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Die neue Welt · 1935-04-17 · Heft 457 (17.4.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 457 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wr.,437 DIE NEUE WELT SettoOM) '// Das Ende der i§diedio§Iow+ „Jüdischen Partei1 Ein Bündnis mit den tschechischen Sozialdemokraten — Präsident Dr. Emil Margulies verläßt die Partei Die Berichte unseres Prager Korrespondenten über die traurigen Verhältnisse im tschechoslowakischen Zionismus und in der von ihm geleiteten „Jüdischen Partei" haben allzu rasch ihre Bestätigung in Vorfällen gefunden, welche den Zerfall der nationaljüdischen Front bedeuten und auch die schwersten Rückwirkungen auf die zionistische Organisation mit sich bringen müssen. Der Umstand, daß die Aenderung der Wahlordnung für das Parlament die Erlangung selbständiger jüdischer Mandate sehr erschwert, hat zur Krise in der „Jüdischen Partei" geführt. Aus Prag wird uns gemeldet: l>cr Zentralausschuß der „Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei", der am 14. April in Mährisch-Ostrau getagt hat, hat mit 33 gegen 10 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen beschlossen, einen Wahlpakt mit der tschechischen sozialdemokratischen Partei auf der Grundlage einzugehen, daß der Jüdischen Partei zwei Mandate für das Parlament garantiert werden. Gemäß einem weiteren Beschluß des Zentralausschusses werden diese zwei Mandate mit Dr. Angelo Goldstein, Advokat in Prag, der schon bisher dem tschechoslowakischen Parlament angehört hat, und Dr. Chaim Kugel, Direktor des Hebräischen Gymnasiums in Mukacevo, besetzt. Bei numerischen Erfolgen kommt noch eine Senatorstelle in Betracht. DI nPiTlM ss MEßVENSTÄRKE DI UM I I lS K0RPER5TÄRKE N.PP.0F. DCHABERMANN Nur in Apotheken von S 3.40 an. Aufklärende Schriften und Geschmackmuster kostenfrei Blocitin ■ Vertrieb, III. RadetxkystraOe 23_ Zu denjenigen, die sich der Stimme enthielten, gehört auch der bisherige Abgeordnete der Jüdischen Partei Dr. Julius Reisz (Bratislava). Der Beschluß des Zentralausschusses der Jüdischen Partei, den Wahlpakt mit den tschechischen Sozialdemokraten zu sanktionieren, kam nicht ohne heftige Opposition des Präsidenten der Partei selbst, Dr. EmilMargulies-Leitmeritz, und einer Reihe Mitglieder des Zentralausschusses zustande. Nach Annahme des Paktes haben denn auch Präsident Dr. Margulies und einige Vorstandsmitglieder erklärt, daß sieihreStelleninderPartei nl-ederl egen. Die Zionisten-Revisionisten, mit denen wegen eines Beitrittes zur Jüdischen Partei verhandelt wurde, haben die Einladung, einen Vertreter zur Sitzung des Zentralausschusses zu entsenden, abgelehnt und erklären, der Jüdischen Partei und dem Wahlpakt vollkommenf ernbleibenzu wollen. Aus Prag wird uns hiezu geschrieben: Der Rücktritt des Mitbegründers und langjährigen Präsidenten der Jüdischen Partei, Dr. Emil M a rg.iilies,, der markantesten Persönlichkeit im Zionismus der Tschechoslowakei, ist unter den gegebenen Umständen zwangsläufig erfolgt. Er konnte nicht in einer Partei bleiben, welche ihr Grundprinzip preisgegeben und den unheilvollen Weg eingeschlagen hat, den einst die jüdische Assimilation, zum Unglück der Judenschaft, gegangen ist. Die „Jüdische Partei" wurde auf Grund des jüdischnationalen Programms geschaffen, um die Juden aus fremden Lagern hinauszuführen. Fernhaltung der Juden von jeder Einmengung in fremdnationale Angelegenheiten, Ausschaltung der Juden aus Klassen- und Kulturkämpfen, Politik unter eigener, jüdischer Firma. Was jetzt geschehen ist, läuft diesen Grundsätzen zuwider. Es bedeutet, daß von nun an die Vertreter der Juden Helfer einer fremdnationalen Klassenpartei sein werden, denn das ist die tschechische Sozialdemokratie. Das muß festgestellt werden, wobei nicht geleugnet werden soll, daß sich diese Partei in jüdischen Fragen verhältnismäßig loyal erwiessn hat. Schon jetzt kann gesagt werden, daß dieses Bündnis, besser gesagt, dieses Aufgehen der Jüdischen Partei in die tschechische Sozialdemokratie, beiden Teilen nichts Gutes bringen wird, den Sozialdemokraten nicht und den Juden nicht. Es wird für beide eine auf die Dauer unerträgliche Belastung werden. Der Hinweis darauf, daß auf einem anderen Wege für die Herren Dr. Goldstein und Dr. Kugel keine Mandate zu erlangen sind, rechtfertigt diesen Schritt nicht. Eine prinzipientreue, gut organisierte jüdischnationale Partei ist auch ohne Mandate ein Faktor, der sich Achtung von Seiten der Regierung und der anderen Parteien erringen kann. Eine jüdische Partei, die zufolge Preisgabe ihrer fundamentalen Programmpunkte ins Schlepptau einer fremden Organisation geraten ist,'bedeutet für das jüdische Volk nur eine Belastung, und wenn sie zehn Mandate hätte. w mamzms vehtiiaws / WEM