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Die neue Welt · 1935-03-29 · Heft 451 (29.3.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 451 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 0 DDE NEütf WEL1 Nr. 451 SIEGM. KORNMEHL GStOSSFLEISCHHAUEREI Zentralf: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-5-99 n. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten «^S^mS^ELb^^S^11 unter Aufsicht <!es Iihr\viitxliiren Rabbinate der Isr. Kullusgcniciiule Wien Autozusteilung kostenlos •X. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währingersir. 97 Judenkolofliiiation außerhalb Palä§tina§ Jüdisch? Siedlung in Syrion Aus Beirut: Der französische Kommissar für Alexandrettr, D u r i e u x, teilte in einer Sitzungder Distriktsverwaltung mit, daß eine jüdische Gesellschaft sich bei der Regierung um eine Konzession auf der Alomex-Ebenc in Syrien zwecks Entsumpfung dieses Gebietes beworben hat. Das Ansuchen der Gesellschaft wurde an maßgebender Stelle wohlwollend geprüft und es sei wahrscheinlich, daß die Konzession an die jüdische Gruppe erteilt werden wird. Im September v. J. hatte der französische Oberkommissar für Syrien, Graf de Härtel, in einem Gespräch mit Senator Justin G o d a r t erklärt, er stimme grundsätzlich der Zulassung von 10.000 jüdischen Einwanderern nach Syrien zu. Ende Oktober wurde von dem Pariser Komitee zur Verteidigung der jüdischen Rechte in Mittel- und Osteuropa dem französischen Außenminister Laval ein Gesuch um Zulassung jüdischer Einwanderer nach Syrien und Libanon überreicht. Das Gesuch wurde an den Oberkommissar von Syrien zur Begutachtung weitergeleitet, der sich zu dem Plane zustimmend äußerte. Als Voraussetzung für die Schaffung einer geschlossenen jüdischen Siedlung am Oberlauf des Orontes wurde die Bildung einer entsprechenden Siedlungsorganisation gefordert. Ausländische Juden ii£«h Biro-Bidschan Aus Moskau: Wie der Leiter des jüdisch-amerikanischen Agro-Joint Dr. Joseph A. Rosen dem J. T. A.- Vrrtreter mitteilt, besteht in maßgebenden jüdischen Kreisen Amerikas, die sieh mit dem Problem einer Massenauswanderung ausländischer Juden befassen, beträchtliches Interesse auch für etwaige Niederlassungsmögliehkeiten in Biro-Bidschan. Die Frage ihrer Mitwirkung an solchen Siedlungsprojekten werde von ihnen ernsthaft und nicht ohne Sympathie geprüft. Allerdings sei es aus einer Reihe politischer und wirtschaftlicher Gründe bisher noch nicht möglich gewesen, eine endgültige Entscheidung zu treffen und konkrete Vorschläge zu machen. Die Verhandlungen mit der durch die Regierungskommission K o m z e t repräsentierten Sowjetregierung betreffend Einreihung eines gewissen Prozentsatzes jüdischer Siedler aus dem Ausland in die Jahressiedlungsquot« für Biro-Bidschan würden jedoch fortgeführt. Sollten diese Verhandlungen '/.n einem befriedigenden Abschluß gelangen, so sei Agro- Joint bereit, an der Einwanderungsbewegung mitzuwirken. Die jüdische Kolonisation in Argentinien Aus Bucnos-Aires: Der Generaldirektor der Hirsch-Stiftung (JCA), Dr. Louis Oungrc, traf zu längerem Aufenthalt im Gebiet der jüdischen Kolonien in Argentinien ein. Pressevertretern erklärte er, es sei nicht richtig, daß die JCA. ihre Arbeit in Argentinien liquidieren wolle, im Gegenteil, die JCA. beabsichtige, auf 20 0.0 00 Hektar neuen Bodens Juden aus Europa anzusiedeln. Oungre gab auch Mitteilunsen über die neue Kolonisationstätigkeit der JCA. in Palästina, die unter seiner persönlichen Leitung steht. Einzig mögliche Lösung der ludenfrage an der Saar! Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Nachdem die Bevölkerung an der Saar für das nationalsozialistisch-antisemitische Deutschland gestimmt hat, ist die Judenfrage an der Saar brennend geworden. Frankreich, Belgien, Holland und alle anderen Länder wollen und können die Flüchtlinge nicht aufnehmen. Sie besitzen selbst genügend Arbeitslose. Alle Proteste, alle Forderungen, den Saarjuden ihre bürgerlichen Rechte zu „garantieren", sind nutzlos und halten, ebenso wie jede philanthropische Aktion, das Schicksal der Unglücklichen nicht auf. Denn selbst wenn die Judengesetzgebung, offiziell und auf dem Papier, in der Saar nicht Gültigkeit erhielte, wären die Juden zum Tode verurteilt, seelisch wie materiell — denn die antisemitische Grundeinstellung dea nationalsozialistischen Gesamtvclkes verwirklicht automatisch den Judenhaß. Nicht nur die Juden, auch diejenigen Länder, die die Flüchtigen nicht aufnehmen können oder wollen, sind daran interessiert, daß ein Ii a n d, ihr eigenes Land, sie aufnimmt. All unsere Kräfte müssen dahin gerichtet sein, durchzusetzen, daß alle Judenfamilien, die es wünschen, die Möglichkeit erhalten, kraft Rechtens nach Ercz Israel zu gehen. So kann die Saarjudenfrage am einfachsten und glücklichsten für alle Interessierten gelöst werden. In großem Rahmen kann die Ueberwanderung organisiert werden; von den jüdischen Instanzen gemeinsam mit dem Völkerbundskommissär, dessen Arbeit bisher erfolglos war und der seine Kompetenz auf diese Palästina-Aktion erweitern lassen muß. Falls der bürokratische Weg zu lange währt, muß die Zionistische Organisation den Großteil der ihr zur Verfügung stehenden Zertifikate den Saarjuden geben, ihre geschlossene Urnwanderun^ organisieren und nachträglich dann eine Rückgabe der Zertifikatzahl fordern. Das gibt Anlaß zu einer Neuorientierung der Einwanderungspolitik unter Beseitigung des Zertifikatensystems, wie es heute besteht. Dazu ist nur Entschlossenheit und Mut des Forderns notwendig! In beiden Fällen wird gezeigt, daß nur Palästina in der Lage ist, diese Frage zu lösen. Auf diese Weise wird es möglich, die deutsche Judenfragc, und schließlich das Gesamtjudenproblem, vor das politische Welttribunal zu bringen. Die Zeit eilt! Noch ist es nicht zu spät. Die zionistische Lösung der Judenfrage kann heute vor der politischen Weltöffentlichkeit an einem Beispiel bewiesen werden! Dr. Reuben Hecht (Basel, zur Zeit Antwerpen). Vertreibung aller jüdischen Angestellten Aus Frankfurt a. M.: Das hiesige Arbeitsgericht hatte sich wiederum mit einem Kündigungsstreit zu befassen. Die beklagte Firma hatte das Schild ..Deutsches Geschäft" an ihrem Ladenlokal angebracht. Es drohte ihr aber die Entziehung des Schildes, da nicht nur die Inhaber der Firma, sondern auch die Angestellten arisch sein müßten, während der Kläger, der als Buchhalter bei der Firma tätig war, nichtarischer Abstammung ist. Der entlassene Kläger berief sich darauf, daß er seine Mutter und einen arbeitslosen Bruder zu ernähren habe, daß er kein Vermögen besitze und als Jude und älterer Angestellter keine Stellung mehr finden würde. Schließlich sei er selbst mit dem Publikum nicht in Berührung gekommen. Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. In der Entscheidung wird ausgeführt: Da der arische, also der größere Teil der Bevölkerung bestrebt sei. seine Einkäufe in arischen Geschäften zu tätigen, wäre für die Firma, wenn sie auf die Kennzeichnung „Deutsches Geschäft" verzichtet hätte, die Gefahr eines erheblichen Um satzrückganges entstanden. Wohl stelle die Kündigung für den Kläger eine große Härte dar, trotzdem könne angesichts der der Firma drohenden Gefahr nicht von einer unbilligen Härte im Sinne des Gesetzes gesprochen