Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 451 (29.3.1935)
- Date
- 1935-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIB NEUE WELT TTr. 451 Rishon le Zion nur dieser Name bürgt für Echtheit und Güte beim Einkauf von Palästina-Wein VEREINIGTE GROSSKEI LERE IHN RLS HON LE ZION kannte. Und wenn er in seinem Traktat gegen die Meinung der Juden polemisiert, daß die Heiden, auch wenn sie die sittlichen Gebote haiten, von der ewigen Seligkeit ausgeschlossen bleiben, solange sie diese Gebote nicht als Offenbarung durch Moses anerkennen, so hat ihm auch dafür Maimonides selbst in seinem Religionskodex die Handhabe geliefert. An der Stelle, wo dieser von den Privilegien der Leviten im alten Israel spricht, schaltet er folgende, eine höhere Meinung des Judentums ausdrückende Bemerkung ein: ,,Gott war, nach den Worten der Schrift, den Priestern Erbe und Anteil. Dies gilt aber nicht nur vom Stamme Levi, sondern von jedem einzelnen Menschen in der ganzen Welt, der sich infolge edlen Sinnes und höherer Einsicht in den Dienst des Ewigen gestellt hat und gerade einherschreitet, wie ihn Gott geschaffen hat, indem er entgegenstehende Berechnungen und kleinliche Rücksichten von sich weist; J e d e r dieser Menschen erhält dadurch die höchste Weihe und Heiligkeit, Gott ist sein Erbe für die Ewigkeit." Diese auf der Warte einer humanen Gesinnung und im .Lichte universeller Bildung von ihm kraftvoll entfaltete Fahne der jüdischen Religionslehre machte in einer Zeit, da nicht politischer, sozialer oder rassenmäßiger, sondern am meisten religiöser Fanatismus der feindlichen Umwelt die zerstreuten und schutzlosen jüdischen Gemeinden in ihrer Existenz bedrohte, den bescheidenen, zurückgezogen lebenden Gelehrten zum Wiedererwecker des Selbstvertrauens und des Mutes der gesamten bedrängten Judenheit. Als um das Jahr 1170 zu den Leiden der Juden in Westeuropa auch eine Verfolgung in Südarabien hinzukam und sich Apostaten fanden, die als Rettung eine Bekehrung zum mächtig gewordenen Islam empfahlen, richtete er an die Gemeinden im Jemen ein von Glut der Ueberzeugung erfülltes Schreiben, worin er darauf hinwies, daß weder brutale Macht, noch geistige Waffen, noch der Synkretismus der aus dem Judentum entsprossenen und ihm feindlich gesinnten "Religionen das wahrhaft Erhabene und Göttliche s^ner für die Ewigkeit gegebenen Lehre zu besiegen vermocht haben, daß daher dessen treue Bekenner unverzagt in die Zukunft schauen und gegenüber den neuen schweren Bedrängnissen standhaft bleiben müssen. Daß er die rein ideale, keine physischen Vorteile gegenüber anderen Völkern erstrebende, sondern nur auf die Förderung der Gesittung in der gesamten Menschheit hinzielende ethische Macht des J u d e n t u m s am besten zum Ausdruck brachte, sicherte ihm bis auf den heutigen Tag eine schwärmerische Verehrung in der Mitte der eigenen Religionsgemeinschaft; durch seine in der Weltliteratur gewürdigten wissenschaftlichen Arbeiten, wozu auch zahlreiche medizinische Schriften gehören, erhielt er einen Ehrenplatz in der allgemeinen Geistesgeschichte. Ein markantes Ereignis ist es, daß nahezu 450 Jahre, nachdem durch die Unduldsamkeit der Inquisition in Spanien alle Juden aus dem Lande vertrieben wurden - ein neues Reich war erständen, in welchem alles Jüdische verfemt war —, jetzt die Stadt Cordoba als Geburtsort des berühmten jüdischen Philosophen, stolz auf ihren großen Sohn, den sie an die Seife von Scneca und Averrhocs stellt, im Verein mit Vortretern zahlreicher akademischer Körperschaften Spaniens die Gelehrten aller Länder zu Festlichkeiten einlädt, die dort vom 25. bis 31. März d. J. als Huldigung für Moses Maimonides stattfinden sollen. Nach einer Sage, die ein Menschenalter nach dem Tode des Philosophen entstanden ist und aus gewichten Gründen unglaubwürdig erscheint, soll er in Tibcrias (nach anderen in Hebron) bestattet worden sein. Wahrscheinlich wurde er bei Kairo beigesetzt. Aber er selbst sagt in seinem Kodex: „Den edlen Männern muß man kein Grabdenkmal errichten, ihre Werke erhalten sie im Andenken". Es ist ein Pendant zu Perikles' Nachruf auf die Helden Athens: ,,Den großen Männern ist jedes Land