Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 458 (26.4.1935)
- Date
- 1935-04-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT 1NV. 458 AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER OK Stüberlpreise ^Jl^OBT Alt WicnimGrinzingcr Keller. Tägl. AAusik der Kapelle Auerbach- Konzert. Jazz. Stimmung Au§ aller Weif Die Ansledlung ausländischer Juden in Biro- Bidschan. Dr. D. JLvovitsch, Mitglied des Präsidiums des Verbandes zur Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Industrie unter den Juden ORT, äußerte sich gegenüber dem .T. T. A.-Vertreter über die Frage der Ansiedlung ausländischer Juden in Biro-Bidschan. Diese Frage, sagte Dr. Lvovitsch ist viel komplizierter, als man allgemein annimmt. Sollte sieh die russische Regierung entschließen, überhaupt ausländischen Juden Siedlungsmöglichkeit in Biro-Bidschan zu gewähren, so wird dieses Siedlungsw-crk ausschließlich auf Kosten der ausländischen jüdischen Organisationen vor sich gehen müssen. Die Sowjetregiemng betrachtet es als ihre Pflicht, ihre eigenen jüdischen Bürger in Biro-Bidschan seßhaft zu machen, ausländische Juden können in dieser Beziehung auf ihre Hilfe nicht rechnen. (J. T. A.) V a i d a Voevod für „internationale Lösung der Judenfrag e". Die Aktion des ehemaligen rumänischen Ministerpräsidenten Dr. Alexander Vuida, Vo«'vod zur Einführung eines „Nuniprus valachicus" bat eine, neue Wendung dadurch erfahren, daß VaJda in einer Rede an die Juden den Appell gerichtet hat, selbst für die Einführung des Numerus valachicus einzutreten. Gleichzeitig stellte der ehemalige Ministerpräsident, wie schon bei anderen Gelegenheiten, die Behauptung auf, seine Bestrebungen trügen nicht antisemltjs c den Charakter. Die Juden müßten darauf dringen, daß dieses Problem als internationales Problem behandelt und vor ein internationales Forum gebracht werde. Man müsse an den Völkerbund herantreten, um ihn zum Studium dieses Problems und seiner endgültigen Lösung zu veranlassen. (J. T. A.) I, Wollzeile 17 - Tel. R-24-2-16 Die wilde Fracht Charlie Chan Vorstellungen: 4. %6. Vj», V*10 Für Frauenwahlrecht. Die in der W I Z O organisierten jüdischen Frauen Prags überreichten der Kultusgemsinde-Repräsentanz Prag ein Schreiben, in welchem das Wahlrecht für die jüdischen Frauen, und zwar das aktive und das passive, verlangt wird. In dem Brief wird darauf hingewiesen, daß die Frauen durch ihre Tätigkeit in allen sozialen Institutionen erwiesen haben, daß soziale Arbeit primäres Interesse jüdischer Frauen ist. Ein gleiches Ansuchen wurde vom Jüdischen Frauenverein und vom Verband der Cecho-Jüdinnen in Prag gestellt. Moses-Statue vor der Prager Alt-Neuschul. Es fanden Verhandlungen zwischen dem Schulministerium und der Gemeinde Prag über die Aufstellung der Moses- Statue von F. Bilek statt. Das Schulministerium hat diese berühmte Plastik der Stadtgemeinde Prag zur Verfügung gestellt. In der Beratung wurde ein Antrag angenommen, die Aufstellung der Statue gegenüber der Alt- Neuschul in der Pariserstraße zu empfehlen. Eröffnung der „Bialik-Tage" in Tel-Aviv. Im Rahmen der „Bialik-Tage" wurde in Tel-Aviv eine Kunst- und Kultur-Ausstellung eröffnet, die u. a. eine Sammlung von Gegenständen persönlicher Erinnerung an Bialik umfaßt. In der Ausstellung ist auch Bialiks berühmter Spazierstock