Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 455 (12.4.1935)
- Date
- 1935-04-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 455 DIE NEUE WELT Seite 3 läö *\ Kunero! ist vollständig reines Fett ous Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. CfflCHÄ Das100%reine Kokosnußfett Nur echt in Originalpackung! K15 Nadh den Wahlen in Danzig Eine schwere Gefahr abgewendet Polen interveniert gegen den Juden-Boykott ning, der Judenknecht Präsident Rausch- Dic am Sonntag, den 7. April, im Freistaat Danzig durchgeführten Wahlen zum Volkstag haben den Nationalsozialisten eine schwere Enttäuschung gebracht. Unbeschadet dessen, daß die Nationalsozialisten aus dem Reich ihre hervorragendsten Führer und Redner nach Danzig entsandt und viele tausende Danziger aus dem Reich zur Stimmenabgabe herbeigeführt haben und mit ungeheuren Mitteln den' Wahlkampf auf | dem kleinen Danziger Territorium führten, haben sie gegenüber den letzten Volkstags wählen einen verhältnismäßig kleinen Vorsprung gewonnen, aber nicht die erhoffte Zwcidrittel-Mehrhcit, die zur Aenderung der Verfassung notwendig ist, erringen können. Sie haben auf sich bloß 60 Prozent aller abgegebenen Stimmen vereinigt und ihre Mandatszahl von 38 auf 42 erhöht. In die restlichen Mandate teilen sich Sozialdemokraten, Zentrum und Polen; die letzteren haben sogar ihre Mandate von zwei auf drei erhöhen können. Für die Juden D a n z 1 g s bedeutet der Ausgang der Wahlen die Abwendung der Drohung, daß die Nationalsozialisten mit Hilfe einer Zweidrittel-Mehrhcit die Verfassung in dem Sinne ändern, daß den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung abgesprochen wird. Gegen eine Verfassungsänderung mit der erforderlichen qualifizierten Mehrheit hätte auch der Völkerbund, der das Protektorat über den Freistaat Danzig innehat, kaum etwas ausrichten können. * Der polnische Generalkommissär in Danzig, Minister Dr. Papee, hat am 4. April an den Senat eine Note gerichtet, in der er unter Beifügung eines der Boykottzettol, die in den letzten Tagen an zahlreichen jüdischen Geschäften angebracht worden sind, darauf hinweist, daß diese antisemitische Propaganda eine normale Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Da n z i g und Polen insbesondere in allen denjenigen Wirtschaftsgebieten erschwere, in denen das jüdische Element repräsentiert ist. Der Generalkommissär erinnert im Namen der polnischen Regierung den Danziger Senat erneut an die Verpflichtungen, die er im sogenannten Protokoll über die Auanützung dos Danziger Hafens vom Jahre 1933 auf sich genommen hat. Abschließend wird im Auftrage der polnischen Regierung an den Senat die Anfrage gerichtet, welche Verordnungen erlassen worden sind, um diesem Zustand ein Ende zu bereiten. * Der frühere Präsident des Danziger Senats, Doktor Rauschning, übergab der Presse folgende Erklärung zu Beschuldigungen, die in einer großen Danziger Versammlung vom berüchtigten Nürnberger Gauleiter Julius Streicher gegen ihn erhoben wurden: „Es ist nicht wahr, daß ich Danzig an die .1 u d e n verraten wollte. Wahr ist vielmehr, daß ich in pflichtgemäßer Wahrnehmung der Danziger Verfassung für die rechtliche und wirtschaftliche Gleich- »tellung der jüdischen Bevölkerung Daiv/Jgs wie aber auch jedes anderen Bevölkerungsteils Sorge trug, da dies um so mehr meine Tflicht war, als jede rechtliche oder wirtschaftliche Benachteiligung auch gegen vertragliche Verpflichtungen der Freien Stadt verstoßen und schwere Schaden für das wirtschaftliche Leben Danzig* hätte zur Folge haben müssen. Es ist nicht wahr, daß ich diesen „sogenannten Verrat" heimlich „begehen" wollte. Wahr ist vielmehr, daß Ich in aller Oeffcntlichkeit durch Regierungserklärungen wnd in voller Uebereinstlmmung mit dem Gesamtsenat die Sicherstellung der Rechte der jüdischen Bevölkerung und aller Bevölkerungstello als verpflichtende Aufgabe der Regierung zugesagt habe. Es ist nicht wahr, daß ich nicht habe zulassen wollen, daß man die Wahrheit über die Juden erfuhr und daß ich den „Stürme r" verboten habe. Wahr ist vielmehr, daß der Herr Polizeipräsident den Vertrieb dieses Blattes für einige Folgen verboten hat, da er die öffentliche Sicherheit durch den Vertrieb dieser Zeitung für g ef ä h r d e t ansah. Schwere Kollektlvbcleidigungen der jüdischen Bevölkerung Danzigs hatten einen Zustand herbeigeführt, der den vertraglichen