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Die neue Welt · 1935-03-29 · Heft 451 (29.3.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 451 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 451 DIE NEUE WELI Seite 5 1 inen Verbot des »Sonntagsunterrichis ovn jüdischrn Schulen Die J. T. A. berichtet aus Sofia: In den 57 Jahren des Bestehens der bulgarischen Unabhängigkeit durfte an den jüdischen Schulen, die an den Sabbattagen geschlossen sind, an den Vormittagen des Sonntags Unterricht erteilt werden. Auf Verlangen der orthodoxen kirchlichen Behörden hat nun die Regierung den Unterricht an den jüdischen Schulen am Sonntag verböte „■», so daß nun diese Schulen zwei Tage in der W o c h e feiern müssen, wodurch der Unterrichtsablauf, besonders in den jüdischen Fächern, die an den Sonntagen mehr gepflegt wurden, sehr zu leiden hat. Eine Abordnung des Zentralkonsistoriunis der bulgarischen Juden, bestehend uns dem Vizepräsidenten Dr. Nissim Lewy, Jsie Pardoff und Elie Panigel, besuchte den Innenminister Oberst Krum Koleff und überreichte ihm ein Memorandum über die Situation des jüdischen Schulwesens. Der Minister erklärte, die Juden können für sich keinen Ausnahms zustand verlangen. Sein Standpunkt sei durchaus nicht antijüdiscli, er habe den Juden gegenüber stets die besten Gefühle gehegt. Die AeuGerungen des Innenministers haben unter den Juden Bulgariens Besorgnis wegen des Schicksals der jüdischen Schulen geweckt. Die Nachricht über diese leichtfertige Verletzung jüdischen Rechtes, denn anders ist diese Maßnahme wohl nicht zu charakterisieren, kommt überaschend. Sie steht im Gegensatze zur Haltung der bisherigen bulgarischen Regierungen gegenüber den Juden. Es hat wohl in Bulgarien zu Zeiten gewisse antijüdische Strömungen gegeben. Aber das Verhältnis der Regierungen zur Judenschaft war immer das beste. Insbesondere erfreute sich das jüdische Kulturwerk der größten Förderung durch den Staat. Wenn man in Betracht zieht, daß weder in ausgesprochen antisemitisch noch in streng kirchlich regierten Staaten, ja nicht einmal in Hitler-Deutschland, den Juden verwehrt wird, ihre den Sabbat feiernden Kinder am Sonntag zu unterrichten, erscheint das jetzt von der bulgarischen Regierung erlassene Verbot unerklärlich. Audi an Spannen ♦ * * Die J. T. A. meldet aus Madrid: Die Gründung von Einheitspreisgeschäften in Spanien durch e i ngew änderte Juden hat eine gewisse antijüdische Stimmung hervorgerufen. Mehrere junge Leute drangen in das Einheitspreisgeschäft des Juden Sc h ö n d o r f in Madrid ein und begannen es zu plündern. Polizei vertrieb die Plünderer. Mitglieder faschistischer Organisationen stehen als Posten vor dem Geschäft und ersuchen die Kaufvvilligen, es zu meiden, weil es ein jüdisches Geschäft ist. Von einem Freunde unseres Blattes, der längere Zeit in Spanien lebte, erhalten wir folgende Informationen: In Spanien war bis vor kurzem von einer antisemitischen Agitation nichts zu merken. Sie wurde, wohl unter dem Einflüsse reichsdeutscher Kreise, von zirka einem Jahre von seiten der zahlreichen deutschen Kaufleute in den größeren Städten des Landes aufgenommen. Furcht vor jüdischer Konkurrenz mag da auch eine gewisse Rolle spielen. Die Antisemiten arbeiten, wie überall, mit dem Hinweis auf den Bolschewismus der Juden. Willkommenen Anlaß hiezu bot ihnen die Tätigkeit einer weiblichen Abgeordneten im spanischen Parlament, M a rgaretc Nelken. Frau Nelken, welche aus Deutschland stammt, gehört zum radikalen Flügel der Sozialisten, dessen Programm fast kommunistisch ist und der zu Moskau Beziehungen unterhält. Sie hat an der letzten Revolte hervorragend Anteil genommen