Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 457 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NEUE UTJ/i Schwere palä§tinensisdie Wirf§dtaft$fra$en Soll man nach Orangen pflanzen? - Ookonomisehc Ausplünderung Palästinas. Tn der palästinensischen Zeitschrift „B uslen? i" wirft der Präsident dos Kolonisten-Verbandes Möschen. Smilianski die Frage auf, ob es rätlich ist, das Areal der Orangenzono in Palästina zu vergrößern oder nicht. Er kommt für die nächsten Jahre zu einem negativen Resultat. Im laufenden .Tahrc werden die. Juden weitere 10.000 bis 20.000 Dunam pflanzen, die Araber, reich geworden durch die hohen Bodenpreise, logen ihr Geld ebenfalls in Orangenpflanzungen an. Es gibt jetzt, bereits eine Viertelmillion Dunam, die mit Orangen bepflanzt sind, und Palästina wird bald eine Jahresproduktion von 4 0,0 0 0.0 0 0 Orange nk i s t e n haben. Die Absatzschwierigkeiten werden immer größer. Sic sind schon jetzt, wo die Produktion jährlich 7,000.000 Kisten beträgt, erheblich. In diesem Jahre schied ein Teil der Konkurrenten Palästinas aus. In Florida haben starke Fröste die Grapefruit-Ernte vernichtet und Spanien verlor 80 Prozent seiner Orangenernte durch Stürme. Trotzdem war dieses Jahr für die Palästina-Orange kein gutes Jahr. Die Preise in Liverpool betrugen im Durchschnitt pro Kiste Pf. St. —.1.8 (2.50 österr. S) weniger als im Vorjahre, dementsprechend verlor Palästina gegenüber dem Vorjahr zirka Pf. St. 400.000. Smilianski zählt mehrere Faktoren auf, welche sich ungünstig auswirken, vor allem ist Palästina durch die Bestimmungen des Mandats in der Eroberung fremder Märkte schwer gehindert. Palästina hat im vergangenen Jahre Pf. St. 15,000.000 für Import ans Ausland bezahlt und hat die größten Schwierigkeiten, für 1 "■»■■«■■■■■■■■aMWBHMMMHMH einen Bruchteil dies-.T Summe .sich einen aufnahmebereiten Markt im Ausland zu sichern. Smilianski schätzt, daß Palästina für Pf. St. 3,000.000 Orangen und andere Produkte exportiert. Die Mandatsverfassung zwingt Palästina eine Politik der offenen Türe auf und hindert den Abschluß von Handelsverträgen auf Gegenseitigkeit. So hat. z. B. Rumänien in diesem Jahre für Pf. St. 953.343 Waren in Palästina abgesetzt und mit großer Mühe und Verlusten hat Palästina in Rumänien Waren im Betrage von Pf. St. 60.485 abgesetzt. Ein weiteres erschwerendes Moment ist der Zoll, den England von der Palästina-Orange cinhebt. In diesem Jahre hat Palästina Pf. St. 300.000 an England für Einfuhrzölle bezahlt. Smilianski verlangt eine Aenderung der Mandatsbestimmungen in dem Sinne, daß Palästina die Möglichkeit gegeben werde, bei seinen Importen diejenigen Länder vorzuziehen, welche palästinensische Waren kaufen. Der gegenwärtige politische Zustand verheißt wohl Palästina eine staatliche Selbständigkeit für eine ferne Zukunft, aber unterdessen liefert er es der ökonomischen Ausplünderung aus. ällllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllir fEPHRUSSI & CO. 1 | BANKGESCHÄFTE ALLER ART | E Abteilung für Wertpapiere / Wien IX, Wasagasse 2 Ti 11 ■ i o 111 i 1111 ■ 11111111111111111111111111 f 111111111 ■ 1111111111111111111111~ Seite T CtnoHuel ßaskec Der A uiiie des geiuesenen. Weltmeisters Doktor