Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 452 (2.4.1935)
- Date
- 1935-04-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 452 DBB NEUE WELT Seite 3 Neue Erschwerung der Paläsli'na-Wanderung Chaluzim dürfen nicht heiraten Wir erhalten die Nachricht, daß die Palästina- Regierung mehrere Verordnungen erlassen hat, welche die ohnehin stark gedrosselte jüdische Einwanderung noch weiter erschweren. So wird in Hinkunft ein Teil der Arbeiterzertifikate nur für Ledige bestimmt sein. Bisher haben fast alle Chaluzim geheiratet, so daß auf e i n Zertifikat tatsächlich zwei Einwanderer entfielen. Das bedeutet aber nicht nur eine Reduktion der bisherigen ungenügenden Einwandererzahl, sondern eine für das jüdische Aufbauwerk gefährliche Unterbindung der weiblichen Einwanderung, die bald zu einem Mangel an jüdischen Frauen in Palästina führen muß. Zwei andere Verordnungen lauten : 1. Zertifikate zur Einreise nach Palästina für Personen, die sich direkt an die Regierung gewandt haben, sind auch direkt dem Bewerber auszufolgen; 2. Zertifikate an Arbeitnehmer, die sich um dieselben durch Vermittlung des Arbeitgebers beworben haben, sind dem Arbeitgeber oder dem Arbeitnehmer direkt auszufolgen. Diese Verordnungen bedeuten eine Einschränkung des Kontrollrechtes der Zionistischen Organisation über die Einwanderung, welche schädliche Wirkungen auf die Qualität des einwandernden Elements und die Autorität der Zionistischen Organisation mit sich bringen kann. Spaltung der //Allgemeinen Zionismen" Oesterreichs Ueber die fortschreitende Spaltungserscheinung im Weltverband „Allgemeine Zionisten" wurde bereits berichtet. Nun wird gemeldet, daß dieser Prozeß; auch in Oesterreich eingesetzt hat. Die von Proponenten der neuen Gruppe, die sich „Progressive Zioniate n" nennt, ausgegebene Kundmachung lautet: „Im Sinne der Beschlüsse der Gruppen Kidmah, Allgemeine Zionisten, Radikale, Zionisten und nllgemein- Btonistische Jugend In Tel-Aviv hat sich in Wien ein Komitee gebildet, bestehend aus Vertretern Allgemeiner und Radikaler Zionisten, mit der Aufgabe, die Zusammenfassung der progressiven Zionisten Oesterreichs in die Wege zu leiten. Mit den Vorarbeiten wurden betraut die Herren Dr. Z. F. Finkelstein, Doktor David Kreppel, Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Michael Steinberg, Dr, Israel Waldmann." Zur Erläuterung sei bemerkt, daß die Organisation „Kidmah", unter deren geistiger Patronanz die Neubildung steht, eine Gründung der deutschen Emigranten in Palästina ist. Die „Kidmah" besteht aus unbedingten Anhängern Wcizmanns und der „Histadruth", der linken Arbeiterorganisation Palästinas. Die Leitung des österreichischen Landesverbandes der Allgemeinen Zionisten nimmt im Weltverband und auf den Zionistenkonzgressen eine gegen die Tendenz der „Kidmah" gerichtete Haltung ein. Da «ich unter den obgenannten Führern der neuen Organisation mehrere Mitglieder der Landesleitung befinden, bedeutet die Schaffung der Partei der „Progressiven" nicht nur einen Bruch in der Organisation der „Allgemeinen", sondern auch in deren Leitung. Gefängnis und Landesverweisung für Tschechoslowaken Aus Jerusalem: Polizeirichter Corrie verurteilte vier illegale jüdisch« Einwanderer aus der Tschechoslowakei, unter ihnen zwei Frauen, zu je einem Monat Gefängnis und Landesverweisung. In der