Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 449 (22.3.1935)
- Date
- 1935-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 449 I O W DBMUJIMkl I „UimilUJ SÄMTUCHK ,H W»,«H« UND , I Aj I DCWUl^MKnllll ■ ^HIMMEIPFORTQ. 5 £§ WIRKWAREN SPOTTBILLIG! I I WrBWIm ByWB^IB^Hp »■ ^KÖLLNEBHOF«, 1 FUhrend In ETERNA* Hein den (von 6-80 aufw.) I Judisdie Schachmeister Lasker will wieder kämpfen Das von der ganzen Schachwclt mit gespanntestem Interesse verfolgte Moskauer Turnier ist zu Ende. An der Spitze der Sieger stehen der russische Meister Botwmn i k und der tschechoslowakische Champion Salo F 1 o h r, mit einem halben Zähler zurück der einstige Weltmeister Dr. Emanuel Lasker. Diese drei Sieger sind Juden. Botwinnik, der Meister Rußlands, hat eine großartige Leistungvollbracht. Schon mit 14 Jahren (heute ist er 24 Jahre alt, der jüngste unter den Meistern des Moskauer Turnicr3) hat er in einer Simultanvorstellung gegen den gewesenen Weltmeister Capablanca gewonnen. In frischer Erinnerung ist sein Match mit Salo Flohr, das bei zwei zu zwei Gewinnpartien und acht Remisen unentschieden endete. Flohr, um drei Jahre älter als Botwinnik, ist in Horodenka (Galizien) geboren und während des Weltkrieges al3 Flüchtling in die Tschechoslowakei gekommen. Er verlor frühzeitig seine Eltern, wurde in Wien und im Nikolsburger Waisenhause erzogen und hat heute seinen ständigen Wohnsitz in Prag. Auf Grund seiner großartigen Schachleistungen erhielt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er mit Dr. Aljechin um die Weltmeisterschaft im Schach kämpfen wird. Daseigentliche große Ereignis des Turniers aber war der alte Dr. Emanuel Lasker, der Schachmeister und Schachphilosoph, der nach vierjähriger Pause wieder die Arena betrat. Lasker ist ein in Deutschland geborener Jude, der beim Beginn des nationalsozialistischen Regimes in die Emigration gehen mußte. Beim Moskauer Turnier wendete sich ihm die allgemeine Teilnahme zu, insbesondere während seiner Partie gegen seinen einstigen Rivalen Capablanca. den er in einer klassischen Angriffspartie schlug. Diese Leistung gibt nach Ansicht der Schachkrei.se Lasker die Berechtigung, zum Kampf um die Weltmeisterschaft neuerdings anzutreten. Lasker bezeichnete als den berechtigsten Aspiranten auf die Weltmeisterschaft unter der jüngeren Garde den 27jährigen Salo Flohr. Bezüglich seiner Person erklärte er der Moskauer Presse, daß er sich einige Monate dem Tratningsstudium hingeben und zum Kampf um die Weltmeisterschaft anzutreten gewillt sei. Diese Aeußerung bedeutet eine um so größere Sensation, ald Lasker, der heute 67 Jahre zählt, noch im Vorjahre erklärte, wegen seines hohen Alters nicht mehr kämpfen zu können und die Stelle eines Weltmeisters Jüngeren zu überlassen. * Unter den 20 Teilnehmern am Moskauer Turnier gab es zwölf Juden: Lasker, Botwinnik, Flohr, Spielmann, Lilienthal., Rabinowitsch, AJaterzcw, Kahn, Romanowski, Tschechower, Rakusin und Löwenfisch. Die ersten fünf Preisträger 3ind also Juden. Schachmeister Aron Niinzowjtsch gestorben Kopenhagen, 19. März. (J. T. A.) Im Alter von -48 Jahren verstarb in Kopenhagen der dänische Schachmeister Aron Nimzowitsch, ein Großmeister ersten Ranges.. Im internationalen Schachtournier in Marienbad 1925 teilte eF mit Akiba Rubipstejn die beiden ersten Preise. In Dresden 1926 wurde er erster Preisträger vor Aljechin und Rubinstein, ebenso in Hannover 1926. Nimzowitsch wurde 1S87 zu Riga geboren und kam 1922 nach Dänemark, wo er die nordische Meisterschaft erlangte und bis zuletzt behielt. Sein Schachbuch „Mein System" ist in der Schachwelt berühmt. Vor kurzem gründete er in Kopenhagen einen jüdischen Schachklub, in Hessen