und war dann in Haft. In den antisemitischen Flugschriften wird immer auf die „rote Jüdin" hingewiesen. Eine Wirkung dieser Agitation auf die Regierung war bisher nicht zu verzeichnen. Die Behandlung der Juden von dieser Seite ließ bisher nichts zu wünschen übrig. Neue rumänische Aiitisemiteiipa-rtei Aus Bukarest: Der gewesene rumänische Ministerpräsident Vajda-Voevod hat die Gründung einer neuen christlich-nationalen Bauernpartei angekündigt. Während Vajda-Voevod sich bisher vom Antisemitismus formell distanzierte, führe er jetzt eine offene antijüdische Kampagne «-sltt nur für den Numerus clausus, sondern auch für den wirtschaftlichen Boykott. Einige Zeitungen in Transleithanien, wie „Universur: und „Curentul" unterstützen Vajda-Voevod in seiner Agitation. Verhaftung arabischer Terroristen Aus Jerusalem: In den Wohnungen mehrerer Araber in Nablus und Dschenin hat die Polizei Waffen und Munition, darunter Bomben deutscher Provenienz, sowie französische Gewehr c, gefunden. Die Araber wurden verhaftet. Billige nster- Sonderzllge nach Polen u. Czernouitz Abfahrt: 14. u. 16. April (früh) / Rückfahrt: 2. Mai Mi M „Frnntopol", Iii, Rennweo 1 (im Poln. Konsulatsgebäude) U-16-4-90 Schenker & Co* I, Schottenring 9, R-50-510 10.000e luden... eim! ■VBHHMHHBHHHH So verschieden die Ansichten und Uebe/zeugungcn der Wiener Judenheit in allen religiösen und wirtschaftlichen Fragen auch sein mögen, in einem Punkte gibt es bei vielen Zehntausenden nur eine Uebcrzeugung Ob sice+ify ctUqük <><U* f&dsckcäiUcU, CaI* IAA ob reich oder arm ... auf den Pessach-Tisch des Kenners und Fein- -JvwflNEffNSwttVw'^''^ schmeckers kommen seit mehr als 40 Jahren nur die bei allen beliebten, von allen bevorzugten Besonders delikat ist d'e Spezialmärkte „N. B." - Mazzoth, Grieß und Farvel, welche Sie in allen besseren Geschäften bekommen. (Erzeugung 1935!) ZENTRALE: I N. BRODETZKY II, Leopoldsgasse43vTel. A-40-0-90, A-60-2-63, A-48-4-48 tküMtitili Achten Sie im eigenen Interesse bei Einkauf von Mazzoth-Grieß besonders auf die Marke „SCHMIDL" AUS PALASTINA Vor der Makkabiah Auf dem Stadion von T e 1 - A v i v werden die letzten Vorbereitungen zur zweiten Makkabiah getroffen. Das Stadion ist bedeutend erweitert worden und besitzt jetzt ein Spielfeld, das 110 Meter lang und 70 Meter breit ist, zwei halbkreisförmige Uebungsplätze für Diskuswerfen, Sprungübungen und andere, leichtathletische Sportarten und eine 400-Meter-Laufbahn, die 7,20 Meter breit ist und auf der sechs Läufer gleichzeitig starten können. Die Tribünen haben über 7000 Sitzplätze und über 4 0.0 0 0 Stehplätze. Etwa 1000 jüdische Sportsleute, aus dem Ausland werden an der zweiten Makkabiah teilnehmen. Die Mannschaft aus Deutschland wird 134, die österreichische 95, die polnische 90, die englische 48, die französische 22, die ägyptische (einschließlich arabischer Sportler) 29 Mitglieder umfassen. Weitere Mannschaften kommen aus Amerika, Rumänien, Belgien, Holland, Tripolis, Tunis usw. Südafrika stellt eine 20 Mann starke Gruppe. Aus Palästina selbst werden mehrere tausend Sportler an der Makkabiah teilnehmen. Unter den Ehrengästen werden sich mehrere Mitglieder des englischen Parlaments befinden. Gaststätte für Jedermann I, KBrntnerstraBe 61 WIENER RATHAUSKELLER I, Neues Rathaue „WIEN VOR 400 JAHREN4* allabendl. Wiener Musik < Gesangs Hans Blaschek Provokation Wie aus Jerusalem gemeldet wird, haben die Arbeitssport verbände „Hapoel" und „Noar Erez Israel Hoavdoth" für die Pessach-Zwischenfeiertage ein allgemeines sportliches Zusammentreffen nach Tel-Aviv einberufen. Bekanntlich haben diese linken Sportvereinigungen die Teilnahme an der gleichzeitig stattfindenden