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Die neue Welt · 1935-03-26 · Heft 450 (26.3.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 450 (26.3.1935)
Date
1935-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Tfr. 4 Ott DIE NEUE WBLt Seite fr.*] HEß Un liUn fu'i st&fi&t. 'yivartzn f. ... StHRiWEMHXPRfSS fam KREUZ KINO I. AUS PALÄSTINA WO Pa!ästrna>ERnwanderer im Februar Ans Jr.ru.ial em: Im Verlauf des Monat.-, Februar 1935 kämm rund 5 2 0 0 Juden nach Palästina, um sich hier .seßhaft zu machon. In den Kreisen, die sich mit der Einwanderungbefassen, wird schon jetzt angenommen, daß sich die Zahl der jüdischen Einwanderer im Iaufcnde.li Monat März auf mehr als 6000 .stellen wird, womit ein Monatsrekard in der jüdischen Palästina- Wanderung' erreicht sein vyfrd. Von den Im G c £ ä n .g n i s z u Bethlehem wegen illegaler Einwanderung eingesperrt gewesenen jüdischen Frauen, die kürzlich in den Hungerstreik getreten waren, find soeben eye letzten vier gegen Ge.Idbiirgschaft freigelassen worden. Gleichzeitig wurden aber vier andere jüdische FYawn wegen illegaler Einwanderung in das G e f ä j? s n i Ä zu Bethlehem cingeli-fert. Hilferuf an die Arbeiter Aus Jerusalem: Dfc Arljcitsvermlttlungsämter veröffentlichen einem Appell an all« in der B a uinduntrifl beschäftigten jüdischen Arbeiter, Ihre Arbeit in den Städten zu verlassen und aufs Land zu j? o h c n, um der Landwirtschaft in ihrer durch den .Mangel an Arbeiterhiinden entstandenen kritischen Lage v.u helfen. In dem Appell wird ausgeführt, daß infolge der ^ichtclnsammlung der Orangenfrüehtc in den l,Man tagen nicht mir die Lage der neuen, sondern auch »Jer alten Kolonien bedroht ist. E3 besieht nicht allein «die Gefahr, daß die gesamte diesjährige Ernte verlorengeht, sondern auch daß dio Bäume, deren Frücht« nicht gepflückt werden, ihre Fähigkeit, Früchte zu tragen, verlieren, so dnV> die gesamte Orangenwirtschaft ruiniert v. lrd. Die Bauarbeiter werden ersucht, zeitweilig auf e rhöhten Lohn zu verzichten und in den Plantagen Arbeit für niedrigeren Lohn zu tun, weil eine Katastrophe der Citrus-Industrie die gesamte, jüdische Lymtfwirtschaft. in Palästina bedrohen würde. (J. T. A.) Ob dieser Appell eine genügende Wirkung hervorrufen wird, ist sehr zu bezweifeln. Es ist wenig aussichtsvoll, an einen jüdischen Patriotismus, an ein Ö t a. a t r. g c l ü h 1 zu appellieren, dessen Pflege von den verantwortlichen, führenden zionistischen Stellen grundsätzlich vernachlässigt wurde. Man hat in den letzten -Jahren in der Zionistischen Organisation nur von Geld und wieder von Geld als der Macht, die alles schafft, gesprochen. In der Hoffnung, mehr Geld zu bekommen, hat man Senrtlingc der reichen Nichtzionisten in die zionistische. Leitung einbezogen und ihnen zuliebe auf nationale Postulatc, vor allem auf die Judcnstaafs-Idce verzichtet. Die Organisationen der Unternehmer und der Arbeiter in Palästina haben die Menschen zu krassem Materialismus erzogen. Ein Aufruf zum Verzicht hat nur dann-einen Sinn, wenn der Aufgerufene inbrünstig an das Ideal glaubt, dem er Opfer bringen soll. Für einen Staat bringt man Opfer! Pas hat sich in Zeiten Theodor Hcrzls und nachher erwiesen. Für die Hochhaltung der Gewinnrate von Orangengärton, welche Dritten gehören, bringt Juan keine Opfer. Das beweist dio Gegenwart im „staatenlosen" Zionismus, in dem Palästina, das keinen jüdischen Patriotismus kennt. Offene Tfir für arabische Einwanderung Au« Jerusalem: Die der zionistischen Leitung nahestehende Tageszeitung „Haarez" meldet, daß Emir Abdallah von Transjordanien anläßlich seines letzten Besuches bei der Palästina-Regierung die Abschaffung dos P a 8 z w a n g c s und besonderer Identitätskarten für