Rahmen er etwa 30 jüdische junge Leute im Schachspiel ausbildete. (J. T. A.) Juden erringen 6 von 9 Preisen Aus Warschau: In der Warschauer Philhar. mooio wurden zu Ehren des berühmten polnischen Virtuosen und Komponisten Wienawski internationale VjoJin- Konkurrenxcn veranstaltet. Den ersten Preis des Präsidenten der Republik im Betrage von 5000 Zloty und damit auch den 10.000 Francs betragenden Preis der französischen Regierung sowie mehrere andere Preise gewann die 15 jährige französische Jüdin Ginctte Neveu. Den zweiten Preis des Unterrichtsministeriums und andere Preise gewann der Sowjetbürger David O a t r e j c h, den dritten Preis gewann der englische Judo Henry T c m j o n k a, den vierten Preis der 13jährige Sowjetbürger Gustav G o J d s t c i n, den fünften Preis der jugoslawische Jude L. Spill e r, den siebenten Preis die 11jährige Jüdin Ida Hendel. Von neun Preisen fielen also pechs an Juden. Gegen gleichgeschaltete Filmproduklion in Prag Aus Prag wird gemeldet: Unter der Uebersehrift „Jüdische Hitler-FllmHehande in Prag, Melßner- Figuren und Arier-Paragraph" führt dan Organ der deutschen Sozialdemokratischen Partei in der Tschechoslowakei, „Sozialdemokrat", u. a. au»: „Nach Beendigung de« Kiufuhrkrieges mit den amerikttiiibchen FUmtrust» ist In der Frager FUmwelt Belebung eingetreten. Di« Schundwejle der ttoebbela-Filtno int im -VWlttwn. Aber da* Kapitel vom hltjerdeut&tthen Filgj in Frag ist damit leider noch Immer, nicht crtaUgtt Das Terrain, da« ihm nuid um den Weir/.elsplatK verlorengeht, behauptet er um so hartnäckiger oben am B a rrandov (das große Präger Filmatelier), wo die „heimische n" Filme hergestellt werden. Wir haben wiederholt auf den Skandal hingewiesen, der damit begann, daß hiesige Filmproduzenten mit der Berliner Filmkammer Verträge schlössen, auf Grund derer gleichgeschaltete Barrandov-Filme entstanden, und der sich dann derart weiter entwickelt hat, daß kein einziger Film mit deutscher Version entsteht, der nicht der Zensur und Kontrolle der Berliner Film-Nazis unterstellt ist; von der Auswahl der Darsteller, von der barbarischen Blödheit also bis zum Arierparagraphen. Es geschieht mit Duldung der hohen Behörden und unter dem ehernen (nur von Reklumenotizen unterbrocheilen) Schweigen der demokratischen (und erst recht der nationalistischen) Presse seit anderthalb Jahren in der Hauptstadt der Republik. Es geschieht, obgleich die wenigen heimischen Filme, die im Ausland (und auch in Deutschland) ErfoJg hallen, zu den wenigen nicht gleichgeschalteten gehörten, und obgleich die Herstellung deutscher Filme am Bnrrainlov keino bessere Aufgabe haben könnte, als gerade dem b I ö d - b a r b a r i s c h e n und h e t z e r i s e h - v c r- I o S p ii p Ii Goebbels-Film ein Gegengewicht zu bieten. Daß es geschieht, ist beschämend und empörend genug. Aber noch beschämender und empörender ist, mit wessen Hilfe es geschieht. Es sind fünf Monate her, seit wir auf den „jüdischen Judenboykott im Prager Film" hingewiesen haben: auf die Tatsache, daß jüdische Präger Film Unternehmer die Hersteller jener glpiehgeschalteteu Machwerke sind, bei denen die Mitarbeit vom Nachweis arischer Vorfahren und von der Genehmigung der Berliner Filmkammer abhängig ist." *■ Wir haben in einer Reihe von Aufsätzen die Lage der tschechoslowakischen Filmindustrie geschildert, die sich — was die deutschen Versionen betrifft — ganz ins Fahrwasser der reichsdeutschen FUmprüfwtelle begeben hat, somit ebenso wie fast die ganze österreichische Filmproduktion gleichgeschaltet ist. Ann?, d. Red. KREUZ"KINO Wollzeile 17 * Tel. R-2^-2-16 JOHNNY WEISSMUUEB In Vorstellungen- „Tarzan und sein Kamerad" wurde. Man nimmt an, daß