zu sehen, den er einst verloren und besungen hat und an dessen Wiederauffindung sich ganz Tel-Aviv beteiligt hatte. Dr. David R o t h b 1 u m und M. Ungarfeld aus Wien haben zahlreiche Bialik-Briefe, in denen Fragen von allgemein jüdischem Interesse behandelt werden, zur Verfügung gestellt. (J. T. A.) Moslcy „fordert die Judonschaft hera u s". In der Granby Hall zu Leicestcr sprach der Führer der United British Fascists Sir Oswald Moslcy vor etwa 5000 Zuhörern über die Judenfrage. Zum erstenmal, sagte Moslcy, findet sich jemand in England, der die Judensehaft dieses Landes offen herausfordert. Die Juden beherrschen die City in London, haben den Handel, die Presse, den Film in ihren Händen, töten die Industrie dadurch, daß sie die Fabriken in Schwitzbuden umwandeln und den Arbeitern niedrige Löhne geben. Die Faschisten aber, schloß Mosley, lassen sich durch solche großen Interessen nicht einschüchtern. (J. T. A.) Der Hebräischlehrer des Papstes gestorben. Im Alter von 88 Jahren ist der Oberrabbiner von Mailand Dr. Alessandro D a F a n o gestorben. Die Beisetzung fand am Dienstag, den 16. April, statt. Oberrabbiner Da Fano stand an der Spitze des italienischen Rabbinerrats. Seit dem Jahre 1892 war er mit dem gegenwärtigen Papst Pius XI. eng befreundet, den er in der hebräischen Sprache unterrichtete. Die Juden in der Türkei. Wie die in Saloniki erscheinende jüdische Zeitung „La Prens a" berichtet, haben 17.000 türkische Juden, ein Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung der Türkei, um die Zuteilung von P a 1 ä s t i n a-E in Wanderungszertifikaten angesucht, da sie keine Möglichkeit sehen, ihre Existenz in der Türkei zu erhalten. (J. T. A.) Ernste Lage der Juden in Litauen. Die von der litauischen Regierung im Zuge der Neuorganisierung des Schulwesens getroffenen Maßnahmen haben eine Anzahl jüdischer Lehrer brotlos gemacht. Sic werden in den Elementarschulen keine Anstellung finden können, da sie keine Lehrberechtigung für solche Schulen besitzen und solche auch nicht werden erwerben können. Aeußerst ernst ist die Lage der litauischen Juden im allgemeinen. Die antijüdische Agitation besonders in den Provinzen hat sich durch Verbreitung von Ritualmordbehauptungen angesichts des Pessachfestes noch verschärft. Nazi-Propagandisten entfalten eine eifrige Tätigkeit, die zur Folge hat, daß die jüdischen Händler sich nicht mehr in die Dörfer wagen. 30.000 Familien, die Hälfte der jüdischen Bevölkerung von Kowno. benötigte P e s s a c h-Hilfc. 88 jüdische Häuser eingeäschert. In der Stadtschaft Baranow bei Lublin (Polen) zerstörte ein riesiges Feuer 88 jüdische Häuser und richtete einen Schaden von 70.000 Zlotys an. Hunderte Juden wurden obdachlos. Die Erschließung von Absatzmärkten für Palästina*Produkfe Aus London (23. April): Im Unterhaus fragte der Abgeordnete Captain Strickland den Kolonienminister, welche Vorkehrungen zur Förderung des palästinensischen Handels im Zusammenhang mit den Besprechungen, die zur Zeit in England mit der ägyptischen Delegation geführt werden, getroffen worden seien. Er fragte weiter, ob der Minister versichern könne, daß bei diesen Besprechungen die Möglichkeit einer Ausdehnung des ägyptischen Marktes für palästinensische Produkte in vollem Maße Berücksichtigung finden