Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 451 (29.3.1935)
- Date
- 1935-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4SI DIE NEUE WELl Seite 3 1 Die Histadryth gegen ihre Führer Friedenspakt abgelehnt Aus Jerusalem wird uns berichtet: Sonnt»«, den 24. März, war Paliistina in starker Bewegung. In allen Städten und Kolonien des Landes wurde unter den rund 70.000 Mitgliedern der sozialdemokratischen Iii s t a d r u t h haowdim" (Gewerkschaft der jüdischen Arbeiter) die Abstimmung über den zwischen dem Führer der Zionisten- Sozialisten Ben Gurion und dem Führer der Zionisten-Revisionisten, J a b o t i n s k y, in London abgeschlossenen Pakt über Arbeits Frieden der beiden Gruppen durchgeführt. Billige Osterreise der Czernowitzer Allgem. Ztg. u Vom 14. bis 29. April 1935 nach Anmeldung und Auskunft im Reisebüro Marienbrüeke, Wien I, Rotenturmstrane 26, Telephon K-24-2-S« und R-J4-2 Sf Auskünfte erteilt auch das Stadtbiiro „Der Wiener Tag", Wien I. Schuler- .straße 1. Telephon R-21-G-78 Die Abstimmung ergab eine große Mehrheit gegen den A r b e i t s f r i e d e n. Die Arbeiterschaft weigerte sich, die von ihrem Führer Ben Gurion eingegangene Verpflichtung zu bestätigen. In T c I - A v i v allein wurden 15.300 Stimmen gegen den Pakt und nur 10.200 für die Ratifizierung abgegeben. Dieses Resultat ist um so bezeichnender, als T e 1-A v i v als „gemäßigte" Stadt gilt, viel gemäßigter als beispielsweise H a i f a, wo das Stimmenverhältnis viel ablehnender sein dürfte. (Anm. der Redaktion: Das Gesamtergebnis ist zur Stunde noch nicht bekannt.) Die ältesten und bisher einflußreichsten Füllte» der Arbeiterschalt Ben Gurion, B e r 1 Locke r, B e r I K a t z e n clso n u. a. forderten in Artikeln, Piakaten und Ansprachen ihre Gefolgschaft auf, das Wort der Führer einzulösen und für den F r i ed e n z u s t i m m c n. Gegen das Abkommen traten gerade diejenigen Führer auf, die bei den Massen unb?»kanuter sind, wie Kaplansky (Direktor des Techuikun.-r? in 5?aifa) und T a b e n k i n. Und doch behielten sir* recht. Das von den Führern geschlossene Friedensahkonuür-n ist annulliert. cg>ai!>gigift.wniiim iiiitczcKatü'.SL'.ui'-'uuii^.^ggT'Ttscr^ic in, iiiiiwiaui..-WMi«gwiiiuiMiiiM»iMu,^iiM»w» 100 Stück. - Auch Sie! sollen @ versuchen die wirklich erstklassige e* Es handelt sich hier nicht nur um eine Niederlage der Führer, sondern auch um eine Niederlage der Zionistischen Exekutive, welche ihrer personellen Zusammensetzung nach mit den geschlagenen Arbeiterführern (Ben Gurion, Locker, Schertok etc.) identisch ist. Leider bedeutet diese Abstimmung, wie alle, schlecht angefaßten Friedensvermitttungen, eine Verschärfung des Kampfes in der Zukunft. Das Resultat war aber vorauszusehen. Als der Plan, daß die Herren Ben Gurion Und J a b o t i n s k y, die Führer der extremsten Flügel In der Zionistischen Weltorganisation, ein Separatabkommen über den „Frieden im Zionismus" schließen wollen, bekannt wurde, erhoben die Jude n- «taatspartei und unser Blatt warnend ihre Stimme. Die Judenstaatspartei forderte die Einberufung einer Konferenz aller zionistischen Gruppen, weil sonst der genügende moralische Druck Auf die Friedenstörer im Zionismus und in Palästina nicht zu erzielen sei. Andere zionistische Gruppen haben sich dann dieser Forderung angeschlossen. Aber vergebens. Die Zionistische Exekutive hat die „Roundtable"-Konferenz brüsk abgelehnt. Man hat die „Extremen" selbstherrlich handeln lassen, und jetzt ist das unglückselige Resultat da. Statt Frieden — Aussicht auf verschärften Kampf in Palästina, das der Ruhe dringender bedarf als je. Noch eine Erscheinung von großer Bedeutung. Die Führer der zionistisch-sozialistischen Arbeiterschaft sind nicht