transjordanische Araber, welche nach Palästina gehen wollen, gefordert und d u r c h g e. s e t z t hat. Damit ist Palästina für arabische Einwanderung aus Transjordanlen g c Ö f f n e t. Hingegen bleibt Transjordaulen auch weiterhin für j ü d i s c h c Einwanderung gesperrt. Unter den bisherigen Einschränkungen sind im Jahre 1081 aus Transjordanien 5800 Araber nach Palästina eingewandert. (Das ist die offiziell zugegebene Ziffer. In Wirklichkeit sind es wohl mehr.) Im Jänner und F o b r u a r 1985 sind es bereits 6050! Palästinas Industrieentwidklumg Aus Jerusalem: Wie die J. T. A. erfährt, haben sich zwei Imhistricgescllschaften in Haifa zur Gründung der ersten chemischen Fabrik zwecks Herstellung von Suiphat - Produkten zusammcnge.tan. Die eine Gesellschaft verfügt über ein Kapital von einer Million Pfund, wobei palästinensische und englische Judon 35 Prozent und die Imperial Chemical Industries 65 Prozent der Aktien besitzen. Die zweite Gesellschaft verfügt Uber 1 0 0.0 0 0 Pfund, davon haben englische Juden 65 Prozent und die Imperial Chemical Industries äjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiii!: Palästina-Reisen :i 5 1. Kinzelreisen jede Woche ssu Original- ~ preisen. g 5 2. Gesellschaftsreisen zur Makkabiadc und g 5 zu Ostern. - 1 ReUekitung: N. M. Rocker g | Nordisches ReisebOro,Wien I, Graben 131 |?tiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiuin Eine wichtige Gründung Hochschule für Rechts- und Wirtschaftswissenschaft in Tel-Aviv Am 24. März wird in Tel-Aviv eine neue Hochschule für Rechts- und Wirtschaftswissenschaft eröffnet. Gründer sind Professor Dr. Franz Oppenheim, der Dozent an den juristischen Kursen in Jerusalem, R. Eisen stadt, der Sekretär des Obersten jüdischen Friedensgerichts Advokat Dickstein, Bürgermeister Meir Dizcngoff, Professor Dr, Benjamin S i c w, ehemaliger Finanzrat der lettländischsn Regierung, und Professor M. Lazarson. Es werden zwei Fakultäten, eine juristische und eine wirtschaftswissenschaftliche, eingerichtet. Studiendauer vier Jahre. Vorlesungen und Seminare finden in den Abndstunden statt. Ziel der Hochschule ist die Ausbildung von Richtern, Advokaten, V c r w a 11 u n g s b n a m t c n, wirtschaftlichen Beratern usw. Der Studienplan umfaßt auch eine große Zahl allgemeiner und spezieller Palästina-Gegenstände (Palästina-Mandat, verfassungsmäßige Regelung des Verhältnisses zwischen Juden und Arabern, Mtnderheitenrecht, personelle nationale Autonomie, wirtschaftliche Beziehungen zwischen Palästina und den Ländern jüdischer Auswanderung, jüdische Soziologie, Demographie usw.). Voraussetzung für die Aufnahme ist das Abitur einer höheren Lehranstalt. Man erwartet, daß der neuen Hochschule binnen kurzem das Oeffentlichkcitsrecht verliehen werden wird, so daß ihre Zeugnisse und Diplome von ausländischen Universitäten anerkannt werden. Man glaubt, daß ausländischen Hörern der Besuch der Hochschule durch Zuteilung von Studentenvisen ermöglicht werden wird. Das Studiengeld beträgt jährlich 20 Pfund, die Inskriptionstaxe 1 Pfund. England verlangt erhöhte Palästina-Einfuhr in Polen Aus Warschau: Die Kommission für auswärtige Politik des polnischen Sejm erörterte das polnisch-englische Handelsabkommen, wobei zur Sprache kam, daß die englische Regierung im Namen des Mandatslandes Palästina die. Aufmerksamkeit der polnischen Regierung darauf gelenkt hat, daß die Einfuhr polnischer Waren in Palästina das Zehnfache der palästinensischen Ausfuhr nach Polen beträgt. Daraufhin habe Polen einer Erhöbung des Einfuhrkontingentes für Palästina-Waren zugestimmt. Nichts zu machen ♦ ♦ ♦ Aus London (J. T. A.): Im Unterhaus fragte der Abgeordnete R h y s - D a v i e s den Minister für die Kolonien, warum aus