würde. Der Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffc L i s t c r beantwortete beide Anfragen zusammen. Er erklärte, daß er und der Vorsitzende des Handelsausschusses bei den Besprechungen mit der ägyptischen Handelsdelegation die Möglichkeit der Förderung des Handels zwischen Palästina und den englischen Kolonialgebieten einerseits und Aegypten anderseits im Auge behalten. Vor kurzem habe er auch einem Vorschlag des High Commissioner für Palästina zugestimmt, eine Handelsdelegation aus Palästina nach Aegypten zu entsenden. Er hoffe, daß in naher Zukunft direkte Verhandlungen zwischen den beiden Ländern aufgenommen werden würden. Captain Strickland fragte, sodann weiter, bei welchen Handelsvcrtragsverhandlungen in den letzten drei Jahren die Frage der Ausdehnung der Absatzmärkte für Palästina berücksichtigt wurde und in welchen Verträgen diesbezügliche Abmachungen bereits getroffen wurden. Der Kolonienminister antwortete, daß bei sämtlichen Handclsvertragsverho.ndlungen in den letzten drei Jahren auch die Interessen Palästinas in Betracht gezogen wurden. Besondere Berücksichtigung: hätten palästinensische Probleme in den Verträgen mit Estland, Litauen und Polen gefunden. MüJik und im eigenen Stimmung Heim durch aus dem pSÜ's nCIAWCI IX,Währingorstr.62 A-11-7-59 (auch Hebräische, Jargon, Russische u. a.) Schallplatten Apparate u. Platten aller Marken Meir Grossmann in Wien Vergangene Woche wellte das Mitglied des Exekutivkomitees der Judenstaatspartei, Herr Meir Groß mann, auf der Durchreise von Erez Israel nach Polen in Wien. Wegen der hohen Feiertage war ein öffentlicher Vortrag leider nicht möglich. Herr Großmann mußte sich darauf beschränken, den Mitgliedern des Parteirates der österreichischen Judenstaatepartei über die Sitzung des Aktionskomitees Bericht zu erstatten und andere wicbHge Fragen der Judenstaatspartei zu behandeln. Herr Meir Großmann nahm an einem von der Judenstaatspartei veranstalteten Sederabend teil, der von Rabbiner Dr. I. Z. Kanne r in würdiger Weise gehalten wurde. Samstag abend« reiste Herr Großmann gemeinsam mit Oberbaurat Ing. Robert Stricker nach Warschau, wo die beiden Herren als Vertreter des Exekutivkomitees anläßlich der dort stattfindenden Landeskonferenz die großen Referate hielten. Judensfaatepariei Oesterreichs Montag, den 29. d. M., große Versammlung um halb 9 Uhr abends im CaI6 Baidiahof, XVI.. Ottakringerstraße 102. Referent: Kultusrat Ing. Eugen Buchbinder. Thema: Was ich in Palästina erlebte. Montag, den 29. d. M., Sektion Brigittenau, XX., Heinzelmanngasse 20, halb 9 Uhr abends, wichtige Mitgliederversammlung. Referent Th. Grubner. Dienstag, den 30. d. M., Sektion VI.-VII., Mitgliederversammlung, }/^9 Uhr abends, im Cafe Mariahilf, VI., Mariahilferstraße 89a. Dienstag, den 30. d. M.. Sektion XIV.-XV., Schanzstraße. 32, halb 9 Uhr abends, wichtige Mitgliederversammlung. Referent Th. G r u b n e r. Jahresfeier des Brith Hakanaim Oesterreichs Am 13. und 11. April beging der Brith Hakanaim Oesterreichs die erste Jahresfeier seiner Gründung. Die Veranstaltungen wurden durch eine Festakademie im Hotel Continental eingeleitet, wo der Mefnked Galil, Herr Fritz Richter, eine Anzahl verschiedener Festgäste begrüßen konnte. Der Mefaked Arci, Herr Rabbiner Dr. I. Z. K n. n n e r, wies in einer Ansprache auf die große Bedeutung