V. m&R6&GASS£>6. Völkerbund und jüdische Probleme* Im Rahmen der Ortsgruppe Zürich der Schweizer Völkerbund-Liga sprach in der Vorwoche der bekannte Spezialist in Völkerbund-Fragen, Professor Dr. Guggenheim aus Genf, über das Thema: „Der Völkerbund und seine Beziehungen zu jüdischen Problemen". Er führte u. a. aus: Die politischen Bewegungen der Gegenwart zwingen auch zu einer grundsätzlichen Erwägung der jüdischen Probleme, die um so schwieriger ist, als diese Probleme weder in der Idee noch in der politischen Zwecksetzung einheitlich, sondern vielfältigster Ausdruck zersprengter Reste eines Kulturvolkes des Altertums sind. Der Völkerbund geht von der liberalen Ideenwelt des Aufklärungszeitalters aus; in den Bereich der jüdischen Probleme jedoch tritt er nicht von der grundsätzlichen Seite her — er erwägt nicht etwa das Für und Wider der Assimilationsidee — sondern praktisch von Fall zu Fall und mit konzilliatorisch-diplomatischen Methoden. Mit den jüdischen Fragen befaßt er sich in dreierlei Weise: als Treuhänder der Minderheitenrechte, als Aufsichtsinstanz der jüdischen Heimstätte in Palästina und als Wahlorgan des Hohen Kommissars des Flüchtlingsamtes. Auf dem Umwege über den Minderheitenschutz sind die jüdischen Probleme am frühesten ins Blickfeld der Genfer Institution getreten. Das Komitee der jüdischen Delegationen hat Erkenntnisse erarbeitet, die für das Gesamtproblem des Minderheitenschutzes wertvoll sind. Das Memorandum dieses Komitees hat den scheinbaren Widerspruch zwischen E m a n z ip a t i o n s- und Assimilationsidee einerseits und der Idee einer besonderen Privilegierung der Minderheiten anderseits zu fruchtbarer Synthese vereinigt. Zwar ist trotz der formalen staatsbürgerlichen Gleichstellung die wirtschaftliche Lage der Juden in den Oststaaten (Polen, Litauen, Rumänien) gedrückt; aber kein Staat des Ostens hat das Odium einer antisemitischen Ausnahmegesetzgebung auf sich geladen. Immerhin konnte auf Grund des oberschlesischen Pakts die antisemitische Praxis in Oberschlesien abgestoppt werden; es zeigte sich, daß die internationale Diskussion sehr förderlich sein kann, und daß wesentliche jüdische Probleme auf internationaler Basis behandelt werden müssen. Im Rahmen der Genfer Organisation besteht auch die Möglichkeit, Teillösungen in Angriff zu nehmen. Der Zionismus, dessen geistige und moralische Wirkung größer sein dürfte als die realpolitischen Erfolgschancen, versucht eine territoriale Lösung oder Teillösung auf palästinensischer Grundlage. Der englisch-jüdischen Palätf$$h fcßßtHßMt Aus Palästina nach Warschau zur Parteirata* Sitzung reisend, hält sich Mei'r Großmann, der; Vorsitzende der Judenstaatspartei, kurze Zeit in Wien auf, um die beiden Sederabende im Kreis seiner Parteifreunde zu verbringen. Seine zahlreichen An>- hänger und seine nicht minder zahlreichen Freunde in allen Wiener zionistischen Kreisen begrüßen Meie Großmann, den unerbittlichen Verfechter des Judenstaatsgedankens, auf das herzlichste, eingedenk der fruchtbaren Arbeit, die er vom Beginn seiner zio* nistischen Laufbahn an geleistet hat. Gerade vor den' Wahlen zum 19. Zionistenkongreß wird sich eine Aussprache Großmanns mit seinen zahlreichen Mitarbeitern, insbesondere mit seinen Kollegen in der Exekutive der Judenstaatspartei, vorteilhaft auswirken. stina-Politik gelang der Einbau der Schutzbestimmungen; für Juden in den Palästina-Mandatvertrag. Die Bestrebungen, die das bürokratische Regime in Palästina durch demokratisch-parlamentarische Einrichtungen ersetzen wollen, werden von einem Teil der Zionisten und der Judenschaft heftig bekämpft; immerhin sollte sich diese Opposition nicht zu einer grundsätzlichen verhärten. Der Völkerbund kann nicht als absoluter Garant der Rechte der Juden betrachtet werden; denn II.TaborstraBe 12{ Tel. R-46-5-57= Medtmmt HM Skgmde :t.Mk Feierliche Seder-Abende am 17. und 18. April tfcit» j | \Wml unter Leitung eines bewahrten Oberkantors lU/wi IVorzügliche PeOach-Speisen ä la carte u. Menü / Palä'stina-Weine| die Möglichkeit seiner Intervention in innerstaatliche Verhältnisse ist vom Vorhandensein spezieller Abmachungen abhängig. Die Tätigkeit des Nansen-Amtes zugunsten der russischen Flüchtlinge hatte vorwiegend Wohlfahrtscharakter. Die politischen Voraussetzungen waren 1933 Deutschland gegenüber ganz andere, als sie es 1920 hinsichtlich Rußlands gewesen waren. Da dieses noch nicht dem Völkerbund angehörte, konnte das Amt auch 'gegen den Willen Moskaus handeln, während 1933 Deutschland noch Mitglied der Genfer Organisation war und dank der Einstimmigkeitsklausel jedes Vorhaben und Vorgehen sabotieren konnte. Zum Schluß gab Guggenheim der Auffassung Ausdruck, daß auch-hü> Kaufet den Judenstoatsi

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