Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 453 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1 DIE NEUE WELT Nr. '453 13 x BERGMANN. I <^j*. RABEH SfElfi 3 HtMMELPFORTa. S KÖLLWFRHOF f SÄMTLICHE ARTIKEL IN WAtCNl UND wirkwaren SPOTTBILLIG! Führend In ETtRMA-H«mden (von 6*80 auffw.) 1 Judenstaats-Jugend — unsere Jugend! Die Jugend der österreichischen Judenstaatspartei gibt eine Monatszeitschrift „Der neue Geist" (Haruach Hachadaschah) heraus. Sie schreibt sie selbst, sie druckt sie selbst, sammelt das Geld für Papier groschenweise unter sich. Sie bringt in diesen Blättern, was ihr am Herzen liegt, was ihr als Höchstes gilt. Wie diese jungen Burschen und Mädchen ihr Sein als Jude und Mensch gestaltet haben wollen, das sagen sie in ihrer Zeitung. Im Februarheft bringen sie: Eine einsame Idee Am 21. Februar 1838 kam in der kleinen böhmischen Judengemeinde Kolin Josef Popper zur Welt. Er studierte und schrieb an die siebzig Jahre. Er durchforschte alle Gebiete menschlichen Wissens, war Techniker, Jurist, Philosoph, alles in höchster Vollendung. Sein Kranken- und Sterbelager umgab nur ein kleiner Kreis von Menschen. Draußen die Menge, die Menschen, die nicht einmal den Namen dessen kannten, der das Rätsel ihrer Befreiung gelöst. Fernab die feindselige Schar derer, die ihn ganz verstanden und darum ganz haßten. Die Zünftler, die Professoren, die Politiker, die Parteigrößen, welche das Menschenelend zum Katheder machen, um sich darauf gelehnt zu spreizen, zur Tribüne, auf welcher man Macht und Ruhm und Geld zusammenrafft. Popper schrieb das Buch „Die allgemeine Nährpflich t". Der Mensch, der aus dem Mutterleibe kommt, bringt ein Recht mit sich, das ihm niemand nehmen kann. Das Recht auf ungehinderte Fortexistenz, das Recht auf Essen, Kleidung und Obdach. Die menschliche Gesellschaft ist verpflichtet, dieses Recht jedes menschlichen Wesens zu befriedigen. Es ist ihre erste und höchste Pflicht. Eine Gesellschaft, in welcher auch nur ein Mensch verhungert oder sein Leben fortwerfen muß, um Hunger und physischem Elend zu entrinnen, ist eine barbarische Gesellschaft. Und wäre es auch nur einer! Das Heiligste und Höchste ist das Leben des Menschen. Es muß gesichert sein. Jeder muß an dieser Sicherung mitwirken. Zur Sicherstellung der für alle notwendigen Mittel stellt der Staat, stellt die Gesellschaft die Nährarmee auf. Jeder Mann, jede Frau muß eine bestimmte Zahl von Jahren in der Nährarmee dienen, in ihr arbeiten, so viel und so lange, als es notwendig ist, um allen Menschen das zum Leben notwendige Minimum frei, ohne jede Bedingung zur Verfügung zu stellen. Hat der Mensch dieser Dienstpflicht genügt, dann ist er frei, kann sein Leben gestalten, wie er will, kann arbeiten, kann erwerben und verbrauchen, wie und was er will. Er kann gut sein, weil er frei ist. Die Peitsche des Hungers ist zerbrochen. Keiner kann sie über seinem Haupte schwingen, kann ihm diese oder jene Lebensweise aufzwingen, kein Monarch, kein General, kein Priester, kein Geldfürst, kein Parteiführer, kein kapitalistischer Bürokrat und kein Bürokrat des Klassenkampfes. Popper hat ein geniales Programm der Organisierung der Nährarmee entworfen. Auf die Frage, ob dieses Heer der Arbeit