Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 449 (22.3.1935)
- Date
- 1935-03-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite l DIE NEUE WELL Nr. 44» WARUM sind die bekannten schwören viele Tausende auf STRUM-MAZZOTH runde Strum-Hazzoth so ausgezeichet vor allen anderen? die sie jeder anderen Marke vorziehen? t>et Hmtöe*- liialt voiet sdfi: ZÜS. piß JUuuttOH 9 fiPivwwvtmf UeU lotend Uecmc: Du SoUh sfuidU: Ick will deshalb HUt STRUM-MflZZOTH unter strengster Einhaltung aller orthodoxen- Kaschruth - Vorschriften besonders delikat sehmecken! B»,««^^—_______________ Besonders praktisch beim Kochen und Backen, sehr wohlschmeckend sind STRUM-HAZZOTH Grieß und Farvel — und überdies frische Ware 1935 STRUM-HAZZOTH essen, weil sie mir sehr gut munden .. und vor allem, well sie sehr hygienisch und nur von jüdischen Arbeitern erzeugt werden! DARUM Ueberau erhältlich! Wenn nicht in ihrer Nähe — bestellen Sie direkt bei sollen auch Sie dasPessach- Fest 1935 nur mit den bei Allen beliebten, vorzüglichen iM a z z o t h - Bäckerei STRUM" feiern und beim Einkauf auf die m m*m ■ Stampiglie .,14. STRUM" achten, roAZZOTn die jedes Paket trägt!!t ^| g y g^g II, Rotemsterngasse 11 Telephon R-41-8-71 ■und gab der Zuversicht Ausdruck, daß die Umorienticrung der Judenschaft vom liberalen zum konservativen Denken zuerst im konservativen Oesterreich gelingen werde, Ln der geistigen Großmacht, von der aus so oft gewisse Linien der Entwicklung ihren Ausgang genommen haben. Gegen die Vorstellung einer geheimen jüdischen Weltmacht empfiehlt der Vortragende den Juden, aus ihrer politischen Tarnung herauszutreten und auf der politischen Ebene im öffentlichen Leben als Juden aufzutreten. Er besprach dann noch verschiedene aktuelle Fragen, wie die Berufsschichtung der Juden, die ,,Judenpresse", der gegenüber eine „wirklich jüdische Presse geschaffen werden müsse, u. a. m." Die „Reichspost" bemerkt abschließend: „Der Vortrag fand viel Interesse und hinterließ bei den Hörern die Uebcrzeugung, daß eine offene Auseinandersetzung mit Anschauungen, wie sie der Vortragende vorbrachte, fruchtbar und für die praktische Gestaltung der Dinge von Bedeutung werden könnte. Erschwerend und hemmend wirkt.der Umstand, daß nicht feststellbar ist, wie groß die. Zahl der Volks- und Glaubensgenossen des Vortragenden ist, die seine Anschauungen teilen. Die Mehrzahl der Stimmen, die aus dem jüdischen Lager in die Oeffentlichkeit dringen, gibt, soweit darin überhaupt eine gewisse einheitliche Linie wahrnehmbar ist, zu optimistischer Beurteilung weit weniger Anhaltspunkte." * In der Neuen Welt" wird, immer und immer darauf hingewiesen, daß Aufklärung und sachliche, auch nur einigermaßen gedeihliche Behandlung der Judenfrage nicht anders vorbereitet werden können, als durch direkte Aussprache zwischen Juden und Nichtjuden, von Mann zu Mann, von Volk zu Volk. Ohne diese Vorbereitung bleibt der Verkehr zwischen offiziellen jüdischen und. nichtjüdischen Stellen und die Behandlung des jüdischen Problems durch diese Stellen wenig wertvoll und zweckdienlich. In Oesterreich ist .es, besonders in letzter Zeit, häufig — vielleicht allzuhäufig — zu solchen offiziellen „Kundgebungen" gekommen: Von Seiten der Regierung die Erklärung, daß sie gewillt sei, die „Gleichberechtigung" der jüdischen Bürger zu wahren, und Zusicherung der Loyalität gegenüber der staatstreuen Judenschaft. Von Seiten der offiziellen jüdischen Stellen Forderung, nach Gleichberechtigung und Beteuerungen der Loyalität. So geht, es hin und her und der Klang dieses Meinungsaustausches wird immer hohler. Inzwischen erfolgt nichts, was als ein ernster Versuch der Lösung betrachtet werden könnte. Die Haltung gegenüber den Juden wird merkbar abweisender und die österreichische Judenschaft fühlt sich mehr und mehr bedrückt und wird unzufriedener. Je mehr offiziell erklärt wird, desto weniger geschieht etwas. Man redet viel und läßt den Dingen ihren schlechten Lauf. Von diesem Gesichtspunkte aus ist der Versuch, Juden vor interessierten Nichtjuden frei sprechen zu i lassen und umgekehrt, sehr zu begrüßen. Vor