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Die neue Welt · 1935-03-22 · Heft 449 (22.3.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 449 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ffcite 6 DIE NEUE WEL1 Wr. 44!> Das Vordringen Japans auf dem PalästinasMarkt Tel-Aviv (Palncwsh Obwohl Palästina dasjenige Land des japanischen Exportbereiches ist, in dem sich das Klrtdringen japanischer Waren noch in vcrhältnismäßij beschrankten Grenzen hält, hat Japan dennoch auf dem palästinensischen Textilmarkt in letzter Zeit in starkem Maße Fuß fassen können. Da bei den einzelnen Waren für das Jahr 1934 noch keine Aufgliederungder Import- und Exportziffern nach den einzelnen Ländern vorliegt, kann die Entwicklung des japanischen Exports nach einzelnen Waren nur bis zum Jahre 1933 festgestellt werden, für das die länderweisen Ziffern in den letzten Wochen publiziert wurden. Im Gegensat? zu den meisten anderen Artikeln des japanischen Exports, bei denen die Qualitätsansprüche der palästinensischen Käufer ein Hindernis gegen das Eindringen japanischer Waren bilden, treten diese Qualitätsansprüche, wie die folgenden Ziffern ergeben, bei Textilwaren stark in den Hintergrund (in 1000 pal. Pf.): Baumwollgcwebc: trefarbt und grau und «bleicht bedrurht Seidengewebc 1931 1932 1033 1931 1932 1933 1931 1932 1933 121,9 120,9 127.5 236,4 261,6 2S3.0 170,7 171.9 231,7 38.6 42.« 35.S 31.7 62.S 60.7 r.,9 7,6 12,6 .>8,4 23.8 1,1 51,8 27,6 9,8 8,!> 15,9 8,:J 8,9 3!>.L 72.2 1,9 3fi,8 91.S 7,5 56,5 88,8 3,0 7.S 9.1 60,5 60,8 53.1 23.2 15,7 18,8 3.9 2,S 60,3 42,7 23,3 73,1 37.7 54,7 Insgesamt . , Davun au.i : England . . . Aegypten . . . •Japan .... Italien .... Syrien .... Tschechoslowakei Frankreich . . 1,C 1,4 1,6 15,6 8,0 11,2 3,6 2,4 4,0 29,8 22,2 19,7 Der palästinensische Auftoniobslverkehr Jerusalem (Palnews): Der Bestand an registrierten Automobilen, Lastwagen, Motorrädern usw. hat sich in jien letzten Jahren bis zum 31. Dezember 1934 wie folgt entwickelt: 31. Dez. 31. Dez. 31. Dez. 1932 1933 1934 Autobusse ..... 710 905 1037 Taxi ....... 1033 1046 1084 Lastwagen ..... 803 1239 2436 Personenwagen . . . 1076 1688 3454 Motorräder..... 754 1120 2163 Traktoren ..... 8 9 15 Insgesamt ..... 4389 G0Ö7 ~1(U89 Während sich die Zahl der Lastwagen, Personenwagen und Motorräder im Laufe der beiden letzten Jahre auf das Dreifache und darüber hinaus erhöht hat, wurden von der Regierung nur eine beschränkte Anzahl neuer Autobusse und fast überhaupt keine neuen Taxi zugelassen. Der Benzinverbrauch, der sich 1932 auf 17,28 Millionen Liter stellte, erreichte 1933 die Höhe von 27,16 Millionen Liter, in den drei ersten Quartalen 1933 stieg der Benzinimport auf 28,62 Millionen Liter gegenüber 20,45 Millionen Liter in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Der Bestand an registrierten Automobilen hat sich 1934 also um 70 Prozent, der Benzinverbrauch nur um rund 40 Prozent erhöht. Die geringere Zunahme des Benzinverbrauches erklärt sich aus der nur geringfügigen Erhöhung der Zahl der Autobusse und des unveränderten Taxibestandes. Autobusse und Taxi sind die stärksten Benzinverbraucher. Auch dürfte die große Zahl der neuen Autos auf eine relative Verminderung des Benzinverbrauches hingewirkt haben. Der Transithandel Palästinas Haifa (Palnews). Der Transithandel Palästinas, der allerdings nur von geringerBedeutung ist, hat sich im Jahre 1934 dem Vorjahr gegenüber nicht unwesentlich erhöht. In den ersten elf Monaten