Urteilsbegründung erklärte er, die Lage der Juden in der Tschechoslowakei sei mit dem Elend der Juden in Deutschland nicht zu vergleichen. Richter Corrie verurteilte neun weitere jüdische Einwanderer aus Syrien, Aegypten, dem Irak und der Türkei wegen Illegalität zu je einem Monat Gefängnis und Landesverweisung, schlug aber einige, der Verurteilten zur Begnadigung vor. Wieder Hungerstreik Aus Jerusalem (J. T. A): Seit einigen Tagen befinden sich im Jerusalemer Gefängnis sieben deutsche, russische und türkische Juden, die wegen illegaler Einwanderung Gefängnisstrafen verbüßt haben, aber dennoch nicht freigelassen werden, im Hungerstreik und verweigern sogar die Wasseraufnahme. Die Regierung ist .bereit, sie gegen eine Geldbürgschaft von je Pf. 50 freizulassen, bisher konnte aber die Kautionssumme nicht aufgebracht werden. Arabische Arbeiterorganisationen aufgelöst Aus Jerusalem: Die Regierung hat die Auflösung der beiden arabischen Arbeiterorgan i-v sationen in Tulkerem verfügt, weil unter den Mitp*t mann PalöJtino-Mazzoth Weine. Kognak aus Rlshon-Ie Zion, Jaffa-Orangen, Grape Frulfls usw. sowie sämtliche Spezereiwaren und Slibowiiz noe?v i»s liefert zu sehr billigen Preisen ins Haus Samuel Haipern, Wien II, Förstergasse 6 Telephon A-46-4-12 Auch Provinzversand 5220 Eonwanderer im Februar Aus Jerusalem: Laut offizieller Mitteilung des iuimvunderungsamtes der Palästina-Regierung sind im Februar 5 2 2 0 Juden als Einwanderer in das Land gekommen. Unter ihnen waren S81 Personen, die y.ur Kate« gorie der Einwanderer mit Eigen kapital von mindestens je 1000 Pfund gehören. Diese Einwanderer brachten somit ein Mindest kapital von 381.000 Pfund mit sieh. gliedern immer wieder schwere Auseinandersetzungen und Streitigkeiten entstanden. Die eine Arbeiterorganisation war eine Gründung von Anhängern des Großmufti von Jerusalem, Hie andere, ,erst vor kurzem gebildete, stand unter dem Einfluß der Nationalen Abwehrpartei, für die unter der Arbeiterschaft vor allem der frühere Jerusalemer Gemeindebeamte Fachri Nashashibi, ein Verwandter des ehemaligen Bürgermeisters Ragheb Bey, tätig ist. Aegypttsche Araber auf der Makkabiah Aus Kairo: Die ägyptische Sportunion nahm die Einladung zur Makkabiah an. Aegypten entsendet ein Leichtathletik- und ein Schwimmteam sowie Tennisspieler. Der Präsident der Sportunion, Fahmi Ne i s s a Bey, wird als Schiedsrichter auf der Makkabiah wirken, ebenso Oberstleutnant W. Fitzpatrick Bey, der Polizeipräsident von Alexandrien. Transjordani'en will Juden Aus Jerusalem: In Transjoruanien breitet sich eine Bewegung zur Abschaffung des Verbotes, Grund Ofed Boden an Juden zu verkaufen, aus. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus Amman erfährt, hat die erste von Mithkal Pascha einberufene Versammlung der Führer Von Stämmen, die großen Bodenbesitz haben, eine Resolution gefaßt, in der von der englischen Regierung die Abschaffung der gegen jüdischen Bodenkauf und jüdische Niederlassung gerichteten Gesetze mit der Begründung verlangt wird, daß infolge dieser Bestimmungen jüdisches Geld, das für die Erschließung Transjordaniens zur Verfügung steht, nach Syrien abgeleitet wird. Aus aller Welt Gottesdienst in der Synagoge von Covdova Zum erstenmal seit 600 Jahren fand am Freitag, den 29. März, in der unlängst ausgegrabenen historischen Synagoge von Cordova, die