Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 457 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' Seite 4 DIB NEUE WEL1 Nr. 457 Wchtüch der jüdischen Probleme die Hoffnung das eigentlich positive Element sei. Der Vorsitzende Dr. P. Gygax eröffnete die Diskussion mit Fragen, deren Beantwortung eine wertvolle Ergänzung des Vortrages brachte. Sie lauten: Welche Rolle spielt die:,.A 11 i a n c e I s r a 6 l i t e U n i v e r a e 11 e" bei den Sicherungsbestrebungen der Juden? Was ist aus der von Theodor Barth gegründeten „Vereinig u n g zur Bekämpfung des Antisemitismus" geworden? Redakteur O. Grün fragte, ob die. Genfer Organisation nicht jetzt, da Deutschland nichtmehr Mitglied sei, etwas für die Flüchtlinge tun könnte. Prof. Guggenheim beanwortete die.«?.» letzte Frage eher rkeptisc h. wie folgt: Hinsichtlich der Relntegrierung des Flüchtlin-samtcs in den Völkerbund verhalte sich dar, Sekretariat sehr ablehnend, weil es da/1 Prestige der Genfer Organtsta'Jon nicht durch weitere erfolglose Initiativen gefährden wolle. Im Werk für die Flüchtlingo au; D e u ts ch l a n d gehe es nicht an. zwischen j U d i s c h <; n und nie h t j ü d i s c h e n Flüchtlingen zu unterscheiden: ander*»?its würde ein solche.«, nicht unterscheidendes Vorgehen des Völkerbundes die Prä judizbeftircht« ngen und damit den Widorsta-nd der Regierungen wecken. Die Einheit der Hilf&aktion für die Flüchtlinge sei j^lcch nötig, weil alle; Schicksalsgenossen ssian. KREUZ-KINO Wollzeile r, Tel. R.2;-.-lb In den Kanälen von Poris CttarHe Chan v orst?I unni" u, »<u. v»io Zu den Fragen von Dr. Gygax bemerkte Prof. Guggenheim folgendes: Die „Alliancc Israelite Universelle" hat si^h durch ihr Schulwerk große Verdienste erworben. Sie hält an der Assimilationsideologie fest und bekämpft aus dieser Einstellung heraus den Minderheitenschutz. Auch reichen ihre auf Bildungsarbeit eingestellten Methoden nicht aus zur Meisterung von Mas^enproblemen. Sie ist ein wertvolles Instrument der wertvollen französischen Zivilisation: aber die politischen Bf.-trcbungen Frankreichs im Orient laufen mit denen der Juden nicht immer parallel. Die Vereinigung gegen d n Antisemitismus vermochte den Ereignissen und Mächten keinen Damm entgegenzusetzen. Ausschaltung l Ein«? Vußcnmg des Präsidenten der Wiener Advokat?nkammer Wir haben in unserer letzten Nummer berichtet, daß der unter dem Ehrenpräsidium des Bundeskanzlers Dr. v. Schuschnigg stehende „Frontring der Rechtsanwälte" Resolutionen gefaßt hat. die auf Ausschaltung oder Diskriminierung der jüdischen Anwälte gerichtet sind. Der Präsident der Wiener Advokatenkammer Dr. Siegfried Kantor hat dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur folgende Erklärung gegeben: Uic Bestrebungen des ..Frontringes der Rechtsanwälte" — sagte Präsident Dr. Kantor — sind nichts anderes als der Ausfluß der gewöhnlichen Vereinsmeierei. In dem „Frontring der Rechtsanwälte" hat sich eine Anzahl von Anwälten vereinigt, welche für die Entwicklung des Standes der Rechtsanwälte bisher überhaupt nichts getan haben, sondern durch die Hervorkehrung Ihrer Frontdienstleistung Einfluß auf die Führung des Standes zu gewinnen versuchen. Unmittelbar nach Kriegsende, im Herbst 1918, hat das damals im Amte befindliche Präsidium der Advokatenkammer mit dem gesamten Ausschuß und Disziplinarrate sämtliche Mandate der Kollegcnschaft zur Verfügung gestallt, um Neuwahlen durchzuführen, bei denen die Kriegsteilnehmer entsprechend berücksichtigt werden können. Seit dorn Monate Jänner 1910 sind sowohl im Ausschuß wie im Disziplinarrate der Advokatenkaramer die