das Lebensminimum für alles schaffen kann, antwortet er: Ja. Doch fügt er hinzu: Und wäre einmal nicht genug, um alle in gleicher Weise vor dem Hunger zu schützen, dann müßten alle in gleicher Weise Entbehrungen tragen. Kein Mensch hat ein Recht auf Sattwerden, wenn der andere hungern muß. Gleichheit vor dem Hunger! Was Popper lehrte, ist so einfach, entsetzlich einfach. Alle Hüter der gottgewollten heutigen Ordnung (Gott will, daß Menschen hungern!), alle Nationalökonoraen, alle Sozialwissensohaftler, Statistiker und wie die Zergliederer des menschlichen Pension Koch, Haiti Hadar-Hakarmel Hermon Street 20 Telephon 1139 Haus ersten Ranges / Herrliche ruhige Lage / Kühle Räume / Modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser / Gepflegte koschere Küche / Mäßige Preise. Elends sich nennen mögen, sie waren fassungslos. Mit einer Handbewegung schob dieser Mann alles beiseite, was akademisch und politisch höchst rangierte Menschen in jahrzehntelanger, von den Massen ehrfurchtsvoll bewunderten Gehirn- und Schreibarbeit zusammengetragen und über das menschliche Elend gehäuft hatten. Die von der gottgewollten Ordnung sprechen und dem Menschen ein himmlisches Paradies versprechen,' und die anderen, die ihm ein Klassenparadies vorhalten, beide geben dem Menseben statt Brot, Frieden und Freiheit — Hunger, Haß und K n echtschaf t. So sprach Popper. Die einen liefen zur Polizei und ließen seine Bücher konfiszieren, die anderen gelobten, ihn der wissenschaftlichen' und politischen Vernichtung preiszugeben, durch Verhöhnung, als er lebte — durch Verschweigen, da er tot ist. Wenn die Menschen aufstehen werden, um Hunger und Knechtschaft abzuschütteln, dann werden sie den Weg gehen, den Poppcr-Lynkeus gewiesen hat... * Die traurigste Statistik aller Zeiten. Das Genfer Hilfskomitee zur Linderung der Not stellte fest, daß im abgelaufenen Jahr 2,300.000 Menschen verhungerten. Den Hauptanteil an dieser traurigen Statistik hat China und das marxistiKch-sozialistischeSowjetruß- 1 a n d. * Gebt den Leuten zu essen, die Würde wird dann schon kommen, (Friedrich Schiller.) * Das Recht auf das Leben ist ein Naturrecht, das heißt, es muß dogmatisch gefordert werden, b?vor irgend eine politische Verfassung möglich ist. Jedes Argumentieren in dieser Sache führt unweigerlich zum Nirwana — zum allgemeinen Selbstmord, und dies muß als eine Reductio ad ^absurdum und ein dogmatischer Wille zum Leben, als die Grundlage angenommen werden, von der erst alle soziale Ordnung ausgehen muß. (Bernard Shaw.) ■ JjU So denkt unsere Jugend! Herzl — ihr Leitstern im Judentum! Popper-Lynkeus — ihr Leistern im Menschentum! Die andere Jugend strömt nach links, zum marxistischen Trugbild, zur Gewalt, zur Diktatur der Klasse; sie strömt nach rechts, zu verantwortungsloser, blinder Unterwerfung unter den Willen eines Führers, zur Diktatur der Personen. Unsere Jugend geht aufrecht und stolz. Ihre Ideale sind: der freie Jude im freien Staat, der freie Mensch in der Gesellschaft ohne Hunger und ohne Furcht vor Hunger. Wir sind stolz auf diese Jugend. OSTER-SONDERFAHRT nach CZERHOailTZ 16. APRIL bis 1. MAI 1935 Reisebüro 91 IKI 11 Vci w>en i, Karlsplatz 1 (Ecke KU! Kärninerstr.) Tel. U-44-5-79 ADDIC" Wien (, Kärntnerstraße 41 Reisebüro )(VK»I* Telephon R-26-1-43 Referent S. Rosenkranz. Juden§taat9partei Oesterreichs Graz: Samstag-, den 6. April, halb 9 Uhr abends, im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Vortrag Dr. I. Z. Kanner. Montag, den 8. April: Sektion X, halb 9 Uhr abends, im Heim des Bunde» jüdischer Frontsoldaten, X., Gudrunstraße 125. Große Versammlung. Thema: Was geschieht mit den Juden? Redner Oberbaurat Robert Stricker, Dr. S. Wolf. — Sektion XVI/XVTI, halb 9 Uhr abends, Cafe Baidia hof, XVI., Ottakrlngerstraße 102. Versammlung. Redner: Dr. I. Z. Kanner, Hans Kolb. — Sektion XX, Hcinzclraaniigusse 20, halb 9 Uhr abends, Vortrag Ing. Eugen Buchbinder: Was ich in Palästina erlebte. Dienstag, den 9. April: Sektion XIV/XV, Sehanzstruße 32, halb 9 Uhr abends, Versammlung. Redner: E. Stekel, Dr. R. Offner. Thema: Was bedeutet uns der Schekel? Mittwoch, den 10. April, halb 9 Uhr abends, I., Werdertorgasse 14, Vortrag Oberbau rat Robert Stricker: Die Tagung des A. C. Veranstaltungen der Judenstaatspartei Der Ge»el Ischaf taabfiiid im Hotel Continenlitl. veranstaltet von der Sektion L e o p o 1 cl » l a d t, nuhiit «'inen glänzenden Verlauf. Auf die JJogrilßunbrHKn.4i»rai.:l.e durch den Vi/eobrnann der Sektion LeopoldHtädt, Herrn Oberimipektor Theodor Kngel, folgte die Akademie, die von einer orlenenen Kün.Hler- .schur bestritten wurde. An der Spila« diu imverKluicidiclie Sevilla Pastor, dann Max Lichlegg, Viktor Cfaudimi, Joiiof Feuer und Julius Schwarz. Zum Tunz Hpielte die .Inxxkapelln RubkiBtein. Daa OftHarntarrangenient der Veranntaltung, die grüßen propagandlHtiHchen Iflrfolg hatte — es waren zahlreiche Neuanmeldungen zu verzeichnen — lag In den Händen der; Gg. Paul IT e 1 i c z e r. der In meiner Arheit von den Gg. Dr. Max Chaje», David Birnbaum, ITormann Hellmann, Osai Lewin, David Wolf sowie der Frauenorgunisaticm ,,D ebora h" unterstützt wurde. Purlmfeler der Sektion XIII — XV. Die am Baourtaf, den 23. Marz, abgehaltene Purimfeier (evtfclUt« einem vollen Erfolg. Die großen Säle der Gastwirtschaft Stöger waren überfüllt. Einleitend sprach der Obmann der Sektion. Herr Georg F r o. u d, über Weg und Ziel der Judcnstoatspartei. Aua dem Programm sei hervorgehoben: Oberkantor Jakob Wahr« man n. der mit großem Erfolg jüdische Lieder;'ang. Fr. Dr. Pia Klei n. die mit bekannter Meisterschaft rezitiert und die begabte jugendliche Pianistin Lilly Hai per n. Die Conference besorgte Gg. Samson Oarfunkel. Um da.-» Zustandekommen und Gelingen der Veranstaltung hatten sirh insbesondere die Damen firoßmann und Kümmel sowie die Herren H a I p c r n, Schönberg und Wachs mann verdient gemacht. * In den Sekionen Pratcr und B r i g i t t e n a u fanden vollauf gelungene Purimfeiern statt, in der Sektion Prnter auch eine Kinder-Purimfeier. Der Erfolg aller Veranstaltungen war in jeder Hinsicht ein sehr großer. Eigene und Pariser Schöpfungen HUTSALON XleintAufeidif Nachf. Mnria Gisela Hausmann I, Grabcn-Dorotheergasse 2 / Tel. R-%-2-% JMenstaafspartfi der Tsdhedio-- §lowdlcei Eintritt der fugendgruppe „Massadah" Die Prager -lugrudgruppe „M ansadah", welch« früher dem Brith Trumpeldor angeschlossen war und vor einiger Zeit diese Verbindung löste, hat