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Die neue Welt · 1935-04-17 · Heft 457 (17.4.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 457 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 457, DIE NEUE WELT SdUHM Englands Plane I im Vordem Orient Aua Jerusalem wird gemeldet: Soeben ist der Oberkommissär von Palästina, Sir Arthur Wauchope, von einem mehrtägigem Besuch aus dem Sinaigebiet zurückgekehrt. Der britische Oberkommissär hatte dort eine Begegnung mit dem britischen Oberkommissär von Aegypten. (Die Begegnung fand im Fischerdorf Akaba am Roten Meer statt. Anm. d. Red.) Das in Jerusalem erscheinend» arabische Blatt „Falastin" verbindet die letzten Besuche der hohen engl! sehen Militärs in Palästina, Transjordanien und Akaba mit den ernsten militärischen Vorbereitungen Englands im Vorderen Orient. Während des Besuches des englischen Generalstabschefs in Palästina ist beschlossen worden, im Falle eines Krieges Haifa in eine Basis für die britische Kriegsflotte zu verwandeln. Aman, die Hauptstadt Transjordaniens, ist als Basis für das militärische Flugwesen vorgesehen. (J. T. A.) Tel'Aviv wird Hafenstadt Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Hiesigen Informationen zufolge bereitet die Palästina-Regierung konkrete Pläne zum Bau eines großen Hafens in Jaffa- Tel-Aviv vor. Der Zeitpunkt, an welchem die B au vir bei t für den neuen Hafen beginnen soll, ist noch nicht bestimmt worden. Die Regierung hat aber bereits ihre Ingenieure beauftragt, entsprechende Projekte auszuarbeiten, welche in allerkürzester Zeit dem Kolonialamt in London zur Bestätigung übermittelt werden. Vei'Stärkung der militärischen Kräfte in Palästina. Aus Jerusalem (J. T. A.): Die englischen Truppenabteilungen in Palästina sollen in diesem Jahre bis auf 1960 Mann verstärkt werden. Die Ange hörigen der in Palästina stationierten Luftstreitkräfte sind in dieser Zahl nicht inbegriffen. Wollschaf fliehe Nachrichten Aus Tel-Aviv (Palnews): Die im Jahre 1928 l^^jündete erste mechanische Möbelfabrik Goralski & Krinizi stellt Möbel aller Art her und beschäftigt 84 Arbeiter. Der durch die Entwicklung der beiden letzten Jahre hervorgerufene Mehrbedarf an Möbeln hat in außerordentlich starkem Maße die Neuerrichtung kleiner mechanischer Werkstätten zur Folge gehabt, von denen mehrere Hunderte entstanden sind. Die Möbeleinfuhr hat sich im Jahre 1934 dem Vorjahr gegenüber mehr als verdoppelt und stellte sich im Werte auf Pfund 66.373, während sie 1933 nur Pfund 29.806 betragen hat. Aus Tel-Aviv (Palnews): Die vor einem Jahr mit einem Kapital von Pfund 3500 gegründete Schokoladenfabrik Noam Co. Ltd. stellt Schokoladenwaren, Bonbons und Halva her. Es werden 85 Arbeiter beschäftigt. Die Produktion wird im wesentlichen auf dem palästinensischen Markt abgesetzt. Das Unternehmen hat bereits mit dem Versuch des Exports begonnen. Der palästinensische Markt wird in außerordentlich starkem Maße mit importierten Produkten beliefert, da der Zoll von 40 Müs per Kilogramm für reine Schokolade und 60 Müs für Müchschokolade zum Schutz der palästinensischen Produktion nicht genügt. Auch der Zuckerzoll von 1 Piaster per Kilogramm verteuert die palästinensische Produktion. Die Regierung hat sich bisher nicht bereit gefunden, den Schokoladenzoll zu erhöhen. Hauptinteressent am Schokoladenexport nach Palästina ist England, das annähernd die Hälfte des Gesaantimports im Jahre 1933 lieferte, daneben ist noch der Import aus Syrien und Oesterreich von einer gewissen Bedeutung. Im Jahre 1934 ist der Import von Schokoladen, Konfekt und Süßigkeiten stark angewachsen. Er beziffert sich wie folgt: Schokolade Konfekt u. Süßigkeiten in Kilogramm 1934 insgesamt 146.656 1,035.306 1933 „ 106.532 807.505 Trotzdem im Jahre 1934 in Palästina mehrere neue Fabriken für Schokolade, Konfekt