des Jahres 1934 beläuft er sich auf pal. Pf. 210.170 (gegenüber pal. Pf. 171.060 in der entsprechenden Vorjahrszeit). Der Transithandel, der im wesentlichen Lebensmittel und industrielle Fertigwaren umfaßt, geht hauptsächlich nach Transjordanien. Der polnisch-palästinensische Handel Haifa (Palnews). Wie aus Warschau berichtet wird, hat sich nach den Ziffern der polnischen Handelsstatistik der Export Polens nach Palästina von 5,752.000 Zloty im Jahre 1933 auf 9,103.000 Zloty im Jahre 1934 erhöht. Der polnische Import aus Palästina stieg von 578.000 Zloty im Jahre 1933 auf 1,052.000 Zloty im Jahre 1934 und macht nur wenig mehr als 10 Prozent des Exports aus. Mieter und Hausbesitzer in Palästina Aua Jerusalem: Die Mieter in Jerusalem hielten neuerdings eine Massenversammlung ab, in welcher die Frage der Proklamierung des Generalstreiks als Protest gegen die hohen Mieten und den Mangel an gesetzlichem Mieterschutz in Jerusalem behandelt wurde. Einer der Redner war der Prä- Dei Anteil Japans a.i der Einfuhr roher und gebleichter Baumvvollgewebc hat im Jahre 1933 rund 56 Prozent der Gesamteinfuhr erreicht, bei gefärbten und bedruckten Geweben beläuft sich der japanische Anteil auf rund '/;;• bei Seiden geweben auf 38 Prozent. Insgesamt wurden 1933 für 252.000 pal. Pf. japanische Baumwoll- und Seidengewebe importiert gegenüber 21.000 pal. Pf. im Jahre 1931! Der japanische Baumwoll- und Seidengewebeexport nach Palästina hat sich also im Verlaufe von zwei Jahren zwölfmal erhöht! Das Vordringen der japanischen Baumwollgcwebc auf dem palästinensischen Markt erfolgte zum größten Teil auf Kosten Aegyptens, das fast den gesamten Absatz verloren hat, und zu einem kleineren Teil auch auf Kosten Syriens. Im übrigen bildete Japan den Nutznießer des erhöhten Einfuhrbedarfes. Das Anwachsen des Imports japanischer Seidenge webe hat ebenfalls den syrischen und auch den französischen Absatz beeinträchtigt, vor allem aber geht die Steigerung auf die starke Erhöhung der Gesamteinfuhr zurück. Obwohl für das Jahr 1934 noch keine detaillierten Ziffern vorliegen, läßt sich aus der Tatsache, daß der japanische Export nach Palästina von 350.000 pal. Pf. im Jahre 1933 auf 308.000 pal. Pf. im ersten Halbjahr 1934 angestiegen ist, schließen, daß die japanische Gewebeeinfuhr, die den größten Teil der Einfuhr des Jahres 1933 ausmachte, im Jahre 1934 sich weiter stark erhöht hat. sident der Jerusalemer Handelskammer, A1 b y. Die Entschließungen wurden dem High Commissioner, dem Distriktskommissar und dem Bürgermeister übergeben. Die jüdischen Mitglieder des Stadtrates wurden ersucht, eine Mieterdelegation zum High Commissioner zu führen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, welches den Generalstreik der Mieter organisieren soll. Aus T e 1 - A v i v: Die Tel-Aviver Hausbesitzer hielten eine Versammlung ab, die stürmisch verlief und in der einstimmig beschlossen wurde, von der Regierung ultimativ die Zurückziehung des Mieter Schutzgesetzes zu fordern, sonst würden die Hausbesitzer sich gezwungen sehen, u n vollendete Bauten nicht fertigzustellen und Neubauten überhaupt nicht anzufangen, auch würden sie die bereits beziehbaren Wohnungen nicht vermieten. Verkehrsflugzeug Aegypten—Palästina abgestürzt Aus Kairo: Ein Verkehrsflugzeug, das den Dienst nach Palästina versieht, stürzte zirka 10 Meilen östlich von El Arisch ab. Zwei Fluggäste wurden getötet, ein Insasse wurde schwer und zwei wurden leicht verletzt. Zwei Fluggäste blieben