ein Grabdenkmal und ihr Ruhm beschränkt sich nicht auf die Inschriften ihrer Ehrensäulen, ihr Andenken erhait sich auch ohne Schrift in fernen Ländern in den Herzen der Menschen." Mode des hutdam Vom Wesen der Logik ..Die Logik ist nicht eine besondere, für sich abgeschlossene Wissenschuft, die nur einen Selbst - zweck hat: sie ist vielmehr das Instrument. der kern aller anderen Wissenschuf leti. Sie isl dem l erstände r/<is. was die Grammatik der Spruche: die eine Wissens< hufl dient der Dichtigkeit der Spruche, die andere der l\ichtigkeil des Denkens:' (Milloth Higgajon.) Reden und Schreiben .Missen sollst du. duf! man nichts öffentlich vor dem l'olkc sagen, soll, ahne jedes Ii ort zwei-, drei- oder viermal Überducht zu hüben. Dies gilt von jedem mündlichen l'oi trag: ivas mnn über niederschreibt und in einer Schrift veröffentlicht. das soll mun tausendmal prüfen, ob es richtig und nnxhr ist." (fggereth hu Schemud.) Die fünf Gesprächsarten ..Alle Gespräche können vom religiösen Standpunkt in fünf Klassen geteilt iverden. Vauersten Kinase gehören die gebotenen Gespräche, wie das Lesen des Sch'mn und das Studium der Lhoru: zur zweiten die verbotenen Gespräche, ivie falsches Zeugnis. Angeberei, unzüchtige Heden und Verleumdung: zur dritten die überflüssigen Gespräche, die dem Menschen keinen Silixen bringen, aber auch nicht als sündhaft erscheinen, ivie die meisten Unterhaltungen des Volkes darüber, was sich da und dort ereignet hat. wodurch dieser gestorben, jener reich geworden: zur vierten die kritischen Gespräche, ivie die Belobung der 'Lugend und der ludet des Lasters, und endlich zur fünften Klasse die ertaubten Gespräche, ivie das Reden über die verschiedenen Gewerbe. Suhriingsmittel und Lebensbedürfnisse der Menschen." (Mischnukommentnr zu Aboth. 1. 17.) Von der Willensfreiheit ..Jeder Mensch hat die volle Lreiheit. den guten Weg einzuschlagen und fromm zu sein, oder böse Wege zu gehen und schlecht zu iverden, Luft dich nicht von Loren bereden, daß Gott voruusbestimme. wer gerecht oder böse sein soll. Der ('taube an die Allmacht, und Alhvissenheil Gottes wird dudurcli nicht beeinträchtigt, vielmehr hui Gottes Allmacht die Freiheil dem Menschen zuerteilt und seine Alhvissenheil kennt des Menschen Wahl, ohne sie zu lenken. L eber die Willensfreiheit des Menschen in sittlicher Beziehung darf kein Zweifel obivulten." (Mischne l'hora.) Messias und Diaspora ..l om II'ahne sind alle diejenigen befangen, die keine Anstalten zum Verlassen ihres Wohnsitzes (Diaspora) treffen und in dem Glauben leben, der Messias werde bald in der Diaspora erscheinen, sie von den fjeiden. erlösen und nach Jerusalem führen." (Iggereth ha Scliemad.) Die Maimonides-Feiern in Spanien In Spanien, dem Geburtslande des großen jüdischen Philosophen und Kodifikaters Rabenu Moses ben Maimon (Maimonides-Rambam), haben die Feiern anläßlich des 800. Geburtstages des Maimonides mit einer großen Festlichkeit in der spanischen Hauptstadt M ad r i d begonnen. Das Präsidium bei der Feier hatte der Kultus- und Unterrichtsminister inne. Die Redner machten Vorschläge zur Verbreitung des Studiums der Werke des Maimonides und kündigten an, daß unter dem Protektorat der Regierung, die einen Teil Bürofräuleins Klagen oft über Ermüdungserscheinungen, hervorgerufen durch die einseitige Arbeit an der Schreibmaschine oder am Schreibtisch. Diese Erscheinungen führen oft zu Leistungsverminderungen im Berufe und erregen auch das Gefühl von Aufgebrauchtsein und Altern. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von DIANA- Frunzbranntwein mit Menthol. Tägliche Massage mit DIANA erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die. Spannkraft. Ebenso wertvoll -zur Mundu. Haarpflege. Verlangen Sie auwlrUeltlich „DIANA". Weisen Sie minderwertige Nachahmungen zurück. nach CZERNOWITZ II). APRIL bis I. MAI 1935 Po. ... 