Kriegsteilnehmer sehr zahlreich vertreten. So ist der gegenwärtige Präsident clor Kammer (Dr. Kantor selbst. Red.) ein kopfschußverletzter Frontoffizier. Einrgroße Anzahl von Mitgliedern des Kammeraussehussp.s und des Disziplinarrates kann auf hohe und höchste Tapferkeitsauszeichnungen hinweisen. So z. B. ist ein langjähriges Mitglied des Kammerausschusses Ritter des Ordens der eisernen Krone mit den Schwertern. Es bedurfte daher wahrlich nicht erst der Bildung des ,.Frontringes der Rechtsanwälte", um den Kriegsteilnehmern die entsprechende Anteilnahme an der Führung des Standes zu sichern, die schon im Jahre 1918 durch die Schaffung des ,.Ofner-Fonds" (nach dem bekannten demokratischen Reichstagsabgeordneten und hochajigcsehenen jüdischen Anwalt Dr. Ofner. Red.) die Wiederaufrichtung der durch die Kriegsdienstleistung vernichteten advokatori sehen Existenzen ermöglichte. Sechzehn Jahre nach Friedensschluß kommt die Bewegung des „Frontringes der Rechtsanwälte" reichlich zu spät. Tatsächlich kann es sich dabei nur um die Erreichung anderer Ziele handeln, die nicht auf der Linie des Schutzes der Kriegsteilnehmer liegen. Die staatlichen Stellen dürften über die wahren Bestrebungen des „Frontringes", der offenbar die Berufung seiner Mitglieder im W'egc der Ernennung zu Standesvertretern anstrebt, jedoch nicht unter gleichzeitiger Aufklärung über die Tätigkeit und Zusammensetzung der gegenwärtigen Standesvertretung, nicht unterrichtet worden sein. Der Versuch, die Rechtaanwaltschaft nach bekann« tem Muster durch Diskriminierung eines Teiles j der Standesangehörigen in Parteien zu spalten, wird nicht , nur von der Kollegen schaff, sondern sicher auch ( von der Regierung auf das schärfste zurückgewiesen werden. Am allerwenigsten kann eine D i s k r i m i n i er u n g auf der Grundlage einer Teilung der Rechts- ( a-.vA-älte in Advokp.ton vollen Rechts (mit W;\hl-; recht) und Advokaten minderen Rechtes (ohne Wahlrecht) gebilligt werden. Nach allgemeiner advokatorischer Uebung sind vom passiven Wahlrecht nur jene Advokaten ausgeschlossen, welche sich disziplinarer Verfehlungen schuldig gemacht oder ih^e Standesverpfiicht.ungcn nicht erfüllt hr.bca. Wiener Judengtmemde Rechnungsabschluß - Rapider Bevölkerungsrückgang In der letzten Plenarsitzung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgcmeinde Wien wurde gestern der Rechnungsabschluß für das Verweltungsjahr 1934 erledigt. Im Verwaltungsjahr 1034 haben die Gesamteinnahmen der Kultuogemelndc 6,462.333 Schilling, die C c?. mta usgaben 6,481.334 Schilling betragen. Von Uen Auöjjaben entfielen auf das Fürsorgewesen allein in;hr als drei Millionen Schilling. Die Zahl der Trauungen in den Gemeindctompeln hat 725, die Zahl der Ehetrennungen 375 betragen. Auf den Friedhöfen der Kultusgemeinde haben 2 4 76 Beerdigungen stattgefunden. Das Spital der Kultusgemeinde weist an Verpflegstagen für Kranke und Personal insgesamt 114.794, die VersorgungsnnstRlt 168.486 aus. An 428 kleine Gewerbe- und Handeltreibende wurden zinsenfreie Darlehen gewährt. Das Kinü^rspital-Ambulatorium wies 2255 Patienten auf. Die Zahl der Geburten belief sich auf 759, die der Sterbefälle auf 2557; aus der israelitischen Religionsgesellschaft ausgetreten sind 626 Personen, während 500 ihren Eintritt, beziehungsweise ihren Rücktritt angemeldet haben. Weiterer Bevölkerungsrückgang im Jahre 1935 Anschließend an den Bericht für das Jahr 1934 wurden folgende Daten für die Zeit vom 1. Jänner bis 31. März 1935 bekanntgegeben: Trauungen 342. Ehetrennungen 105. Geburten 191 (hievon 102 männliche und 89 weibliche). Sterbefälle 828. Austritte 104. Eintritte und Wiedereintritte 93. Wie zu ersehen, stellt sich die Sterbeziffer mehr t als vi er mal'so hoch als die Geburtenziffer. Hotel Bellevue Portsdiadi am Worfhersee Vornehmes Haus unter streng ritualler Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küche. 