Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 450 (26.3.1935)
- Date
- 1935-03-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WEL1 Kr. 450 pA*$itH-„Uekmus" in %&§k&H Uzäezes H&Hush& aus de*n neum Pxdäduta Von Dr. J. Adle r, Tel-Aviv Was Grinzing für Wien bedeutet, das ist für Tel- Aviv, die jüngste Großstadt am Mittelmeer, das nahegelegen? Weinbauerndorf Rischon-le-Ziou. Vor 53 Jahren pflanzte dort, auf damals kahlster Sandflache, Baron Rothschild edle französische und iberische Reben in den palästinensischen Boden ein und erbaute dazu seinen Kolonisten, den Pogromflüchtlingen aus Rußland, eine Weinkellerei von enormen Dimensionen, die zweitgrößte der Welt — nur in Bordeaux übertrifft man sie noch. Seitdem haben die heute fast zehntausend Bewohner des freundlichen Ortes, den das Grün der Pflanzungen umkränzt, es zu gediegenem Wohlstand gebracht. Wer will es ihnen verdenken, daß ihnen der selbstgekelterte Wein nicht nur am Schabbath, sondern auch mitten In der Woche mundet? Freilich, der betriebsame Tel-Aviver, stolz auf die Entwicklungsrekorde seiner Stadt, sieht gern ein bißchen auf die Rischoner herab, weil ihnen, angeblich, Lebensgenuß mehr bedeute als Tempo, und weil sie, wie böse Zungen sagen, offenbar vom benachbarten einstigen Askalon die Traditionen des „Schwarzen Walfisch" übernommen hätten. Nur einmal im Jahr findet das lebensfreudige Rischon Gnade in den Augen der arbeitsbesessenen Großstadt. Und das geschieht, wenn der letzte Tag des palästinensischen Karnevals herankommt, wenn die Woche des Purimfestes zu Ende geht. So ist es vor zwölf Monaten gewesen, und so auch diesmal: In Tel-Aviv hat man Purim feierlich eröffnet, mit prächtigem Festzug, mit zeremoniellen Empfängen — aber für den lustigen „Kehraus" zum Festwochenschluß wählte man sich den Ort, der das muntere Behagen gleichsam in Erbpacht genommen hat, Rischon, wo nach alter Sage der Wein fast billiger als das Wasser ist. In der Herzl-Straße Tel-Avivs, beim Ausgangspunkt der Linien nach dem südlichen Judäa, stehen in später Abendstunde die Autobusse Schlange. Jeweils in drei Minuten ist ein Wagen vollbesetzt und rollt Richtung Jaffa ab. Schon ist Mitternacht nicht fern. Der Hafenbetrieb schläft. Kein Mensch zeigt sich auf den Gassen. Die Fächerkronen der Palmen zittern im Nachtwind. Mit kalkweißen Kuppeln taucht ein Heiligengrab im Lichte der Scheinwerfer auf und versinkt wieder ins Dunkel. Nur das spiegelglatte Asphaltband der Jerusalemer Chaussee blinkt vor uns, bis wir, kurz hinter Mikweh-Israel, der großen jüdischen Landwirtschaftsschule, scharf nach rechts abschwenken, auf den Weg, der nach Rischon führt. Nur zwanzig Autobus-Minuten von Tel-Aviv — und doch eine Ueberraschung. Nein, das hat man den Rischonern nicht zugetraut.' Im ausgeräumten Saal ihres Kinos, hebräisch „Na'aman" benannt, hat die Dorfjugend, die den Maskenball organisiert, zweitausend Tänzer und Tänzerinnen untergebracht. Ein paar Hundert fanden draußen auf der Terrasse Platz, und wer sich erholen will, promeniert „mit ihr" im Garten — glückliches Palästina, wo man in Märznächten unterm freien Sternenzelt tanzen kann! Die Musik ist eine Darbietung der Kapelle der Rischoner freiwilligen Feuerwehr. Man hat ein paar Jazzinstrumte, wendet Tango- und Foxtrott-Rhythmen an; doch die Melodien sind alt jüdisch, wehmütig und heiter, wie man's nimmt. Dementsprechend wird getanzt, korrekt-modern — die mitteleuropäischen Neuankömmlinge der letzten Zeit; ekstatisch-palästinensische Horra, wirbelnder Reigentanz — die Chaluzim und Chaluzoth, Jungens und Mädels, sonnenverbrannt