werden. * Die „Frankfurter Zeitung" nimmt in einem „Wandlung des Anstandsbegriffes?" überschriebenen Artikel zu diesem Urteil Stellung. Sie schreibt u. a.: „Wenn ein Arbeitgeber mit einem Angestellten zufrieden ist und wenn dieser so beschaffen ist und sich so verhält, wie es unseren Gesetzen des Rechtes und der Sitte entspricht, wenn aber gleichwohl von der Politik her bestimmte Gründe (worunter auch die Rassenfragen zu rechnen sind) geltend gemacht werden, die den Arbeitgeber veranlassen sollen, das Treueverhältnis zu brechen, dann sollte man sich nicht auf philosophische Begriffe berufen, sondern auf feststehende Konsequenzen von Politik und Mach t." Skandinavische Schriftsteller für die jüdischen Schriftsteller in Deutschland Aus Ko penhagen (J. T. A.): Der Vorsitzende des Verbandes der dänischen Schriftsteller (Dansk Forfatterforening), Dr. J. Hartwig Jacobsen, erklärte Vertreten der Presse, die Nachricht, daß sämtliche nichtarischen Schriftsteller und Journalisten in Deutschland den Befehl erhielten, sich außerhalb der jüdischen Sphäre schriftstellerisch nicht me h r zu betätigen, habe in ausländischen Schriftstellerkreisen sehr deprimierend gewirkt. Er habe sich an den deutschen Schriftstellerverband, mit dem der dänische Verband seit Jahren Verbindungen unterhält, mit dem Ersuchen gewandt, ihm eine authentische Abschrift des betreffenden Schreibens der Reichsschrifttumskammer einzuschicken. Sollte der Inhalt mit den Pressenachrichten übereinstimmen, so werde er die Angelegenheit sowohl dem dänischen Schriftstellerverband als auch dem Nordischen Rat der Schriftstellerverbände, der die gesamte skandinavische Literatur repräsentiert, zur Entscheidung übergeben und beantragen, jede weitere Zusammenarbeit mit der Reichsorganisation der deutschen Schriftsteller a bzulehnen. EmigrantensSdiidc §al! Wer hilft? In unserer Redaktion erscheint eine junge Frau und erzählt: Mein Vater, der jahrelang am Johann-Strauß- Theater in Wien Regisseur war, starb 1926 und ließ mich mittellos mit meiner Mutter zurück. In schwerer Nervenkrise beging die Mutter Selbstmord, so daß ich nun allein in der Welt stand. Ich war, nach Berlin übersiedelt, im Begriffe, einen dortigen Zahnarzt zu heiraten, als das Hitler-Regime begann. Eines Tages erschienen in meiner Wohnung einige SA.-Männer und verlangten die Adresse meines Verlobten, der von einem Unbekannten antinationalsozialistischer Einstellung beschuldigt worden war. Ich war mir der Gefahr bewußt und bot den SA.-Männern Geld an, um meinen Verlobten zu retten. Diese nahmen zwar das Geld, verhafteten aber nichtsdestoweniger meinen Verlobten in seinem Zahnatelier. Ich sah ihn nicht wieder. Nach Monaten erfuhr ich, daß er ins Konzentrationslager Oranienburg gebracht und „auf der Flucht" erschossen worden sei. Unsere Wohnung wurde geplündert und beschlagnahmt. Ich flüchtete schwerkrank nach Paris, wo ich kurze Zeit als Emigrantin Beschäftigung fand. Nach Ablauf meiner Arbeitsbewilligung reisto ich nach Wien zurück, dem Ort meiner Zuständigkeit. Ich befinde mich hier in bitterster Not, ich stehe vor der Delogierung. Ich bitte um Beschaffung einer Arbeit oder Unterstützung. Ich kann nicht weiter. Name und Adresse sind uns bekannt. Wer der jungen, gebildeten Emigrantin helfen will, möge sich an unsere Redaktion telephonisch (A-20-2-78) wenden, wo er Näheres erfahren kann. Ein neuer päpstlicher Legat für Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Dieser Tage ist in Jerusalem der neue päpstliche Legat für Palästina, Aegypten, Arabien und Cypern, Monsignore Tiesto, eingetroffen. Der frühere päpstliche Legat, Msgr. Bar- Vorau§ muß man denken/ l!t|!l!l||l!