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Die neue Welt · 1935-04-02 · Heft 452 (2.4.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 452 (2.4.1935)
Date
1935-04-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NETTE WELT Nr. 452 j JUtktMdewadeaf De. M Hceset (ütfy) | Gewerbeverein,!,Eschenbachgasse II,Samstag,6. April, 20Uhr üllÜÜi ISffllllWHISItlPt^^ )* Auto MtU PMästitta Dreimal vor ausverkaufe •;• tetn Haus in \ Prag, ein Erfolg, der sich in allen Städten wiederholt hat / Kein Werbevortrag — eine~hinrelßende7 lebenswarme Reportage mit wirklich "herrlichen Lichtbildern / Karten von S —.80 bis ~ '................. ' --------.....)ls'------- S 2.50 bei der Jüdischen Kulturstelle, H, Aspernbrückengasse 2, R-48-2-91, VI, Loquafpfatz 11 B-20-0-81, IX, Währitißerstraße 48 A-14-400 lilllllllUlllii!!: ..'lü weilen einzelne solcher Erzeugnisse konfisziert wurden. Ein Ex-Offo-Einschreiten der Staatsanwaltschaft wurde mit der Motivierung, es gebe hiefiir keinen passenden Gesetzesparagraphen, abgelehnt. Gegenüber all diesen Erscheinungen, Zurücksetzungen und Mißachtungen hat der Jüdischo Volksbund seine Stimme erhoben. Er hat in öffentlichen Versammlungen und in Memoranden an die kompetenten Stellen radikale Abhilfe verlangt: Wirtschaftliche Maßnahmen zum Schutz der Existenz, die Errichtung eines j ü d i s c h e n S c h u 1werkes aus staatlichen Mitteln, die Einstellung jüdischer Akademiker in die entsprechenden Berufe und Oeffnung der bisher verschlossen gewesenen Berufsreservoirs, E h r e n s c h u tz für die jüdische Bevölkerung. Wie man sieht, fand sich der Jüdische Volksbund als die einzige Organisation, die einen Abwehrkampf führen und positive Vorschläge machen konnte, vor sehr schwere, Gewissenhaftigkeit, Energie und nationale Geschlossenheit erfordernde Problenio gestellt. Tatsächlich fanden sich auch einzelne staatliche Stellen veranlaßt, die legitimen Ansprüche, Beschwerden und Vorschläge des Jüdischen Volksbundes zu prüfen und eine Entscheidung in die Wege zu leiten. Im Verlauf dieser Aktionen erwies es sich, daß sich innerhalb der Leitung des Jüdischen Volksbundes einzelne Mitglieder mit einer durchaus passiven Haltung begnügten, die allmählich in Defaitismus überging. Kaum war das impulsive Drängen nach einem Kristallisationspunkt vorüber, kaum war die Panik gewichen, die an tl'io Selbstachtung jedes einzelnen Juden appellierte, so legte die Vertretung des Zionistischen Landeskomitees (allgemeine Zionisten) eine Gleichgültigkeit für die Ziele und das repräsentative Auftreten des Volksbundes derart ostentativ an den Tag, daß mit einer Arbeit dieser Kreise nicht mehr gerechnet werden konnte. Ja, mehr noch: der Jüdische Volksbund war nicht einmal mehr einer wohlwollenden Neutralität seitens einiger Leitungsmitglieder sicher. Dem Volksbund, der sich zufolge seines Auftretens ein hohes Maß von Prestige gesichert hatte, sollte die Führung der jüdischen Politik — das war ja der Ausgangspunkt seiner Gründung — entwunden werden. Um diesen Plan durchzuführen und ihm einen Schein von Legalität zu geben, faßte der Zionistische Landesverband Oesterreich auf seinem Delegiertentag vom 5. März 1935 den Beschluß, daß nur die israelitische Kultusgemeinde in ihrer derzeitigen Zusammensetzung berechtigt sei, namens der österreichieshen Judenschaft verantwortliche Erklärungen abzugeben; daß ferner alle Angehörigen des Zionistischen Landesverbandes verpflichtet sind, die Jüdische Gemeinde in der Erfüllung der ihr obliegenden Aufgabe der Vertretung der österreichischen Judenschaft zu unterstützen. Auf diese Weise hat die Organisation der „Allgemeinen Zionisten'* Oesterreichs der Kultusgmeinde die Führung der jüdischen Politik in die Hände gegeben, bzw. zu geben versucht. Schon die Einschränkung „i n ihrer derzeitigen Zusammensetzung" gibt der Resolution des Delegiertentages ein zwiespältiges Gesicht; niemand, der die Geswtze der Politik kennt, wird ernstlich glauben, daß die Kultusgemeinde, in der ja auch nichtnationale Elemente vertreten sind, konsequente jüdischnationale, Landesarbeit führen kann. Der Beschluß des Delegiertentages der Allgemeinen Zionisten beinhaltet daher Preisgabe der jüdischnationalen Postulate. Die Sabotage der Tätigkeit des Jüdischen Volksbuudcs seitens der offiziellen Vertretung der Allgemeinen Zionisten, die, durch kleinliche Motive verblendet, auf eine national geschlossene Front verzichtet, wird die Leitung, d. h. die neue Leitung des Volksbundes von der Fortsetzung ihrer verantwortungsvollen Arbeit nicht abbringen. Der Jüdische. Volksbund kann mit ruhigem Gewissen auf seine bisherige Tätigkeit zurückblicken und ist entschlossen, unbeirrt vom Defaitismus gewisser Kreise, seinen Weg fortzusetzen. Er hat seine Existenzberechtigung erwiesen und der Massenzustrom am Abend der Generalversammlung gibt ihm die Hoffnung, daß er über alle Hindernisse hinweg siegreich durchbrechen wird. * Robert Strickers Referat wurde von der Versamm- Iumc mit Begeisteruner aufcrfnnmr^en. Es war wichtig, daß nochmals die Grundsätze und die Haltung des Volksbundes gegenüber allen aktuellen Fragen der österreichischen Politik entwickelt wurden. Wahl der Leitung und Resolutionen Nach Abschluß der Generaldebatte erfolgte die Wahl der neuen Leitung. Zum Präsidenten wurde Oberbaurat Robert Stricker wiedergewählt. Ueber die Konstituierung der neuen Leitung werden wir in der nächsten Nummer berichten, ebenso den Wortlaut der in der Generalversammlung gefaßten Resolution veröffentlichen. Jftdisdhes am Radio Mittwoch, den 3. April: 18.30 bis 18.50 Poste Parisien (312,7 m): Religiöse Aussendung von der Voix d'Israel. 20.50 Hilversum (1875 m): Jüdische Aussendung. Mitwirkende: Der jüdische Chor, Gobets (Tenor), Rabbie (Tenor), A. Bouwmeester (Rezitation) und Frl. Nurnan (Rezitation). Donnerstag, 4. April: 20.10 Kopenhagen (255,1 m): Violinvirtuose Jascha Heifcz im großen Symphoniekonzert. Freitag, 5. April: 11.45 bis 12.15 Radio Paris (1648 in): Cauaerie Israelite. 18.37 Poste Pari sien (312,8 m): Yehudi Menuhin (Geige) und seine Schwester Hefzeba (Klavier), auf Schallplatten. Aufrichtigkeit! Das Organ der Union österreichischer Juden „Die Wahrheit" beschäftigt sich mit dem Vortrage des Schriftleiters des „Jüdischen Familienblattes" Hans Kandl im Kreise der katholischen Akademikerschaft, über welchen auch in unserem Blatte berichtet wurde. ,,Die Wahrheit" nimmt an folgendem Passus aus der Rede Kandis, welcher das Aufgehen der Juden in fremde politische Parteien als Unglück bezeichnete, besonderen Anstoß. Der Passus lautet: ,,Dic Juden haben den großen- Fehler begangen, daß sie aus verschiedenen Gründen sich klasse n kämpferischen Richtungen angeschlossen haben, wobei sie übersahen, daß eine politische Gruppe, die den Klassenkampf predigt, die Haßinstinkte steigert und so gewissermaßen den Boden auch für den Antisemitismus vorbereitet." KREUZ-KINO Wollzeile 17 . Tel. R-24-2-16 DER SCHRECKEHSEXPRESS asss „Die Wahrheit" schreibt dazu: „Während assimilatorische Diskussionsredner in gegnerischen Kreisen selbstverständlich jede Gelegenheit benützen, um Irrtümer richtig zu stellen und Falschgeschautes in das wahre Licht zu rücken, sehen wir Herrn Kandl am Werke, sein katholisches Auditorium in falschen generalisierenden Vorstellungen zu befestigen. Statt den Anschluß jüdischer Wähler an die Sozialdemokratie der Wahrheit entsprechend mit der Tatsache zu erklären, daß sämtliche anderen Parteien offiziell antisemitisch gewesen sind, faselt Herr Kandl vom Anschluß an klassenkämpferische Richtungen." Die