Abmachungen, der Rechtslage und den ausdrücklichen Regierungserklärungen widersprach." Nach Abgabe dieser Erklärung hat der frühere Senatspräsident Rauschning Danzig verlassen, um sich der Rache der Streicher-Anhänger, welche gegen ihn Morddrohungen ausgestoßen hatten, zu entziehen. Antisemitische Ausschreitungen in Berlin Dem „Prager Tagblatt" wird aus Berlin gemeldet: Das alte Scheunenviertel beim Alexanderplatz, wo die Quartiere der ost. jüdischen Einwanderer liegen, deren Zahl in den letzten zwei Jahren aber sehr stark abgenommen hat, war in dieser Woche mehrmals der Schauplatz judenfeindlicher Kundgebungen. Die umliegenden Straßen wurden von einem Demonstrationszug durchzogen, der angeblich nur für den „Stürmer" werben wollte — im Scheunenviertel, wo keine Leser für dieses Blatt zu gewinnen waren. Ein Dutzend Riesenplakate mit abschreckend häßlichen jüdischen Karikaturen und den Aufschriften: „Juden raus!" und „Die Juden sind unser Unglück!" wurde dem Zug vorangetragen, für den eine Kapelle der Hitler-Jugend die Marschmusik besorgte. Es kam verschiedentlich zu Belästigungen jüdisch aussehender Passanten. Schließlich kam es auch zu ernsteren Ausschreitungen, bei denen vier Juden, darunter der Kaufmann Hans Moses und der Friseur Markus, schwerverletzt wurden, so daß sie ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Auch in das Cafe Magnet, das ein spezifisch jüdisches Publikum hat, drangen die Demonstranten ein und zwangen die Gäste, das Lokal zu verlassen. Nach diesen Ausschreitungen unterblieben, offenbar auf eine polizeiliche Warnung hin, weitere Demonstrationen. Die judenfeindliche Boykottbewegung wird jetzt auch In Beriin arrangiert. Sämtliche Angehörige der Belegschaf t der Siemens-Werke, die 30.000 Angestellte und Arbeiter zählt, mußten sich dieser Tage der nationalsozialistischen Betriebszellenleitung gegenüber verpflichten, daß sie und ihre Familienangehörigen keinen Einkauf in jüdischen Geschäften vornehmen werden. Aus aller Welt Die Prager Hakenkreuzklinik wird boykottiert. Der Fall des durch hakenkreuzlerische Umtriebe an der Prager deutschen chirurgischen Klinik zum Selbstmord getriebenen jüdischen Arztes Dr. Josef Gach, führt zu einem Boykott deutscher Kliniken seitens tschechischer Krankenkassen. Der tschechische Krankenkassenverband :hat. nach Berichten der Direktoren ätulik und Dr. Madarasder einstimmig beschlossen, darauf zu beharren, daß alle von Krankenkassen in klinische Behandlung geschickten Mitglieder ausschließlich auf tschechischen Kliniken behandelt werden. In 15 Tagen elf Schiffe. Wie Lloyd Triestino mitteilt, war der Schiffsverkehr zur diesjährigen Makkabiade so stark, daß der Lloyd allein für die Zeit vom 20. März bis 5. April elf Schiffe, darunter die „Roma" mit etwa 1800 Passagieren an Bord, von Triest nach Palästina abgefertigt hat. Unter den Reisenden waren wohl auch Katholiken, die zur Osterzeit die heiligen Stätten besuchen. Aber die Zahl der jüdischen Reisenden über Triest wird für diese 15 Tage auf zirka 8000 geschätzt. Adolph S. Ochs gestorben. In New York starb, 77jährig. Adolph S. Och s. Besitzer der größten amerikanischen Zeitung „New York Time s", und Mitdirektor der Associated Press. Er stammte aus einer jüdischen Familie in Fürth (Bayern), und brachte es vom Zeitungsjungen zum Zeit ungskönig. Er betätigte sich intensiv an jüdischen kulturellen und charitativen Werken. Hetznla'-ate in Parts. Die antisemitische sogenannte Frank istcn-Organisation hat in den Straßen von Paris Plakate anbringen lassen, auf denen die Karikatur eines j ü d i s c h e n Bankiers zu sehen ist; darunter ist die Aufschrift zu lesen: ,,F,;.r das Vaterland sterben, ja, du Hund! Aber für die jüdische internationale Finanz niemals!" Die Frankisten-Organisation gehört dem von Alfred Rosen borg geschaffenen und unter deutscher Führung stehenden Internationalen A n t i s e m i t e n b u n d an. AufenthaUsreeht in Holland. Tm vergangenen Jahr* hatte die holländische Regierung beschlossen, die aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern stammenden Ausländer auszuweisen. Einige hundert jüdische Einwanderer pus Osteuropa wurden von dieser Maßnahme betroffen. Diese Verfügung wurde nunmehr zurückgezogen. Fast nlle eingewanderten polnischen Staatsangehörigen behalten ihr Aufenthaltsrecht. Arlerinnen am Pranger. Die „Berliner Nacht-Ausgabe" vom ä. April meldet: „In Breslau kam es gestern zu spontanen Demonstrationen gegen arische Frauen, die ^n engen Beziehungen mit Juden leben. In einem Zug von SA.