mehr Herren ihrer Leute. Die von ihnen betriebene Radikalisierung, besonders die Radikalisierung der Jugend, ist über ihre Köpfe hinaus gediehen. Es ist kein Zufall, daß im Kampfe um die Abstimmung über den Friedenspakt die Organisation der Jugend ,.Haschomer hazair" das treibende Element im Kampfe gegen die alten Führer v/ar, die als „Verräter an der Sache der Arbeiter" und am Andenken des ermordeten Arlosoroff", als „Halbfaschisten" etc. gebrandmarkt wurden. Eine Erscheinung, die gewiß nicht auf den soeben ausgetragenen Abstimmungskampf beschränkt bleiben wird, sondern auch im sozialen Leben Palästina fortwirken und unheilvoll fortwirken wird. Zur Ablehnung des Abkommens Aus Tel-Aviv meldet die J. T. A.: In dem Plebiszit über das Londoner Abkommen wurden insgesamt 25.440 Stimmen abgegeben; davon lauteten 15.227 Stimmen gegen und 10.187 für das Abkommen. (Die Mitteilung, daß sich die obigen Zahlen auf T e I - A v i v beziehen, ist irrtümlich infolge einer Wortverstellung im Telegramm entstanden; die mitgeteilten Zahlen betrafen das Abstimmungsergebnis i n g a n z P a- I ä s t, i n a. (Red. d'-r J. T. A.) In Tel-Aviv wurden 3983 Stimmen gegen, 320« Stimmen für die Ratifizierung des Abkommens gezählt; in Haifa wurden 3785 Kontra- und 1555 Pro-Stimmen abge- CS3cflCll Sotibt ennett m Situeiläffifl ■Hmnann geben; in den jüdischen Kolonien erzielten die Gegner des Abkommens 11.1.9, die Anhänger 882 Stimmen; nur in Jerusalem konnten die Anhänger des Abkommens eine kleine Mehrheit, 805 gegen 760 Stimmen, erzielen. Die Tageszeitung „Haare z" veröffentlicht einen Artikel, in dem die Niederlage der gemäßigten Führer der Arbeiterpartei als schweres Unglück für die gesamte zionistische Bewegung bezeichnet wird. Auch die Gegner der Arbeiterpartei haben keinen Grund, sich darüber zu freuen, daß die Tatsache der fortschreitenden Radikalisierung der Arbeiterbewegung nunmehr offenkundig werde. MitMalmm&sMävthen in New York In unserer Ausgabe vom 12. März gaben wir einen New Yorker Bericht wieder, wonach das Verteidigungskomitee für Bruno Hauptmann, den des Mordes an Lindberghs Kind beschuldigten und zum Tode verurteilten Deutschen, sich bemühe, den Fall des Lindbergh-Raubs als jüdischen Ritualmord hinzustellen. Wie uns aus New York gemeldet wird, geht die antisemitische und hakenkreuzlerische. Kampagne weiter. Zum zweitenmal in der Geschichte Amerikas ist die jüdische Gemeinschaft dem Angriff der „Ritualm o r d"-Hetzer ausgesetzt. Der erste Fall ereignete sich im Jahre 1928 in Massena (Staat New York), der zweite soeben in New York seihst. Das erwähnte Verteidigungskomitee für den verurteilten Bruno Hauptmann suchte längere Zeit Material, das für das Appellationsgericht verwendbar sein konnte. Schließlich, nach längeren erfolglosen Bemühungen setzte das Komitee die Nachricht in die Welt, Lindberghs Kind sei von Juden ermordet worden. Die Leitung dieser Kampagne übernahmen deutsch-amerikanische Anhänger des Generals Ludendori'f, dessen antisemitische Ausfälle in seinen Schriften hier bereits bekannt waren. Zuletzt erschienen in Zeitschriften und Zeitungen angebliche Hinweise auf einen vorliegenden Ritualmord. INe sanfte die den sprödesten Bart wie im Drübergleiten wegwischt, ist nur Schon nach kurzen Recherchen stellte sich heraus, daß diese einen Ritualmord vorspiegelnde Gruppe in engstem Kontakt mit dem Herausgeber der radikal-antisemitischen Zeitschrift „Irish Weekly", einem gewissen R. H. H e a 1 y steht, der in riesigen Lettern Artikel unter dem Titel ,,Wer sind die Mörder des Lind'bergh-Babys?", „Wer hat Hauptmann für schuldig erklärt?" und ferner einen Aufsatz, betitelt „The Storni" (ganz im Stil und Inhalt des Nürnberger „Stürmer" von Julius