und Süßigkeiten entstanden sind, hat sich der Import dieser Artikel von zirka pal. Pf. 47.000 auf pal. Pf. 61.000 erhöht. Erzeugung von Geldschränken und Stahlkammern Tel-Aviv (Palnews): Die Magen Works in Tel-Aviv, die sich aus der Misrachi-Schule für Schlosserausbildung in Jaffa entwickelten, haben vor einem »fahr den Fabrikbau in Tel-Aviv bezogen, die Fabrikatjionsräume umfassen zirka 1000 Quadratmeter. Es werden Geldschränke, Stahlkammereinrichtungen, Bücherschränke hergestellt. Als neuer Artikel ist die Serienproduktion von eisernen Büroschränken für Registraturen u. ä. aufgenommen, die bisher importiert wurden. Die ersten Modelle sind bereits auf den Markt gebracht. Die Geld- und Bücherschränke von „Magen" sind bei gleichem und teilweise sogar n i e d r igqrem Preis stabiler und schwerer als ausländische Produkte, die für Exportzwecke nach überseeischen Gebieten meist in leichterer Ausführung angefertigt werden. Die Magen Works beherrschen mit ihren Artikeln etwa 90 Prozent des Marktes und haben in Tel-Aviv Über 70 Bankfirmen mit Geld- und Bücherschränken beliefert, eine Reihe großer Bankinstitute wurden in letzter Zeit mit Stahlkammeranlagen ausgestattet. Bis auf SpezialSchlösser werden alle Teile selbst hergestellt. Das Unternehmen unterhält eine Verkaufsfiliale in Beirut. Die Magen Works beschäftigen zirka fig Arbeiter, Garantiert Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. wmsm D a s 10 0 % re in e Köko snu ßfett Nur echt in Originalpackung! Gelds und Kpaftver§dhwendiiiig in Palä§lina Aus New York: Auf der letzten Palästina-Konferenz der amerikanischen Juden in Washington Jänner 1935 wurde eine Kommission für die Wirtschaftsentwicklung Palästinas eingesetzt. Diese Kommission ist jetzt zusammengetreten und hat einen Aufruf erlassen, in welchem es heißt: „In Amerika allein gibt es eine große Zahl von Stellen, von denen aus Geld nach Palästina ohne jeden festen Plan einströmt. In den übrigen Ländern gibt es weitere Hunderte solcher öffentlicher und privater Geldquellen. Eine genaue Untersuchung durch Fachleute wird erst zeigen, wie groß die hierdurch bedingte Doppelarbeit und Geldverschwendung ist und um wieviel mehr bei entsprechender Zusammenfassung der gleichen Kräfte geleistet werden könnte. Eine der Folgen des ungeregelten Einströmens privaten Kapitals sei die Bodenpreissteigerung, die ein ernstes Hindernis für die weitere Erschließung des Landes bilde. Auch die Tendenz des Privatkapitals, sich auf gewisse Gebiete zu k o nzentrieren, sei gefährlich infolge der damit drohenden Ueberproduktion und Avil f Stapelung von Warenvorräten, für die kein Markt vorhanden ist. Auch die Tendenz zur Z u s a m m e n d r ä n g u n g in den Städten muß in diesem Zusammenhang genannt werden. Der Kommission wird Aufklärung über solche Fehlinvestitionen schaffen und neue zweckentsprechende An läge, möglich keiten ausfindig machen. Diese Arbeit kann aber nur dann Erfolg zeigen, wenn die Zionistische Exekutive autoritativ eingreift und in allen Ländern Wirtschaftskommissionen für Palästina einrichtet." Die hier behandelte Frage ist brennend geworden. Regelloses Einströmen in gewisse Wirtschaftsgebiete hat eine vernichtende Konkurrenz erzeugt. Viele Kaufleute in Palästina müssen bereits ihre Waren ohne bürgerlichen Nutzen, vielfach unter den Gestehungskosten abgeben. Sie und ihre Angestellten leben schon weitaus schlechter, als Arbeiter mittlerer und niedriger Kategorie. Wahllos aufgestapelte Warenvorräte, an deren Absatz in absehbarer Zeit nicht zu denken ist, verursachen große Kapitalsverluste. Der Appell an die Zionistische Exekutive, hier regelnd einzugreifen, ist berechtigt, wird aber wirkungslos verhallen. Die einseitige Zusammensetzung der Exekutive, welche von der Arbeiterpartei und ihren bürgerlichen Nachläufern beherrscht