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In der Debatte kam die Stellungnahme der Judenstaatspartei dem Revisionismus gegenüber zum Ausdruck, de. das Recht, sich Herzl-Zionismus zu nennen, verwirkt habe, da er sieh anschicke, Herzls größte Schöpfung, die Zionistische Organisation, zu verlassen und zu bekämpfen. Judenburg. Am 24. d. fand ein Vortrag des Herrn Rabb. Dr. I. Z Kann er aus Wien statt, zudem als Gäste auch Gg. aus Knitt^lfeld, Fohnsdorf und Leoben erschienen. Der Vortragende entwarf einen Ueberbllck Uber die Geschichte d erJuden Staat sidee In allen Jahrhunderten seit dem Auszug aus Aegypten, besprach den Starn' der heutigen Palästina-Politik und in Uberzeugenden Worten vermochte er zu zeigen, daß nur die .Tu den staatspartei die wahre Repräsentantin der Herzl-Idee sei. Hierauf rege Diskussion, Erörterung der Landespolitjk, Stellungnahme zum Jüdischen Weltkongreß. „Hatlkwah" beschloß den Abend. Gründung der Ortsgruppe Graz. Vor zirka einem Jahre haben unsere Gesinnungsgenossen aus lokalen Gründen in Graz eine Arbeitsgemeinschaft mit den Revisionisten unter dem Narnpn „Verband der Hcrzl- Z i o n 1 s t e n" geschlossen. Mit Rücksicht auf die politische Stellungnahme des Revisionismus in dem letzten Monaten hat die österreichische Parteileitung der Judenstaatspartei diese Arbeitsgemeinschaft aufgelöst. Das Provlr.Sekretariat, das im letzten Monat bereits die Schaffung von zwei Ortsgruppen in Steiermark (Leoben und Judenburg) verzeichnen konnte, ist sofort an die Neuorganisation unserer G r a z e r G re fl i n n u n g sgenosaen geschritten und hat bereits eine neue Ortsgruppe der Juden staatspartei in G r a k geschaffen. Diese Ortsgruppe steht unter der Führung des österreichischen Provinzreferenten Dr. Klug; dem konstituierenden Ausschuß gehören u. a. die Herren Rechtsanwalt Dr. jur. et med. Julius We rdishelm, Isidor Gelbart, Julius Friedler und Dr. Hans Kadisch u. DU Eröffnung de« Grazer Judenstaatsheimea (Lese- JUߣNSTAATSRATES OSTEDEICHS üezirksgruppe Prater, II, Kl. Zufahrtsstraße 1(56 Samstag, den 20. April 1935, im Heime der Bezitksgruppe Prnler. II, Kl Zufalirtstratie 166, um halb 9 Uht abuids VORTRAG Referenten: Dr. Sal. Wolf, Theodor ürubner Thema: Do? 19. Zionisftenkongreß und die Forderungen der Judenstaafspartel Gäste willkommen! saal) wird in den nächsten Tagen erfolgen. Es ist Pflicht aller Grazer Gesinnungsgenossen, sich sof or.t mit Herrn Dr. Felix Klug, Verteidiger in Strafsachen, Graz, Murgasse 14, zwecks Organisierung der weiteren Arbelt ins Einvernehmen zu setzen. Am 6. April sprach Herr Dr. Kenner im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgcmeinde im Rahmen einer sehr gelungenen Veranstaltung der Judenstaatspartei (Ortegruppe Graz) über das Thema „Theodor Herzl und seine Zeit". Großer Beifall und zahlreiche Beitritte zur .Tudenstaatspartei zeugten vom Erfolg dieser Veranstaltung. Mittwoch, den 10. April, sprach Herr Theodor Grubner in einer von der Ortsgruppe Leoben veranstalteten Versammlung über die Bedeutung des Schekeds. Die glänzenden Ausführungen des Referenten hinterließen nachhaltigen Eindruck und trugen viel zum Aufbau der Ortsgruppe bei. Veranstaltungen: Samstag, den 20. d., veranstaltet die Bezirksgruppe Brigittenau im Wallenstedn-Kino, XX,, Wallcnsteinstraße 55, eine Nachtvorstellung. Zur Aufführung