den Mitteln der Anleihe der Palästina-Regierung ein Betrag für die Errichtung von arabischen Schul gebäuden bewilligt wurde, während für jüdische Schulen kein Zuschuß gegeben worden ist. Werden Maßnahmen getroffen werden, um einen dem gegenwärtigen Anteil der Juden an $rr Gesamtbevölkerung entsprechenden Zuschuß für da« Schulwesen sowie einen Beitrag für jüdische städtische Schulbauten zu geAvähren? Koloiueuralnlster CunUffe Lister antwortete: Der in dem Verwendungsplan der vorgeschlagenen Palästina- Anleihe, vorgesehene Posten für Schulbauten bezieht sich au!' neue Re g i e r u n g s s c h u 1 e n, in denen A r abisrth Unterrichtssprache Ist und die allen Teilen der Gemeinde, offenstehen. Die jüdische Gemeinschaft hat sich von den ersten Tagen der englischen Verwaltung an entschlossen, ihr eigenes Schulwerk zu unterhalten und die Regierung von Palästina hat die Verantwortung für die, Errichtungskosten solcher Schulen niemals übernommen. Abg. J a n n e r: Wäre es nicht an der Zelt, daß der Kolonienminister auf diesem Gebiet eine abweichende Politik einleitete? Ist er nicht geneigt, den Schulen, in denen hebräisch unterrichtet wird, einen Zuschuß zu gewähren, besonders im Hinblick darauf, daß die j ti d isebe Gemeinschaft viele Jahre lang die Regierung dadurch unterstützt hat, daß sie die gesamten Kosten der Schulbauteu trug? Minister C u n 11 f f e Li sto r: "Sein. Diese Angelegenheit Ist schon sehr oft erwogen worden und die politischen Richtlinien wurden vor einigen Jahren festgelegt. Diese Politik ist von jeder Regierung konsequent verfolgt worden. per Abgeordnete Janner fragte den Minister weiter, ob er nicht bereit sei, der Errichtung von Schulen in denjenigen Städten zuzustimmen, deren Bevölkerung zum großen Teil jüdisch Ist, damit nicht die ganze Last den Steuerzahlern dieser Städte aufgebürdet werde. Der Minister erwiderte, dies würde ganz davon abhängen, in welcher Weis<» der Unterricht erteilt werden würde. // Zionistischer //Frieden Der Pakt zwischen Sozialisten und Revisionisten noch immer nicht ratifiziert Aus Jerusalem (J. T. A.): Mit 94 gegen 00 Stimmen hat die Konferenz der Miflagath Poale Erez Jisraei (Mapai - politisch« Organisation der palästinensischen Arbeiterpartei) den Beschluß gefaßt, hinsichtlich des Londoner Abkommens zwischen Ben Gurion und Jabotinsky von sich aus keine Entscheidung zu treffen, sondern es allein der Konferenz bzw. dem Plebiszit der Histadruth Haowdlm (sozialistische Gewerkschaft) zu überlassen, ob das Abkommen ratifiziert werden soll oder nicht. Ben Gurion erklärt, die In der Presse erschienene Mitteilung, er hätte gesagt, durch Sanktionierung des Abkommens werde Jabotinsky gezwungen sein, sich der Disziplin der Z-O. zu beugen, sei nicht richtig. Er habe eine solche Behauptung auf der Konferenz nicht; aufgestellt. Die Revisionisten klagen die Exekutive «r> Aus Paris (J. T. A.): Die Weltunion der Zioniston- Re.visionisten sandte an die Zionistische Exekutive in London ein Schreiben, in dem es u. a. heißt: „Wir sehen uns gezwungen, Ihre Aufmerksamkeit auf einen Artikel in Nr. 5 des „Haolam" zu lenken, der den folgenden Passus über Jabotinsky enthält: „Seine Liebe, (zum jüdischen Volk) geht bis zum „Zerbrechen" und Vernichten a.ll dessen, wal andere bis jetzt mit grenzenloser Mühe unter beispiellosem Leid erbaut haben; bis zur Vergrößerung der Streitigkeiten unter Juden, die auch ohnedies von Streitigkelten zerfressen werden ... bis zur Aufhetzung, unserer teuren Jugend zu Gewalttat und Blutve rgießen — so weil, geht seine Liebe zum jüdischen Volke." „Diese Worte siud nicht nur eine persönliche Beleidigung, sondern auch eine freche Verleumdung; eine solche Kennzeichnung des Präsidenten der Union ist dazu