Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 453 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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iÄ. DIE NEUE WELT Seite 3 General Deedes zur Judenfrage Als Gast einer Versammlung' des Londoner Hilfsfonds für deutsch-jüdische Flüchtlinge hielt der ehemalige Chefsekretär der Palästina -Regierung General Wyndham Deedes eine Rede und sagte: „Ich verdolmetsche hier die Gefühle von Zehntau senden Christen angesichts der vielleicht größten Tragödie, die die Judenheit erlebt. Schließlich sind doch die Christen für die Lage der Juden in Europa verantwortlich. Darum sollten die Christen eine Schuld zu liquidieren versuchen, die sie niemals voll werden rückerstatten können. Die Tragik ist um so größer, als die aus einem Lande verstoßenen Juden in Kuropa vor zugeschlagenen Türen stehen. E i n Land gibt es noch, das viele Tausende Juden hereinläßt. Ich bin stolz darauf, daß ich vor zehn Jahren geholten habe, diese Türe zu öffnen. Das jüdische Problem ist ein Weltproblem. Der Grad der Zivilisation eines Landes zeigt sich in der Art der Behandlung seiner Minderheiten, besonders seiner Juden. JpuYr Versuch, die Juden als Sündenbock hinzustellen, ist ein Versuch, sich vt>r der eigenen Verantwortung zu drücken. Aber wärere;:nch die Juden so, wie die Antisemiten sie manchmal schildern — sie sind aber nicht so —, so wären sie nur eben das, was die Christen in den Jahrhunderten aus ihnen gemacht, indem sie sie verfolgt und auf gewisse Erwerbszweige beschränkt haben." „Drei Jahre habe ich in Palästina Dienst getan. Mit Stolz kann :eh aagen; Ich habe am Aufbau des Jüdischen Nutionalhe'ms mitgewirkt. Der Zionismus wird die Juden soweit bringen, daß Dinge, wie sie heute in Deutschland geschehen, sich nie wiederholen werden." General Deedes hat sich tatsächlich inner- und außerhalb seines Amtes als aufrichtiger Freund des Zionismus erwiesen. Er ist einer der wenigen hohen englischen Beamten, deren Scheiden au.'* dem Regierungsdiensit in Palätina von den Juden aufrichtig und tief bedauert wurde. Zum sepfattpdasdseE! Weltkongreß Aus Jerusalem: In einer Reihe von Ländern sind die Vorbereitungen zu dem für den 26. Mai nach London einberufenen Weltkongreß der Sephardim in vollem Gange. Als Vertreter der Sephardim Palästinas werden Oberrabbiner U s i e 1, Abraham Elmaleh und F i g i t o teilnehmen. Es sind Meinungsverschiedenheiten in bezugauf die Aufgaben des Kongresses entstanden. Während die palästinensischen Sephardim den Standpunkt vertreten, daß der sephardische Weltverband seine Tätigkeit auf Palästina konzentrieren solle, sind viele Stellen des Auslandes der Ansicht, daß in erster Reihe die Kulturarbeit unter der sephardischen Bevölkerung der einzelnen Länder gefördert werden soll. Aus Sofia: Das Komitee für den Weltkongreß sephardischer Juden hat auch die bulgarischen Juden, die größtenteils Sephardim sind, eingeladen, Delegierte zu entsenden. Wie der JTA-Vertreter erfährt, sind aber die bulgarischen Juden nach wie vor entschieden gegen die Gründung einer W eltorganisation sephardischer Juden. Die bulgarischen Juden, die bis zu 90 Prozent Sephardim sind, sind nicht gewillt, den Schritt zur „Separation" mitzumachen. In diesem Sinne wird auch die Vertretung der bulgarischen Juden die Einladung beantworten. Die bulgarischen Juden halten wohl eine Organisierung der Juden auf W e 11 b a s i s für erforderlich, diese müsse aber das ganze Judentum umfassen. Aus diesem Grunde unterstützt das bulgarische Judentum aktiv den Gedanken des Jüdischen Weltkongresses. Judensducksal ♦ ♦ ♦ Aus Saarbrücken: (J. T. A.) Die Stimmung unter den Saarjuden spiegelt sich im Leitartikel „Bejahen!" des Nachrichtenblattes der Synagogengemeinden des Saargebietes wider in dem es heißt: „ . - . Nun aber werden wir, viele absolut unvorbereitet, plötzlich