Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 456 (16.4.1935)
- Date
- 1935-04-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1SV. 456 DIE NEUE WELT Seite 3 Dem Herrn Staatsanwalt zur Beachtung! Wir hnbrn vor kurzem ein Inserat der Tageszeitung „Innsbrucker Nachrichten" gebracht, in welchem ,,Zwei Arier mit guten Beziehungen in antisemitische n Kreisen für die Verbreitung eines k o nkur renzlosen Werkes" gesucht werden. Unsere Vermutung, daß es sich um eine Hetzschrift ärgster Sorte handelt, hat sich als zutreffend erwiesen. Ein im Alpenland wohnender Freund unseres Blattes hat es unternommen, der Sache nachzugehen, und teilt uns mit: Ein Herr reagierte auf das Inserat, welches auch in fast allen österreichischen Provinzblättern erschien. Er uurdo In einem Klagenfurter Hotel von einem Herrn Willi Hornig empfangen, der sich als Disponent der Verlagsbuchhandlung M. O. Groh in W i c n, VII., Siebensterngassc 14, vorstellte. Das zu vertreibende Werk heißt: „Antisemit! smus der Welt in Wort und Bil d'\ herausgegeben von Dr. Robert Körber und Professor Theodor Pngel, unter Mitarbeit von Regiernngsrat Dr. Benno Immendörfer und Dr. Erich Führer, verlegt bei M. Groh in Dresden, 1935. — Das Buch kostet 42 S. Der Vertreter erhält 8 S. Der Rost ist in « Raten zu zahlen. Das Buch in Großformat wimmelt von den niedrigsten Schmähungen in Wort und Bild. Das Buch, wurde bisher von bekannten nationalsozialistischen Beamten, Aerzten und Rechtsanwälten in Klagenfurt bezogen. Herr Hernig aus Wien wohnt nicht im Hotel, sondern bei einem wohlbekannten nationalsozialistischen Führer. Es ist nicht unsere Gewohnheit, nach dem Staatsanwalt zu schreien. Wir würden es lieber sehen, wenn sich die Juden selber vor Gericht Genugtuung holen würden. Leider gestattet aber das österreichische Gesetz nicht, jüdischen Organisationen und Personen vor dem Gericht Ehren schütz und Bestrafung ihrer Verleumder zu fordern. Der „Jüdische Volksbund für Oesterreich" hat in einer Eingabe an die Regierung die Abänderung des Gesetzes gefordert. (In der Schweiz, Holland, Kanada, U. S. A. usw. wurden in letzter Zeit die Gesetze tatsächlich in diesem Sinne geändert.) Bis dahin bleibt uns eben nichts anderes übrig, als den Staatsanwalt auf dieses schändliche Wirken von Nazi-Verlegern und Nazi- Agenten aufmerksam zu machen und Einschreiten von seiten der zuständigen Behörde zu verlangen. * Gesetz gegen Rassenhetze Im Staate New Jersey Aus New York (J. T. A.): Der Gouverneur des Staates New Yersey, H o f f m a n, hat das vom Parlament des Staates New Jersey angenommene Gesetz, durch das Versuche, rassenfeindliche und antireligiöse Propaganda zu treiben, verboten werden, unterzeichnet, womit das Gesetz in Kraft getreten ist. Uebertretungen des Gesetzes werden mit Haft von drei Monaten bis zu drei Jahren oder durch Geldstrafen von 200 bis 5000 Dollar oder durch beides geahndet. Treffpunkt^.Jßtfer-AKenden £ am 17. und 18» April, unter Leitung eines bewährton Oberkantors im i # d - Restaurant W. SPRITZER Ii, Hammer •Purgstail-aasse 0 Minute vom o i a n a b * d) Zur Verabreichung gelangen erstklassige Oster-SpeilalitSten. Ausschank von original Palffsflna-Welnen zu zeitgemäßen Preisen. Tisehbestellungen erbeten unter: A-45-B-42 # de* töe$ weh tteilstoel Der Palästina'Wefnexportf im Rückgang Ungesunde Konjunktunvirtschaft „Palncws" meldet aus Tel-Aviv: Trotz der Aufhebung des amerikanischen Alkoholverbotes, an das sich hinsichtlich des palästinensischen Weinexports große Hoffimngen knüpften, ist die Weinausfuhr mengenmäßig im Jahre 1984 weiter zur ü ckgegangen, wertmäßig hat sie sich geringfügig erhöht. Im Jahre 1934 wurden 812.6 87 Liter exportiert (gegenüber 943.253 Liter im Vorjahre und 1,376.198 im Jahre 1932). Der Wert der Weinausfuhr beläuft sich 1934 auf pal. Pfund 23.214 (gegenüber pal. Pfund 22.270 im Vorjahr und pal. Pfund 30.737 im Jahre 1932). Die Ziffern über die Verteilung des Exports auf die einzelnen Länder für das Jahr 1934 liegen noch nicht vor. Bisher waren England und Aegypten die wichtigsten Abnehmer, es scheint, daß der Export