des Brith Hakanaim für die jüdische Jugenderziehung hin und bekundete den unerschütterlichen Willen des jungen zionistischen .Tugendbundes, seine Mitglieder zu treuen Herzl-Zionisten zu erziehen. Der Präsident der Judenstaatspartc'. Oberbaurat Ing. Robert Stricker, verglich in gehaltvoller Weise den Brith Hakanaim mit den anderen zionistischen Jugendverbünden und feuerte seine Mitglieder an. sich durch keine Schwierigkeiten beirren zu lassen, in dem Bewußtsein, daß nur eine Jugendbewegung, die sich ihrer großen Verantwortung bewußt ist, die jüdische Jugend mit dem Patriotismus des Judenstaatsgedankens zu erfüllen vermag. Eine künstlerisch hochstehende Akademie, bei der ein von Karl Frankel verfaßter und einstudierter Sprechchor durch drei Gedudim des Brith Hakanaim wirkungsvoll vorgetragen wurde, sowie Vortrüge der Konzert- Sängerin Frau Emmy Hauser, des Komponisten Israel Braa dmann (am Klavier Kapellmeister W. R. Spitz), die Rezitationen Michael Prciß' sowie die Gesangs vortrüge Duno Tendlers (am Klavier Gideon May) fanden den vollen Beifall des Publikums. Dus ausgezeichnete Programm war von der Jüdischen Kultur* teile zusammengestellt. Der nächste Tag versammelte bei einem Generalappell sämtliche Mitglieder des Brith Hakanaim. Eine Reihe von Referaten wurde von den Mitgliedern der Landesleitung Rabbiner Dr. I. Z. Kanner, Sgan Mefaked und Generalsekretär des Brith Hakanaim Viktor Rosenfeld und Fritz Richter sowie Theodor Grubner und M. Diamantstein gehalten. Donnerstag, den 18. April, benutzte das Mitglied des Exekutivkomitees der Judenstnatspartei Herr Meir G r o ß m a n n die Gelegenheit, den Brith Hakanalm zu inspizieren und die Hoffnung auf gedeihliche Weiterarbeit auszusprechen. n Ö r *c c (0!■ » (0 8 et Das Magenlied Ick koche mit Herz. Portionen — kein Scherz, So groß wie ein Hut, Dabei aber gut. — Darum, jung oder alt, Besuchet mich bald, Die Preise zum Staunen, Für alle Börse-Launen. Darein .setz' ich mein' Stolz iii«;Miv».iii»*Mfi t Zeichne — Lotte KJapphol/.. W6ImNIUD6ny> J Wien II, plötzlich Tür neben Tür zwei Mesusa-Kreuze. Ein Schauer erfaßte mich. Hier an dieser Steile lebten einst zwei jüdische Familien und durchschritten Tage voller Schrecken und Pein, direkt im Schatten der riesigen steinernen Kirchenwand, als wollten sie sich in Dunkel und Schwärze verbergen . . . Eine Judengasse im Städtchen Idania-Nova, an beiden Gartenfronten, Tür an Tür, Haus an Haus; gewöhnlich werden zwei Türen durch ein Fenster unterbrochen, hier aber gibt es zwei Türen nebeneinander, die eine breiter, die zweite schmäler, und auch die Fenster sind hier nicht so wie in anderen Häusern: kleine viereckige Fensterlöcher über den Türen wie Dachbodenfc^tcr. Auch die Mesusa-Kreuze, zwei an der Zahl, stehen hrcr an einer anderen Stelle: an der Wand selbst zwischen den beiden Türen wie ein Schild! Vielleicht ist hier einst ein Bethaus gestanden — die gesonderten Eingänge für Männer und Frauen! . . . Wieder ein anderes Städtchen. Ein kleines Gäßchen au3 dem 16. Jahrhundert. Alle Häuser steinern, wie in Portugal üblich. Das Gäßchen selbst vor Alter verschrumpft und verkrümmt. Nirgends eine ganze geschlossene Häuserlinie, alles gebrochen, versteinerte Knochen wie in futuristischem Stil. Nur die Mesusa- Kreuze noch wie einst mit primitiver Hand gemacht. Mit