jetzt ihren Eintritt in die J u d e n s t a a t s p a r t e i vollzogen. Die Gruppe zählt 65 Mitglieder. Sie wird sich als „Brith Hakanaim Ken Massadah" konstituieren. Träger Ortsgruppe der Judenstaatspartei Die Verhandlungen zwecks Konstituierung der „Ortsgruppe Prag der J u d e n s t a a t h p a r t c, i" stehen vor dem Abschlüsse. Interessenten werden ersucht, sich bei Herrn Fritz K o h n, Praha I, Kozi 1, Tel. «2-5-74, zu melden. KREUZMKINO '> Wollzeile 17 . Tel. R-21-2-16 DER SCHRECKEHSEXPRESS Vorstellungen: it, %6, Vit, y*w in Slowakei Von E. Gedal (Prag) Dem gewiegtesten Politiker würde es sehr schwer fallen, eine genaue Analyse der gegenwärtigen Situation im Zionismus der C. S. R. zu geben. Wenn hier trotzdem versucht wird, eine Skizze der heutigen Situation zu zeichnen, so sei darauf hingedeutet, daß manches hier Gesagte über Nacht seine Aktualität verlieren kann. Die C. S. R. umfaßt die beiden großen Gruppen des europäischen Judentums. Böhmen und Mähren sind Zentren der Westjuclen, während die Slowakei und Karpathorußland (P. K. R. genannt) Heimat der Ostjuden sind. Die Differenz zwischen beiden Gruppen kommt in soziologischer, ökonomischer Hinsicht, in Fragen der Lebens- und Geisteshaltung, in Kulturproblemen, im Unterschied der Psyche und des Temperaments, kurz auf allen Gebieten menschlichen Lebens zum Ausdruck, Um es vorwegzunehmen: Die Gegensätze sind ebenso groß und beide Gruppen ebenso scharf getrennt wie vor zwei Jahrzehnten, da sie auch territorial getrennt waren. Der Westjude sieht dem Juden aus dem Osten der Republik nicht freundlich gegenüber. Denn der Strom von Ost nach West wird stets größer, und neben der Konkurrenzrivalität bringt der Jude aus dem Osten Geschäftsmethoden mit sich, die in seiner menschenreichen, aber geldarmen Heimat verständlich, ja notwendig sind, im Westen aber öffentliches Acrgemis erregen. Und schließlieh hat der Jude in Böhmen und Mähren seine eigenen großen Sorgen. Nicht um sich. Da langt es noch gerade. Aber die Jugend steht brotlos, ohne Aussicht auf eine erträgliche Zukunft da. Unter dem Druck der Weltkrise und der nationalsozialistischen Bewegung im Reich ist im Westen der Antisemitismus stark geworden und beginnt neben kulturellen und politischen auch wirtschaftliche Formen anzunehmen. Wohl Sdhelhammers Glinckslosc ♦ ♦ ♦! Wieder waren es vier Haupttreffer, die in der am 2. April d. J. abgelaufenen Klas3cnlottcrie mit Schelhammer-Losen gewonnen wurden. Es entfielen in der V. Klasse der Haupttreffer von 8 200.000.— auf Los Nr. 50.142, der Haupttreffer von S 50.000.- auf Los Nr. 50.193, der Haupttreffer von S 40.000.- auf Los Nr. 45.761, ferner in der III. Klasse der Haupttreffer von S 50.000.— auf Los Nr. 88.333, die alle nebst vielen Treffern zu S 20.000.—, 16.000.—, 12.000.—, 10.000.~-, 8000.—, 6000.—, 4000.— und 2000.— usw. beim Bank- und Wechselhaus Schelliamnier & Krimitura, Wien, I., Stephansplatz U, Filiale XIII., HadUignsso 60 a, gekauft wurden. Schon am 21. Mai d. J. beginnt eine neue Lotterie, bei welcher wieder der größte Haupttreffer eine ganze Million Schilling beträgt. Es empfiehlt sich daher, schon heute Lose durch obiges Bankhaus zu bestellen. Lospreis: Vs S 6.— Vi S 12.—, Va S 24.—, Vt S 48.—.