nationalen Makkabiah für Pessach 1935 abgelehnt. Unter diesen Umständen ist ihre Veranstaltung als nichts anderes denn als eine Provokation anzusehen. Eine palästinensische Konservenfabrik Natania (Palnews). Unter der Firma „P r i m as o n Lt d." wurde eine Konservenfabrik für Gemüse, Früchte und Fische gegründet, die auch Frucht- und Gemüsesäfte herstellen wird. Gründer des Unternehmens sind die Herren Li e f t a und H e i f e t z aus Riga. Herr Lefta ist Inhaber der bekannten Fabrik „S. K. F." in Riga, die ähnliche Produkte herstellt. Seitens der Gründer des Unternehmens ist festgestellt worden, daß sich palästinensische Früchte und Gemüsearten besser als lettländische zur Konservierung eignen. Die. Fabrik „Primason Ltd." wird in Natania errichtet. Natania ist im Zentrum des nördlichen Sharons gelegen und die Umgebung (Emek Chef er) ist für Gemüseanbau großen Stils besonders geeignet. An dem Fabrikbau, der 2 Geschosse von 800 Quadratmeter umfaßt, wird in zwei Schichten geai'beitet, so daß zu Beginn der nächsten Gemüsesaison bereits mit der Gurkenkonservierung begonnen werden kann. Es ist beabsichtigt, im nächsten Jahr 50Q Tonnen Gurken und 500 Tonnen Gemüse zu konservieren. Außerdem wird auch die Konservierung von Fischen aufgenommen. Zunächst sollen die Fische aus Port Said und anderen Orten bezogen werden. Für später ist die Aufnahme des Fischfanges durch erfahrene Fischereifachleute in den palästinensischen Gewässern vorgesehen. In der Orangensaison wird eine Spezialabteilung Orangensäfte herstellen und Grapefruit konservieren. Die Primason Ltd. wird die für ihre Produktion erforderlichen Blechdosen selbst herstellen, ebenso auch die Druckarbeiten für die Beklebung der Konservengefäße. Das Kapital der Primason Ltd. beläuft sich auf Pf. 15.000, im Anfang sollen 150 Arbeiter beschäftigt werden. Haifa Metal Works Ltd. Haifa (PaLnews): Die im April 1934 von den Herren P a r d o und L e v i t a s gegründeten Haifa Metal Works Ltd, die Arbeiter beschäftigen, stellen Stahlmöbel und feine Arbeiten her und betreiben eine Galvanisieranstalt. Das Unternehmen hat das neue Armon-Kino. das neue Savoy-Hotel wie auch das neue Ruthenberg-Werk in Haifa mit ihren Erzeugnissen installiert. Der Export nach Aegypten und Syrien beginntJ langsam. Kleine Nachrichten Aus Tel-Aviv: Wie die hiesige Presse mitteilt, befinden sich in den Missionärschulen von Bethlehem, Safed und Tiberias 36 jüdische Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren. Es sind dies größtenteils Kinder von Frauen, die selbst von ihren Männern verlassen worden sind. Die Gemeinde von Tel-Aviv hat 100 Pfund zur Eröffnung von zwei speziellen Klassen für die jüdischen Kinder, welche in der Jaffaer Missionärschule lernen, bestimmt. * Aus Montreal: Der kanadische Finanzminister, teilte dem Parlament mit, daß palästinensische Citrusfrüchte in das Land zollfrei eingelassen werden. Aus Jerusalem: In einem Jerusalemer Kino wird zur Zeit ein Film demonstriert, der der Hebräischen Universität in Jerusalem gewidmet ist. Der Film schildert außer historischen Momenten im Zusammenhang mit der Eröffnung der Universität diel verschiedenen wissenschaftlichen Institute, Szenen aus dem Studentenleben u. a. Pension Koch, Haifa Hadar-Hakarmel Hermon Street 20 Telephon 1139 Haus ersten Ranges / Herrliche ruhige Lage / Kühle Räume / Modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser / Gepflegte koschere Küche / Mäßige Preise. Das altbewährte, beliebte österreichische Mineralwasser „P reblauer Sauerbrun n" ist in allen Apotheken, Drogerien und Lebensmittelgeschäften erhältlicü. m

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