angetan, unsere Bewegung in Palästina, wo die Administration e:nc Beziehung besonderer Art zu unseren Genossen hat, zu schädigen. Diese Worte sind ein direkter Bruch jenes Punktes des Abkommens, in welchem von .Herumträgereien und Verleumdungen, die die persönliche Ehre von einzelnen oder Gemeinschaften angreifen' usw. gesprochen wird. „Da ,Haolam' das Zentralorgan der Zionistischen Weltorganisation ist, wenden wir uns an Sie. mit der Forderimg: 1. Die Redaktion von .Haolam' zu verklagen und mit den vorgeschriebenen Strafen zu belegen; 2. die Redaktion von ,Haolam' aufzufordern, in ihrer nächsten Nummer eine entsprechende Richtigstellung zu bringen." Tn einer Fußnote zu diesem Schreiben wird bemerkt, daß die Exekutive der Union bereits wiederholt die Exekutive der Z.-O. auf Fälle von Bruch der Londoner Uebereinkommen aufmerksam gemacht hat, daß aber bis heute eine Intervention ausgeblieben ist. Allgemeine Zionisten Gruppe „B" sagen der Exekutiv» Kampf an. Aus New York (J. T. A.): Die amerikanischen Allgemeinen Zionisten der Gruppe „B" veröffentlichen eine Proklamation, die eine Kampfansage gegew die jetzige Zionistische Exekutive ist. In der Proklamation wird der Exekutive vorgeworfen, daß sie die allgemeinzionistischen Prinzipien fallen gelassen und sich der Histadruth ausgeliefert hat. Die Zionisten in allen Ländern werden aufgefordert, sich im Hinblick auf den bevorstehenden XIX. Ziorüstenkongreß zu einem Block zusammenzuschließen, um der „gegenwärtigen un-, erträglichen Diktatur der Bewegung durch eine Partei" ein Ende zu bereiten. Die Histadruth wird beschuldigt, daß sie Klassenkampf in Palästina schürt und ihren Einfluß auf die Zionistische Exekutive zu Parteizwecken ausnützt. Aus aller Weif Der Arierparagraph im Lodzer Gemeinderat Aus Lodz: Der Regier ungskommissär der Stadt Lodz hat den Beschluß der nationaldemokratischen' Mehrheit des Lodzer Gemeiaderates, daß die städtischen Preise für Kunst, Wissenschaft und Literatur nur an Arier verliehen werden sollen, als verfassungswidrig aufgehoben. Einen zum zweitenmal eingebrachten Antrag dar Nationaldemokraten, in welchem die Entlassung aller jüdischen Beamten und Funktionäre des Magistrats und der städtischen Unternehmungen gefordert wird, ließ der Regier ungskommissär als verfassungswidrig zur Abstimmung nicht zu, was von den Nationaldemokraten mit Protestrufen aufgenommen wurde. Das Berliner Rabbiner seminar darf nicht noch Cordova» Aus Prag (J. T. A.): Das Rabbinerseminar in Berlin hat vom Festkomitee zur Feier des 600. Geburtstages von Maimonides die Einladung erhalten, an den Feiern in Cordova teilzunehmen. Das Rabbinerseminar hat in einem Antwortschreiben seinen Dank für diese Einladung ausgesprochen und seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß es aus „technischen" Gründen nicht möglich sei, eimeu Vertreter nach Vordova zu ent senden. (Die „technischen Gründe" sind so zu verstehen, daß das Reichspropaganda-Ministerium es einer jüdischen Institution selbstverständlich nicht erlauben wird, an einer Veranstaltung im Ausland teilzunehmen.) Fast keine Juden mehr an deutschen Hochschulen Aus Berlin: Nach der vom Reiehaerziehungs- Ministerium herausgegebenen „Deutschen Hochschulstatistik" waren im Sommer 1932 insgesamt 3 95 0 Nichtarier ih der deutschen Studentenschaft, im Sommer X9S3 nur noch 1900; im Wintersemester 1933/3* waren bei zahlreichen Fächern keine Judon mehr neu eingeschrieben. Unter den 87.000 männlichen Studenten des Wintersemesters 1933/34 waren nur noch 5 9 0 jüdisch, in den ersten beiden Semestern studierteu davon nur 13. Von den im Wintersemester 1933/34 studierenden 15.000 Frauen waren nur 223 Jüdinnen.

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