nach diesen Ländern zurückgegangen ist und durch die sich verstärkende Konkurrenz, zyprischer Weine in beiden Ländern teilweise ersetzt wurde. Wir haben uns an einen in Fragen der palästinensischen Weinwirtschaft maßgebenden Fachmann um Auskunft über die Ursachen des bedauerlichen Rückganges gewendet. Er sagt: Eine der Ursachen ist in kurzsichtiger Spekulation s- und Konjunkturpolitik zu suchen, die in den Kreisen der Weinbauern Platz gegriffen hat. Als vor einigen Jahren die Preise für Orangen in die Höhe gingen, riß man einfach Reben, das Resultat jahrzehntelanger Aufzucht, aus dem Boden und pflanzte Orangen. Schon jetzt, nach drei und vier Jahren, beginnen die Orangenpreisc abzubröckeln und müssen immer tiefer sinken, denn die Produktion wächst unaufhaltsam. Soll man jetzt wieder die Orangenbäume ausreißen und Wein pflanzen? Ein Weingarten ist nicht irgendein Stück Boden, auf welchem man jetzt Korn, dann Rüben und nächstens Klee ba.ut. Wein ist ein Edelprodukt, das mit. Liebe und Ausdauer hochgezüchtet werden muß. Weinbau, der nach den Kursen der Tagesbörse betrieben wird, fördert ein miserables Produkt und wird konkurrenzunfähig. Ein weiterer Antrieb zur Vernachlässigung der Weinwirtschaft und sorgloser Bagatellisicrung des Exportgeschäftes liegt in einer an sich gesunden Erscheinung. Zufolge der enorm erhöhten Einwanderung zahlungskräftiger Elemente ist der Absatz im Lande sehr gestiegen. Das augenblicklich bequeme Inlandgeschäft verlockt dazu, sich um das immerhin schwerere und riskantere Exportgeschäft nicht zu kümmern. Das aber ist wohl eine der schwersten Sünden an der Zukunft Palästinas. Nach derartigen Grundsätzen kann man einen Kramladen betreiben, aber nicht die Wirtschaft eines Staates aufbauen. Palästina kann, bei liebevoller und sachgemäßer Arbelt, dank seines herrlichen Weinklimas und Weinbodens die hochwertigsten Trauben und Traubenprodukte hervorbringen. Es hat einen Absatzmarkt, wie kaum ein zweites Land. 16 Millionen Juden in aller Welt, die Palästina-Wein aus nationalen und religiösen Gründen immer gerne kaufen werden, auch wenn er zufolge von Schutzzöllen teurer ist. Aber um diese große Chance für die Zukunft zu erhalten, ist es notwendig, daß die Produktion und die Absatzmärkte verständnisvoll behandelt Werden. Wenn die jetzt in Palästina herrschende Mentalität bleibt, dann allerdings geht Palästina als Weinland einer wenig erfreulichen Zukunft entgegen. PalästinasSdhiffsverkehr Der sprunghafte Anstieg des Schiffsverkehrs in Palästina ist aus nachstehender Tabelle, welche nach offiziellen Angaben errechnet ist, zu entnehmen. Jahr Anzahl der Schiffe Tonnen 1931 806 1,810.000 1932 1.487 2,163.000 1932 1.931 4,723.000 1934 2.520 5,928.000 Jüdische 'Schiffahrt Noch sehr klein ist der Anteil der jüdischen Schiffahrt an diesem Verkehr. Man rechnet den Tonnengehalt aller in jüdischem Besitze befindlichen Schiffe (meist ganz kleine Küstenfahrer) auf 15.000 Tonnen. Bei der Annahme, daß diese Schiffe durchschnittlich fünfundzwanzigmal im Jahre die palästinensischen Häfen anlaufen, ergibt sich an der oben erwähnten Gesamttonnage von rund 6 Millionen ein jüdischer Anteil von rund 400.000. Etwa 100 jüdische Matrosen und Schiffsbeamte schlössen sich in Haifa zu einem Verband zusammen. Bs ist dies der erste Verband jüdischer Seefahrer. Die Palästina-Pre3se begrüßt die Bildung des jüdischen Seefahrer-Verbandes als ein historisches Ereignis im palästinensischen Schiffsverkehr. Mieterstreik in Jerusalem Aus Jerusalem (J. T. A.): Zum Protest gegen die Weigerung der Regierung, die Mieterschutzverordnung auf Jerusalem auszudehnen, führten die Jerusalemer Inhaber von Läden und Werkstätten am Montag, den 8. April, einen Streik durch Schließen ihrer Räume durch. Um 6 Uhr abends wurden die Läden wieder geöffnet; es ereignete sich kein Zwischenfall. Der Distriktskommissär von Jerusalem hat einer Abordnung der Kaufleute und Gewerbetreibenden, die den Mieterstreik durchgeführt haben, erklärt, die Mieterschutzverordnung werde im Jahre 1936 auch in Jerusalem Geltung gewinnen. Darmverstopfung. Schon die Altmeister