jetzt zum Nationaldenkmal erklärt wurde, ein Freitagabend-Gottesdienst statt. Dieser einmalige Gottesdienst wird als besonders denkwürdiges Ereignis im Rahmen der Maimonides Feier gewertet. Die Leitung des Gottesdienstes wurde dem Pariser jDberrabbiner Julien Weil als Anerkennung dafür übertragen, daß Frankreich bedrängten Juden stets uneingeschränkt Zuflucht gewährt hat. Hohe spanische Staatsbeamte und spanische Gelehrte wohnten dem Gottesdienst bei. Der vierte Tag der Festwoche war der Würdigung der medizinischen Bedeutung des R a m b a m gewidmet. Prof. Jose G o y a n e s sprach über Maimonides als Arzt. Er wies auf die Entdeckungen Maimonides' auf medizinischem Gebiet hin und zog einen Vergleich zwischen den praktischen Methoden der jüdischen Heilkunde jener Zeit und dem Stand der ärztlichen Wissenschaft von heute. Auaflüge in die Sierra Morena waren mit literarischen Veranstaltungen, bei denen spanischjüdische Dichtungen vorgetragen wurden, verbunden. Abends fand im Musikkonservatorium ein Maimonides-Gedächtniskonzert statt. (J. T. A.) Gegen Masaryk und Einstein Aus Wien: Wie der J.-T.-A.-Vertreter erfährt, hat das International Student Service (Weltstudentenwerk I. S. S.) eine Exekutivsitzung für den 30. und 31. März nach Genf einberufen, in welcher unter anderem auch das Verhältnis zu den Studentenorganisationen des Dritten Reiches diskutiert werden soll. Die Studentenorganisationen Deutschlands, mit denen es nach der Ermordung eines Mitglieds der I. S. S. in München (Fritz Beck) zum Bruche gekommen war, sollen wieder zugelassen werden. Sie erklären jedoch, nur unter bestimmten Bedingungen wieder beizutreten. Eine dieser Bedingungen ist? Aenderung der Statuten und Eliminierung verschiedener Mitglieder aus der Exekutive sowie aus der Liste der Ehrenmitglieder; unter den zu streichenden Persönlichkeiten sind: Präsident Masar y k, Lord Cecil of Chelwood, Tagore, Adatchi und Professor Albert Einstein. Der Exekutive gehört unter 23 Mitgliedern als einziger Jude der Sekretär des Jüdischen Hochschulausschusses in Wien, Alexander Teich, an. Der Anti-Pessach-Feldzug in Sowjetrußland Aus Moskau (J. T. A.): Die jiddische kommunistische Tageszeitung „E m e s s" leitet den diesjährigen Anti-Pessach-Feldzug mit einem Leitartikel ein, in dem es u. a. heißt: Unter dem alten Kehricht, der aus det ktfy Muk Uestlseaet [ ffihrt «her die PALKSTINA-EILUNIE dos üt i LLOYD TSIESTiNC TR I EST-J A FFA-H Ä I F A Mir in der ausgc/.oichneto.n Tourirttenklas;*- in zwei- oder $ 250 vierhottlgen .Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung ».vier Mahlzeiten täglich) Die grollen Schiffe ,GALILEA\GERUSALEMME' ,PALESTINA' (je 12.500 Tonnen Deplacement) verkehren sechsmal monatlich nachPal;i,stina, außerdem dichter Verkehr via Aegypten und via Athen—Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer. Kür JUi$e$€$etfa§itä{!ieH Saudetf^eise! LLOYD TRIES7IN0 Wien I Kärntnerring 6 Telephon U-47-5-60 Millionen Geistern der fortschrittlichen Bevölkerung der Sowjetrepubliken weggeräumt wurde, ist Religion mit der wichtigste; Religion ist die gefährlichste Waffe in den Händen der Bourgeoisie. Tm jüdischen autonomen Lande Biro-Bidschan zum Beispiel gibt es nicht einmal eine Andeutung irgend einer religiösen Institution, wie Synagoge, Schlichtung, Vorbeter. Doch gibt es unter den jüdischen