-Männern wurden Plakate mit den Namen dieser Frauen unter Vorantritt eines Hornisten durch die Stadt getragen. Zahlreiches Volk schloß sich dem Zuge an. Vor den Häusern der angeprangerten Frauen nahmen die SA.-Männer Aufstellung und Signale des Hornisten machten die Umwohner aufmerksam auf die angeprangerten Frauen. Tn einem Fall wurde ein Mann, der sich für eine der „angeprangerten" Frauen einsetzte, von den SA.-Lcuten schwer mißhandelt, in einem anderen Fall ging die Menge gegen eine Frau .tätlich vor, die mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus geschafft werden mußte. Ein Hitler-Wort. Die der rüdesten Judenhetze, gewidmete Sonderbeilagc des „Westdeutschen Beobachters": „Der Jude in Staat, Wirtschaft und Kultur" bringt auch einen Beitrag Adolf Hitlers: „Wo immer wir in der Welt Angriffe gegen Deutschland lesen, sind Juden ihre Fabrikanten, gleichwie ja auch im Frieden und während des Krieges die jüdische Börsen- und Marxistenpresse den Haß gegen Deutschland planmäßig schürte, so lange, bis Staat, um Staat die Neutralität aufgab und unter Verzicht, auf die wahren Interessen der Völker in den Dienst der Weltkriegskoalition eintrat. Adolf Hitler." Die Frankfurter Judenschaft verschwindet. Die Zahl, der Austritte aus dem Judentum betrug 153. Die Zahl der Wiedereintritte hat sich gegenüber dem Jahre 1933, wo 45 Personen zum Judentum zurückfanden, erheblich vermindert. Sie betrug im abgelaufenen Jahre 21 Personen. Im Jahre 1934 sind bei der Jüdischen Gemeinde- Frankfurt a. M. nur 67 Geburten gemeldet worden; im Jahre 1933 waren es noch 107. Der geringen Zahl der Geburten stehen insgesamt 314 Todesfälle gegenüber (i. J. 1933: 233). Als Todesursache ist in 1 4 F ä 11 e n Selbstmord angegeben. Konflikt WeszmanQisRurihenher<f Zu* den vielen Konflikten zwischen zionistischen Parteien hat sich nun ein neuer zwischen führenden Persönlichkeiten gesellt. Professor W e i z m a n n hat den Schöpfer und Generaldirektor des palästinensischen Wasserkraft- und Elektrizitätswerkes, Ing. Pinchas Ruthenberg, in einer Sitzung des Zionistischen A. C. heftig angegriffen und vor jeder Unterstützung seines Werkes gewarnt. Die J. T. A. meldet hiezu aus Jerusalem: Zwischen Dr. W c i z m a n n und Ing. Pinchas Ruthenberg ist ein Konflikt ausgebrochen, der sich auch in den Vei*- handlungen des A. C. widergespiegelt hat. Ruthenberg sandte einen Brief an das Präsidium des A. C., in welchem er gegen eine von Dr. Wcizmann auf der Tagung des A. C. gemachte Bemerkung protestierte. Weizmann soll bei Besprechung der Position der Palestine Electric Corporation erklärt haben, daß, wenn Ruthenberg jetzt für dieses Unternehmen um Förderung bitten sollte, er keinen Finger rühren würde; auch würde er den nationalen Körperschaften nicht raten, Ruthenbergs Pläne zu unterstützen. Ruthenberg wies in seinem Schreiben, das im Plenum des A. C. verlesen wurde, Weizmanns Darlegungen scharf zurück und erklärte, Weizmanns Beschuldigungen gegen ihn seien grundlos, Weizmann habe auch niemalsRuthcnberg geholfen. Ueber die sachliche Gründe des Streites besagt die Meldung nichts. Es dürften voi'wiegend persönliche Gründe maßgebend sein, die Rivalität beider ist älteren Datums. Zuzeiten, da die Stellung Professor Weizmanns als Präsident der Zionistischen Weltorganisation schwankte, wurde Ruthenberg wiederholt als Nachfolger vorgeschlagen. Falme der Woche (Nach den Herstellungsländern zusammengestellt.) Oesterreich: Alles für die Firma. Oesterreich (Arierparagraph): Kosak und die Nachtigall •— Hohe Schule — Himmel auf Erden. Amerika: Der Tyrann - In den Kanälen von Paris (Kreuz-Kino) -— Abenteuer einer schönen Frau —- Millionärstöchtcr. England: Große Erwartungen - Scharlachrote Blume. Deutschland (Aricrparagraph): Hundert Tage (Cine Alliance Berlin und Societa anonyma Rom „Vis") — Der Heiratschwindler Eine Nacht im Palasthotel — Jonny räumt auf —- Der alte und der junge König — Mein liebes dummes Mädel ----- Charleys Tante - Barcarole. Jüdisdhe Unternehmer! Denket an die jüdischen Arbeitslosen und fordert anläßlich der Frühjahrssaison den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorjen beim jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, I., Kohlniessergasse 4^ Tel. U-27-0-63, an.