Jakob entweder einem Fe memord zum Opfer gefallen ist oder durch Hitler-Agenten nach Deutscliland verschleppt mirde. (J. T. A.) Präsident Rooscvelt und seine Ahnen Aua New York: Pressevertretern, die an ihn die Frage richteten, ob die von gewisser Seite ausgestreuten Behauptungen, daß seine Ahnen Juden waren, wahr seien, erklärte Präsident Roosevelt: „Meine Ureltcrn kamen vor etwa 300 Jahren aus Holland nach Amerika. Ob diese meine aus Holland stammenden Ahnen Juden, Katholiken oder Protestanten waren, - diese Frage beunruhigt mich nicht; mir genügt es, daß sie gute Bürger und gottesfürchtig waren." Großes New Yorker Warenhaus beteiligt den tfationalfonds Aus New York: Das bekannte New Yorker Warenhaus Hcarns teilt der J. T. A. mit, daß es beschlossen hat, den gesamten mm aus dem Verkauf von Karmcl-Wein erwachsenden Gewinn mit dem Keren Kajemeth Lcjisracl zu teilen. Der Präsident des Hearns-Warenhauses, Lcwinc, hat sich lebenslänglich verpflichtet, dem Jüdischen Nationalfonds 2500 Dollar jährlich aus seinem Privateinkommen zuzuführen. MeFaddeim antisemitische Propaganda Aus New York: Der von den deutschen Hakenkreuzlern gestützte antisemitische Präsidentschaftskandidat McFaddcn betreibt eine umfangreiche Propaganda auch mittels Postversands antisemitischer Schriften. Generalpostmcister Farley hat hierüber eine Untersuchung angestellt, um einen derartigen Mißbrauch der Post in Zukunft verhindern zu können. Budapester Aktiengesellschaft entläßt Juden Aus Budapest: Nach „U j s a g" haben die Baumwolltcxtilwcrke A.-G., eine deutsche Interessengemeinschaft, auf deutsche Weisung und mit Berufung auf den Arierparagraphen alle nichtarischen Angestellten entlassen. Aus aller Weif Der politische Kurs in Ungarn Ungarn steht gegenwärtig im Zeichen der Wahlen. Wie aus Budapest telegraphiert wird, wurden in Ungarn am Sonntag über 1000 Wählerversammlungcn abgehalten. Im Mittelpunkt standen die Wahlreden des Ministerpräsidenten Gömbös und des Grafen Stephan Bethlen. Ministerpräsident Gömbös erklärte u. a.: Ich halte ein Regime auf konfessioneller Grundlage für unzulässig. Die Religion darf niemals zu einen politischen Instrument werden, weil sie dann die Einheit der Nation zerstören würde. Demgegenüber warf der frühere Ministerpräsident Bethlen Gömbös vor, er habe die Rassen schütz- Einladung an die Messebesucher in den 11 ii t ö;i! u n N'aclif. Maria Gisela J!;ui.smann I, Graben-Dorotheergasbe '.i Neueste Pariser und eigene Schöpfungen / K lein-Aufricht Tel. R-26-L'-95 Partei wieder ins Leben rufen wollen. Bethlen fügte hinzu, ein Wiederaufflammen des Antisemitismus sei zur ZJeit unmöglich, weil Ungarns wirtschaftliche und finanzielle Lage im gleichen Augenblick zusammenbrechen würde. Aehniiche Methoden des Nationalsozialismus hätten Deutschland in eine Isolierung geführt. (J. T. A.) Jüdischer Journalist Opfer eines Fememordes Strasburg, M). März. (J, T, A.) „Havas" teilt mit: Ein reje-hsdeutseher Emigrant, ein Journalist, der durch seine Schreibweise gegen das nationulsozialistisehe Regime im Deutschen Reich bekannt war und der vor einer Woche nach Rase! abgereist ist, wird vermißt. Die bisherigen Nachforschungen nach ihm waren vergeblich. Hie/.u ist noch zu melden: „Paris Midi*' veröffentlicht die Mitteilung, daß der Journalist Berthold .1 a k o b, der nach Hitlers Machtübernahme aus Deutschland flüchten, mußte und sieh in Straßburg niederließ, unter merkwürdigen Umständen spurlos verschwunden ist. Jakob sei am 9. März 7.u einem kurzen RcKuch nach Basel abgereist und wollte am nächsten Tag wieder zurückkehren. Seit jener Zelt fehlt von dem Journalisten jede Nachricht. Zwei an die Gattin Jakob» in Stnißburg gerichtete