Emunuel Las her ist zu einem historischen Begriff in der Seh nehmett geworden . Kr bedeutet höchstes Kenner!tunf unbesiegbaren Kampfgeist, und — und das ist für uns liier das Wesentliche — Ch ara hie rs t iir k e. Dr. Lasher, der in der Vorivoche in Wien weilte, sprach in, einem l ort rag über den Schachstil, des neuen. Rußland. Seine Aufgabe ging dahin, zu zeigen, in. welcher Weise das s a c h l i. c h e Spiel der heutigen somjelrussischen Sch ach gen erat ion zum Durchbruch gelangt, zum Sieg führt. Bei dieser Gelegenheit hob Lasher aber noch eines hervor: Er wies nach (und bezeugte es durch sein schachliches Lebenswerk), daß schließlich der Charakter allein, über das technische Können hinaust die großen Leistungen ermögliche. Der Jude, dem. die nicht jüdische Umwelt so oft unterstellt, daß er bloß dem Zweckhaften, Nutzbringenden, Diesseitigen diene, hat. durch seine Hin-' gäbe an das Schach bezeugt, in welchem Maß er an dem Schaffen ideeller Güter teilnimmt. Ein erliebendes Heispiel für dieses Wirken bietet, uns der nalionalbewußte Dr. Emanuel. Lasker, der Hitler-Deutschland verlassen mußte und als „Emigrant" in Zürich lebt. Schritt zu etwas viel Größerem sei, nämlich zu einem neuen Krieg zur Vernichtung nicht nur Rußlands, sondern auch anderer Länder. Lord Marley, der den Vorsitz führte, sowie andere englische Parlamentarier erklärten in der Diskussion, der Kampf gegen Kriegsgefahr müsse Hand in Hand mit der Bekämpfung des Antisemitismus gehen. Der Antisemitismus als die nationalistische Hurrah-Pol it i k bilde jetzt ein internationales Problem, dem alle, die für Frieden und Freiheit eintreten, ins Auge blicken müssen. Eine neue Hagadan des Kindes Endlich eine farbige Hagadali für das Kind! Man freut sich zweifellos an den alten Bildern vom Sederabend, die in ihrer Primitivität rührend sind, begrüßt sie mit der Erregung des Wiedersehens — aber das Kind will Buntheit, Farbenreichtum und Pracht. Die vom Verleger der „Menorah", Dr. A. M. S i 1 b e r m a n n, herausgegebene Hagadah ist ein Meisterwerk der Drucktechnik, des Satzbildes und der praktischen Handhabung. Der Wiener jüdische Maler Erwin Singer, der sich als Porträtist und Landschafter einen Namen gemacht hat, ist der Illustrator des Hagadah-Textes. Besonders ist die Farbentönung zu loben — der blaue Himmel, das gelbe Feld, die grünen Städte Pison und Ramses. Auch die Uebersetzung des Textes, die große Schwierigkeiten bot, verdient höchste Anerkennung. Das Buch, das sich hoffentlich viele Freunde in der jüdischen Familie erwerben wird, ist in jeder guten Buchhandlung oder beim Hebräischen Verlag „M e n o r a h", Berlin NW S7, Klopstockstr. 31, zu beziehen. Filme der Woche (Nach den Herstellungsländern zusammengestellt)1 Oesterreich: Alles für die Firma. Oesterreich (Arierparagraph): Kosak und die Nachtigall — Himmel auf Erden. Ungarn: Kleine Mutti. Amerika: Auferstehung — Die Junggesellin — Wilde Fracht ■— Die Schatzinsel — Abenteuer einer schönen Frau. England: Große Erwartungen — Scharlachrote Blume. Deutschland (Arierparagraph): Zigeunerbaron — Hundert Tage (Allianz Berlin u. Soc. an. „Vis") — Der Heiratsschwindler — Eine Nacht im Palast-Hotel — Johny räumt auf — Der alte und der junge König — Der Schlafwagenkontrollor — Wahre Liebe, falsches Geld. Tüchtige Komtorfelui_ mit erstklassigen Referenzen, auch zur Verkaufstätigkeit und Haushaltführung (rituelle Küche) beste Eignung, bittet um Stellung, auch Provinz oder Ausland. Gef. Zuschriften an J. S., Wien II, Am Tabor 13, Tür 28 Blutmärchen in Polnisch-Oberschlesien. Aus Warschau: Das Verschwinden eines christlichen Kindes, das in einem jüdischen Hause in dem Dorfe R u d a im Kreise Kattowitz wohnte, führte zu. der Verbreitung des Gerüchtes, die Juden hätten das Kind getötet, um Blutfür das Pcssachf est zu bekommen. Die Dorfbevölkerung nahm gegen die in ihrer Mitte wohnenden Juden eine drohende Haltung ein und diese mußten schrcckcnsvolle Stunden überstehen, bis der Vorfall seine Aufklärung fand. Nachdem das Haus von der Polizei vom Dachboden bis zum Keller ohne Ergebnis durchsucht worden war, traf die Meldung ein, daß das Kind in einem Nachbardorf gefunden wurde, wohin es einen Spaziergang gemacht hatte. Der Vorfall ist für die durch eine skrupellose Hetze in den Dörfern hervorgerufene Stimmung bezeichnend. Der lodzer Stadlrat suspendiert Aus Warschau: Die Mitglieder der antisemitischen Mehrheit des Stadtrates von Lodz, die vor kurzem die jüdischen Stadtverordneten in offener Sitzung tätlich angegriffen und mehrere von ihnen, darunter den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde und agudistischen Sejmabgeordneten M i n z b e r g, verletzt haben, weigern sich, dem Vorschlag des Regierungskommissärs, eine Entschuldigungscrklärung an die Überfallenen Stadtratsmitglieder abzugeben, zu entsprechen. Der Regierungskommissär hat daraufhin erklärt, keine weiteren Sitzungen des Stadtrates mehr zuzulassen, bis eine friedliche Vereinbarung erzielt sein wird. Synagoge u-ivd Ksno Aus Moskau (J. T. A.): Die Zeitung „Emes" teilt mit, daß der Hauptort des jüdischen autonomen Verwaltungsrayons in der Ukraine „Kalinindorf" sich wirtschaftlich und kulturell so stark entwickelt hat, daß ■die Regierung den Ort demnächst in „Kalininischtot" (Stadt) umbenennen wird. Die alte Synagoge des Ortes wird umgebaut und in ein großes Kulturhaus umgewandelt, welches die Räume des Parteikomitees, die Bibliothek, ein Theater, ein Kino usw. beherbergen wird. Der Ort ist fast ganz elektrifiziert, verfügt über eine eigene Zeitung, den „Kolwirt Emes", besitzt eine zehnklassigc Mittelschule und ein pädagogisches Technikum, welches auf dem Grundstück des alten Beth ufcidrasch neu erbaut wurde. Strafen für antisemitische Propaganda Aus Moskau (J. T. A.): Vor dem Volksgerichte in Kamcnetz-Podolsk (Ukraine) hatten sich fünf Fabriksarbeiter, die eine antisemitische Hetztätigkeit gegen jüdische Arbeitskollegen entfalteten, zu verantworten. Das Gericht verurteilte drei Arbeiter zu je drei Jahren Kerkers und zu je weiteren drei Jahren Verbannung nach Sibirien und zwei Arbeiter zu je zwei Jahren Kerkers und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf vier Jahre. Die Verurteilten wurden für lebenslänglich aus der Fabrik und aus der Berufsvereinigung ausgeschlossen. Tausende Arbeiter wohnten EISEN <5 Feinwurst- und Selchwaren auch riDD btf in allen ihren Verkaufsstellen Fabrik und Versand: Wien III, Robengasse 