Arbeitern immer noch Rückständige, die darauf warten, daß ihnen die jüdische Bourgeoisie im Ausland „M azzes" schickt. Die Zeitung fordert, daß jede einzelne dieser Familien, in der noch der alte Aberglaube glimmt, bearbeitet wird. Es müsse ein Feldzug von Haus zu Haus stattfinden sowie ein W e 11 b e w e r b: Wer macht die meisten antireligiösen Besuche bei Arbeitern, Bauern und Handwerkern? Jüdische Gemeindesteuer in Polen 30 Prozent der Einkommensteuer Aus Warschau: In Polen wird ein neues GeseLvorbereitet, durch das die Bemessung der jüdischen Gemeindesteuern auf der Grundlage der Einkommensteuer vorgeschrieben wird. Die Höhe der Gemeindesteuern wurde vom Kultusministerium mit 30 Prozent der Einkommenssteuer festgesetzt. Durch das neue Gesetz werden auch die Pensionsverhältnisse der Rabbiner und Gemeindebeamten geregelt. Die Pensionsbezüge der Rabbiner werden auf der gegenwärtigen Höhe stabilisiert, eine Herabsetzung ist gesetzlich unzulässig. Bisher nicht ausgezahlte Pensionsbeträge werden nachgezahlt werden müssen. Eine Herabsetzung der Ruhestandsgebühren der Rabbiner wird nur möglich sein, wenn gleichzeitig auch eine Herabsetzung der staatlichen Beamtenpensionen erfolgt. Neue Hetze. Alte Geschichten wegen angeblichen Verrats zugunsten Deutschlands Aus Warschau: Die Nationaldemokraten in der L o d z e r Gegend bedienen eich in ihrer antisemitischen Propaganda der Versendung von Hetzmaterial über angebliche verräterrisciie Handlungen von Juden zugunsten Deutschlands während der deutschen Besetzung Polens im Weltkriege. In der Kreisstadt Sieradc steht ein Prozeß gegen zwei Juden bevor, die beschuldigt werden, in der Besetzungszeit polnische Einwohner bei den deutschen Behörden denunziert zu haben. Die Gerichtsbehörden haben ein Schreiben nach Potsdam gesandt, in dem sie um die Zusendung von ProzeßakCen deutscher Feldgerichte, die in den dortigen Archiven aufbewahrt werden, ersuchen. Jiaden§iaa6§par$eB Oe§terreidh$ Versammlung«- und Voranstaltungskalender Dienstag, den 2. April: Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32, J,£9 Uhr abends: Vortrag Hans Kandl: Probleme der österreichischen Juden. — Judenstaatsjugend, I., Werdertorgapse 14, 3^9 Uhr abends: Vollversammlung. Vortrag Dr. Salomon Wolf. Mittwoch, den 3. April: I., Werdertorgasse 14, J.j9 Uhr abends: Vortrag: S00 Jahre Maimonides. Redner: Rabbiner Dr. M. Z i k c r. Donnerstag, den 4. April: Sektion Leopoldstadt, II., Taborstraße 21 a: Vortrag Kultusrat Ing. Eugen Buchbinder: Was ich in Palästina erlebte. — Sektton P rat er, II., Kleine Zufahrtstraße 166, X-9" Uhr abends: Vortrag Dr. O. Rosenfeld: Ohne Zertifikat nach Palästina. — Studentenklub, I., Werdertorgasse 14, >;9 Uhr abends: Diskussionsabend: Was will die Judenstaatspartei? Rabbiner Dr. I. Z. K a n n e r weilt Samstag, deu 6., und Sonntag, den 7. ds., in Graz, wo er Vorträge halte» wird. Näheres wird noch bekanntgegeben. Die Judenstaatspartei gratuliert ihrem l'arteiratsinitglied Herrn Hermann Lieb er mann zu seiner Vermählung mit Frl. Saly Fisch aufs herzlichste. Anläßlich der Pessach-Feiertago veranstaltet die Judenstaatspartei einen Sederabend unter Leitung" des Rabbiners Dr. I. Z. Ivanner. Ort wird noch bekanntgegeben. Preis S 5 pro Gedeck. Anmeldungen Montag und Mittwoch zwischen halb 8 und halb 10 Uhr abends bei Herrn Moses Goldhirsch.