gelangt der Film „David Golder". In der Hauptrolle de» große jüdische. Schauspieler Henry Baur. Karten sind erhältlich in allen Sektionen, bei den Funktionären sowie an der Abendkaese des Kinos. Beginn halb 11 Uhr nachts. Sektion Prater. Samstag, den 20. d. M., um halb 9 Uhr abends, im Heim, II., Kleine Zufahrtsstraße 166, Vortrag. Thema: Der 19. Zionistenkongreß und die Forderungen der Judenstaatspartei. Redner: Dr. S. Wolf und Theodor Grubner. Montag, den 22. d., 7 Uhr abends, I., Werdertorgasse 14, Heimabend der Judenstaatsjugend. Programm, anschließend Tanz. Donnerstag-, den 25. d., Sektion Leopoldstadt, IL. Taborstraße 21 a, halb 9 Uhr abends: Vortrag Dr. S. Wolf. * Neuer Hebräisch-Kurs. Demnächst beginnt unter Leitung von Rabb. Dr; I.' Z. Kanner ein neuer Hebräisch-Kurs. Auskünfte Im Sekretariat, I.» Wentertorgasse 14, Montag zwischen 8 und 9 Uhr abends. Nufikuntf im eigenen CfhallnlaHOn Stimmung. Heim durch ■#llia I1 ftllClIlCIl aus dem Orammophonhaus Metzker Apparate u. Platten aller Marken IX, Währingarstr. 62. A11-7-53 Im Völkerhundsteat Danzig Aus Dan zig (J. T, A.): In dem Städtchen N c üt c i c h bei Danzig ist es. zu außerordentlich schweren Boykottausschreitungen gegen die dortigen jüdischen Geschäfte gekommen. Vor sämtlichen jüdischen Geschäften wurden am letzten Markttage, als sich die ganze Landbevölkerung aus den umliegenden Dörfern, versammelte, Bpykottppsten aufgestellt, die jedermann an dem Betreten der Geschäfte hinderten. In einzelnen Fällen wurden Käufer gezwungen, die Ware zurückzugeben, und die jüdischen Ladenbesitzer mußten notgedrungen den Kaufpreis zurückerstatten. Die Polizei, die mehrfach um Hilfe angegangen wurde, ver- Wohlbelelbtcn Menschen schafft ein Glas natürliches „Franz-Iosef'-Bitterwasser, früh nüchtern genommen, mühelosen, leichten Stuhlgang und reinigt das Blut sicher von Stoffwechselgiftcn. Aerztlich bestens empfohlen. sagte vollkommen; die tclephonische Verbindung mit der Wache, ließ sich von den jüdischen Geschäften aus überhaupt nicht herstellen, da die Telephonzentrale beim Anrufen der Polizei stets mit dem nationalsozialistischen Parteibüro verband, von wo Hilfe natürlich nicht zu erwarten war. Polizisten, die vorbeigingen, erklärton, „nicht im Dienst zu sei n", und verweigerten jede Intervention. Auch auf dem Markte selbst, auf dem stets zahlreiche jüdische Händler aus Polen erscheinen, wurden buchstäblich in jeden Einkaufskorb Boykottzettel geworfen. In Neuteich, herrscht in den Tagen nach den Wahlen eine richtige P o g r o m s t i m m u n g, die meisten Juden sind geflüchtet und halten sich in Danzig auf. In Danzig selbst dauert die Judenhetze unentwegt fort. Der „Danziger Vorposten", das offizielle Organ des Senats, sucht den „Volkszorn" über die Wahlniederlage auf die jüdische Bevölkerung abzulenken. So berichtet das Blatt, daß dem früheren Senatspräsidente* Dr. Rauschning, der seiner Partei bekanntlich den Rücken gekehrt hat, seitens der jüdischen Gemeinde in Danzig aus Dankbarkeit dafür, daß er sich gegen die Nationalsozialisten gewandt hat, „eine Professur für Germanistik an der jüdischen Universität in Tcl- A v i v" angeboten wurde. Die Oesterrescber gewannen die Wassermeisftersdsdft Aus Haifa: Nach Abuchluß der WassersportnieiHtp.rsehsiften auf der i. w c i t e n M a k k a b i a h wurden der ö s t e r r e 1 « h l hc h e n Mannschaft mit 380% Punkten der Meiste-rscliaftstitel und der Melehett- Cup zuerkannt. In der Bewertung folgen der Reihe nach sodann Deutschland, Amerika, Palästina und Polen. Den Cup der Htadt Tel-Aviv für EinzellUlmpfer hat Fräulein Frciwald (Polen) errungen.