13f Tel. U-14-1-68 dem Prozeß bei. Die Arbeiter der Fabrik, in der die Verurteilten arbeiteten, forderten in einer Resolution die Anklageerhebung gegen die Fabriksleitung, die allzulange die antisemitische Hetzarbeit toleriert hat. Ritualmordmärchen in Litauen Aus Kaunas. (J. T. A.): Das Innenministerium schildert in einem Kommunique die vor kurzem in Tauroggen erfolgten antisemitischen Ausschreitungen und verurteilt schärfstens die Propaganda, die zu diesen Ausschreitungen geführt hat. In dem Kommunique heißt es u. a.: Dunkle Elemente haben das Gerücht verbreitet, ein jüdischer Einwohner habe ein christliches Kind zu rituellen Zwecken ermordet. Dieses Gerücht wurde von ausländischen nichtlitauischen Elementen (das Innenministerium spielt hier direkt auf die deutsche Propaganda an) unter Ausnutzung des Um- Standes ausgesprengt, daß an dem gleichen Tag die Leiche eines Neugeborenen im Krankenhaus seziert wurde. Abends kam es zu einer Ansammlung vor dem Krankenhaus, wobei Provokateure versuchten, die Menge zu veranlassen, gewaltsam in das Krankenhaus einzudringen. Als die Menge von der Polizei auseinandergetrieben wurde, sammelten sich die Demonstranten später wieder vor dem Wohnhaus des Einwohners, der von den Hetzern als der angebliche Mörder des Kindes bezeichnet worden war. Im Hause dieses jüdischen Einwohners wurden die Fensterscheiben zertrümmert und in einigen Straßen wurden Juden mißhandelt. Die Polizei hat weitere Unruhen verhindert und die Hetzer festgenommen. 30 Personen wurden dem Kommandanten zur Bestrafung im administrativen Weg übergeben. Die Juden Salonikis wollen fünf Parlamentssitze Aus Saloniki (J. T. A.): Unter den Juden Salonikis geht eine Bewegung vor sich, die das Ziel verfolgt, den Juden fünf Sitze im griechischen Parlament, wie dies ihrer Zahl entsprechen würde, zu sichern. Die einstige Venizelos-Regierung war es, die die Zahl der jüdischen Parlamentarier von fünf auf zwei herabgedrückt hat. Gegen die Kandidatur des Präsidenten der Zionistischen Föderation, Bessantchi, ins Parlament macht sich eine starke Opposition bemerkbar, weil Bessantchi einst Venizelist war und aus der Venizelos-Partei ausschied, als diese einen antisemitischen Kurs einschlug. Judenverfolgung, ein erster Schritt zur Vernichtung der Völker Aus London (J. T. A.): Vor einer Gruppe von mehr als 30 englischen Parlamentariern hielt der Führer der polnischen Unabhängigen Sozialistischen Partei, Doktor Josef K r u k, eine Ansprache über „Kriegsgefahr in Osteurop a", in der er die Beziehungen Polens zum nationalsozialistischen Deutschland und die Bedeutung dieser Frage für Großbritannien behandelte und auch auf die Judenfrage zu sprechen kam. Der Antisemitismus, sagte Dr. Kruk, sei nur ein Auftakt zu der allgemeinen chauvinistischen Kriegspolitik der Nationalsozialisten, denen der Judenhaß nur ein Mittel ist, nationalistische Gefühle zu wecken und die Kriegsbereitschaft zu steigern. Dr. Kruk zitierte einen Vers aus dem Horst-Wessel-Lied mit Aufforderung zu Juden-Massakers, in welchem ausgedrückt wird, daß erat, wenn die Juden erledigt sind, die Abrechnung mit den anderen Feinden beginnen werde. Dies, sagte Dr. Kruk, zeiget daß die Judenverfolgung nur ein erster