unverletzt, während der Flugzeugführer Verletzungen davontrug. Million-Pfund-Anleihe der Stadt Tel-Aviv Aus Tel-Aviv: In der Budgetsitzung des Stadtrates teilte der Vizebürgermeister R o k a c h mit, daß das Stadtpräsidium die Regierung in Jerusalem ersucht hat, einzuwilligen, daß die im Dezember v. J. auf 260.000 Pfund festgesetzte Anleihe der Stadt Tel-Aviv auf eine Million Pfund gebracht werde. Ferner teilte Rokach mit, daß das Budget für 1935 in Höhe von Pfund 400.000, davon 100.000 für Unterricht, noch nicht balanciert ist. Es wird mit der Regierung verhandelt, damit sie einen Teil der Erziehungsausgaben, wie dies mit Bezug auf andere Städte der Fall ist, trägt. Ist es nicht seltsam, fragte Rokach, daß eine Regierung, die über einen Millionen-Ucberscnuß verfügt, die jüdische Bevölkerung zwingt, die ganze Last des von den Juden selbst aufgebauten Schulsystems zu tragen? Kulturausstellung in Palästina Aus Tel-Aviv: In Tel-Aviv werden intensiv Vorbereitungen zu einer einen Monat andauernden Ausstellung getroffen, in der die Leistungen des palästinensischen Jischuw auf allen Gebieten von Kunst und Kultur gezeigt werden sollen. Die Ausstellung, die den Namen „Bialik-Tagc" führen wird, wird am 14. April eröffnet werden und bis zum 13. Mai dauern, so daß sie während des in der ersten Mai-Hälfte tagenden Weltkongresses der Hcbraistcn geöffnet sein wird. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, der Bürgermeister von Tel-Aviv, Mayer Dizcngoff, und Dr. Schmarja Lewin, die mit der Leitung der nationalen Kulturbewegung betraut sind, ersuchen jeden, der irgendwelche Gegenstände der Erinnerung an B i a 1 i k besitzt, diese der Ausstcllungsleitung zur Verfügung zu stellen. (Siehe den Aufsatz „Hebräische Renaissance in Palästina" von Dr. J. Adler in unserer heutigen Nummer.) J UPISCHER VOLKSBUND ÖSTERREICHS ■T^'l^JU«»»« zu der Mittwoch, den 27. März 1935, um8Uhr30 abends, in den Lokalitäten der „Hakoah", 1. Bezirk, EfiniaflUIlIg Wiesingerstraße 11 stattfindenden ORDENTUCHEN GENERALVERSAMMLUNG Tagesordnung: 1 Wahl eines Tagespräsidiums / 2. Tätigkeitsbericht, erstattet vom Obmanne Oberbaurat Ingenieur Robert Stricker / 3. Kassabericht / 4. Bericht der Revisoren / 5. Neuwahlen I THEODOR.HERZL-SAAL I ScUfottc Saal I W/EN l WERDERTORGASSE I I für Veranstaltungen, Vorträge,. I I Festlichkeiten, Hochzeiten etc. I I zu vermieten. I | fluskönfte mir (eiephoniseft y. 9 bis 3 Uhr, fei, H8-HM u.B-20-2-78 | ,Ohne Zertifikat nach Palästina' Die neue Revue der „Jüdischen Künstlerspiele" in der Praterstraße 34 weicht schon in der künstlerischen Absicht wesentlich von der Komödienschablone ab. Es ging dem Autor A. Meise 1s darum, etwas Theatergerechtes zu schaffen und gleichzeitig den nationalen Gedanken als den Kernpunkt des jüdischen Lebens ins Rampenlicht zu setzen. Nur das zionistische Erlebnis vermochte dem Autor die Kraft und — ich möchte fast sagen — das Talent zur Schaffung der Bilderreihe zu geben. Was ein jüdisches Herz, Ohr, Auge sich nur wünschen mag, bekommt es serviert, und zwar, was besonders betont werden muß, mit Geschmack und Delikatesse. Meiseis hat mit seinem reichen jüdischen Wissen (Familientradition, Gemara, Bibel, Volkslied, Scholcm Alechem, Jüdischer Humor) die Revuebilder veredelt, mögen es Raheis Grab oder das Palästina-Amt oder dio jüdische Hochzeit oder gar Tel-Aviv sein. Henoch Kons Musik ist vornehm, voller Phantasie, dabei koloritecht und schlagkräftig. Die Grundidee, der nicht