einigen Wochen hat der bekannte katholisch-politische Schriftsteller Pater Cyrill Fischer im Kreise zionistischer Akademiker gesprochen und jetzt der Jude Hans Kandl vor katholischen Akademikern. Das ist ein guter Anfang. Es ist wahrlich wenig wichtig, ob die Redner in jedem Detail hundertprozentig Zutreffendes sagen. Die freie Aussprache ist ja dazu bestimmt, alles auf das richtige Maß zu bringen. Ebensowenig ausschlaggebend ist die von der ..Reichspost" aufgeworfene Frage, „wie groß die Zahl der Volks- und Glaubensgenossen des Vortragenden ist, die seine Anschauungen teilen". Die Hauptsache ist, daß man die Vorbedingung für die B i 1 d u n g richtiger Meinungen und Anschauungen schafft. Die Beschränkung der Behandlung der jüdischen Frage auf offizielle Stellen Ist unzweckmäßig und kann gefährlich werden, denn sie ist danach angetan, die Bildung richtiger Meinungen zu verhindern. Die freie Aussprache in Kreisen, welche eine auf den Grund gehende Behandlung der Judenfrage ehrlich wünschen, ist das Wichtigste. Sie allein kann bewirken, daß richtige Anschauungen auf beiden Seiten zum Durchbruch kommen. Heute gibt es wenige ehrliche und vernünftige Meinungen in der Judenfrage, dafür sehr viele von beiderseitiger Unkenntnis herrührende Vorurteile. Diese können am leichtesten überwunden werden, wenn ehrlich gewillte und lernbercitc Menschen zusammenkommen und frei zueinander reden. Der Sprechabend, bei dem ein Jude vor einem katholischen Forum die Judenfragc behandelte, ist, wie gesagt, als Beginn einer weiteren Diskussion erfreulich. Selbstverständlich kann hier das, was der Referent ausführte, in allen seinen Teilen und Folgerungen nicht bindend und endgültig sein. Aber es besitzt die Kraft, sich wohltätig für das gegenseitige Verständnis auszuwirken. In diesem Sinne müssen solche Sprechabende -willkommen sein. das ezste und $üUe&%de> *wd cu*n&9%Uckc RESTAURANT SPRITZER (früher im „National", dann im „Stefanie") jetzt II, Hammer-Purgstall-Gasse 7 (Nähe Dianabad), bringt vorzügliche, abwechslungsreiche Mittagsu. Abend-Menüs schon ab Schilling 1.60. Bekannt gute Wiener Küche und alle orientalischen Spezialitäten fgLV am Rost und Spieß ~W Zur jsidfeclieii Hodisdiul? §tai£§fik Von Josef Frankel (Wien) In der antisemitischen Presse wird in fast jedem Judenartikel darauf hingewiesen, daß die Hochschulen „verjudet" und Numerus-clausus-Gesetzc notwendig seien. Das wiederholte Betonen der Antisemiten, daß zu viele Juden an der Hochschule studieren, hat sogar bei der j üdischen Bevölkerung den Eindruck erweckt, daß die Hochschüler wirklich „verjudet" seien. Zahlen widerlegen diese Uebertreibungen. Allgemein wurde vor einigen Jahren die Zahl der jüdischen Hochschüler der Welt auf etwa 6 0.0 0 0 g cs c h ä t z t (h e u t e a u f c t w a 4 0.0 0 0). Bei keinem Volk ist die Zahl der akademischen Studenten so sehr gefallen v/ie beim jüdischen . . . Viele der inskribierten Juden betreiben jetzt neben dem Hochschulstudium noch ein Handwerk, um bei der ersten Gelegenheit die Hochschule zu verlassen und nach Palästina auszuwandern. In den letzten Jahren haben in Wien allein über 250 Studenten das Studium unterbrochen und befinden sich heute als Arbeiter in Palästina. Die Juden beginnen einzusehen, daß das Hochschulstudium Luxus ist. Der nichtjüdische Akademiker findet fast immer eine Existenzmöglichkeit — dafür sorgt schon der Staat. Es gibt wohl selten einen nichtjüdischen Rechtsanwalt oder Arzt, der hungern müßte, dagegen muß der jüdische Akademiker sich beruflich umstellen, wenn er nicht die Zahl der erwerbslosen jüdischen Akademiker vergrößern oder der jüdischen Gemeinschaft zur Last fallen will . . . :(: Die jüdischen Studenten Wiens waren die ersten Propagatoren der nationaljüdischen Sache. Jahre v o r Herzl, erst recht zur Zeit Herzls, entstanden jUdisch-akademiöche Vcbindungcn und Vereine, welche die Grundlagen zur zionistischen Bewegung schufen: Juden — ein Volk! Palästina — unser Land! In den letzten Jahren wurden — abgesehen von Ausnahmen — die jüdischen Hochschüler von Lässigkeit, befallen. Heute, nach zwei Jahren Hitler-Regimes, bekennt