||| sich sichern — versichern Hill I I Phönix Allgemeine Versidierungs? Ges«/ Wien IX/ Alserplatz 3 t o 1 i n i, ist vor einigen Jahren in Jerusalem plötzlich gestorben. Gemeinsam mit dem neuen Legat ist der päpstliche Nuntius in Bulgarien, Msgr. Mazoli, zu vorübergehendem Aufenthalt in Palästina eingetroffen. Filme der Wodie (Nach den Herstellungsländern zusammengestellt.)' Oesterreich: Letzte Liebe. Oesterreich (Arierparagraph): Hohe Schule —. Herr ohne Wohnung — Der Himmel auf Erden. England: Ich war Spion — Die scharlachrote» Blume — Abdul Hamid. Amerika: Die Löwen von Hollywood — Der Schreckensexpreß — Alkohol — Der Tyrann — Hier ist mein Herz. Deutschland (Arierpuragraph): Der alte und der junge König — Artisten — Barcarole — Mein liebes dummes Mädel — Herz ist Trumpf — Winternachtstraum — Der Vielgeliebte — Jonny räumt auf — Charleys Tante — Der Schlafwagenkontrollor. Alles für die Firma ♦ . ■ Friedl C z e p a, die populäre Schauspielerin des Theaters in der Josefstadt, spielt ihre erste Filmrolle in dem Wiener Filmlustspiel „ A lies für die Firm a", in dem sie in der Rolle eines jungen „Fräulein Doktor" die Partnerin von Oskar Karlweis, Felix Bressart, Otto Wallburg, u. a. ist. Auf Grund ihrer ersten Filmrolle wurde Friedl Czepa von Walter Reisch für weitere- Filme engagiert. Der von Rudolf Meinert inszenierte Film „Alles für die Firma" gelangt demnächst zur Uraufführung. z/Kompaß und // me?M&m Generalversammlung vom Miirz l!)3i> Die unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Julius Singer stattgefundene 22. ordentliche Generalversammlung genehmigte den Abschluß pro 1934, der folgende Hauptposten aufweist: Aktiva: Kassenstand und Guthaben bei anderen Banken S 2,925.555.48, Wechsel S 1,229.491.95, Wertpapiere S 320.287.12, Debitoren S 14,827.405.37, Beteiligung S 249.335.77, Immobilien und Mobilicn S 1,074.906.39. Passiva: Aktienkapital S 4,500.000.—, offene Reserven S 481.352.80, Spareinlagen S 1,283.296.11, Kreditoren S 14,162.993.19. Einnahmen: Zinsen und Provisionen S 709.059.90, Effekten- und Konsortialgewinne S 411.263.30. Garantieprovisionen S 226.626.05. Ausgaben: Personalkosten S 497.808.36, Sachspesen S 183.358.74, Steuern S 180.979.36, Reserve- und Schadenzahlungen im Garantiegeschäft S 308.539.71. Vom Gewinn per S 191.943.59 wurden S 125.000.— dem allgemeinen Reservefonds und S 6000.80 dem Speziaireservefonds für Einlagen gegen Einlagebücher zugeführt und der Restbetrag über S 60.942.79 auf neue Rechnung vorgetragen. Die turnusgemäß ausscheidenden Verwaltungsräte Feiice B e n s a, Minister Nikolaus H. Post, Sektionschef i. R. Alexander Günther und Hugo Winter wurden wieder- und Sektionschef i. R. Ing. Robert Jaksch neugewählt. E Auszeichnung. Frau Ida J o 11 e s wurde wegen ihrer Verdienste um das österreichische Kunstgewerbe vom Bundespräsidenten Miklas durch taxfreie Verleihung des österreichischen Vcrdicnstzcichcns ausgezeichnet. An alle Freunde des Palästina-Weines. Die vorzügliche Qualität und Beliebtheit der Weine aus den Baron Rothschildschen Kellereien in Rishon-le-Zion hat vielfach zu Nachahmungen der Etiketten und Markenbezeichnungen geführt. Weine anderer Provenienz und zweifelhafter Herkunft werden als Palästina-Wein in den Verkehr gebracht. Das konsumierende Publikum und der seriöse Zwischenhandel lehnen selbstverständlich die Fälschungen ab und beachten stets vor dem Kauf die Etikettenbeacichnung: Rishon-le-Zion. Ganz vorzüglich speisen Sie ... ä la carte und auch Menü ... im Restaurant „Stefanie" ... II., Taborstraße 12. Wiener Küche, Orient-Speisen! 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