Kühnheit, mit welcher hier dem Vortragenden unwahres Gefasel zum Vorwurf gemacht wird, ist nichts anderes als eine vergebliche Spekulation auf das kurze Gedächtnis der Umwelt. Die Herren von der Union — sie bekennen sich hier als Assimilanten, während sie sonst gegen diese Bezeichnung als eine beleidigende protestieren — strafen Herrn Kandl Lügen. Und doch hat e r in diesem Punkte die Wahrheit gesagt und sie stellen eine Behauptung auf, welche nicht „der Wahrheit entspricht". Es ist nicht wahr, daß die österreichischen Juden den Sozialdemokraten die Stimmen geben mußten, weil alle anderen Listen antisemitisch waren. OSTER-SONDERFAHRT nach POLEN CZERtlOÜJITZ Reisebüro Reisebüro 16. APRIL bis 1. MAI 1935 ><f Wien I, Kärntnerstraße 41 ff 93 Telephon R-26-1-43 ORBIS 8B 11 Vif Wien 1, Karlsplatz l (Ecke KU I Kärntnerstr.) Tel. U-44-5-79 Referent S. Rosenkranz. Bei jeder Wahl in Oesterreich gab es eine selbständige „Jüdische Liste", welche von volksbewußten Juden aufgestellt wurde und die Namen volksbewußter Juden trug. Und es wurde von den Vertretern dieser Liste immer und immer wieder darauf verwiesen, daß die Aufstellung einer eigenen jüdischen Liste in erster Linie dem Zwecke dient, die Einmischung und Heranziehung der österreichischen Juden in Kultur- und Klassenkämpfe zu verhindern. Die Herren von der Union und bedauerlicherweise noch viele andere aber haben für diese jüdische Liste nur Feindseligkeit, Hohn und Spott übrig gehabt. Sie haben es unter den verschiedensten Vorwänden vorgezogen, für die damals so mächtige Sozialdemokratie zu stimmen, trotzdem auf deren Liste jüdische Renegaten, Getaufte und Ausgetretene figurierten, welche das Programm des Klassen- und Kulturkampfes vertraten. Nur einige Tausend haben bei der jüdischnationalen Liste standgehalten und unbeirrt durch höhnische Vorhalte von „Aussichtslosigkeit" immer und immer wieder jüdisch gestimmt. Ziffernmäßige Erfolglosigkeit war nicht imstande, sie von der einzig richtigen jüdischen Politik abzubringen. Heute ist es wohl ganz klar geworden, daß es um die österreichischen Juden besser stünde, wenn alle jüdischen Wähler 30 gehandelt hätten, wie die wenigen Tausend. Die Wähler der jüdischen Liste stehen heute mit ruhigem Gewissen da. Sie brauchen ihre Haltung nicht zu vertuschen, zu beschönigen oder zu entschuldigen. Sie war und ist die einzig richtige Haltung für Juden.!!l!!lilll!l!lill!llllii;iill!lilll!lillllllllllllll!l!llll!illlllllllllllll!llllll! Das muß gesagt werden, um die österreichischen Juden davor zu bewahren, in alte Fehler zu verfallen. Sie sollen jetzt endlich aus einer traurigen Vergangenheit die Lehre ziehen und endgültig darauf verzichten, andere als offen jüdische Politik zu betreiben. Denn jede andere Politik ist schlecht und gefährlich für sie. Die Herren von der Union und alle ihre Mitwähler, welche die jüdische Liste seinerzeit abgelehnt und sozialdemokratisch gewählt haben, hatten ein Recht dazu, aber sie haben kein Recht, jetzt die Existenz einer jüdischen Liste totzuschweigen und dann so zu tun, als ob ihnen keine andere Wahl geblieben wäre. Sie konnten jüdisch wählen! Uebel beraten Die christlichsoziale ..Reichspost" hat wieder einmal unter dem stehenden Titel ,,Spaltung der österreichischen Judenschaft" Neues zu berichten. Sie schreibt: „Der Kampf zwischen den jüdischen Fraktionen hat in jüngster Zeit neuen Zündstoff dadurch bekommen, daß die JUdischnationalen, die derzeit die Kultusgemeinde beherrschen, einen Beschluß gefaßt haben, die Wahrung der bürgerlichen und politischen Rechte der Juden der Kult u s gemeinde zu übertragen. Dagegen wehren sich die Orthodoxen und deren Organ, die „Jüdische Presse", schreibt: „Solange wir aber auf Grund der Gesetze zwangsläufig Mitglieder dieser Gemeinde sind, müssen wir uns