von der Landarbeit; schließlich ein altmodischer „Hopser", vor einem halben Jahrhundert mitgebracht — die behäbigen Großbauern mit zahlreicher Familie. „Kostüm" ist beim Kehraus in Rischon nicht in erster Linie das, was einer beim Tel-Aviver Maskenverleiher auf gut Glück aufgegabelt hat, wobei für Männlein und Weiblein dank der Popularität unserer jungen Handelsflotte der Matrosenanzug dominiert. Nein, das Pittoreske dieser Karnevalsnacht im Orient verrät ganz anderen Ursprung. Da ist vor allem die Vielheit der Typen: die kleine, braunhäutige, gazellenschlanke jemenitische Jüdin, die glutäugige sephardische Schönheit, hier ein Gesicht von russischer Dämonie, dort die sanfte deutsche Chaluzah, das temperamentvolle Ungarmädchen und die fesche Wienerin, einst Sonnenschein eines Büros in der Rotenturmstraße, heute in Rischon, gleich den anderen, bienenfleißige Orangensortiererin. Zum stillen Beobachten bleibt uns jedoch nicht viel Zeit. Wie ein Tornado braust eine Horra-Runde heran, schon sind wir bei den Händen gepackt, in die Reihe gezogen, wirbeln mit, jubeln mit, stampfen mit, singen mit. Das ist der Rausch des Frühlingsfestes auf dem alten Boden, den heute nach zweitausendjähriger Brache die Hand der Juden wieder zu üppiger Fruchtbarkeit erweckt. Die Jugend braucht nicht viel Wein, um das Fest zu feiern. Nur ein Glas oder zwei, wenn man vor lauter Staub und Hitze gar zu durstig wird. Um so eifriger huldigen dem heimischen Rebensaft Rischons ältere Damen und Herren. Man freut sich des Daseins und hat Grund Hazu. Der Weinexport lebt mächtig auf, seitdem Amerika He „Prohibition" endlich annulliert hat. In Massenladungen geht der Palästina-Wein wieder über den Atlantik. Das Inuß gefeiert werden, zumal, wenn man selber an der Quelle des köstlichen Getränkes sitzt. Flaschen zerspringen, von kräftiger Winzerfaust geschleudert, klirrend auf dorn Steinboden, ,.Ma?eltow", der.n ..Scherben bringen Glück". FcurrwerkFrfröscijc zerknallen mitten im überfüllten Tanzsaal. Die Musikanten, stets volle Gläser vor sich, sehen schon die Noten doppelt und spielen danach. Aber <lv <: hebt ja nur eile Fröhlichkeit, und die Tel-.', viver Gäcrtn bitten insgeheim r.lln rb. war, ihr froßstncHirchpr Hochmut jemals an den frachtfreien Riwh;iJ'-.-a gr sündigt hat. Erst in der Mo.Tyondäirmerum; lechzt Autobus um Autobus nach der Metropole zurück. Man fröstelt in der Kühle. Ucbcr der Kette Oes Gehirner. .Tuda, wo Jerusalem liegt, wird rosiger Schimmer richLber: Bald geht euc Sonne auf über dem Heiligen Lande. Drinnen in Tel-Aviv sehen wir schon wieder die Arbeit sich regen, Straßenkehrer, Zeitungsträger, Bäckerjungen auf dem Weg. Nicht viel Zeit bleibt, daß man sich selber arbeitsfertig machen muß. Und mit leichter Selbstgefälligkeit konstatiert man: „Ja, die Rischoner, die schlafen sich nun erst einmal den ganzen Tag gemütlich aus, dagegen wir in Tel-Aviv, wir haben Tempo, Lebensernst -- bis übers Jahr! Ausweisung polnischer Juden aus Frankreich Die Polnische Telegraphen-Agentur teilt mit, daß der aus Juden bestehende Verein der Markthändler und Hausierer in der französischen Stadt Lille durch Massendeportation seiner Mitglieder aus Frankreich alarmiert worden ist. Es hat eine neue Welle von Ausweisungen polnischer Bürger aus Frankreich eingesetzt. Richtigstellung. Im Aufsatz „Eine Stimme aus Palästina" (Auszug aus der Schrift „Gedanken zum Judenstaat" von Dr. M. Kollenscher in der Nr. 447 unseres Blattes) muß es selbstverständlich heißen: Sogar innerhalb des Zionismus, dessen tragender Pfeiler der Nationalismus (nicht Nationalisozialismus) ist. . . . Ferner „dem Gedanken des Judenstaates" und nicht des Judentums. Oesterreich auf der MaUkabiah. Wie wir erfahren, reisen Mittwoch, den 27. März, um 9 Uhr abends rund 100 jüdische Sportler (ab Südbahnhof) zur 2. Makkabiah nach Palästina. Zur Begrüßung vor der Abreise werden die oberste Sportführung und die Vertreter des österreichischen Sports erwartet. Soudrrr.ug mit 700 C'haluv>.i aus Talen. Da9 Wkner Pr.lästine.