Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 449 (22.3.1935)
- Date
- 1935-03-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Kr. 449 DDE NEUE WELT Seite 5 So verschieden die Ansichten und Uebetzeutfungen der Wiener Judenheit in allen religiösen und wirtschaftlichen Fragen auch sein mögen, in einem Punkte gibt es bei vielen Zehntausenden nur eine Uebeizeugung 6b sU&tfy wtifyiäs odet (adsckeiitUcU, ob reich oder arm auf den Pessach-Tisch des Kenners und Feinschmeckers kommen seit mehr als 40 Jahren nur die bei allen beliebten, von allen bevorzugten Besonders delikat ist die Spexialmarke „N. B." Mazzoth, Grieß und Farves, welche Sie in allen besseren Geschäften bekommen. (Erzeugung 1935!) ZENTRALE: N. BRODETZKY II, Leopo!dsga5SQ43,Tel. A-40-0-90, A-60-2-6 3, A-48-4-48 Achten Sie im eigenen Interesse bei Einkauf von MazzottfGrieß besonders auf die Marke „SCHMIDL" AUS DEUTSCHLAND Die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland und die Juden Aus Berlin kommende Nachrichten besagen, daß die Verkündungdes Gesetzes über Einführungder allgemeinen Wehrpflicht in nationalsozialistischen wie in jüdischen Kreisen ziemlich lebhafte Erörterungen auch nach der Richtung ausgelöst hat, ob das neue Gesetz auch <iic Rekrutierung von Juden für das neue Heer vorsieht. Besonders wird die Frage in den Kreisen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten diskutiert. Die in kurzem erscheinenden Durchführungsbestimmungen zum neuen Wehrgesetz werden — so wird erwartet — auch hierin Klarheit bringen. Außerdeutschc Zeitungen wissen zu melden, daß vor einigen Tagen Vertreter des Rcichsbundes jüdischer Frontsoldaten zu amtlichen Stellen beschieden wurden, wo man ihnen mitteilte, daß die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Aussicht stehe. Die Vertreter der jüdischen Frontkämpfer sprachen die Hoffnung aus, daß die Wehrpflicht auf die jüdischen Bürger werde ausgedehnt werden. Es heißt, daß diese Möglichkeit zugegeben und hinzugefügt wurde, daß in der Reichsregierung darüber noch verschiedene Auffassungen bestünden. Der Reichskanzler Hitler und der Innenminister Dr. F r i c k sollen im Kabinettsrat gegen die Einbeziehung der Juden in die allgemeine Wehrpflicht gewesen, aber in der Minderheit geblieben sein, worauf Hitler geäußert haben soll, daß die Juden in besonderen Formationen vereinigt werden sollen. Der Reichs wehr minister soll aber diesen Vorschlag abgelehnt und erklärt haben, die Juden würden in der allgemeinen Wehrpflicht den gleichen Bestimmungen wie die anderen Deutschen unterliegen. Den jüngsten Meldungen zufolge kommt eine Einreihung von Juden ins deutsche Heer nicht in Betracht. Eine Teilnahme der Juden an der allgemeinen Wehrpflicht würde die grundlegende These des deutschen Nationalsozialismus ad absurdum führen. Wenn Juden in der deutschen Armee tätig sein sollten, dann könnte es sich ausschließlich nur um eine untergeordnete, wenn auch gefährliche Dienstleistung handeln- RasscgedajikeH, auch Im bürgerlichen Recht Aus Berlin: Im „Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen" hielt Universitätsprofessor Doktor E i ß 1 e. r, Tübingen, einen Vortrag über den Rassegedanken im bürgerlichen Recht. Er sagte u. a.: Im allgemeinen wird das künftige bürgerliche Recht auf rassischer Grundlage, beruhen. Für Staatsangehörige n i e h L a r i s c h p r Herkunft sei eine F r e m d c n g c s e t z g e b u n g zu schaffen; die Misehlingpfragc müsse gelöst worden, Erst wenn die Rasfieg-ofletzgebung in allen Einzelheiten durchgeführt sei, werde die Zeit gekommen sein, den Rassegedanken in den allgemeinen Teil den bürgerlichen Rechtes einzubauen. Hamburger Polizei und Talmud Aus Hamburg: Die Polizeibehörde teilt mit: ,,Auf Grund der Verordnung dos Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat wird die ,E v angclisc hkirchliche Gemeinschaft' in Hamburg