sich die Majorität der inskribierten Hörer zu allen denkbaren Nationen, nur nicht zur jüdischen. Ueber 50 Prozent der inskribierten Studenten schämen sich ihrer jüdischen Volkszugehörigkeit. Aenderung des Vor- und Familiennamens ist an der Tagesordnung. Aus Simon wird Siegfried, aus Breindl wird Brunhilde, aus Scheine Susanne, auß Menachem Mendel — Maxwell. Der aus Polen Stammende oder in Rußland Geborene erscheint (als Kind von Auswanderern) als Mitglied der amerikanischen Nation. Es gibt zudem noch konfessionslose und staatenlose Juden, Juden „ohne Nation". Der eine jüdische Student trägt in der Tasche ein Gesuch um Namensänderung, in der Mappe eines um Konfessionsänderung. Die Prozedur ist mit der Entrichtung von Gebühren verbunden. Aber die Aenderung oder Verheimlichung oder Unterschlagung der Nation kann man gratis besorgen. Liegt ndcht eine Irreführung der Behörden vor, wenn jüdische Hochschüler, die aus Ungarn, Jugoslawien, Kumänien, Litauen usw. stammen, „aus gewissen Gründen" eine deutsche Nation angeben? Aus Gründen etwa der Gleichstellung mit den Inländern? Das ist natürlich purer Irrsinn. Denn die Gleichstellung hängt zunächst mit der Würdigkeit des Gesuchstcllers zusammen und zweifellos nicht mit dem Versuch, den akademischen Senat durch falsche Deklarierung irrezuführen. :!•• An der Wiener Universität haben im Wintersemester 1934/35 1975 jüdische Hörer inskribiert (im Somrjersemestcr 1934 1988): Juristen: 3 0 2 (S.-S. 1934: 395) Mediziner: 1167 (S.-S. 1934: 1152) Philosophen: 5 0 6 (S.-S. 1934: 441) 1975 (S.-S. 1934: 19 8 8). Juden nach Nationen an der Wiener Universität: Juristen: 302 Mediadner: 1167 Philosophen: 506 Jüdische Nation: 117 (38"0) 600 (51%) ( 254 (50%) Oesterreichische Nation: 62 (20?o) 135 (11%) 103 (20%). Deutsche Nation: 117 (.38?o). 205 (17%) 132 (26%) , Der Rest verteilt sich auf weitere zwölf Nationen. An der Hochschule für Welthandel inskribiert (im Sommersemester 1934: 1988): Hörer (vor wenigen Jahren waren daselbst über 500), davon gaben an: 53 jüdische Nation (52%), 20 österreichische Nation (19%), 10 deutsche Nation (9%). An der Hochschule für Technik inskribierten 2 3 4 Juden (vor wenigen Jahren waren es gegen 400), davon gaben an: 71 jüdische Nation (30%), 62 Österreichische Nation (26%), 69 deutsche Nation (29%), 17 ungarische, 2 rumänische, 2 bulgarische, 2 polnische, 2 amerikanische, 1 jugoslawische, 1 russische Nation. An der tierärztlichen Hochschule gibt es 6 inskribierte jüdische Hörer. (Nach Nationen: 2 jüdische, 2 österreichische, 1 russische, 1 jugoslawische Nation). An den Wiener Hochschulen gibt es 2 317 jüdische Hörer (davon gegen 30% Ausländer, die nach Absolvierung der Studien Wien verlassen): 1097 oder 47% jüdische Nation 533 oder 23% deutsche Nation 384 oder 14% österreichische Nation Die Zahl der jüdischen Hochschülcr ist in den letzten Jahren an den österreichischen Hochschulen um mehr als tausend gefallen. Es ist auffallend, daß die Zahl der Jüdinnen, die mit der jüdischen Nation nichts zu tun haben wollen, viel größer ist als die der Juden. Interessant ist, festzustellen, daß 14% der jüdischen Studenten „österreichische Nation" angeben. Die offiziellen Stellen haben nie verlangt, daß Juden ihre Nation verleugnen. Treue Staatsbürger — ja, aber nicht Fälscher! Denn jeder Jude, der nicht ins Nationale „jüdisch" schreibt, fälscht die Wahrheit. Es ist hier nicht der Platz, zu untersuchen, warum sich die Majorität der jüdischen Studentenschaft von der jüdischen Nation abwendet. Die einstige Parole: „Jüdischer Student, halte dich fern von der jüdischen Politik" hat sich als grundfalsch erwiesen. Die jüdischen Studenten haben sich eben von der jüdischen Politik zur nichtjüdischen Politik gewandt. Und die nichtjüdische Politik hat den jüdischen Studenten vom Judentum entfernt. Wiederum antijüdischc Flugblätter in Palästina Aus Jerusalem: Der Jüdischen Telegraphen- Agentur wird von der Palästina-Regierung mitgeteilt, daß die Polizei in dieser Woche verbreitete Flugblätter mit antljUdlschcn Boykottlosungen kon» fisziert hat. Verhaftungen sind nicht vorgenommen worden.