-Amt teii' i-uit <. 'v.z::\ vo;n Warschauer Palästina-Amt eingelangten Avk •> rr'n, r'.i;?> Mittwoch, den 27. März, ein ßonderzup mit \ j.eingehen Ch: ■.i;:;.m Wien parieren vvl»U. Dh A:;!w 'cv.'ot;;-i. v:\?. Uhr inc!'.;:iLt;;<vs i\ai dem Wü r.cv i'..v;v..h.'a. <iio V/clio iahet ebendaselbst um '/-3 Uiu nex'amitte.r,'3. Während des .V.u.T.t'T.itea brir.'jt das Wir;.:.- r;..:.-Ajr>t u». ,:r» 5-;üt-:u?i.r den Z 1:1. V. .,V:h.]:::::■:' <.':.: ,~?.\:;:c cn die DürchivrvJ.:i zur Vc,1. cilun&. iy.*::l:--::v,r:--->;-;. Es ist mir unmöglich, die mir anläßlich r.uk.o? Aufzeichnung durch den Herrn Bundesi>rii:'.dentcn .-..•gekommener» überaus zahlreichen freundlicher. C-.'.iU'-.T.Üpe'ehe einzu erwidern. Ich bi'.ic des mich durch ihre Gratulation geehrt und eruf diesem Wege meinen tiefgefühlten Dank halb alle, die freut haben, entgegenzunehmen. Oberrabbiner Dr. David Feuchtw a n g. Jüdisch-Kultureller Elternbund. Dienstag, den 26. März 1935, im Caf6 Lovrana, III., Löwengasse 36. Vortrag des Herrn Rabbiner Prof. Dr. Kaiman Kupfer über: „Religion in Schule und Hau s", sowie Frau Dr. Johanna Ellner über: „Berufsberatung". Austritte am dem Jendentuun Wilhelm Landau, geb. 3 4. September 1889 Lodz, verh., IV., Möllwaldplatz 4. — Hilde Hermine Deiches, geb. 31. Oktober 1913 Wien, ledig, II., Pazmanitengasse 7. — Tihor «eza Jäger, geb. 18. Juli 1«95 Budapest, verh., XVIII., Dempschergasse 8. — Anna Deutsch geb. Friednmiin, geh. 3. April 1S8ß Budapest, verh., IV., Gußhausstraße 7. — Fritz Deutsch, geb. 4. Jänner 1887 Wien, verh., IV., Gußhausstraße 7. - Richard Deutsch, geb. 27. Mai 1915, ledig, IV., Gußhausstraße 7. — Marie Beck geb. Schriever, geb. 20. Mai 1896 Weitmar-Bärendorf, gen getr., XIX., Glatzgas.se 5 — Manfred Bernfeld, geb. 17. Februar 1899 Wien, verh., Lieberthal in Böhmen. — Hermann Joachim Urbach, geb. 11. Juli 1881 Andrychau, verh., II., Sterneckplatz 15. — Norbert Brüll, geb. 9. Juni 1885 Jaroslau, verh., XX.. Wallensteinplatz 4. — Ing. Herbert Hugo Guttmann, Oberbaurat, geb. 22. April 1870 Wien, verh., III., Geusaugasse 7. — Egon Kado, geb. 29. November 1902 Wien, Jedig. XX.. Hellwagstraße 30. — Artur Drelchlinger, geb. 8. Mai 18S4 Wien, ledig, VTL, Myrthengasse 12. — Therese Bauer, geb. 14. Jänner 1912 Wien, ledig, II., Taborstraße 59. SCHlFFM^äL Mantel- Wollstoffe: BOUCLfi-MELANGE für Paletots und Mäntel, reine Wolle, 140 cm . S REINWOLL-SHETLAND A für Mäntel und Kostüme. U' 140 cm.......S «J RKINWOLL-FLAUSCH für den eleganten Frühjahrs- ■ mantel, 140 cm . . . . S Futter- und Kleiderseide: K.-S.-DULHESSE oder FAILLE-ECLAIRE, alle Futterfarben, 80 cm . f SP r K.-S.-MONGOL, IMl'R., diverse Dessins, 90 cm S K.-S.-FLAMISOL- IMPRIMU, schüne, Dessins .... -SCHLAGER DIESER WOCHE:- r Vorhangstoffe indanthren gestreift, 150 cm breit, p. m . . Waschseiden-Strumpf e Kuban-Ferse, Frühjahrsfarb., 2. Wahl . . Schotten-Boucle indanthren, Riesenauswahl in vielen Farben, a , 70 cm.........., , , , , S| K.-S.-Damenschirme « Modekaros oder mit Bordüre, lOteil., Modegriff S$ K.-Seiden-Steppdecke jt, beiderseits Seide, WattafüU., 120/175 . . . . 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