Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 456 (16.4.1935)
- Date
- 1935-04-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DW NEUE W£L1 JNr. 456 Bue QestUitiUe des (Utiveesiiäis^edimketts Trof. Josef Klausner (Universität Jerusalem) veröffentlichte eine Uebersieht über die ^geschichtliche Entwicklung des hebräischen Universitätsgedankens, die wir im nachstehenden skizziert wiedergeben. 1. Vor der Chibbat-Zion-Epoche. Man weiß nicht, woher die Schüler der „Proj> h ( t e n - S c h u 1 e n" aus der biblischen Zeit die Kenntnisse über fremde Volker und deren Wissenschaften bezogen, die sie besitzen mußten. Man weiß auch nicht, ob die Weisen der talmudischen Zeit ihre nichtjüdischen Kenntnisse auf ihren eigenen Hochschulen oder auf anderen Wegen erwarben. Im Mittelalter gab es zwei Hauptversuche, auf jüdischen Hochschulen auch allgemeine (universelle) Unterrichtsfächer einzuführen: a) Im Jahre 1466 stimmte Johann II.. König von Aragon und Sizilien, dem Wunsch der sizilianischen jüdischen Gemeinden zu, in Sizilien eine hebräische Universität zu gründen, die den damals bestehenden Universitäten in jeder Weise ähneln sollte; der Plan scheiterte am Widerstand der katholischen Geistliehen, b) Im Jahre 1564 regte Rabbi David Provin/iali in M antua die Gründung einer hebräischen Universität an. Es sollte dort jüdischer und allgemeiner Unterricht, ..heiliger" und ,.p>?faiier" zusammen erteilt werden. Auch dieses Prnjeflft wurde nicht ausgeführt. 2. Die Chibbat-Zion- Epoche. Prof. Zwi Schapira (18-10 bis 1898), Urheber K.-K.-L.-Gedankens, befürwortete 1882 eine hebräische Hochschule, ein „Lehrhaus der Thon», der Weisheit und der Arbeit", und zwar auf K.-K.-L.-Boden. Entgegen der üblichen Ansicht, daß eine Universität ohne Mittelschulen nicht möglich sei, meinte Prof. Sehapira, daß die Universität selber den Mittelschulunterricht übernehmen könne. Er dachte an die Schaffung von drei Abteilungen: Theologie (Lehrer und Rabbiner) — Theoretische Wissenschaften — Praktische Wissenschaften. — Vorbereitungsanstalt für die Juden in Palästina. Unterrichtssprache Deutsch. Pflege der hebräischen heiligen Sprache", auf daß sie auch einmal wieder zur gesprochenen Sprache werde. Später könne sie auch Unterrichtssprache werden. Die Universität sollte nicht im „fanatischen Jerusalem", sondern im Zentrum der jüdischen Ansiedlunge n liegen. Auch die ersten Biluim (R. I. Beikind, R. J. S. Chasanovv) träumten von einer hebräischen Universität in G c d e r a h, wo die chaluzischen Studenten waren und wo einem Hügel der Name „Universitäts-Hügel" gegeben wurde. 3. Zu Beginn des politischen Zionismus. J. Ben J e h u d a führte Hebräisch als Unterrichtssprache in der Schul«' der Gesellschaft „Kol Jlsrael Chawerim" in Jerusalem ein. 1807, am Vorabend des I. Kongresses, polemisierte Reuben B r a i n i n im „Zion" (Berlin) gegen die Ansicht der Criewen e-Z>on, daß die Kolonien in Palästina für eine Universität noch nicht genügend fest fundiert seien. Er verlangte hebräische Unterrichtssprache. Auf den Zionistenkongressen verlangte die „demokatische Fraktion" unter Führung von Weizmann eine hebräische Universität. Auf der zionistischen Tagung in Minsk 1902 trieb Achad-Haam durch einen Vortrag über die hebräische Kultur die Angelegenheit vorwärts. nos hür die Osterfeiertage erhalten Sie die besten Wurst- und Selchwaren aus der renomm. Fabrik EISEN & H&NIGSBER ständig frisch in reicher Auswahl Wien II, Haidgaiie5lÄ Prima Weine Postversand Achten Sie genau auf die Adresse! Auch Sonntags von 8 Uhr früh bis 10 Uhr abends geöftnet. Im Jahre 190(5 wurde ein Büro für Verbreitung des Universitätsgedankens gegründet, im Jahre 1911, nachdem bereits 1905 in Jaffa ein Gymnasium gegründet worden war, forderte Dr. Klausner eine geisteswissenschaftliche Fakultät. Im Jahre 1918 auf dem Wiener Zionistenkongreß wurde eine Kommission zur Förderung der hebräischen Universität (Waad) geschaffen und Weizmann mit den Vorarbeiten betraut. Baron Rothschild stimmte dem Universitätsgedanken zu und war bereit, ein Laboratorium für Prof. Ehrlich zu stiften. Ein Waad Universitai erwarb mit Geldern des Waads der Odessaer Chowewe-Zion (zunächst 50.000 Fr.) und mit Hilfe einer großen Spende von J. L. Goldberg (Pf. 7500) das Grundstück Grey Hill auf dem Skopus. Der Weltkrieg unterbrach die Arbeiten. Bald nach der Balfour-Erkläruug (2. November 191") fand (am 24. Juli 1918) die Grundsteinlegung in Anwesenheit Lord Allenbys, der englischen Besatzungsbehörden, der Vertreter der alliierten Mächte und auch der Vertreter der in Palästina vorhandenen Religionen statt. Nun trat eine vierjährige Pause ein. Weitere Etappen: 1920: Die zionistische Leitung nimmt ein ausführliches Universitätsprogramm an. 1921: Weizmann reist mit Einstein nach Amerika, sammelt Gelder, gründet dort eine Vereinigung jüdischer Aerzte, die die Schaffung einer medizinische n Abteilung an der Universität übernahm. 