zu berufen. Professor Moses Rath gehört seit mehreren Jahren dem Kultusvorstand an und ist ein bekannter jüdischer Schulmann. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher. Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. - IX., Univeraitätsstraßc 6—8. Dructec Druckereiun« Verlags-A.-G, Ignaz. SJ.cinmsnu, beide WJe%

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