für das gesamte hamburgische Staatsgebiet verboten und aufgelöst. Das Verbot ist erfolgt, weil der P r ed i g e r der Gemeinde, der vom jüdischen zum evan, geljsehen Glauben übergetreten war, unter dem Deckmantel des Christentums einon unheilvollen t a 1. m u d i s c h - j ü d 1 s c h e n Einfluß auf deutsche Volksgenossen ausgeübt hat." „Geschmacklosigkeit und Unverschämtheit" Aus Berlin: Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, hat der Kreisleiter von Wuppertal eine sofortige V e. r a n s t a 11 u n g a s p e r r o für die Stadt halle Wuppertal-Elberfeld angeordnet. Die Nationalsozialistische Tartci und ihre Gliederungen sollen Veranstaltungen, in der Stadthallc künftig nicht mehr abgalten, Grund für diese Maßnahme war das Verhalten des Pächters der Stadthalle, der am gleichen Abend, wo eine Veranstaltung des Winterhilfswerkes stattfand, einen der kleineren Stadthallen-Sälc für eine Veranstaltung acs Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr zur Verfügung gestellt hatte. Der Kreisleiter erklärte u. a,, daß das Erscheinen von Juden in der Stadthalle während einer Veranstaltung des Winterhilfswerkes, bzw. der NS.-Volkswohlfahrt, „eine Geschmacklosigkeit und eine Unverschämtheit" darstelle. Reisebüro 14. APHIL bis 1. MAI 1935 i£f Wien 1, Kärntnerstraße 41 fl Reisebüro 9 ,IRUT Telephon R-26-1-43 f I Wien 1, Karlsplatz 1 (Ecke Kärnmerstr.) Tel. U-44-5-79 Juden in öffentlichen Lokalen Aus Breslau: Die „Nationalsozialistische Schlc» sische Tageszeitung" in Breslau beanstandet in einem Artikel, der „Schluß mit d c r R a s s e n s c ha n d e!" überschrieben ist, das Verhalten von Juden in öffentlichen Lokalen: „Immer wieder tanzen sogar in Brcslauer öffentlichen Lokalen schmierige Juden mit arischen Frauen. Es darf in der Erkenntnis unserer rassischen Notwendigkeiten kein Schwanken geben und kein Zurückweichen. Wenn heute noch Juden in öffentlichen Lokalen arische Frauen zum Tanz auffordern, ist das eine offene Kampfansage gegen das völkische Deutschland. Auf eine offene Kampfansage gibt es nur eine Antwort. Wenn sich Frauenspersonen dazu hergeben, mit Juden in enge Beziehungen zu treten, verdienen sie, öffentlich angeprangert zu werden. Lange genug hat der deutsche Mensch, der ernst und pflichtbewußt seine Kraft an den Aufbau des neuen Reiches wendet, dem jüdischen Treiben und der Gewissenlosigkeit arischer Menschen zugesehen. Wir werden deshalb künftig die Namen derjenigen Frauenspersonen, die sich mit Juden einlassen, und die Namen dieser Juden veröffentlichen. Es muß endlich auch in Breslau Schluß gemacht werden mit aller Rassenschando!" Jüdische Handwerkerkurse nur für Auswanderer Aus Berlin: Wie der Pressedienst der NSDAP, mitteilt, hat der Reichswirtschaftsminister (der „j u d e nfreundliche" Herr Schacht) folgenden Rundcrlaß ausgegeben: „Wie der Reichs- und preußische Minister des Innern mitteilt, hält er es nicht für angebracht, die Abhaltung von handwerklichen Unterrichtskursen für ausw a n d c r u n g a w i 11 i g c Juden zu verhinde r n oder zu erschweren, da jede Maßnahme zu begrüßen ist, die diese A u s w anderung der Juden fördert. Der bei einem Verbleib einzelner handwerksmäßig ausgebildeter Juden im Inlaude befürchteten Schwarzarbeit dürfte durch polizeiliche Maßnahmen wirksam begegnet werden können. Der in solchen Fällen etwa beabsichtigten selbständigen Ausübungeines Handwc r k s als stehendes Gewerbe stehen die Vorschriften der Dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 18. Jänner 1935 entgegen." Das jüdische Sporthaus in Dan/ig zerstört Aus Dan zig: Das Haus der jüdischen Sportler in Donzig wurde in der Nacht von bisher unerkannt gebliebenen Tätern überfallen. Die gesamte Inneneinrichtung wurde vollkommen zerstört, Als Folizei eintraf, wäre» <He Täter verschwunden. Die unfähige rViacDonaSd^Kommissioii Der vom Völkerbund eingesetzte