dagegen verwahren und auf das entschiedenste Protest einlegen, daß die Kultusgemeinde über den ihr vom Gesetz vorgeschriebenen Wirkungskreis hinaus jüdischnationale Landespolitik machen soll. Die heutigen zionistischen Beherrscher der Wiener Kultusgemeinde haben nicht das Recht, namens der Wiener Judenheit zu sprechen." Die „Reichspost." fügte hinzu: „In den Kreisen der orthodoxen Juden wird, wie die „Reichspost." erfährt, hesonders auf die Anachronie hingewiesen, daß ein Jahr nach der Abschaffung des Parteienstaates durch dio österreichische Verfassung in der Kultusgemeindc noch immer der Parteienstaat fortlebt und nach bekanntem Muster zur To t a 1 i t ä t einer einzigen Partei ausgebaut wird." * Die Behauptung der „Reichspost", daß did „Jüdischnationalen" den Beschluß gefaßt hätten, der Kultusgemeinde die politisch-bürgerliche Führung der österreichischen Judenschaft zu übertragen, ist unrichtig. Die Vertretung der Jüdischnationalen ist der „Jüdische Volksbund für Oesterreich", in welchem die nationalen Juden aller Gruppen (Judenstaatspartei, Misrachisten, Revisionisten, Allgemeine Zionisten, sonstige volksbewußte Juden) vertreten sind. Dem „Volksbund", also den Jüdischnationalen, ist es nie eingefallen, der Kultusgemeinde, in welcher auch nichtnationalc Juden sitzen, eine politische Führung zu übertragen. Demi so wie es der „Volksbund" ablehnt, sich von nichtnationalen Juden politisch vertretei* zu lassen, so lehnt er es natürlich ab, den nichtnationalen Juden eine nationale politische Führung im Wege der Kultusgemeinde aufzudrängen. Richtig ist, daß ein Teil der Allgemeinen Ztonistcn, unter ihnen allerdings auch maßgebende Führer der „Allgemeinen", dem Volksbund und damit der einzig möglichen jüdischnationalen Einheitsfront die Gefolgschaft versagt haben. Diese haben den Beschluß bezüglich der, Kultusgemeinde gefaßt, 'gegen den jetzt, wie vorauszusehen war, Sturm gelaufen wird. Die Führer der Allgemeinen waren übel beraten. Aus diesen Vorfällen ersieht man schon jetzt die Größe des Schadens, welchen die Preisgabe der jüdischnationalen Einheitsfront stiftet. Die Wiederherstellung dieser Front, ist Gebot der schweren Stunde. _ Die Tagung des Aktions* Conutees in Jerusalem Die J. T. A. berichtet: Bei der am 28. März eröffneten Tagung des A. C. hielt das seinerzeitige Exekutivmitglied MlsrachifUhrer H. Farbstein die Eröffnungsrede. Hierauf folgte eine politische Rede des Präsidenten Nahum Sokolow. Ben Zwi, der Vorsitzende des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) überbrachte dem A. C. die Grüße der palästinensischen Judenschaft. In der zweiten Sitzung des A. C. wurde der revisionistische Antrag zur Abhaltung .einer Round-Table- Konferenz aller Parteien abgelehnt, hingegen der revisionistische Vorschlag, über das Transferabkommen mit Deutschland zu beraten, angenommen. Exekutivmitglied Prof. Brodetz ky hielt ein Referat über die politische Arbeit in London, Exekutivmitglied Mosche Schertok Uber die politische Arbeit der Exekutive in Palästina. Nach Referaten von Dr. Ruppin und Frau Henriette Szold erstattete Elieser Kaplan das Finanzreferat. Exekutivmitglied Berl Locker sprach über die Motivierung der Disziplinklausel auf dem Schekel und kündigte weitere Maßnahmen „zur Festigung der Disziplin" an. Ferner berichtet die J. T. A. unter dem 31. März aus Jerusalem: Das A. C. wird »ich in seiner jetzigen Session mit einem Antrag der J u d e n s t a a t s p a r t e i befassen, die uIh Sonderyerbaiiil der Zionistischen Organisation anerkannt zu werden wünscht. Wie es heißt, liegt ein gleicher Antrag des Haschomor H a. % a i r vor, der sich von der Palästinensischen Arbeiterpartei, dessen linken Flügel er bildet, anscheinend lösen will.

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