Telegramme, in welchen dieser Nachricht von sich gibt, sind erwiesenermaßen g e t ii 1 u c Ii t. Noch auffallender ist die Tatsache, daß der Gattin Jakobs von einem Unbekannten «ein gesamte« Bargeld ohne nähere Mitteilungen zurückgesendet Liebenswürdige Hausfrauen klagen nicht dem müde heimkommenden Manne über ihre aufreibende häusliche Tätigkeit. Sie wissen, claii Uebermüdung wirksam bekämpft wird durch den ständigen Gebrauch von DIANA* Franzbranntwein mit Menthol. Tägliche Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. Verlangen Sic ausdrücklich „DLYNA". Welsen SJq miittier.wcri>£Q HMü»imwgQi\ zurück« Religiöse Bedenken anläßlich der Maimoiudcs-Feicr Aus Warschau: Zur Maimonides-Feicr in Cordova wurde auch der misrachis tische Kulturvcrband „Jabnch" eingeladen. In einer Sitzung der Vcrbandslcitung wurde im Hinblick darauf, daß aus alter Zeit her noch ein „Che rem" (religiöser Bann) in Kraft ist, der Juden die Einreise nach Spanien, dem Lande der grausamen Judenverfolger, verbietet, die Frage erörtert, ob die Annahme der Einladung zulässig sei. Nach längerer Aussprache wurde beschlossen, eine Entscheidung des rabbinischen Rates des Misrachi darüber einzuholen, ob der Cherem angesichts der Neuordnung der Verhältnisse in Spanien noch als gültig" zu betrachten sei. Antisemitische Nazi-Propaganda in Belgien. Brüssel, 20. März. (J. T. A.) Das Organ der Katholischen Partei in Eupen-Malmedy, „Grcnz-Ech o", und der Brüsseler „Peuple" bringen ausführliche Berichte über die Nazi-Propaganda in Belgien. Die Gauführcr der deutschen Grenzorte sollen genaue Listen von. Personen besitzen, die sofort in Schutzhaft zu nehmen sind, wenn sie die Grenze überschreiten. Mehrmals wurde versucht, Flüchtlinge auf deutsches Gebiet zu locken. Von Be rl in bezog auch die „Antijüdische Liga" in Antwerpen ihr Geld, die die belgische Polizei aushob. Sie speiste drei antisemitische Wochenschriften ä la „Stürme r", besoldete 60 Propaganda-Reisende und besaß einen Fonds zur Bespitzelung der in Belgien lebenden deutschen Emigranten im Dienste der Gestapo. Ganz vorzüglich speisen Sie . . . ä la carte und auch Menü ... im Restaurant „Stefanie" ... II., Tabor- Htraße 12. Wiener Küche, Orient-Speisen! E Judensfaatspartei Oesterreichs Versammlung«- und Vcranataltungskalcndcr JteiSC. — UrtippO AVI|,\VU, luiii rwuuituiui, Avi., uiunii iiiB"! Hti'tiftR 102. halb!) Uhr ahenda, grolle Versammlung, Referent Dr. Sul. Wolf. Thema; AtiUjellii jllrllwho und ziunl.stinehe Probleme ^. .......>i ii_____ i~>......viii vir tj,.i. Ii., iv i. Sillium 1.1.-UI itutf mu, iiuiii <j ljiii in.............,......., problemn. Referent.; Cli. Mendel Hager. — J udcnntaatH.jiigend ßritfittonau. XX.. IlelnzelinunngHSse 20, halb!> Uhr abends. Referent: Oh. VrWv. Knlh. Thema: Entstehung und Kniwicklung der uioniatlöchen Opposition. Provinz, Leu hon: SuniHüigr, den ÜH. cl., halh n Uhr ahends, Vortragfies Herrn Rahh. 7)r. I, Z. K anno r (Wien), unKrhlieCend Vurimfeier. Ort der Verunstaltung: Leithen, Doniinikunci'gasfye!l (Oa.sl.hor „y.\\v .Sttidt (Jrux"), .1 u d e n h ii r g: Sonntfit?, den 21. d., halh 8 Uhr abend*, Vortrug de« Herrn Ra.bb. I>r. T. 55. K a n n e )• (Wien). Der Vortntfr findet hei Gottlieb, Judenblirg, KatfcrngtiHHO, «tatt, (I1IIIIIIIIIIIIIII1I1II1I1I11IIIIII1II1IIII1UIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIK •ludcuHtaat&partei OesterreiehH, Sektion XHl-XV. Einladung zu der arn Samstag, den 23. März 1035, in den Festsälen der Gastwirtschaft Stöger, XV„ Klenmayergassc 13, stattfindenden Akademie mit Tanz. Ifll'Stklassig« Jazz. Beginn 8 Uhr abends. EJntrec 8 1.20. UllJlIIIlllIlllIlilllllllllllllltUlUIUIlIIllllllllllIIIIlilllllllllJlli'