mitten hineingestellt in die Problematik, die manchem noch so neu ist, daß er sie kaum bejahen kann, weil ihm die seelische Kraft und Leidenschaftslosigkeit dazu fehlt und weil man sich eben furchtbar schwer, unsagbar schwer mitunter, daran gewöhnt, daß Judenschicksal wieder lebendig geworden ist und daß es nicht nur in der östlichen Hälfte Europas auftaucht, sondern auch hier, wo man glaubte, auf ewig geborgen zu sein. Judenschicksal muß jeder selbst erleben, vom Hörensagen glaubt man nicht daran." jjlllllllllllHIlWIIIIIIIWIIII ll,Taborstraße12 gj Tel. R-46-5-57 | bkbk» Ausgiebige Braten-Menüs S 1.60 h^ht*»» iW^J „ Geflügel- „ s 2.20 IU7J | Vorzüglicho Zubereitung h Schwechater Biere — Naturweine | iii<iiiiiiiiiuiiiiiifiiifniiiviiiiiiiii"iiviiii"iliiiil>i" Transjordanien ruft die Juden! Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Tageszeitung „Haare z" berichtet aus A in m a n, daß der unter dem Vorsitz Emir Abdallahs tagende transjordanische Ministerrat das Verbot des Verkaufes von Grund und Boden an Ausländer (d. h. an Juden) abgeschafft hat. Grundbesitzer, die mindestens 200 Dunam besitzen, werden einen Teil ihres Bodens verkaufen dürfen. Auch Regierungsboden soll an Ausländer zwecks Anlage von Pflanzungen abgegeben werden können. * Bereits vor zwei Jahren sah sich Emir Abdallah genötigt, zur Verbesserung der Lage des Landes eine Bewirtschaftung der verödeten und vernachlässigten Böden durch Ausländer, d. i. Jude n, anzustreben. Eine diesbezügliche Verordnung stand bevor. Emir Abdallah, das palästinensische Beispiel vor Augen, erwartete von einer jüdischen Kolonisation die Rettung seiner hungernden arabischen Untertanen. Aber die Palästina-Regierung machte die Pläne des Emirs zunichte, indem sie ihm im Falle der Zulassung der jüdischen Einwanderung mit der Entziehung der Subsidien drohte. Wie groß muß das Elend des Landes sein und wie groß die Hoffnung auf eine Besserung durch die jüdische Kolonisation, wenn die Regierung das Gesetz gegen Bodenerwerb durch Ausländer wiederum aufzuheben im Begriffe ist! Ob ihre Absicht nicht neuerdings durch einen Gewaltstreich der Palästina-Regierung vereitelt werden wird? ts kann nichts Bettetet $e&&*... Schmidlumzu „Pessach" denFesttisch damit zu schmücken und den Gaumen zu erquicken, als die auf höchster Stufe stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit undKaschrufh unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das beste und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Erzeugnis bekannt und beliebt! 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Czernowifz Anmeldung und Auskunft im Reisebüro Marienbrucke, Wien I, Rotenturmstraße 26, Telephon R-24-2-86 und R-24-2 87 Auskünfte erteilt auch das Stadtbüro „Der Wiener Tag", Wien I, Schulerstraße 1. Telephon R-21-6-78 ■■■■■■■■■■MaMBBBanaaMaaaiMaanHanf^Hi „Dieser Gedenkstein soll Zeuge sein des Friedens, der hier mit den Brüdern des Maimonides geschlossen wurde. Ohne Frieden mit Israel kann es keinen wahrhaften Weltfrieden geben." Der ehemalige Botschafter Don Antonio Jaen Morenti, ein bekannter Gelehrter, sagte: „Oft haben Kinder die Folgen der Irrtümer ihrer Eltern zu tragen. Darum sind die Spanier froh, daß die Juden ihnen keinen Groll wegen vergangener Ereignisse nachtragen." Der Zivilgouverneur von Cordova betonte: „Die Behörden wissen es zu schätzen, daß Juden aus aller Welt gekommen sind, um den großen Sohn Cordovas zu ehren. Die Spanier sind tief bewegt gewesen, als sie aus dem Mund der sephardischen Juden die Laute der seit fünf Jahrhunderten in voller Reinheit bewahrten altkastilianischen Sprache vernahmen. Vom ganzen Herzen verbrüdern wir uns mit den Juden, und diese Verbrüderung wird in der Geschichte Spaniens als denkwürdiges Ereignis fortleben." •> Der Großrabbiner aus Paris, Julien W e i 11, hielt einen Vortrag über die