1 Q II »II Wien I, Karlsplatz 1 (Ecke Reisebüro „| ü U I Kärntnerstr.) Tel. U-44-5-79 ^OßS€Sf Wien F, Kärntrierstraße 41 >9^*%B»I» Telephon R-26-1-43 Referent S. Rnnonkr a n z. Reisebüro der Mittel beistellt, in Madrid ein Maimonides- Institut gegründet, werden wird. Die Feiern werden am Sonnabend, den 30. März, dem Geburtstage des Maimonides, mit einer großen Kundgebung, an der der Präsident der spanischen Republik teilnehmen wird, ihren Abschluß finden. Am Monü-g. den 2.">. März, fand in Cordova, der Geburtsstadt des Maimonides, eine feierliche Gedächtnissitzung der Acadcmia de Ciencias Bellas Letras y Nobles Artes de Cordova statt. Am Dienstag, den 26. Mäj-£, wurde in Madrid unter der Patronanz der Philosophischen Fakultät der Universität Madrid eine Konferenz ausländischer Philosophen abgehalten. Zu den Maimonides-Feiern sind Tausende Gäste aua der ganzen Welt in Spanien eingetroffen. m-Setometmp Am Grabe des Dr. Josef Oadi Aus Prag: Am Sonntag vormittag wurde Doktor Josef Gacli, der den nationalsozialistischen Intrigen an der deutschen Universitätsklinik nicht gewachsen war und Selbstmord beging, auf dem Prager jüdischen Friedhof zu Grabe getragen. Mehrere tausend Trauergäste hatten sich eingefunden, um Dr. Gach das letzte Geleit zu geben. Weder das Rektorat der Deutschen Universität noch die deutsche chirurgische Klinik hatten einen offiziellen Vertreter entsandt, nur die Pflegerinnen der Klinik Schloffen ließen einen schlichten Kranz niederlegen. Der einzige Redner, JUDr. Ernst Desensy, schilderte das pfiichterfüllte und an Entbehrungen reiche) Leben von Dr. Gach, der nun nach siebeneinhalbjähriger; verdienstreicher Tätigkeit an der Prager deutschen: chirurgischen Klinik die langersehnte und ihm längst gebührende Stellung erhalten sollte, was aber gewisse Leute zu verhindern wußten. Die Enttäuschung über cino solche menschliche Treulosigkeit konnte Gach: nicht überleben. Mehr als zwei Stunden dauerte das Defile der Trauernden am Grabe. * Die Polizei hat sämtliche den Selbstmord Dr. Qacha betreffenden Akten der Staatsanwaltschaft mit der Anzeige gegen den Liciter der deutschen chirurgischen: Klinik, Prof. S c h 1 o f f e r, und seinen Assistenten Doktor! W e n z e 1 wegen Verbrechens nach t? 98 St.-G. überg<Hben. Dieser Paragraph betrifft das Gesetz gegen Nötigung« Der Rechtsanwalt der Mutter Dr. Gachs, Dr. Emil Schneeherger, erstattete außerdem eine Strafanzeige gegen Prof. Schloffer, Dr. Wenzel und die. deutschnationalen f ii n f z e h n Acrzte, welche die Erklärung, mit Dr. Gach nicht zusammenarbeiten zu wollen, unterzeichnet hatten. w II.TaborstraDo 12 | Tel. R-46-5-57 I t»¥Mt» Ausgiebige B raten-Mentis S 1.60 h»***». Geflügel- „ s 2.20 VÜJ Vorzügliche Zubereitung — Schwechater Biere —- Naturweine | FilMinimmmiimümmmiümmm\m\mm\nimmmmm......illimiiiinilllliliiniilililiii.....im?. tiilcadisdialtsrng der deutsdien Universität an Prag Zum Fall des tschechisch-jüdischen Chirurgen Dr. Josef Gach, der durch deutschvölkische Umtriebe an der Prager deutschen chirurgischen Klinik in den Selbstmord getrieben wurde, schreibt das „Präger T a g b l a 11" im Leitartikel: „Für die tschechoslowakischen Hochschulen hat die Austreibung aller Liberalen, Sozialisten und nicht Stammesreinen aus Deutschland eine einzigartige Gelegenheit geschaffen, Lehrkräfte zu erlangen, die für unser bescheidenes Budget früher unerreichbar waren, aber diese Okkasion wurde von einigen Fakultäten gar nicht, von anderen nur höchst bescheiden ausgenützt. Die Gründe liegen im Widerstand der Studenten, der von einigen Parteigängern unter den Professoren unterstützt wird. In der vergangenen Woche wurde in der naturwissenschaftlichen Fakultät erwogen, ob man den berühmten Astronomen F r e u n d l i c h, Sohn eines getauften Juden und einer Arierin aus Schottland, nach Prag berufen sollte. Es lag eine Petition der völkischen Studenten vor, in der sie gegen die Vcrjudung der Universität protestierten. Sie wp-odten sich auch gegen Prof. Storch aus Graz, der angeblich als Nachfolger Coris vorgeschlagen war, was nicht stimmte;, und gegen einen physikalischen Chemiker Böhm, denen sie jüdische Abstammung vorwarfen. Beide Herren sind aus absolut stammesreinen Familien. Von den drei behaupteten Juden war also nur einer, nämlich Freundlich, durch seinen Vater h a l b j ü d i s c h, zwei von den dreien aber rein arisch. Die liberalen Astronomen verzichteten auf den berühmten Astronom, um den „Frieden der Fakultät" nicht zu gefährden."