wird, bringt es mit sich, daß diese Exekutive weder ein Interesse für die Geschicke des Privatkapitals in Palästina aufbringt, noch auch irgendwelche Autorität in Kreisen des jüdischen Privatkapitals genießt, welches in ihr nie eineo wohlwollenden, ehrlichen Berater und Führer kennengelernt hat. Der Aufbau Palästinas ist keine rein wirtschaftliche, sondern an eine politisch - wirtschaftliche Angelegenheit. Ohne geordnete politische Gliederung der Zionistischen Organisation, die heute zum Instrument einer Klassenpartei geworden ist, gibt es keinen geordneten wirtschaftlichen Palästina-Aufbau. Palästina und //Prosperity // 7on Dr. S. Adler (Tel-Aviv) Vielfach wird die Ansicht vertreten, daß eine Besserung der Wirtschaftslage in Europa und Amerika zu einem Stillstand in der wirtschaftlichen Lage Palästinas führen würde. Unter palästinensischer Mitarbeiter nimmt zu dieser Frage Stellung. Wie es der Saison entspricht, hat soeben ein Land nach dem anderen die hauptsächlichen Daten seiner Volkswirtschaftsbilanz für 1934 publiziert. Von einer gewaltigen Leistung konnten zumal die Arne r ik a n e r berichten. Das Zentralorgan ihres Wiederaufbauwerkes, die ,,Reconstruction Finance Corporation", hat in den beiden Jahren 1933 und 1934 insgesamt 7 Milliarden Dollar für die Sanierung von Banken und Industriebetrieben hergegeben. Da hiedurch zweifellos ein chaotischer Zusammenbruch des amerikanischen Wirtschaftslebens noch fast im letzten Moment verhütet worden ist, so liegt es nahe, daß wir diesen unleugbaren Erfolg der Roosevelt- Administration vor allem im Hinblick auf die Situation der amerikanischen Juden und auf ihre Beziehungen zu Palästina betrachten. Viele Zehntausende von kleinen und mittleren Existenzen im amerikanischen Judentum sind direkt oder indirekt durch die „Refico" vor dem Untergangbewährt worden, und darunter viele, die dem Palästina-Aufbau innerlich verbunden sind, nicht nur als Geber von gelegentlichen Spenden, sondern auch als Menschen, die früher oder später ihre ganze Persönlichkeit und ihr ganzes Vermögen für den Aufbau unseres Landes einzusetzen gedenken. Eine starke amerikanische Alijah würde besonders der Erweiterung njiserer Industrien dienen. Warum könnte nicht Tel-Aviv, gestützt auf New-Yorker Fachleute und auf deren Kapital, die zentrale Bekleidungsindustrie für die ganze Levante aufbauen, die ja ein immer größerer Markt für Bekleidung' europäischamerikanischen Stils wird? Bedeutsame Ansätze in dieser Richtung sind ja schon vorhanden. Wenn nunmehr das amerikanische Geschäftsleben sich wirklich wieder erholt, so wird daraus für zahlreiche amerikanische Juden die ökonomische Möglichkeit resultieren, den längstgehegten Plan ihrer Uebersiedlung nach Palästina als „Kapitalisten" in die Wahrheit umzusetzen. Heute ist ja Palästina glücklicherweise schon so weit, daß es nicht nur auf Menschen aus solchen Ländern attraktiv wirkt, in denen Not und Krise herrscht, sondern auch aus Ländern, in denen noch relativer Wohlstand besteht. Darauf deutet beispielsweise das ständig wachsende Palästina-Interesse jüdischer Kapitalisten aus Holland und Südafrika hin. Deshalb ist unseres Erachtens nicht zu befürchten, daß eine Besserung der Weltwirtschaftslage Palästinas Anziehungskraft für die Alijah von Kapitalisten und Spezialisten vermindern wird. Wie die Dinge heute stehen, haben Juden in aller Welt erkannt, daß Palästina auf weite Sicht ihnen die sicherste Betätigung ihrer ideellen und materiellen Kräfte verspricht, und Unzählige haben sich entschlossen, selbst dann, wenn sie noch nicht persönlich nach Palästina übersiedeln, so doch wenigstens ihre Ersparnisse und Kapitalreserven in Palästina zu investieren. Je mehr draußen in der Welt wieder eine neue Prosperität sich entfalte»

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