spam*3Ch-jüdische Epoche und huldigte dem Geist des neuen Spanien, das den Juden volle Anerkennung entgegenbringe. Bei dem Pestgottesdienst hielt Großrabbiner Weill die Predigt, in der er daran erinnerte, daß zur Zeit der Austreibung der Juden aus Cordova diese unter Musikklängen die Stadt verlassen hätten, damit der Schmerz übertönt werde. Jetzt, bei der Rückkehr, seien die Juden mit Musik empfangen worden und würden vor Freude weinen. Am Schluß des feierlichen Gottesdienstes sangen die Teilnehmer die „H a t i k w a h". Beim anschließenden Festbankett sprachen der Oberrabbiner Dr. Alkalay (Jugoslawien), Vertreter der sephardischen Judenheit, der Bürgermeister von Cordova und der Gouverneur, welcher seine Rede schloß: ,.Das freie und friedliche spanische Volk grüßt das jüdische Volk in der ganzen Welt." * Die Bibliothek des Kongresses der Vereinigten Staaten hat eine Ausstellung von Werken des Maimonides und über Maimonides veranstaltet, die frühe und seltene Ausgaben enthält. Auch die Präge r Israelitische Kultus gemeinde hat (in den Räumen ihrer Bibliothek) Werke von Maimonides ausgestellt, darunter Maimonides' Standardwerk ..Mischneh Thora" in der Pergament-Handschrift des M. ben Isaäk aus Prag aus dem Jahre 1444. Bei der Schlußversammlung der Maimonides-Woche in Cordova gelangten Großbotscnaften hervorragender Persönlichkeiten aus der ganzen Welt zur Verlesung, darunter zunächst solche des spanischen Staatspi'äsidenten Zamora und Ministerpräsidenten Lerroux, ferner von Lloyd George und Sven H e d i n. * Samstag, den 30. März, veranstaltete die Jüdische Gemeinde zu Berlin eine Maimonides-Feier in der Alten Synagoge, am 31. März in der Neuen Synagoge. Für die Gemeinde war Dr. Alfred Klee nach Cordova gereist. Das Orchester des Jüdischen Kulturbundes spielte ein Konzert von Haendel, am Schluß die 5. Symphonie von Beethoven. — Im Jüdischen Museum wurde eine Maimonides-Ausstellung eröffnet, in der auch ein Exemplar der „Mischneh Thora" aus dem 13. Jahrhundert zu sehen war. Die ersten Prozesse gegen Hitler-Deutschland Aus Dan zig (J. T. A.): Auf Grund des Gesetzes über Entschädigungen für nichtdeutsche Bürger für Schäden und Verluste, die infolge des nationalsozialistischen Umschwunges erlitten worden sind, sind nun die ersten zwei Prozesse durch Vermittlung der polnischen Konsulate in Berlin und Bayreuth eingeleitet worden. Es handelt sich um den polnischen Bürger Hermann C z o p e k, der in Bayreuth ein großes Warenhaus besessen hatte und der eine Entschädigung in Höhe von 118.000 Mark für den Verlust seines Unternehmens und für die im Konzentrationslager erlittenen moralischen Leiden fordert. Die Klageschrift beschreibt ausführlich die Leiden des Auswanderers, nennt die Namen der Personen, die ihn im Konzentrationslager gequält hatten, und schildert die Vernichtung des Unternehmens, das hauptsächlich auf Ratenverkauf beruhte. Nach dem Umsturz konnte Czopek die ausstehenden Beträge nicht mehr eintreiben. Den zweiten Prozeß führt der Bürstenfabrikant Adler aus Berlin, der eine Entschädigung in Höhe von 30.000 Mark fordert. In seiner Klage führt Adler genau seine Verluste an, die durch Uebernahme der Fabrik durch die Nationalsozialisten verursacht wurden. Einen starken Eindruck vermittelt die Darstellung der Todesangst des Klägers, für die er eine moralische Entschädigung verlangt. Beide Prozesse werden voraussichtlich schon in den nächsten Wochen vor den betreffenden deutschen Gerichten verhandelt werden. Judenstaatspartei Oesterreichs« Sektion Favoriten Juden Favoriten»? Montag, den 8. April 1935, um halb 9 Uhr abds . im Heime des Bundes jüdischer Frontsoldaten (Gasthaus Zaruba*, X. Bez , üudrunstraße 125 Große/ frei zugängliche Versammlung Referenten: Oberbaurat Bng. Robert Strecker, Dr. Sal. Wolf Thema: Was geschieht mit den Juden? Juden, erscheint in Masseni^l