Kreisen oder Dreiecken am unteren Ende der vertikalen Linie, als hätten sie die Aufgabe, das Kreuz herabzuziehen. In mehreren Orten fand ich zwei Mesusa-Kreuze auf einem Holzpflock. In seltenen Fällen drei. Vielleicht bedeutete die Zahl der Kreuze ein bestimmtes Zeichen für die Marannen. Liegt hier vielleicht nicht eine geheime Verständigung vor, eine Art Geheimschrift mit besondern Hinweisen, wo ein Rabbi wohnt oder wo man die jüdischen Gebete verrichten kann? Als ich in Gedanken versunken durch die Judengasse ging, bemerkte, ich plötzlich unterhalb eines Mesusa-Kreuzes eingeritzte Spuren, ich trat näher und Zittern durchlief meinen Körper. Hebräische Buchstaben! Vier Buchstaben, zweimal die gleichen, eine Buchstabenreihe unter die andere gestellt: Jt52^ JD3^ Seit Tagen schou ist unaufhörlicher Regen herabgeströmt und hat in Wind und Wetter gegen alle Seiten geklatscht. Von Regen, Wind und Alter ist der Stein, auf welchem unterhalb des Mesuaa-Kreuzes die zwei hebräischen Buchstabcnrelhen standen, verblüht und verwittert. Das Mesusa-Kreuz hat sich tiefer in den Stein eingegraben, als ginge ihn die ganze Welt nichts an. Der Kreis am Fußende des Kreuzes war nicht geschlossen und sah aus, als würde er mit halboffenem Auge träumen. Die Buchstaben blickten verschleierten Auges herab. Jahre, Generationen hindurch haben sie ihr heißes Weh in die Welt hinausgeschrien, und jetzt, als ele mich erblickten, schrien sie stumm zu mir, als wollten sie sich vom Kreuz losreißen und mir etwas sagen, mit verinnerlichtem Klang, etwas, das man nicht verstehen kann . . . Was können die hebräischen Buchstaben bedeuten, in Stein gegraben, unter einem Kreuz in einem entlegenen, vexstaubten Winkel von Portugal? In irgend einer Stadt ging ich eines Abends daa „Panorama von Jerusalem" sehen. Ein Bilderspiel für die einfache Volksmenge, in welchem verschiedene Episoden aus Jesus' Leben gezeigt wurden. Ich besah mir das Publikum — Frauen mit bunten Kopftüchern und junge schwarzzöpftge Mädchen, alle hatten gedruckte Programme in den Händen, worin die einzelnen Episoden des Panoramas verzeichnet waren.' Mit leuchtenden Augen, mit innerlichem Feuer besahen sie jedes Bild des Panoramas. Ich sali mir ihre Augen an: Jüdische Augen. Jüdische Stirnen. Bin ich da nicht in eine Frauenschul geraten? Ich ging hinaus auf die Gaf.se, das Mondlicht übergoß die stillen Häuser. Ich ging gaßaus, gaßein, versunken in Gedanken wegen der jüdischen Vergangenheit in diesem Land und geriet plötzlich wieder in die Judengasse, in der ich tagsüber geweilt hatte. Ich begegnete hier den Mesusa-Kreuzen wie alten Bekannten. Plötzlich höre ich, wie in der Wohnung einer Marannenfamilie Karten gespielt wird. Es ist Feiertag. Pcssach oder Jörn Kippur, so denke ich traumwandelnd. In den hintersten Stuben bereitet man den Seder vor oder man verrichtet religiöse Gebete. Aber in den vorderen Zimmern, die der Gasse zunächst liegen, spielt man Karten, vielleicht daß plötzlich die Häscher der Inquisition in die jüdischen Häuser eindringen wollen. An den Straßenecken stehen junge Marannen, sie halten Wache, damit man rasch auseinandergehen kann, wenn Gefahr droht. Seltsame Gedanken eines Wanderers durch die Judengassen Portugals . . . vorbei an den Mesusa-Kreuzen, die stumm sind und doch so viel eraählca ItfMjlttA-