unterdrückbare Drang des jugendlichen Chaluz, nach Palästina zu gelangen, kommt in der Meisels-Revuc der „Künstlerspiele'* restlos zum Ausdruck. M. Sieglers Ensemble, das bisher für die Schlagcroperette tätig war, hat durch die Aufführung von „Ohne Zertifikat nach Palästina" bewiesen, daß es auch der hohen Aufgabe einer sinnreichen Revue gerecht werden kann. Sevilla Pastor, der unbestrittene Star, feiert als Chajc und Chaim wahre Triumphe — bemerkenswert hiebei die Brillanz, mit der sie die ironischen und agitatorisch-witzigen Couplets vorträgt und die Pointen graziös in den Saal spritzt. Auch Erna S i c g 1 c r zeigte sich diesmal von einer neuen Seite: als dramatische Sprecherin und Sängerin (dabei bildhaft anzusehen), wobei sie mit ihren schönen Liedern das Publikum überraschte. Dolly Nachbar und B. Sigall hatten in den Damen Cl. Meiseis und Frau Siegler ausgezeichnete komische Gegenspielerinnen. Den primitiven Chaluz zeichnete Herr Pastor, den Chaluz-Vater Herr Kosowsky in ein paar charakteristischen Strichen. Den einzelnen Bühnenbildern (Gibson und Szafrenko)j zollte das glänzend unterhaltene Publikum spontanen Beifall. Es war ein Sieg auf der ganzen Linie. Jetzt liegt es am jüdischen Wien, durch sein Erscheinen die mühevolle, künstlerisch und agitatorisch wertvolle Arbeit zu belohnen. o. r. Jüdische Kredithilfe Anläßlich der Generalversammlung der Wiener „Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinh a n d e 1" erstattete der Direktor des Instituts, Herr M. Henisch, den Tätigkeitsbericht pro 1934, dem folgendes zu entnehmen ist: Von den eingelaufenen Kreditgesuchen erledigte der Vorstand in 15 Plenarsitzungen 670, davon 611 in positivem und 59 in negativem Sinne. Von den bewilligten Darlehen gelangten in der Berichtsperiode 506 zur Auszahlung, davon 122 Darlehen an neue Darlehenswerber. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 17,4 Prozent der Fälle zwischen S 500 und S 1000, in 65,4 Prozent je S 500 und in 7,2 Prozent der Fälle unter S 500. Die Gesamtsumme der ausbezahlten Darlehen betrug S 262.050, was einen Monatsdurchschnitt von 42 Darlehen mit S 21.840 ergibt. Nach Berufskategorien gegliedert, entfallen auf Kleinkaufleute 371 Darlehen (73,3 Prozent), auf Handwerker 83 Darlehen (16,4 Prozent), auf kleinindustrielle Betriebe 29 Darlehen (5,7 Prozent) und auf Angehörige freier Berufe 23 Darlehen (4,6 Prozent). Die Gesamtsumme der Darlchensrückzah« 1 u n g e n betrug S 272.360, überstieg somit die ausbezahlte Darlehenssumme um S 10.200. Der Darlehensstand mit Jahresende belief sich auf zirka S 153.000. Die Zahl der Genossenschafter betrug bei Jahresschluß 1900 mit 9069 volleingezahlten Anteilen ä S 10.— In den zwölf Jahren ihres Bestandes gewährt« die Kreditkassc insgesamt 7842 Darlehen im Betrage von S 3,900.600. Mit diesen Krediten konnte die Kasse vielen kleinen Leuten zu einem anständigen Erwerb verhelfen, viele jüdische Existenzen vor dem Zusammenbruch bewahren. Die Leitung ist selbstverständlich bemüht, ihre Kredithilfstätigkeit entsprechend zu erweitern und lädt die in Betracht kommenden Kreise ein, sich vertrauensvoll an sie zu wenden. Herxl in Esperanto. Soeben ist Theodor Herzls „Judenstaat" in Esperanto, übersetzt von Bernhard Selzer, erschienen. Das Werk ist durch den Weltbund der Esperanto-Bücherfreunde „Literatura Mondo", Budapest, IX., Mester utea 53, und Wien, Buchhandlung Foltanek, I, Herrengasse, &u bqziehco.

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