Kommissär für Flüchtlinge aus Deutschland hat r-rine Unfähigkeit reichlich erwiesen. Nicht einmal gültige Pässe, nach Art der Nansen-Pässe, wüßt"1 er seinen Schützlingen zu verschaffen, die jclst ohne Ausweispapiere in der Welt umherirren. * Aus Genf wird gemeldet: Hier tagte das Nansen- Amt, das unter der Kontrolle des Völkerbundes die russischen, armenischen, assyrischen, assyro-chaldäischen und türkischen Flüchtlinge betreut. Während der allgemeinen Debatte fragte der Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes im Nansen-Amt, der Schweizer Gewerkschaftsführer Schüre h, ob das Nansen-Amt in der Paßfrage nicht auch etwas für aus Deutschland in die Schweiz kommende Flüchtlinge tun könne, die überhaupt keine gültigen Pässe mehr besitzen. Der Vorsitzende der Kommission antwortete, diese Frage stehe absolut außerhalb der Kompetenz des Nansen- Amtes, da die Flüchtlinge aus Deutschland dem autonomen und der VÖlkcrbundskontrollc nicht unterstellten Amt des Hochkommissars James Macdonald anvertraut sind. Wie der Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur aus gut unterrichteter Quelle erfährt, würde eine Initiative zur Stellung des Schutzes der Flüchtlinge aus Deutschland unter die Kontrolle des Völkerbundes — die Initiative müßte von einem dem Völkerbund angehörenden Staat ausgehen — nunmehr Aussicht auf Erfolg haben. Im Jahre 1933 hat sich bekanntlich die damals noch im Völkerbund vertretene deutsche Regierung der Kontrolle des Völkerbundes über die deutschen Flüchtlinge widersetzt und aus diesem Grunde wurde auf Kompromißwege das autonome Flüchtlingsamt von Macdonald geschaffen. Deutschland hat inzwischen den Völkerbund verlassen. Selbst wenn es im Herbst dieses Jahres wiedereintreten würde, so wären die damaligen Argumente der deutschen Regierung in dieser Frage insofern hinfällig, als inzwischen ein wichtiger Präzedenzfall eingetreten ist: S o w j e t r u ß 1 a n d ist Mitglied des Völkerbundes geworden, ohne sich der Tätigkeit des dem Völkerbund unterstellten Nansen-Amtes als Beschützer der russischen Flüchtlinge irgendwie zu widersetzen. Elf Juden in Kopenhagen verhaftet Aus Kopenhagen (J. T. A.): In der Angelegenheit der vor zirka einer Woche hier verhafteten 13 Personen, von welchen elf ausländische Juden sind, herrscht hier nach wie vor ein von den Behörden sorgfältig gewahrtes Geheimnis. Alle Versuche der hiesigen und ausländischen Pressevertreter, Aufklärung zu erhalten, werden vom Untersuchungsrichter und von der Staatspolizei scharf zurückgewiesen. Die von einem englischen Pressevertreter gebrachte Version, als ob es sich um ein geplantes Attentat auf Hitler handeln soll, sowie sonstige im Ausland kursierende wilde Gerüchte sind Ausgeburten der Phantasie, sie werden von der Kopenhagener Presse, offenbar auf Wink einer höheren Stelle, nicht einmal wiedergegeben. Dagegen protestiert die hiesige Presse energisch gegen diese sonderbare Geheimnistuerei und fordert authentische Informationen. Dänische Kreise vermuten, daß es sich um eine kommunistische Organisation handelt, die mit dänischen Seeleuten in Verbindung stand, von welchen sich drei ebenfalls in Haft befinden. Die elf verhafteten Juden sind verschiedener Staatsangehörigkeit (Amerikaner, Letten, Rumänen usw.); sie scheinen aber sämtlich ursprünglich russischer Herkunft zu sein. Gegen die Einwanderung; Aus New York: Das Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, Blanton, schlug dem Kongreß eine Bill vor, wonach das Verbot der Einwanderung für die Dauer von zehn Jahren ausgesprochen werden soll. Ferner sollen alle Personen, die noch nicht Bürger der Vereinigten Staaten sind, registriert werden. Hadar- Hormon Street 20 akarmel Telephon 1139 Haus ersten Ranges / Herrliche ruhige Lage / Kühle Räume J Modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser / Gepflegte koschere Küche / Mäßige Preise.