1922 entstand in englischen Kreisen in Jerusalem (Stadtgeuverneur Renald Storrs) der Plan einer englischen Universität in Jerusalem, wurde aber nicht verwirklicht. 1923 wurde eine Sonderkommission zur Verwirklichung des Universitätsgedankens in Jerusalem gegründet (Ben- Jehuda, Jellin, Klausner, Ussischkin, Achad-Haam, S. Ginsberg, Norman Bentwich, Dr. Magnes, Dr. Ä. L. Meir). Bezüglich der Eigenart der Universität bestand die Anflicht, eine Universität wie alle Universitäten zu gründen, während andererseits zunächst jüdische und geisteswissenschaftliche Inhalte, die sich mit den jüdischen berühren, gefordert wurden. Am 1. April 1925 fand die offizielle Eröffnungsfeier in Anwesenheit von Lord Balfour, Lord Allenby usw. auf dem Skopus statt. Am 2. April 1925 kam es zur Grundsteinlegung für das Einstein-Institut für Mathematik und Physik. „Für De&Eä§di3um und Judentum" — verboten Aus Berlin: Der „C. V.-Zeitung", Organ des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die bisher den Untertitel „Blätter für Deutschtum und Judentum" geführt hat, wurde von den Behörden verboten, diesen Untertitel weiter zu führen, weil es dem Nationalsozialismus untragbar erscheint, daß eine jüdische Zeitung die Marke „Für Deutschtum" trägt. Die „C. V.-Zeitung" hat nunmehr als Untertitel die Bezeichnung „Allgemeine Zeitung des Judentums" gewählt. Oesterreich — Zweiter bei der feflaltkabiah Nach dem offiziellen Schluß der 2. Makkabiade gewann Oesterreich die Schwimmeisterschaf t des Makkabi. Zweiter wurde Tschechoslowakei, Dritter Amerika. Durch diesen Sieg ist Oesterreich in der allgemeinen Punktation der Makakbiah an die zweite Stelle nach Amerika gelangt. An dritter Stelle steht Deutschland, an vierter Polen, an fünfter Palästina. Kein Jude bei der OstdiinaiBahn Aus Ch arbin (J. T A.): Von den 468 Juden, die bei der Ostchina-Eisenbahn in Mandschukuo, als diese? unter sowjotrussischer .Verwaltung stand, beschäftigt waren, ist kein einziger von der neuen Verwaltung, die vom Staate Mandschukuo kontrolliert wird, übernommen worden. Die jüdischen Angestellten der Bahn und ihre Angehörigen, etwa 1200 Seelen, wurden nach Sowjetrußland evakuiert. Die Anwerbung neuer europäischer Angestellter für die Bahn wurde dem w c i ßgardistisch-russischen Emigranten- Komitee überwiesen, das Juden nicht engagiert. Kampf gegen Pessadi Aus Moskau (J. T. A.): Die gesamte jiddisch geschriebene Sowjetpresse stellte sich in den Dienst der antireligiösen Kampagne aus Anlaß des kommenden Pessach-Festcs. Sie erklärt, daß zwar der größte Teil der jüdischen arbeitenden Bevölkerung Rußlands sich von religiösen Einflüssen befreit hat, daß es aber dennoch falsch wäre, die antireligiöse Aktion einzustellen. Dio Charkower Zeitung „S t e r n" klagt, daß in vielen Orteit die jüdische Bevölkerung große Vorbereitungen zum Pessach-Fest trifft; man eröffne Mazzoth-Bäckc r e i e n und sammle für Pessach-Unterstützungsfonds zugunsten armer Leute. „Emess", Moskau, fordert, daß sich dio Hauptarbeit auf die Propaganda von Haus zu Haus konzentrieren muß. Andere Zeitungen fordern intensive Bearbeitung der jüdischen Schuljugend, da es sich herausgestellt hat, daß zahlreiche jüdische Schüler an den Feiertagen der Schule fernbleiben. Die Zeitungen bringen Aufrufe jüdischer Arbeiter-Zirkel, die sich scharf gegen religiöse Einflüsse „klerikaler und konterrevolutionärer Banden" wenden. Die Bezirksortsgruppc H des ,,Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Wien, II., Praterstraßc 66, veranstaltet am 16. d. in ihrem Heim um 20 Uhr eine Maimonides-Feier, bei welcher Se. Ehrwürden Oberraibbiner Dr. Taglicht die Festrede hält. Anschließend spricht der Bundesführerstellvertreter, Dipl.-Kaufmann Oblt. d. Res. Emst Stiaßny, über aktuelle Fragen. Sensationen in der Taborffräße ♦ ♦ ♦ Jeder, der die Auslagen des bekannten „Warenhauses der Sparsamen", Schiffmann, besichtigen wird, ist nicht nur von der Mannigfaltigkeit des Dargebotenen, sondern auch von den billigen Preisen auf das angenehmste überrascht. Bekommt doch die Dame schon einen eleganten Frühjahrsmantel um S 19.80, ein Cape-Kleid um S 15.90, einen Sämisch-Binde-Pumps-Schuh um S 13.90, fürs Kind ein Cape-Manterl um S 14.—. 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