Streicher) veröffentlichte. Auch das Hakenkreuz auf der Titelseite der Zeitschrift fehlt nicht. Gleichzeitig mit dieser in New York betriebenen Propaganda nach reichsdeutschem Muster hat auch in anderen Städten, wie in Montrea 1, eine antisemitische Hetze eingesetzt. Die Zeitung „The Miroir", die unter Hakenkreuz-Einfluß steht, hat sich die dreist erlogenen Argumente von „The Storm" zueigen gemacht. So bringt sie beispielsweise für die Zeit vom Jahre 418 bis 1926 eine Liste von — 127 „nachgewiesenen Ritualmorden" und geizt auch sonst nicht mit Enthüllungen und Drohungen, wie sie bisher ausschließliches Monopol Julius Streichers waren. Die amerikanische Öffentlichkeit, soweit Jts nicht durch die intensive Hakenkreuzpropaganda der Schrift, des Wortes und vornehmlich des Geldes kor» rumpiert ist, wendet sich vorläufig mit Abscheu vo~ den nazideutschen Methoden und ihren Anhängern al. Aber die Gefahr weiterer Verhetzung besteht und die amerikanischen Juden müssen Mittel finden, dieser Gefahr zu begegnen. Spezio! - Massage und Entfettung - Nieder Kostenlose Beratung ür Damen u. Herren BnCVfl 1 Göttweihergassc 1 . rCAtt Tel. R-21-S-27 Erkenntnis In den jüdischen Blättern Deutschlands, die bisher die völlige Eingliederung der Juden unter die Deutschen befürworteten, ja als vollzogen ansahen, ist seit kurzem eine andere Tonart zur konstatieren. Sie stützt sich endlich auf das, was offensichtlich geworden ist. Die deutsche, in diesem Fall nationalsozialistische Umwelt lehnt den Eingliederungsprozeß brüsk ab — praktisch und durch die Gesetzgebung — und zwingt die Juden, sich auf sieb, selbst zu besinnen: Die deutschjüdische Emanzipation hat Schiffbruch erlitten. Man denkt jetzt auch in den AssimilantenkreUe* an eine Realpolitik, die sich nicht auf Gefühlsmomente, sondern auf die wirklichen Tatsachen gründet. Zu diesen Tatsachen gehört auch die Notwendigkeit der Auswanderung. Eigene und Pariser Schöpfungen HUTSALON Klein.-Aufridit Nuchf. Maria Gisela Hausinann I, Graben-Dorotheergasse 2 / Tel. R-26-2-95 J1IDENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS / Sektion t Leopoldsfad*, Taborstraße 21 a Samstag, den 30. März 1.)., in den Fest* sälendesHotel Continental, ll,Taborstr.4 Mitternachts* Akademie Mitwirkende: Sevilla Pastor (jüdische Künstlerspiele) Max Lichtegg (Scala) Victor Claudius (Simpl) loset Feuer (Judische Lieder) lulius Schwärs (lüdische Künstlerspiele) tticfo* Claudius, Confereac« $ese£Asd*afäidetodtMiTAMi ß c g i n n 2030 Uhr Erstklassige lazz E n t r e e S 2.— (an der Abendkassa e r Ii ö Ii t) Karten in allen Sektionen und bei Frau Paula Stricker, Telephon A-48-1-89 Das „Hamburger Israelitische Familienblatt", das 35 Jahre seines Bestandes das jüdische Volk und das jüdische Palästina als Illusion behandelt und dem restlosen Aufgehen der deutschen Juden in die nichtjüdische Umwelt das Wort redete, hat unter dem sichtbaren Zwang der Verhältnisse den Mut zu einer Erkenntnis aufgebracht, die es folgendermaßen formuliert: ,,. . . Und dennoch — es» muß einmal gesagt werden — kann und wird es vielleicht schon in allernächster Zeit geradezu die Aufgabe unserer Vertretungskörperschaften werden, in radikaler Umwandlungdes bisherigen Fundaments deutsehjüdischer Gemeinschaftsarbeit eine Auswanderung beträchtlicher Massen deutscher Juden während der kommenden Jahre vorzubereiten und zu o rganisicre n." Diese, wenn auch nicht leichten Herzens ausgesprochene Erkenntnis hat das „Israelitische Familienblatt" mit seinen größten und fettesten Lettern seinen Lesern kundgetan. Jetzt fehlt nur noch der Zusatz, daß n u r Palästina allein dieser Auswanderung einen inneren Sinn geben kann, also die Herzlschc, die zionistisch« Erkenntnis. Aber auch diese wird kommen « i