der Heilmittellehre haben anerkannt, daß sich das natürliche „Franz-Josef-Bitterwasser als ein durchaus zuverlässiges Darmreinigungsmittel bewährt. führt. Uber die PALASTINA-EILUNIE des LLOYD TRIiSTINO TRIEST-J AFFA-H A IFA nur in <ler ausgezeichneten TouriFtenklas.se in zwei- oder $ 250 vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten t.'iglich) mmmmmmoammmmmammmmmmommmmmmmmamm Die großen Schiffe ,GAULEA',GERUSALEMME' ,PALESTINA' (je 12.500 Tonnen Deplacement) verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Aegypten und via Athen—Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer. Für Mse$e$eä&$k&ßeH Sokdettueise! LLOYD TRIESTIN0 Wien I Kärntnerring 6 Telephon U-47-5-60 Storumpf-lndiistrie Tel-Aviv (Palnews). Die seit 1934 im Betrieb befindliche Strumpffabrik „Gerev Co." in Ramat-Gan ist die erste mit Kotton-Maschinen für feinste Gewebe aus Seiden-, Kunstseiden- und Florgarnen aufs modernste ausgestattete Strumpffabrik in Palästina. Sie stellt Damenstrümpfe, Socken, Kinder- und Sportstrümpfe her. Der Inlandsbedarf reicht vollkommen aus, um eine rentable Produktion zu ermöglichen. Infolge der niedrigen Zölle ist die Importkonkurrenz eine außerordentlich starke und hat sich im Jahre 1934 weiter gesteigert. Der Import und Export von Strümpfen und Socken hat sich in den letzten zwei Jahren wie folgt entwickelt: 1934 1933 Import Dutzend 152.540 122.805 Wert in Pfund 46.774 3S.596 Export Dutzend 32.082 44.508 Wert in Pfund 8.920 11.584 Hauptexportländer nach Palästina sind Deutschland, England, die Tschechoslowakei. Japan liefert nur schlechteste Qualität und setzt irt Palästina daher nur geringe Mengen ab. Der palästinensische Strumpfexport wird zum weitaus größterf Teil von Syrien aufgenommen, kleinere Mengen gehen auch nach Cypern, Südafrika, Aegypten und dem Irak« Der palästinensische Detailhandel bevorzugt Tozereth Haarez (einheimisches Produkt), während Grossisten in vielen Fällen Sonderinteressen mit importierter Ware verfolgen. Die Strumpffabrik „Gerev Co." beschäftigt zurzeit 60 Arbeiter. Da es an geschulten Facharbeitern fehlt, werden aus Polen 20 Facharbeiter herangezogen, für die Zertifikate erteilt sind. Die Zahl der Arbeiter soll weiter erhöht werden. Infolge des Mangels an qualifizierten Arbeitern können die aufgestellten Maschinert nur zum Teil beschäftigt werden. Jtidenstaatsparäei Oesterreichs Donnerstag, den 18. d. M. (2. Sederabend), findet um 8 Uhr abends in der Restauration Barsehak, Wien, II., Große Schiffgasse, unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. I. Z. K a n n e r und in Anwesenheit von M e i r Großmann der von der Judenstaatspartei veranstaltete Sederabend statt. Preis pro Gedeck S 5. Letzte Anmeldungen: Dienstag, den 16. d. M., von 8 bis 9 Uhr abends, bei Herrn Moses Goldhirsch im Sekretariat, I., Werdertorgasse 14, sowie Mittwoch, den 17. d. M., von 10 bis 12 Uhr vormittags in der Administration der „Neuen Welt". Nach dem Seder geselliges Beisammensein, zu welchem auch Gesinnungsgenossen, die den Seder zu Hause halten, höflichst eingeladen sind. Samstag, den 20. d., veranstaltet die Bezirksg r u p p e B r i g i 11 e u a u im Wallenstein-Kino, XX., Wallensteinstraße 55, eine Nachtvorstellung. Zur Aufführung gelangt der Film „David Golder". In der Hauptrolle der große jüdische Schauspieler Henry Baur. Karten sind erhältlich In allen Sektionen, bei den Funktionären sowie an der Abendkasse des Kinos. Sektion Prater. Samstag, den 20. d. M., um halb 9 Uhr abends, im Heim, II., Kleine Zufahrtstraße 166, Massenversammlung. Thema: Der 19. Zionistenkongreß und die Forderungen der Judenstaatspartei. Redner: Dr. S. Wolf und Theodor Grubner. Große Hevzl-Gedenkt'eier. Donnerstag, den 2. Mai, findet im Festsaal des Hotel Continental eine große Herzl-Gedenkfeier statt. Die Gedenkrede hält ein prominenter zionistischer Führer. Reichhaltiges künstlerisches Programm. Die Judenstaatspartei und Judcustaatsjugend gratulieren ihrem Leitungsmitglied Herrn Karl Frankel anläßlich seiner Vermählung mit Frl. Martha Feldhändler aufs herzlichste. Kaufet den Judenstaats